Buchbesprechung – Legendäre deutsche Rallyes

Die Rallyeszene in Deutschland hat es gegenüber anderen Rennveranstaltungen immer schwerer gehabt – daran ist sicherlich auch die mangelnde TV-Präsenz Mitschuld. Dabei hat Deutschland auch als Austragungsland durchaus interessante Rallyes zu bieten und auch in der Vergangenheit geboten. Einen Überblick über die legendärsten Rallyes Deutschlands gibt nun ein neues Buch von Hans-Peter Lohmann.

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Das Buch teilt sich in vier übersichtliche Kapitel auf und startet nach dem Vorwort des Autors und einem weiteren Vorwort von Rallye-Legende Walter Röhrl zunächst mit einer kurzen Geschichte des Rallyesports in Deutschland. Des Weiteren werden in Kapitel 1 die wichtigsten Menschen im deutschen Rallyesport vorgestellt. Sowohl die wichtigsten Funktionäre in Ost- und Westdeutschland werden dabei gewürdigt als auch die bekanntesten Fahrer wie Hermann Gassner, Jochi Kleint und natürlich Walter Röhrl.

Kapitel 2 geht nochmal auf die Ursprünge der deutsche Motorsportgeschichte ein und betrachtet ausführlich die wichtigsten Langstrecken- und Zuverlässigkeitfahrten. Diese stellten die Basis für den heutigen Rallye-Sport dar und waren damals vor allem beliebt um die Standhaftigkeit der aktuellen Automobil-Modelle unter Beweis zu stellen. Es galt aber auch die Navigation zu beachten und die teilweise vorgegebenen Zeiten der Rennleitung einzuhalten. Das bereits im Jahr 1905 bei der Herkomer Konkurrenz eine Strecke von 917 Kilometer zurückgelegt wurde beeindruckt noch heute.

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Im Hauptkapitel werden schließlich die „Legendären Rallyeveranstalungen“ in Deutschland vorgestellt. Dabei wirft der Autor geschickt einen Blick auf Ost- und Westdeutschland, so dass auch die interessanten Rallyeveranstaltungen in der ehemaligen DDR entsprechend gewürdigt werden. 25 Veranstaltungen wurden ausgewählt wobei der Autor bereits im Vorwort darauf hinweist das die Auswahl sehr schwer viel, da viele Rallyes jedes Jahr anders gestaltet werden. Ein identischer Streckenverlauf ist zumeist nicht gegeben.

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Eine der herausragenden Veranstaltungen war ohne Zweifel die 1972 ausgetragene Olympia Rallye. Diese führte die 307 bestätigen Teilnehmer von Kiel nach München. 3371,2 km waren dabei zurückzulegen, davon  583,5 km auf 62 Wertungsprüfungen. Acht Tage vor der Eröffnung der olympischen Sommerspiele in München waren die noch übrigen 145 Rallyefahrzeuge ins Ziel gekommen. Sieger wurden übrigens Nicolas/Todt auf Renault Alpine A110 – der Name Todt spielt heute noch eine große Rolle im Motorsport. Jean Todt ist aktuelle Präsident der FIA.

Weitere Veranstaltungen sind unter anderen die Hunsrück-Rallye, die Rallye Deutschland und die Pneumat-Rallye – ein beeindruckender Querschnitt. Leider werden bei einige Rallyes die Resultate der einzelnen Jahre heruntergerasselt und es wird deutlich das der Platz doch sehr beschränkt war.

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Abschließend werden noch die legendären Fahrzeuge der Rallyeveranstaltungen vorgestellt. Hier fehlt kein klassisches Rallye-Fahrzeug: Audi Quattro, Lancia 037, Ford Escort, Austin Rover Metro 6R4 und und und …
Diese legendäre Fahrzeuge können heute bei vielen Veranstaltungen bei den Slowly Sideways in Aktion begutachtet werden. Die Homepage von den Initiatoren Reinhard und Sebastian Klein www.slowlysideways.com gibt genaue Auskunft über alle Fahrzeuge und Termine.

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Das Buch stellt grundsätzlich eine gekonnte Umsetzung des Themas dar. Allerdings ist hier das Layout eher altbacken und die Texte häufig einfach zu knapp geschrieben. Die Bilder im Buch beeindrucken, aber ein richtig rundes Bild kann das Buch leider nicht vermitteln. So fragt man sich z.B. warum auf jeder Seite unten eine angeschnittene 23 stehen muss?!?

Bibliografie: Legendäre deutsche Rallyes, Autor: Hans-Peter Lohmann, 240 Seiten, 69 s/w- und 210 Farbabbildungen, 49 Karten, 210 x 242 mm, gebunden mit Schutzumschlag, 29,90 €, ISBN-Nr.: 978-3-613-03636-9

Fotos: Lancia, Motorbuch Verlag, Marco Rassfeld