Buchbesprechung – Schlafende Auto Schönheiten wachgeküsst

Das Buch mit dem Titel „Schlafende Schönheiten“ erschien erstmals im Jahr 1986 und warf einen Blick auf Autos die in Scheunen und im Freien vor sich hin alterten. Viele Liebhaber waren versessen auf die Autos und ihre Geschichte. Ein neues Buch aus dem Motorbuch Verlag begibt sich auf die Spur der Geschichte rund um die Automobile.

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Der damalige Fotograf Herbert Nesselmann hatte dem Besitzer der Automobile Anonymität zugesichert und im Buch war lediglich eine grobe Angabe des Ortes und die falsche Namensangabe „Pierre“ zu finden. Der echte Besitzer ist heute bekannt und liefert ein tolles Vorwort zum Buch. Michel Dovaz erläutert die damaligen Geschehnisse rund um seine kleine, aber seine feine Automobilsammlung und liefert dazu tolle Anekdoten. Ein wirklich super Einstieg!

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Auf den folgenden Seiten, die unter dem Kapitel „Die Geschichte der Schlafenden Schönheiten“ zusammengefasst sind, blickt das Buch zurück auf die Entwicklung rund um die Automobilsammlung. So musste die Sammlung kurz nach Bekanntwerden des Aufenthaltsortes durch einen Artikel im Stern zwangsweise an einen neuen geheimen Ort geschafft werden um diese vor allem vor Dieben zu schützen. Im schlimmsten Fall war gar einen Vorderachse aus einem Bugatti entwendet worden und Michel Dovaz setzte gemeinsam mit Fotograf Hesselmann einen aufwendigen und kostspieligen Umzug mit vielen Automobilen um. Dieser sollte der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden um zu verdeutlichen das die Automobile nicht mehr am ehemals geheimen Ort verwahrt werden.

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Im Jahr 1989 konnte einige Automobile in einem Automuseum ausgestellt werden aber durch die vermutlichen Forderungen des Finanzamtes für die wertvolle Sammlung sah sich Dovaz im Jahr 1990 bereits gezwungen das Museum wieder zu schließen und seine   Sammlung weitestgehend aufzulösen. Somit verstreuten sich die Fahrzeuge in verschiedene Richtungen. Die Autoren stellen im weiteren Verlauf des Buches die Fahrzeuge vor und haben in detektivischer Kleinstarbeit versucht den Verbleib der einzelnen Fahrzeuge nachzuvollziehen. Diese Vorstellungen gliedern sich in sieben weitere Kapitel und stellen somit ohne Frage den Hauptteil des Buches dar.

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Beim ersten Kapitel handelt es sich um die für viele interessantesten und wertvollsten Schätze der Sammlung – neun Bugatti’s die im Original-Buch „Schlafende Schönheiten“ präsentiert wurden. Zu jedem Fahrzeug bereitet das Buch soweit möglich die Geschichte konkret auf. Neben einer kurzen Vorstellung des Modells finden sich zumeist die Vorbesitzer wieder als auch die Entwicklung nach der Auflösung der Sammlung. Dazu werden die wichtigsten technischen Daten tabellarische aufgeführt und eine Menge an Abbildungen unterstützen die Präsentation. Hier werden möglichst Abbildungen aus unterschiedlichen Epochen genutzt um die einzelnen Fahrzeuge vorzustellen. Dabei gibt es Foto von stolzen Erstbesitzern, von der Verladung beim Umzuge, von der Ausstellung im Museum und von den Restaurationen sowie dem aktuellen Zustand. Der Leser bekommt häufig eine sehr detaillierte Geschichte in Wort und Bild präsentiert.

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Neben den Bugatti’s aus dem Buch besaß Dovaz noch 12 weitere Exemplare der französischen Marke die auch kurz vorgestellt werden. Nach den Bugatti’s entfachte in Dovaz eine Leidenschaft für die Marke Lancia, von denen er neun Exemplare besaß. Des weiteren kamen Modelle von Alfa Romeo, Ferrari, Siata und Maserati hinzu. Heute finden sich in der Nähe von Pomport im Périgord noch 10 Schlafende Schönheiten gemeinsam mit 25 weiteren Fahrzeugen auf einem privaten Weingut – auch diese stellt das Buch im gewohnten und detaillierten Stil in einem eigenen Kapitel vor.

Weitere Exemplare wie Aston Martin DB2, Bentley Mark VI, Hotchkiss Grégoire und Lincoln Zephyr Club Coupe werden im Kapitel „Klasse statt Masse“ präsentiert. Schließlich folgt auch noch ein Blick auf die Modelle aus der Massenproduktion wie Citroën 2CV und Volkswagen K70 die sich auch im Besitz von Dovaz befanden.

Zum Abschluss bietet das Buch noch die üblichen Danksagungen und das Literaturverzeichnis aber auch noch eine übersichtliche Auflistung der Schlafende Schönheiten mit Verbleib und einen Lageplan des alten Anwesens auf dem die Ursprungsbilder geschossen wurden. Hier kann der Leser nachvollziehen wo welches Automobil gestanden hat. Die GPS-Koordinaten der Schauplätze bilden den wirklichen Abschluss.

Fazit: Mit unglaublichen viel Hingabe haben sich die Autoren auf die Suche nach den Schlafenden Schönheiten begeben und in einem tollen Buch arbeiten sie die Geschichten rund um die Fahrzeuge auf. Durch die direkte Mitwirkung von Michel Dovaz konnten sicherlich einige Ungereimtheiten gelöst werden.
Die Präsentation der Fahrzeuge ist zweigeteilt und bei den Schlafenden Schönheiten sehr detailliert und komplett, die anderen Modelle werden nur kurz vorgestellt. Durch den Einsatz von viel Bildmaterial kann der Leser die einzelnen Fahrzeuge sehr gut in ihrer Entwicklung verfolgen. Die Bildqualität ist dem Alter geschuldet nicht immer gut, aber der Charme der Bilder bleibt erhalten.
Die technische Umsetzung des Buches ist gut – die Bildwiedergabe entspricht wie bereits erwähnt den Vorlagen und die Bindung erfüllt ihren Zweck, weckt aber leider nicht ein sehr hochwertigen Eindruck.
Für den Preis von 29,90€ bietet das Buch eine spannende Reise auf den Spuren der Schlafenden Schönheiten. Die niederländische Originalausgabe erschien bereits im Jahr 2008. Für Freunde klassischer Automobile, Scheunenfunden und natürlich der Schlafenden Schönheiten ist das Buch sicherlich uneingeschränkt empfehlenswert und nicht zu teurer eingepreist.

Bibliografie: Schlafende Auto-Schönheiten wachgeküsst, Autoren: Ard op de Wegeh,  Kay Hottendorff, Arnoud op de Weegh, 192 Seiten, 23 s/w Bilder & 257 Farbbilder, 240 x 280 mm, gebunden, 1. Auflage 07/2015, 29,90 €, ISBN-Nr.: 978-3-613-03793-9
Bestellbar beim Verlag unter: http://motorbuch.de/

Text: Marco Rassfeld
Fotos: www.bugattipage.com, Motorbuch Verlag, Marco Rassfeld