Buchbesprechung – Renault Alpine

Geschichte – Technik – Mythos. So lautet der Untertitel zum neuen Buch aus dem Motorbuch Verlag. Die Alpine waren sportliche Ableger der französischen Brot-und-Butter-Marke Renault. Heute sind vielen halbwegs automobilaffinen Menschen noch die verschiedene Modelle im Gedächtnis und das Buch wirft einen Blick auf die Fahrzeuge der französischen Firma.

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Das Buch startet zunächst mit einem Nachruf für Jules Bianchi, der an den Folgen eines Unfalls im Jahr 2015 verstarb. Der Name Bianchi ist mit Alpine durch die Renneinsätze von Mauro und Lucien Bianchi eng verbinden. Dann folgen schließlich Vorworte der beiden Autoren und von Christian Etui, der am Volant der Alpine-Rennwagen saß. Nach einer kurzen Einleitung startet das Buch dann mit der Geschichte der Marke Alpine. Die wichtigste Person ist ohne Frage Jean Rédété der Schöpfer der Marke Alpine und somit derjenige, der die sportliche Optimierung der Renault-Modelle vorantrieb.

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Die Autoren arbeiten die Geschichte der Marke sehr konsequent und mit viel Liebe zum Detail auf. Nebenschauplätze werden in extra Bereichen erläutert und so gibt es auch oft einen Blick über den Tellerrand. Zudem liefert das Buch eine beeindruckende Auswahl an Bildmaterial z.b. von der ersten Präsentation des A106, dem ersten Modell von Alpine auf Basis des Renault 4CV. Neben klassischen Abbildungen kommen aber auch immer aktuelle Aufnahmen hinzu die natürlich eine besser Qualität haben aber eben den alten Charme vermissen lassen. Der Anspruch des Buches war aber möglichst viel noch nicht bekanntes Bildmaterial zu veröffentlichen und nicht nur auf die alten Werksfotos die allgemein bekannt sind zu vertrauen. Dies ist ohne Frage gut gelungen-

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Die Geschichte nimmt den meisten Platz im Buch ein und auf knapp 140 Seiten werden alle Modelle berücksichtigt. Nach der A106, die in nur knapp 300 Exemplare entstand, folgte die A108 basierend auf dem Renault Dauphine. Dieses Modell wurde auch in Brasilien unter der Bezeichnung Willy Interlagos und in Spanien als und FASA Alpine A108 in Lizenz gefertigt und verkauft. Somit hatte das Modell einen großen Anteil an der internationalen Bekanntheit der Marke Alpine. Der wohl heute noch bekannteste Alpine dürfte die A110 sein welche mit 7.500 Exemplaren auch ein großartiger Erfolg darstellte. Zudem gelang Alpine mit der kleinen A110 beachtliche Rennerfolge, welche den Verkauf immer wieder ankurbeln konnten. Auch hier wurde Lizenzmodelle von FASA in Spanien, DINA in Mexiko und Bulgaralpine in Bulgarien produziert. Die Produktion lief von 1963 bis 1978 – eine erstaunlich lange Zeit für ein Automobil.

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Die kleine A110 konnte in den kleinen Klassen große Erfolge einfahren, aber Alpine strebte nach Größerem und mit dem neuen Modell A310 zog man in eine höhere Klasse. Die A310 wurde das erfolgreichste Fahrzeug mit 11.616 produzierten Exemplaren. Parallel liefen schon Programme im Rennsport mit Formel-Fahrzeuge der Formel 3 und Formel 2 sowie den Sportprototypen. Mit diesem wollte man das Ziel des Gesamtsieges beim 24 Stunden Rennen in Le Mans erreichen. Durch die Übernahme von Alpine durch den Staatskonzern Renault, die im Jahr 1973 ihren Anfang fand, konnte dieses Ziel mit viel Engagement weiterverfolgt werden. Mit dem A442B gelang es im Jahr 1978 dann endlich – der Sieg in Le Mans! Ein voller Erfolg im Motorsport, zu den angedachten Formel 1-Einsätze kam es aber leider nicht. Direkt nach dem Sieg in Le Mans wurden die Rennaktivitäten eingestellt.

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Bei den Serienfahrzeugen lief der A310 wie schon erwähnt sehr gut und die Nachfolger GTA und A610 konnte nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Mit dem Einstellen der A610 im Jahr 1995 wurde auch der Markenname Alpine eingestellt. Aber der Geist lebt mit Modelle von Renault Sport bis heute weiter und brachte z.B. auch den Renault Sport Spider hervor. Auch bei den Renault 5 Alpine und Turbo-Modellen waren die Ingenieure von Alpine beteiligt.

Der Bericht Technik zeigt schließlich die technischen Details aller Modelle inkl. technischer Daten und Produktionszahlen. Des Weiteren gibt es einen Blick in die Prospekte.
Der Mythos gibt in erste Linie einen Ausblick auf die mögliche Zukunft der Marke. Schon mehrere Studien zum Thema Alpine wurden von Renault vorgestellt und ein erster Plan ab 2010 wieder Fahrzeuge unter dem Label Alpine zu produzieren schlug aufgrund der Insolvenz von Partner Caterham fehl. Den neuesten Angaben zu Folge ist nun ein Start im Jahr 2017 geplant. Einen Blick wirft das Buch noch auf ausgewählte Modelle und die Clubszene. Und zum Abschluss stellt es die Chronologie der Alpine-Historie dar, in der alle Ereignisse kompakt nachvollzogen werden können.

Fazit: Das Buch bietet in erster Linie einen sehr guten Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der französischen Kultmarke Alpine. Zudem erhält der Leser eine komplette Auflistung der vielschichtigen Technik und einen Blick in die Zukunft mit den aktuellen Studien.
Durch viele Abbildungen ist es dem Leser auch jederzeit möglich die beschriebenen Ereignisse zu verfolgen. Die Mischung an alten und neuen Bildern ist perfekt.
Leider wirkt das verwendete Layout ein wenig angestaubt und kann nicht begeistern. Zudem hat man beim Lesen des Öfteren leichte Orientierungsprobleme, da eine klare Struktur fehlt und teilweise Aspekte wiederholt auftauchen.
Die technische Umsetzung von Druck und Bindung sind dagegen gut und stellt eine solide Basis dar.
Der aufgerufene Preis von 34,90€ ist für das Gebotene absolut gerechtfertigt und liefert dem Leser ein vollumfängliches Buch zum Thema. Für Fans der Marke ist das Buch so oder so ein Muss!

Bibliografie:
Titel: Renault Alpine – Geschichte – Technik – Mythos
Autoren: Andreas Gaubatz, Jan Erhartitsch
Umfang: 224 Seiten, 51 s/w Bilder & 340 Farbbilder
Format: 230 x 260 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 02/2016
Preis: 34,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-613-03797-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Renault, Marco Rassfeld

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