Magazin – Motor Klassik Oktober 2016

Die Oktober-Ausgabe der Motor Klassik ist nun im Handel erhältlich. Schon beim Vorwort widmet sich Chefredakteur Hans-Jörg Götzl einem wichtigen Thema. Durch die ansteigende Zahl an Automobilen mit H-Kennzeichen mehren sich die Stimmen, die eine mögliche Zuweisung erst ab einem Alter von 40 Jahren fordern. Dabei wägt Götzl die Argumente beider Seiten gekonnt ab. Ein gelungener Einstieg in die Welt der klassischen Automobile. Die Highlights der Oktober-Ausgabe im Detail.

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Zwei US-Amerikanische Ikonen zeigen sich im Vergleich der „Generationen der Gewalt“. Die klassische Cobra in seltener Ausprägung in Form des 427 mit mächtigen 7-Liter-V8-Motor. Durch die Implantation eines Ford-V8 durch Carroll Shelby in einen englischen AC Ace konnte im Jahr 1962 die Ur-Cobra 260 präsentiert werden. Kurze Zeit später folgte schon die Cobra 289 mit der selben schmalen Karosserie ehe schließlich der knapp 370 PS starke 427 mit deutlich modifizierter, vor allem breiterer Karosserie vorgestellt wurde. Mit lediglich 316 hergestellten Exemplare blieb er aber auch eine echte Rarität. Doch das Modell weckte offensichtlich große Begierde und so entstanden unzählige Nachbauten, die in jeglichen Leistungsklassen verfügbar waren. Der Wert einer echte Cobra 427 ist heute schon im siebenstelligen Euro-Bereich angesiedelt. In den 90er Jahren arbeitete Shelby dann mit Chrysler zusammen um einen legitimen Nachfolger der Cobra zu erschaffen. Nach der Vorstellung einer komplett offenen Studie im Jahr 1989 auf der Detroit Motor Show folgte ab 1992 die kaufbare Variante mit geschickt integriertem Bügel. Als Motor stand ein 8-Liter-V10-Motor aus den Nutzfahrzeugen von Dodge parat. Durch die Überarbeitung des Motors beim damaligen Familienmitglied Lamborghini wurde dieser auf Sportlichkeit optimiert. So erreichte die Viper knapp 400 PS und konnte in der ersten Serie bis 1995 in knapp 6.000 Exemplare produziert werden. Heute stellen beide Modelle wichtige Automobile der US-Amerkanischen Sportwagen dar und der Vergleich weckt ohne Frage erneut Begehrlichkeiten …

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Eine weitere Sportwagen-Ikone ist der Berlinetta Boxer von Ferrari. Im Jahr 1973 wurde er als letzter Sproß der 365-Familie von Ferrari mit ultramoderner und extrem flacher Karosserie lanciert. Der Motor war eine komplette Neukonstruktion und hatte mit den bisherigen V12-Motoren der Ferrari 365 kaum etwas gemein. Zugleich war er der erste Ferrari für die Straße mit Mittelmotor und trug das Konzept aus dem Motorsport somit als erstes auf die Straße. Nach nur 387 Exemplare wurde er vom 512 BB abgelöst, bei dem der Hubraum von bisher 4,4-Liter auf 5,0-Liter erhöht wurde. Dazu gab es einige kleinere Modifikationen. Die Motor Klassik stellt ein einmaliges Exemplar vor, welches in akribischer Kleinarbeit von André Herklotz restauriert wurde. Das besondere an dem 365 GT/4 Berlinetta Boxer, so die korrekte Bezeichnung, ist die Farbe Verde Germoglio. Ein kräftiges Grün, welches dem Sportwagen ungemein gut steht. Die Farbe kam aber erst bei der Restauration wieder zum Vorschein, da der Besitzer den Wagen nach zehn Jahren im fast schon langweiligen Rot lackieren ließ. Die Geschichte dieses einmaligen Ferrari ist absolut lesenswert und die Bilder bilden den Ferrari sehr gut ab. Der Leser kann so den Artikel in vollen Zügen genießen.

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Bei der monatlichen Restauration kommt ein weiterer Italiener zum Vorschein. Dabei handelt es sich um einen seltenen Fiat Topolino Sport Spider mit Weinsberg-Karosseire. Mit etwa 300 produzierten Exemplare können die Leser der Motor Klassik gleich einen weiteren seltenen, automobilen Schatz genießen. Mit den bisherigen Sportwagen kann der regulär 13 PS starke Fiat zwar nicht mithalten, aber das der Kleine eine gewisse Faszination ausstrahlt, steht ebenso außer Frage. Auch hier ist die Geschichte hinter der Restauration, die Bernd Schwetlick in fast unglaublichen elf Jahren durchgeführt hat, besonders interessant. Der Fiat war im desolaten Zustand als er als gescheitertes Azubi-Projekt in die Hände von Schwetlick gelangte und die Restauration führte den Fiat in diversen Werkstätten in Europa. Das Ergebnis kann sich aber absolut sehen lassen und lässt die sicher schwierige Zeiten der langen Restaurationsphase schnell vergessen. Tolles Auto!

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Bei einem weiteren Vergleich wirken die beiden vorgestellten Automobile fast wie Zwillinge. Der Jaguar Mk II ist vielen als klassische, englische Sportlimousine sicher bekannt. Ausgestattet mit einem 2.5-Liter großen Reihen-Sechszylindermotor lieferte die Basisversion immerhin 120 PS. Der legendäre XK-Motor XK von Jaguar war aber auch mit 3,4- und 3.8-Liter Hubraum verfügbar. Mit diversen Einsätzen im Motorsport konnte die Sportlichkeit der Limousine nachhaltig bewiesen werden. Sein weniger bekannter Bruder hat da aber ganz andere Ansprüche. Als Daimler besitzt die selbe Karosserie war aber unter der Typenbezeichnung 2.5 V8 eher in Richtung Luxus ausgelegt. Er stellte nach der Übernahme durch Jaguar im Jahr 1960 den ersten Daimler unter der neuen Führung dar und gleichzeitig wurde der von Daimler für den Sportwagen SP250 konstruierte Motor zum letzten Mal eingesetzt. Der Artikel stellt die Unterschiede der beiden Modelle gut heraus und liefert wie selbstverständlich auch eine kompetente Kaufberatung.

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Weitere Themen die den Leser der Oktober-Ausgabe der Motor Klassik erwarten: Ein Fahrbericht mit zwei klassischen Sportcoupés der 70er Jahre, dem Ford Capri 1700 GT und dem Opel GT 1900, ein Überblick über interessante Reiseziele für Klassiker im Herbst und ein Porträt über den Benz-Experten Winfried A. Seidel. Dann gibt es eine umfassende Kaufberatung über den Mercedes-Benz W123, eine Empfehlung für sieben günstige Youngtimer für den Winter und ein Bericht zu den Classic Days auf Schloß Dyck. Mit der Sachsen Classic blickt das Magazin auf eine weitere Veranstaltung zurück, in der Service Station zeigt sich der VW Bus T1 und einen Rückblick auf das Ruhestein Bergrennen im Jahr 1946 zeigt das erste Rennen nach dem Weltkrieg. Ein Blick auf den AvD-Oldtimer-Grand-Prix darf natürlich nicht fehlen, weitere sportliche News liefern die FHR-Rennsport News ehe ein Vergleich zwischen zwei Generationen des Porsche 911 den Übergang vom luft- (993) zum wassergekühlten (996) Motor darlegt.

Fazit: Wiederholt bietet die Motor Klassik eine tolle Themenwahl und zeigt auch viele seltene Automobile. Dazu tolle Geschichten rund um die Klassikerszene und auch der Blick auf den Rennsport kommt nicht zu kurz.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Von Jeremy from Sydney, Australia – Jaguar Mk II 3.8, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37780513, Marco Rassfeld