Buchbesprechung – Sepp Greger – Der Bergkönig

Eine längere Rennkarriere als die von Sepp Greger ist nur schwer zu finden. Der Münchener war fast 40 Jahre im Rennsport aktiv. Sein erstes Rennen bestritt er im Jahr 1951 und selbst mit 74 Jahren war er noch am Start des Bergrennens in Les Rangiers in der Schweiz. Der gebürtige Bayer war mit viel Einsatz bei diversen Rennen aktiv und konnte im Bergrennsport auch beeindruckende sechs Meisterschaften feiern. Ein Buch aus dem Wartberg Verlag blickt zurück …

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Das Buch zeigt sich auf den ersten Blick klassisch und ist in einem handlichen, aber nicht zu kleinen Format umgesetzt. Im Prolog blickt der ehemalige Oberbürgermeister von München, Georg Kronawitter zurück auf Sepp Greger ehe das Buch schließlich mit der Kindheit und Jugendjahre von Greger startet. In diesem Jahr kommt Greger zur Welt und wird in eine bekanntermaßen schwierige Zeit geboren. Er wuchs bei seiner Mutter auf, die in großer Armut lebte und schon mit 12 Jahren wird Sepp schnell mitverantwortlich für den Verdienst der Familie. Er geht für drei Jahre als Stall- und Hirtenjunge auf einen Bauernhof und kehrt im Jahr 1929 zurück noch Hause. Sepp kann dann eine Ausbildung in einer Autowerkstatt beginnen. Diese noch neuartigen Fahrzeuge faszinieren Greger und selbst in seiner wenigen Freizeit macht er alte Wagen wieder flott. Bald wendet sich Sepp Greger den Motorräder zu und kauft billige Modelle um diese wieder aufzubauen. Schon bald wird er auch an seinen ersten Motorrad-Rennen teilnehmen, allerdings noch ohne echten Erfolg. 1935 kann er sich schließlich sein erstes neues Motorrad leisten – eine 350er NSU. Auch die Ereignisse im zweiten Weltkrieg, die Greger direkt betreffen klammert das Buch nicht auch und zeigt noch viele Interessante Anekdoten. Sehr erfreulich ist die umfassende Anzahl an Bildern aus dem Leben von Greger, die für den Text mehr als nur Beiwerk sind.

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Nach dem Krieg gründet Sepp Greger seine eigene Autowerkstatt und hilft mit seinem Kipper auch bei Wiederaufbau kräftig mit. Der Erfolg des Volkswagens in Deutschland eröffnet Greger schließlich die Möglichkeit seine Werkstatt zur VW-Vertretung zu erweitern und schon 1951 kann der 100. Käfer durch sein Unternehmen verkauft werden. Nach und nach nimmt auch das Renngeschehen wieder Fahrt auf und Greger nimmt mit seinem CCG-Wagen an verschiedenen Zuverlässigkeitsfahrten teil. Auch hier liefert das Buch wiederholt tolle Fotos aus der damaligen Zeit mit denen sich der Zeitgeist schnell auf den Leser übertragen lässt. Um die Anforderungen der Rennen zu entsprechen wurde der Käfer von Greger in vielen Bereichen optimiert und schnell erstellten sich so auch erste Erfolge ein. Im Jahr 1953 konnte Greger schließlich mit seinem Porsche 356 A an der Rallye Monte Carlo teilnehmen. Damals noch eine Sternfahrt die Greger mit Beifahrer Dr. Wolfgang Bieling von München aus in 72 Stunden nach Monte Carlo führte. Das erfolgreiche Ankommen war ein echter Erfolg! Ein Jahr später konnte Greger bei der Rallye Monte Carlo schon den 10. Platz in der Gesamtwertung einfahren und sogar den Sieg in seiner Klasse feiern! Seinen Porsche 356 optimierte Greger immer weiter, so bohrt er den Motor auf, wechselt auf leichte Scheiben aus Plexiglas usw.. Sein neuster Traum hingegen ist ein Spyder. In den 50er Jahre reihen sich aber zunächst noch mit seinem 356 Erfolg an Erfolg und Greger gewinnt 1959 die ONS-Grand-Tourisme-Meisterschaft!

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In der 60er Jahren werden die Rennwagen immer schneller und Greger etabliert sich nachhaltig in der Szene. Sein Fuhrpark für die Rennen wird größer und neben dem 356 A ist Greger er auch im Besitz eines 356 B Carrera Abarth GTL. Mit dem 718 RS 60 Spyder konnte er sich zudem seinen Traum verwirklichen. Aber nicht nur auf Porsche fuhr Greger Erfolge ein. So nahm er z.B. gemeinsam mit Hans Stuck bei 12 Stunden Rennen auf dem Hockenheimring im Jahr 1960 teil. Sie starteten auf einem BMW 700 und heraus kam ein Klassensieg! Auf seinem Spyder trat Greger beim Flugplatzrennen in Klagenfurt an und hatte wenige Runden nach dem Start einen schweren Unfall bei dem er fast seinen rechten Arm verlor. Die Ärzte retten den Arm, aber die Funktion des Beugens und Streckens bleibt fortan eingeschränkt. Rennen fuhr er aber natürlich weiterhin. Auch mit einigen berühmten Formel 1-Fahrern fuhr Greger gemeinsam, so zum Beispiel beim 1000 km-Rennen am Nürburgring im Jahr 1961 wo er gemeinsam mit Herbert Linge, Stirling Moss und Graham Hill einen Klassensieg auf einem 356 B Carrera einfahren konnte. Nach und nach fuhr Greger auf aktuellen Fahrzeugen von Porsche und die verhalfen ihm zu vielen Erfolgen. Carrera GTS, Carrera 6, 911 und 910/6 waren seine Rennfahrzeuge. In den sechziger Jahren wird Greger gleich fünfmal Meister in den Bergmeisterschaften und war derjenigen den es zu schlagen galt.
Neben dem reinen Renngeschehen blickt das Buch auch immer wieder auf das Umfeld von Greger und stellt auch seine wichtigsten Mitarbeiter und Weggefährten vor. Auch das Privatleben wird ständig verfolgt. Bereits ab 1954 lernte er nach einer gescheiterten Ehe Traudl Bieter kennen und verbrachte den Rest seines Lebens mit ihr gemeinsam. Dabei stand Traudl immer an der Seite von Sepp und half ihm mit hohem Einsatz. Ihr ist es auch zu verdanken das dieses Buch entstanden ist, denn Sie trug schon damals die Bilder von den Rennen für das Privatalbum zusammen und führte akribisch Buch über die zahlreichen Erfolge ihres Mannes.

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In den siebziger Jahren war Greger bereits ein sehr erfahrener Rennfahrer, der aber vom Rennfahren nicht die Finger lassen konnte. So war er weiterhin fest im Renngeschehen verwurzelt und nahm im Jahr 1971 erneut an der Rallye Monte Carlo teil. Von Frankfurt aus startet Greger in einem fast serienmäßigen Volkswagen K70 gemeinsam mit Fritz Huschke von Hanstein auf eine lange Fahrt. Da beide eine Rallye Monte Carlo bereits innerhalb der Wertung beendet hatten und älter als 50 Jahre waren nahmen Sie an der Routinier-Wertung teil und kamen auf den 2. Platz. Bei den Bergrennen startete er mit einem ex-Werks-911 S, der zuvor mit Björn Waldegard am Steuer die Schwedenrallye gewinnen konnte. Selbstverständlich waren einige Anpassungen für den Einsatz am Berg notwendig. So wurde aus der Rallyer-Version zunächst eine GT-Version und später gar ein 911 RSR. Sein 910 bekam unterdessen eine neue Karosserie von Brixner um weiterhin am Berg erfolgreich Rennen bestreiten zu können. Er fuhr so weiterhin viele Erfolge ein reduzierte sein Rennprogramm aber langsam aber sicher immer mehr. Ab Mitte der 70er Jahre nimmt er an keinen Rundstreckenrennen mehr teil, lediglich der Berg lässt ihn noch nicht ganz los. Neben dem erfolgreichen Volkswagen-Betrieb kann Greger ab 1979 auch Porsche vertreiben.
In den 80er greift er nur noch vereinzelt ins Lenkrad eines Rennwagens bis er sein letztes Rennen im Jahr 1989 bestreitet. Anfang des Jahrzehnts löst er alle Verträge seiner Werkstätten mit den Herstellern auf und verabschiedet sich aus dem Verkaufsgeschäft. Er steht der immer größeren Einflussnahme der Konzerne keinesfalls wohlwollend gegenüber und beendet aus diesem Grund sein Engagement.

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Das Buch ist aber noch nicht am Ende angekommen. So zeigt es noch die Verleihung des bayrischen Verdienstordens und auch seine enge Verbindung zu Franz Josef Strauß. Mit einem 356 nimmt Greger an einigen Oldtimer-Veranstaltungen teil und im Jahr 2005 erhält der inzwischen 90jährige von Edmund Stoiber den Sportpreis für sein Lebenswerk. Eine durch und durch verdiente Würdigung. 2010 schließlich verstirbt ein großer Rennfahrer in den Armen seiner Frau Traudl.
Ein besonders Kapitel bietet das Buch noch als würdigen Abschluss. Die Greger-Racing-Show war eine Veranstaltung die zunächst in der Münchener Olympiahalle stattfand und viele Rennwagen und auch -fahrer dem Publikum präsentierte. Die erste Show fand im November 1972 statt und erst nach knapp zwanzig Jahren wurde die Show wieder eingestellt. Für viele war die Show das jährliche Highlight, bei dem sich die Rennfahrerelite publikumsnah präsentieren konnte. Ob Niki Lauda, Marc Surer, Harald Etrl, Hans-Joachim Stuck, Rolf Stommelen, Jochen Mass, Walter Röhrl oder Christan Danner, erhielt man eine Einladung zur Greger-Racing-Show so war man unter den Top-Rennfahrern der Welt. Eine lange Institution die durch die höhere Präsenz des Rennsports in den Medien und auch durch die immer höher werdenden Kosten leider eingestellt wurde.
Schließlich blickt Traudl Greger im Nachwort noch auf das Leben mit Sepp zurück ehe eine Übersicht seiner Rennteilnahmen und Erfolge das Buch endgültig abschließen.

Fazit: Ein sehr lebendige Biografie über einen hochgradig talentierten Rennfahrer und engagierten Menschen. Sepp Greger beherrschte die Bergrennen wie kaum ein anderer und wurde auch neben der Rennstrecke zu einer bekannten Persönlichkeit. Das Buch blickt mit gut recherchierten Texten zurück auf eine ereignisreiches Leben. Dabei zeigen sich tolle Aufnahmen, die mit vielen erstmals veröffentlichen Bildern einen neuen Blick auf das damalige Renngeschehen werfen. Als kleiner Kritikpunkt ließe sich höchstens die fehlende Übersichtlichkeit bei den Rennteilnahmen und Erfolgen ausmachen.
Das Buch ist technisch gut umgesetzt und lässt keine Kritik bei Druck und Bindung zu.
Für 29,90€ kann der Leser intensiv eintauchen in die Zeit 50er und 60er Jahre und den Werdegang von Sepp Greger vollumfänglich nachvollziehen. Ein gutes Angebot welches sich alleine durch die reiche Bebilderung mit bisher unbekannten Aufnahmen absolut lohnt!

Bibliografie:
Titel: Sepp Greger – Der Bergkönig – Eine Rennfahrerlegende
Autorin: Maria Weininger
Umfang: 200 Seiten, 250 Farb- und S/W-Fotos
Format: 215 x 285 mm
Bindung: fadengeheftetes Hardcover
Auflage: 09/2016
Preis: 29,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-8313-2304-3
Bestellbar beim Verlag unter: www.wartberg-verlag.de

 

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Wartberg Verlag, Marco Rassfeld