Buch – Peter Falk – 33 Jahre Porsche Rennsport und Entwicklung

Über drei Jahrzehnte ging Peter Falk bei Porsche seiner Arbeit und Passion nach. In dieser langen Zeit hat er viele Autos mitentwickelt und durch seine Tätigkeiten rund um den Rennsport sogar eine ganz Phase maßgeblich mitgeprägt. Seine Erinnerungen an 33 Jahre Porsche hat er nun erstmals in einem Buch zusammengefasst. Eine Zeitreise durch die Entwicklung von Porsche erwartet die Leser …

Der erste Eindruck vom Buch kann sofort überzeugen. Im Querformat zeigt sich der Titel mit enormer Stärke und einem beachtlichen Gewicht. Das lässt auf einen umfangreichen Inhalt hoffen. Dazu sorgen ein mattes Finish und eine nicht auf den ersten Blick zu erkennende Prägung für einen wirklich tollen Auftritt. Im Inhaltsverzeichnis erhält der Leser dann ein erste Übersicht über die langjährige und vielschichtige Arbeit von Peter Falk bei Porsche. Unterteilt wird das Buch in sechs Kapitel und diese unterteilen sich dann noch weiter. So enthält das Buch eine gute Struktur und eine angemessene Länge der einzelnen Kapitel. Dann folgen zwei Vorworte von Peter Falk und seinem Mitautor Wilfried Müller, die auf die Entstehung des Buches zurückblicken.

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Schließlich geht es mit dem ersten Kapitel los, in dem zunächst der Werbegang von Peter Falk beschrieben wird. Schon früh stellte sich bei Falk das Interesse an Technik ein und seine Diplomarbeit in Maschinenbaustudium führte Falk über sein Lieblingsthema aus – das Fahrwerk. Die hierzu erforderlichen Untersuchungen konnte er bei NSU durchführen und Falk war begeistert von der Arbeit. Fast schon selbstverständlich waren auch seine ersten Gehversuche im Motorsport, diese sollten aber in Zukunft nur selten ernsthaft verfolgt werden. Im Juni 1959 schrieb Falk dann seine Bewerbung an Porsche, die sogar in Buch abgedruckt ist. Bei Porsche startete er in der Versuchsabteilung und sein erste Chef war Helmut Rombold. Das Buch zeigt echte Eindrücke aus der Arbeit bei Porsche und zeigt neben Rombold auch weitere wichtige Personen in Form von Ferry Porsche, Ernst Fuhrmann, Helmut Bott und Ferdinand Piëch. Dazu blickt das erste Kapitel noch auf eine Fahrversuche sowie auf damals unersetzliche Erprobungen. Diese fanden sowohl in der Wüste, als auch in tiefster Kälte statt und der Leser erfährt einige tolle und manchmal unglaubliche Anekdoten. Sogar der nicht realisierte Porsche 965 lässt sich im Buch entdecken. Neben vielen anderen Modellen aus Zuffenhausen. Der Porsche 911 sollte das Erbe des 356 antreten und bei der Entwicklung war Falk auch beteiligt. Er trat sogar mit Herbst Linge gemeinsam bei der Rallye Monte Carlo im Jahr 1964 an und sie konnten einen tollen fünften Gesamtrang erreichen. Das Kapitel endet erst nach stattlichen 96 Seiten. Das letzte Modell welches Falk bei Porsche mitbetreute war der Porsche 993, der letze luftgekühlte 911er. Die Rennmodelle finden hier noch keine Berücksichtigung, aber es wird schnell deutlich das viele Bilder den Text unterstützen und viele davon sogar aus den Archiven von Peter Falk stammen. Somit lassen sich auch einige noch nicht bekannten Bilder entdecken.

Im zweiten Kapitel folgt dann eine Zusammenfassung der Einsätze von Porsche in Le Mans, bei denen Falk in unterschiedliche Positionen involviert war. Das große Rennen in Frankreich war von 1964 bis 1992 gleich 29 mal der Arbeitsplatz von Peter Falk und prägte sowohl die Marke als auch den Menschen. Das Buch blickt auf die Entwicklung der Zeitnahme und natürlich auch auf die spannendsten Rennen. Die langjährige Werkstatt von Porsche in Teloché bringt auch tolle Geschichten und Anekdoten zu Tage und mit der Gruppe C und dem 956 folgte ein durchschlagender, langjähriger Erfolg. Da Le Mans als spezieller Schauplatz und das Rennen rund um die Uhr seine ganz eigenen Geschichten hatte, schient die Zusammenfassung dieser Ereignisse sehr sinnvoll.
Kapitel 3 blickt dann auf die ersten großen Erfolgen von Porsche im Motorsport in den 60er Jahren. Hier schildert das Buch wie die Reisen zu den Rennen damals abliefen und bringen auch zu Tage wie schnell man eine Beförderung noch im Vorbeigehen erhielt. Dann zeigt es die Verdienste von Wilhelm Hild, Herbert Linge und Hans Herrmann für Porsche und auch die Einführung von Ferdinand Piëch bei Porsche. Unter ihn sollten die bisherigen Klassenerfolge endlich in Gesamtsiege umgewandelt werden um die große Bühne zu betreten. Schließlich werden die Rennfahrer mit persönlichen Erinnerungen von Falk vorgestellt. In damals noch sehr populären Bergrennsport war Porsche bekanntermaßen aktiv und drehte vor allem im extremen Maß an der Gewichtsspirale. In der Entwicklung im Rundstreckensport kann der Leser alle Modelle vom 904 Carrera GTS bis zum 917 entdecken. Doch nicht nur die reinen Erfolge werden ins Gedächtnis gerufen, auch die Unfälle die für Schrecken sorgten werden nicht verschwiegen. Dabei gibt es immer wieder die direkten und ungefilterten Meinungen von Peter Falk, Aber auch andere Beteiligte kommen immer wieder zu Wort. Eine hervorragende Mischung!

Im vierten Kapitel folgen dann die Motorsport-Einsätze der 70er Jahre. Hier zeigte sich dann schnell die große Überlegenheit des 917, aber auch der 908/03 war ein wichtiger Rennwagen. Für Falk gar einer der Größten. Der 917 wurde aufgrund seiner großen Kraftreserven der Elefant genannt, während der kleine und wendige 908/03 die Gazelle war. Gerade auf kleinen Kursen wie dem Nürburgring war mit dem extrem leichten 908/03 die Siegchance deutlich höher, als mit dem schwerfälligen 917. Zudem war der 917 zunächst noch ein schwierig zu fahrender Rennwagen, der erst mit Hilfe des John Wyer-Teams und der radikalen Designänderung ein gutmutiger Rennwagen wurde. Mit dem nun in Keilform ausgeprägten Heck gelang dann im Jahr 1970 auch der erste Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, zudem wurde man auch Weltmeister. Im nächste Jahr konnte man diese Erfolge gar wiederholen. Falk berichtet von der Zusammenarbeit mit dem Team von John Wyer und hat hier abermals einige tolle Anekdoten parat. Ab 1972 waren, auch durch den massiven Erfolg des Porsche 917, dann die 5-Liter-Sportwagen nicht mehr startberechtigt und Porsche fand in der CanAm-Rennserie in Amerika ein neues Spielfeld. Hier gewann man 1972 und 1973 die Meisterschaft und krönte den 917 mit dem 1.100 PS starken 917/30. Dann wurde auch in dieser Rennserie der Wagen quasi verboten. Ab sofort sollte der Rennsport wieder auf Basis der Porsche 911 erfolgen um auch einen direkteren Bezug zu den Serienwagen von Porsche zu verdeutlichen. Durch geschicktes Interpreeting der Regeln der neuen Gruppe 5- und Gruppe 6-Rennwagen entstand so der Porsche 935 und 936. Durch den Einsatz von Falk in der Serien hatte dieser hierzu nie einen direkten Bezug. Auch im Rallye-Einsatz sollte der 911 seine Stärken zeigen und nahm an einigen Rallyes wie der Sahara teil. Hier war Falk mit seiner Erfahrung durch die Serienentwicklung wieder ein wichtiger Ansprechpartner.

Der Aufbau einer komplett eigenen Rennsport-Abteilung wurde durch den neuen Vorstandsvorsitzenden Peter W. Schulz zum Jahr 1981 beschlossen. Hier wurde Peter Falk zum Rennleiter ernannt und konnte sich seine Mannschaft selber zusammen stellen. Kapitel 5 zeigt die 80er Jahre in denen er also hauptverantwortlich für den Renneinsatz von Porsche war. Es wurde eine dominierende Dekade. Das erste Projekt war ein neuer Sportwagen nach der neuen Gruppe C, der Porsche 956. Hier erhält der Leser im Buch viele Details zur Entwicklung und den wichtigsten Menschen, die an der Entwicklung beteiligt waren. Durch die Nutzung des sogenannten Ground Effekts waren Kurvengeschwindigkeiten möglich, ab die sich die Fahrer erst noch gewöhnen mussten. Durch die neue Rennformel war auch ein bestimmter Benzinverbrauch vorgegeben und so viel die Fahrerwahl im ersten Jahr auf zumeist erfahrene Rennfahrer, die auch in der Lage waren taktisch zu agieren. Sofort war der Porsche in der Lage mit dem 956 Siege einzufahren und so konnte Porsche gleich im ersten Jahr sowohl den Konstrukteurs- und Fahrertitel in der Sportwagen-Weltmeisterschaft einfahren. Die Dominanz war zu Beginn so groß, das dies auch die nächsten vier Jahre noch gelang. Der 956 war ein weiterer Meilenstein in der Rennsport-Geschichte von Porsche. Aber auch weitere Projekte wurden in Angriff genommen und sind detailliert im Buch beschrieben. So lieferte man die TAG-Motoren für McLaren in die Formel 1 und stieg in die amerikanische CART-Serie ein.
Die Entwicklung des Supersportwagens Porsche 959 fand in mehreren Schritten auch bei Einsätzen bei der Rallye Paris-Dakar statt und liefert die Geschichten für das nächste Kapitel. Hier zeigt das Buch einen tollen übergreifenden Blick auf die schwerste Rallye der Welt, bei der Porsche beachtliche Erfolge einfahren konnte. Gegen Ende der 80er Jahre aber rutsche Porsche in die roten Zahlen und die Rennaktivität wurde schnell eingeschränkt. So waren nur noch wenige Werkseinsätze möglich und Falk ging wieder in die Serienentwicklung zurück und war am Porsche 993 und auch den ersten Schritten zum wassergekühlten Porsche 996 beteiligt. Nach seinem Abschied im Dezember 1992 wurde Falk in der Oldtimer-Rallye-Szene aktiv und somit dem Automobil weiterhin eng verbunden.
Der Anhang zeigt zum Abschluss noch einige sehr interessante Schriftstücke und Erinnerungen aus dem Archiv von Peter Falk. So kann der Leser die „kleine Wortkunde für Fahrwerker“ entdecken, Vergleichskurven der unterschiedlichen Porsche 911, eine tolles Tagebuch zur Tour d’Europe 1960, einige Glückwunschschreiben zum überwältigenden Le Mans Sieg im Jahr 1982 und noch weitere Interessante Andenken aus einer langen und erfolgreichen Zeit von Peter Falk bei Porsche.

Fazit: Mit einem massiven Buch blickt Peter Falk zurück auf seine Zeit bei Porsche. In dieser durchlebte er einiges und lässt den interessierten Leser durch den Titel intensiv teilhaben. Die vielschichtigen Erinnerungen zeigen sowohl einige Aspekte der damaligen Entwicklung und den Touren durch Wüste und Kälte, als auch viele Erlebnisse rund um den Rennsport. Durch die vielen Zitate von Falk aber auch immer wieder den direkt beteiligten Personen erhält man einen ungefilterten Eindruck der Ereignisse. Durch die sehr gut geschriebenen Texte und die dazu passenden Bilder entsteht oftmals der Eindruck direkt dabei gewesen zu sein! Sehr erfreulich ist auch die hohe Anzahl an noch weitgehend unbekannten Aufnahmen aus dem Archiv von Peter Falk. Dazu kommen tolle Aufnahmen von McKlein und selbstverständlich auch einige Werksfotos. Eine tolle Mischung, die durch die gute Untergliederung der Kapitel einen sehr hohen Spaßfaktor beim Lesen und Stöbern bringt!
Die Umsetzung von Druck und Bindung sind solide und geben dem Buch einen guten und würdigen Rahmen. Auch das verwendete, recht offene aber durchaus gelungene Layout trägt dazu bei.
Zum Preis von knapp 70 Euro kann sich der Käufer über erstklassige zusammengestellte Erinnerungen von Peter Falk freuen. Zwischen den schier unzähligen Porsche-Bücher sticht dieser Titel heraus, in dem es auf vielen Ereignisse blickt die für die Zuffenhausener Firma herausragend waren. Das Buch erscheint so auch folgerichtig in der Edition Porsche Museum. Eine englische Version ist ebenfalls erhältlich, für die Leser erfreulich das nicht beide Texte in ein Buch gequetscht wurden. Das Buch kann auch einfach mit einem Wort beschrieben werden: WOW!

Bibliografie:
Titel: Peter Falk – 33 Jahre Porsche Rennsport und Entwicklung
Autoren: Peter Falk mit Wilfried Müller
Umfang: 408 Seiten,
Fotos und Grafiken: ca. 345 in Farbe und 196 in Schwarzweiß
Format: 300 x 240 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 12/2016
Preis: 69,90 €
ISBN-Nr.: 978-3927458864
Bestellbar beim Verlag unter: www.rallyandracing.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: McKlein, Marco Rassfeld