Magazin – Octane Ausgabe 28

Die deutsche Ausgabe der Octane ist inzwischen in seiner schon 28. Ausgabe erschienen und scheint mit Vollgas in den Frühling zu starten. Auf dem Titel zeigt sich ein angriffslustiger Lancia Stratos in vollem Rallyeornat und klassischer Alitalia-Bemalung. Im Vorwort von Chefredakteur Ulli Safferling erhält der Leser Infos zur Erweiterung der Octane mit speziellen Seiten für den schweizer Markt und für die Zukunft ist auch für Österreich etwas geplant. Ein Blick auf die Highlights im Heft …

Beim Lancia Stratos von Titel handelt es sich um eine wirklich besonders Exemplar. Der Rallyewagen nach dem Reglement der damals gültigen Gruppe 4 gewann im Jahr 1977 die Rallye Monte Carlo mit Sandro Munari am Lenkrad und Beifahrer Silvio Maiga. Heute zeigt sich der keilförmige Stratos wieder in der Original-Ausführung dieser Rallye und huldigt die Geschichte des Stratos und auch von Munari/Maiga. Der heutige Besitzer Guido Avandero ermöglicht Munari auch heute noch das eine oder andere Mal eine Ausfahrt und die Octane konnte bei einer solchen teilnehmen. Vorgestellt wurde der Stratos HF im Jahr 1971 auf dem Turiner Salon und verfügte über einen Motor aus dem Dino 246 GT. In den Jahren 1974 bis 1976 konnte Lancia mit dem Stratos dreimal in Folge die Rallye-Weltmeisterschaft gewinnen und so schienen die Tage im Jahr 1977 langsam gezählt. Aber mit Munari/Maiga konnte abermals die Rallye Monte Carlo gewonnen werden. Für Munari war dies schon der dritte Sieg in Folge auf einem Stratos bei der Rallye Monte Carlo, dazu konnte er schon 1972 in einem Lancia Fulvia HF die legendäre Rallye gewinnen. Munari schildert für den Bericht seine Erlebnisse und lässt die damaligen Eindrücke gekonnt Revue passieren, auch Beifahrer Maiga kommt zu Wort. Dabei kann der Leser einige Anekdoten entdecken und erfährt die Hintergründe zum Sieg gegen die vermeintlich überlegende Konkurrenz aus erster Hand. Auch die Historie des Autos wird aufgearbeitet und sein weiterer Werdegang bis heute nachverfolgt. Das der heutige Besitzer des Stratos den Wagen bei seinem Erscheinen buchstäblich hasste, hat sich inzwischen gelegt. Es war ihm damals unmöglich weiterhin an Rallyes teilzunehmen, da der Stratos schlichtweg zu teuer war. Heute besitzt er eine einmaliges Automobil mit erstklassiger Historie.

Ein weiteres besonderes Automobil ist der AMC AMX/3, ein Supercar aus den USA welches die Kompetenz der American Motors Cooperation unterschreiben sollte und gleichzeitig einen Spitzenplatz unter den Supercars sichern sollte. Mit der Vorstellung der Studie AMX/2 auf dem Autosalon in Chicago im Jahr 1969 sorgte AMC für viel Wirbel. Da die Reaktionen auf den als Mittelmotor-Sportwagen ausgelegten AMX/2 sehr positiv waren, strebte man eine Serienprodutkion an. Man bat den soeben von Ghia abgewanderten Giorgetto Giugiaro um einen Entwurf zur Serienfertigung, welchen er mit seiner frisch gegründeten, eigenen Firma umsetzte. Allerdings entsprach das Ergebnis nicht den Vorstellungen der Amerikaner und so entwickelte man das Design der Studie in Eigenregie weiter. Treibende Kraft war hierbei der damaligen Chefdesigner von AMC Dick Teague. Zur technischen Umsetzung holte man sich ebenfalls Hilfe aus Italien und Giotto Bizzarrini wurde mit dem Entwurf von Chassis und Aufhängung beauftragt. Nach kleineren Anpassungen im Design wurde der erste Prototyp im Juni 1969 fertiggestellt und gelangte nach München. Hier wurde der AMX/3 von den Ingenieuren von BMW in Augenschein genommen und in einigen Punkten verbessert. Hintergrund war ein Abkommen zwischen AMC und BMW. Nachdem sich Gerry Meyers, der Vizepräsident für Produktentwicklung bei AMC, während eine Fahrt mit Bizzarrini von dem Ergebnis überzeugen konnte, folgte die Vorstellung für die Presse. Hier präsentierte man auch die Pläne zur Serienfertigung, die Bizzarrini übernehmen sollte und pro Monat zwei Exemplare herstellten wollte. Nach der Vorstellung des AMX/3 wurden die geplanten Produktionszahlen aber deutlich nach oben korrigiert und man verhandelte mit Karmann in Deutschland über eine Produktion von 1.000 Exemplaren. Aber dann kam abrupt das Ende des AMX/3, fast genauso plötzlich wie er erschien. Zum Einen durch die mangelnden finanziellen Mittel und zu Anderen durch die Smogvorschriften in den USA und auch durch die Vorschriften für die Stoßfänger, die einen Aufprall von 8 km/h schadlos überstehen mussten, wurde das Projekt eingestellt. Fünf Exemplare waren bis dahin bei Bizzarrini schon fertiggestellt und eine weiteres konnte noch fertiggestellt werden. Beim Anblick der herausragenden Bilder zum Bericht kam man dies wirklich nur bedauern.

Volkswagen als weltweit agierender Konzern übernahm 2009 die traditionsreiche Firma Karmann in Osnabrück. Das Werk wird heute genutzt um Modelle des Konzerns herzustellen und erweitert so die Kapazitäten von Volkswagen. Neben der reinen Produktionskapazität übernahm Volkswagen auch die Sammlung von Wilhelm Karmann, welche etwa 140 Automobile aus der Historie der Firma Karmann beinhaltet. Dabei zeigt sich eine erstaunliche Bandbreite die Karmann abdecken konnte und gleichzeitig wird ein echter Weg durch die Geschichte des Automobils möglich. Die Besucher des Volkswagen Werkes in Osnabrück können einen Teil der Sammlung im Rahmen einer Werksbesichtigung in Augenschein nehmen. Dabei handelt es sich aber um nur etwa ein Drittel der kompletten Sammlung. Der Rest der Sammlung ist unter Verschluss, aber die Octane durfte sie dennoch in Augenschein nehmen. Dabei zeigen sich unterschiedlichste Fabrikate für die Karmann die Produktion übernahm, aber auch zahlreiche Studien und Einzelstücke. So wird der Karmann Ghia Typ 1 Cabrio von 1965 mit einigen tollen Fotos vorgestellt und zeigte die mögliche Zukunft des klassischen Karmann Ghia. Es blieb aber bei der Studie. Weitere Exemplare zeugen von der hohen Kompetenz im Bau von offenen Automobilen, in denen Karmann durch moderne Dachkonzepte bis zum Schluss einer der Vorreiter bleiben konnte. Beeindruckende Sammlung!

Jaguar konnte bei legendären 24 Stunden Rennen in Le Mans einige Siege einfahren. Der in der aktuellen Octane vorgestellte XK140 trat vor 60 Jahren in Le Mans an und wurde vermutlich durch ein Missverständnis um eine erstklassige Platzierung gebracht. Erstbesitzer Robert Walshaw setzte den XK140 FHC zunächst bei der RAC Rallye im Jahr 1956 ein und konnte fünf Etappensieg feiern. Anschließend meldete er den Jaguar für die 24 Stunden von Le Mans. Doch vorher sollte der inzwischen schon mit mehr 32.000 km gelaufene XK 140 eine gründliche Überarbeitung bei Jaguar erfahren. Hierbei wurde ein Zylinderkopf aus einen D-Type montiert und durch zwei 2″-SU-Vergaser erreicht der Jaguar eine Leistung von 230 PS, zu den 250 PS den damaligen Spitzen-Rennwagen von Jaguar fehlte also nicht viel. Durch weitere Optimierungen an Getriebe, Fahrwerk und Karosserie wurde der XK 140 sehr aufwendig auf das Rennen vorbereitet. Die Kosten entsprachen etwa zwei Drittel des Neupreises. Mit der Startnummer 6 ausgestattet nahm er dann das große Rennen in Angriff. Einen Mercedes-Benz 300 SL konnte der Jaguar in Schach halten, aber gegen die schnelleren Ferrari hatte er keine echte Chance, trotzdem fand sich der XK140 in Schlagdistanz zum den Top 10 wider und wurde dann vollkommen unerwartet disqualifiziert. Es gab laut den Funktionären Unreglmäßigkeiten bei den Tankregeln und somit war das Rennen zu Ende. Die Fahrer fuhren zwar unbeirrt einfach weiter wurden aber um 13 Uhr durch die endgültige Disqualifikation gestoppt. Nach dem Rennen stellte sich heraus das es sich um ein Versehen handelte, so lud man Walshaw zu einer freien Teilnahme am Rennen im nächsten Jahr ein, aber dies nutzte natürlich in dem Moment herzlich wenig. Ein tolle Leistung wurde zunichte gemacht durch eine Fehlentscheidung. Peter Bolton glaubt sogar das die Funktionäre den Jaguar XK140 mit dem späteren Sieger mit der Startnummer 4 verwechselt haben, so wäre der Sieg an Aston Martin gegangen! Das der Jaguar XK 140 FHC heute in einen exzellenten Zustand darsteht, hat der Wagen seinem heutigem Besitzer Peter Neumark zu verdanken, der ihn behutsam restaurieren ließ um bei den letztjährige Le Mans Classic anzutreten. So bekommt der Leser auch noch direkte Fahreindrücke geliefert von einen sehr speziellen XK 140.

Zudem finden sich noch folgende Themen in der Octane 28: Ein Bericht zum Fiat 1500 A Berlinetta von Touring, der sehr seltene Alpina B2S von 1971 und ein hochdekorierter Talbot-Lago T150-C-SS zeigen sich ebenfalls in gewohnt umfangreichen Berichten. Eine Zeitreise unternimmt die Octane über Charles Sykes, dem Schöpfer von Emily, der Kühlerfigur von Rolls-Royce. Eine besondere Auszeit stellt Les Chateux de Circuit für viele Fahrer klassischer Automobile dar, da die Ausfahrt und Rennen geschickt verbindet. Als moderner Klassiker zeigt sich der aktuelle Abarth 124 Spider, eine echte Reinkarnation eines Klassikers. Dazu auch jede Menge News und Berichte zu kommenden und vergangenen Veranstaltungen.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Octane, Marco Rassfeld