Buch – Kult-Karren

Unsere Autos der 60er, 70er und 80er so lautet der entsprechende Untertitel zum neusten Buch aus der DMAX-Reihe vom Motorbuch Verlag. Nach Supersportwagen und Oldtimer stellt diesmal der Autor Joachim Kuch die Alltagsklassiker aus drei Jahrzehnten vor. Viele der damaligen Alltagsfahrzeuge sind heute sogar schwerer zu finden als Porsche, Ferrari und Co. und somit bildet dieses Thema auch eine gute Basis für viele Erinnerungen und Kaufanregungen.

Wie auch die anderen Bücher aus der DMAX-Reihe zeigt sich das Buch im durchaus großen Format und bietet somit die Möglichkeit die Abbildungen auch in ansprechender Größe zu präsentieren. Das Buch ist ansonsten sehr schlicht und einfach umgesetzt was auch den günstigen Preis erklärt, aber billig wirkt das Buch dabei keinesfalls. Nach dem Inhaltsverzeichnis schwelgt der Autor im Vorwort in seinen persönlichen Erinnerungen und liefert dem Leser gleich einige Anekdoten aus seinem Leben. All dies werden viele Leser sicher in ähnlichem Umfang auch erlebt haben und können sich so schnell in die Vergangenheit hineinversetzen. Es sind eben nicht die hochpreisigen Fahrzeuge, welche im normalen Leben die erste Rolle spielten, sondern zumeist die gut bürgerlichen Automobile. Dann gleidert sich das Buch in einzelne Ländern, in denen die entsprechenden Marken und Modelle vorgestellt werden. Hier handelt es sich natürlich nur um eine Auswahl und das Buch hegt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dazu finden sich vereinzelt auch noch moderne Automobile wieder, die uns mit Sicherheit in Zukunft auch noch interessieren.

Deutschland ist das erste Land aus dem einige Modelle der Zeit von 60er bis 80er jähre vorgestellt werden. Mit einer kurzen Einführung, die auch schon ausgewählte Autos im Bild blickt das Buch vor jedem Kapitel zunächst auf die allgemeinen Entwicklungen. Im Fall von Deutschland ist das Wirtschaftswunder der Start in eine neue Zeit. Nach der fast unglaublichen Vielfalt am minimalistischen und kleinen Fahrzeugen forderten die Käufer immer mehr Platz und auch Luxus und so entstanden Modelle wie der Schwimmwagen Amphicar oder der Bitter CD, ein Luxus-GT auf Basis von bewehrter Opel-Technik. Audi ist dann der erste Hersteller der zu Beginn der alphabetischen Auflistung steht. Zu jeder Marke beschreibt das Buch kurz die Geschichte und einige Interessante Hintergründe, ehe einige der erfolgreichsten Modelle vorgestellt werden. Im Beispiel von Audi sind hier vom ersten Audi, der eigentlich noch ein DKW war bis zum ersten Quattro viele Modelle zu finden, die heute oftmals so gut wie verschwunden sind. Die letzen Atemzüge der Marke NSU, die 1969 mit der Auto Union fusionierten, sind unter Audi-NSU zu finden. Nach dem Blick auf die Fahrzeuge von BMW und Ford folgt eine weitere Doppelseite die sich mit der Firma Karmann auseinandersetzt. Diese wurde vor allem bekannt durch den Volkswagen Karmann Ghia, leistete aber durchaus mehr und war für viele Marken ein wichtiger Lieferant. Die Sportwagen aus der DDR der erneut verschollenen Marke Melkus werden ebenfalls vorgestellt wie die unverzichtbaren Mercedes-Benz. Nach den in dem Zeitraum sehr absatzstarken Opel werden auch einige Porsche berücksichtigt, ehe die Buggys im Mittelpunkt stehen. Trabant, Volkswagen und Wartburg zeigen dann die unterschiedlichen Entwicklungen in West- und Ost-Deutschland nach und zum Bulli zeigt sich abermals ein Extra-Abschnitt.

Auch die Hersteller aus Frankreich boten viele Volksmodelle an und waren mit einige, heutzutage kaum noch bekannten Marken mehr oder weniger erfolgreich am Markt vertreten. Oftmals standen die Modelle aber auch für ungewöhnliche Ansätze wie eine Einführung aufzeigt in der auch die extravaganten Panhard und die luxuriösen Facel Vega auftauchen. Sie zeigt die Vielfalt auch auf dem Sektor der Exoten. Massenware hingegen bot Citroën an und natürlich darf hier wieder die DS fehlen noch die Ente, die als 2CV angeboten wurde. Beide Modelle hatten eine enorme lange Laufzeit, die heute kaum noch denkbar ist. Die sportlichen Matra waren interessanten kleine Sportwagen und einige boten die Besonderheit von drei Sitzen nebeneinander. Ein Vorläufer der Pseudo-Geländewagen war der Rancho, der heute so gut wie ausgestorben ist. Ebenfalls Sportwagen waren die Alpine von Jean Rédéle, welche im Motorsport-Einsatz für Furore sorgten und später komplett von Renault übernommen wurden. Peugeot galt als Mercedes-Benz aus Frankreich und hatte ein breites Angebot inklusive echter Legenden wie dem 205 GTI. Renault setzte dem Käfer und dem 2CV den R4 entgegen und hatte hiermit auch großen Erfolg, die heute schon verblichene Marke Simca bildet schließlich den Abschluss der französischen Automobile.
Die Autoszene in Großbritannien hatte lange Zeit eine Sonderstellung und eine unglaubliche Markenvielfalt, die sich aber schon zu großen Teilen zum Ende der 60er Jahre in zwei Mehrmarken-Konzerne konzentriert hatten. Durch besondere Umstände hatten die Briten auch die dreirädrigen Fahrzeuge wie den Reliant Robin im Angebot. Zu finden sind Modelle zunächst von Austin und Jaguar ehe die Exoten von DeLorean, Lotus, Morgan und TVR vorgestellt werden. Dann kann der Leser die traurige Geschichte von MG nachvollziehen und Mini, Rolls-Royce, Rover/Landrover und Triumph erleben.

Italien hatte durch die Modelle von Fiat in den 60er Jahre erstklassige und fortschrittliche Automobile im Angebot, aber auch jenseits der Fiat-Dominanz entstanden kleine Marken wie ASA, Intermeccanica oder Dino. Die sportlichen Alfa Romeo waren bei vielen Käufern sehr beliebt und durch Erfolge im Motorsport wurde das entsprechen Image unterstrichen. Neben den sportlichen Ablegern von Giulia und Giulietta waren aber auch klassische Modelle wie der Alfetta oder der 75 im Angebot. Ferrari zählt zwar kaum zu den Alltagsautos aber dem Glanz der Marke kann sich das Buch dann doch nicht ganz entziehen und zeigt einige Modelle wie den ungewöhnlichen Mondial oder dem extremen F40. Die schon erwähnten Fiat waren eine echte Macht in der Automobilbranche und schufen mit den der 124-Reihe eine vielfältige und extrem langlebige Modellreihe. Mit dem 130 strebte man nach Größerem und mit dem Mittelmotor-Sportwagen X1/9 schärfte Fiat sein Profil. Mit Autobianchi, Innocenti, Moretti und Siata werden noch eine Kleinserienhersteller vorgestellt, die oftmals Fiat-Technik als Basis nutzten. Des Weiteren zeigt sich Italien noch mit den Automobilen von Lamborghini, Lancia und Maserati.
Der Einfluss aus Japan auf die Autoindustrie hierzulande wurde zu Beginn oftmals belächelt. Aber durch konsequenten Weiterentwicklung stehen die Japaner heutzutage mit an der Spitze der Industrie. Die alten Modelle sind heute zumeist extrem schwer zu finden. Anregungen findet der Leser mit Modellen von Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan/Datsun, Subaru/Suzuki sowie natürlich Toyota, Dazu wird der Einfluss der Japaner bei der Etablierung der Geländewagen vorgestellt.

Die Fahrzeuge aus den USA waren hierzulande oftmals echte Exoten und lange haftete ihnen das Image der saufenden Saurier an. Durch die günstigen Spritpreise in den USA war eine Spritspar-Taktik einfach nicht gefragt, erst die Ölkrise zwang die Hersteller zum Handeln. Ansonsten wären Modelle wie der Stutz Blackhawk oder der Excalibur wohl kaum entstanden. Chevrolet, Chrysler, Ford machten in Deutschland vor allem durch Sportwagen auf sich aufmerksam und schufen mit der Corvette, dem Charger und dem Mustang gleich mehrere Legenden. Eine Sonderstellung nehmen die Shelby Cobras ein, die bis heute durch zahlreichen Nachbauten immer noch im Angebot sind. Jeep steht als Urahn der Geländewagen und ist bis heute dieser Arte treu geblieben.
Weitere Modelle aus aller Welt finden sich dann im letzten Abschnitt wieder und zeigen dem Leser die weltweite Vielfalt. Mit den holländischen DAF, den russischen Lada, den polnischen Polski-Fiat und den schwedischen Saab sind schon sicher einige persönliche Favoriten aus Ost und West aufgeführt. Selbst die Entwicklungen in Brasilien bleiben nicht unerwähnt. Die tschechischen Skoda bilden vor den schwedischen Volvo schließlich den endgültigen Abschluss des Buches.

Fazit: Ein großer Querschnitt durch das Angebot an Automobilen in Deutschland über gleich drei Jahrzehnten bietet das neuste Buch aus der DMAX-Reihe. Das hier keine Vollständigkeit erwartet werden kann, scheint sofort logisch. Vielmehr ist es eine subjekte Auswahl an vermeintlich interessanten Modellen. Neben den Texten zeigen zahlreiche, oftmals auch historische Bilder die Modelle und das ein oder andere Mal kann der Leser auch noch im Text nicht erwähnte Modelle ausmachen. Sicher finden hier viele Leser ihren persönlichen Favorit wieder und schwelgen gleichfalls in entsprechenden Erinnerungen. Somit hat das Buch sein Ziel erreicht und bietet gerade für Einsteiger einen guten Überblick.
Für nur 14,95 Euro stellt das Buch gleichfalls ein echtes Schnäppchen dar. Die Kenner der Szene werden aber dann im Inhalt doch den ein oder anderen Fehler entdecken und somit werden hier die Besser-Wisser-Gene auch befriedigt. Für Neulinge ist dies allerdings ärgerlich und man sollten die angebotenen Fakten nicht immer als Basis nehmen.

Bibliografie:
Titel: DMAX Kult-Karren – Unsere Autos der 60er, 70er und 80er
Autor: Joachim Kuch
Umfang: 224 Seiten, 2 S/W-Bilder, 476 Farbbilder
Format: 230 x 305 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 03/2017
Preis: 14,95 €
ISBN-Nr.: 978-3-613-03958-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Arturo Rivas, Marco Rassfeld