Buch – NSU Ro 80

Mit dem Ro 80 brachte NSU eine bis heute interessante Limousine auf den Markt, welche vor allem durch den Einsatz eines Wankel-Motors aus der Masse der Konkurrenz herausstach. Doch auch weitere technische Details und das durchaus gelungene, zeitlose Äußere sorgte für viele Vorschusslorbeeren für den Ro 80. Dies ist mittlerweile 50 Jahre her und eine neues Buch aus dem Delius Klasing-Verlag blickt zurück.

Das handliche Buch kommt im ungewöhnlichen Querformat daher und kann durch eine minimalistische Umsetzung des Cover-Designs gleich punkten. So sind sofort Parallelen zum Ro 80 zu entdecken, schließlich glänzte auch er mit eine ungewöhnlichen Technik und einem ansprechenden Design. Der Untertitel „50 Jahre Vorsprung durch Technik“ verrät sogleich das Jubiläum und auch den bis heute von Audi verwendeten Werbeslogan. Nach einem weiterhin optisch gelungenen Einstieg folgen zunächst zwei zeitgenössisches Abbildungen des NSU Ro 80 ehe zwei Vorworte von Klaus Meyer vom Ro 80 Club International und dem Autor Klaus Arth folgen. Das Inhaltsverzeichnis führt dann die kommenden acht Kapitel auf.
Zum Start blickt das Buch zunächst auf den Erfolg, welchen der NSU Ro 80 von Anfang an versprach. Schon kurz nach seiner Präsentation auf der IAA im Jahr 1967 wurde der neue NSU zum Auto des Jahres gekührt. Der angesehene Preis wurde von führenden europäischen Autojounalisten vergeben und der Ro 80 war das erste deutsche Fahrzeug welches diesen Titel gewinnen konnte. Dabei hatte er mit deutlichen Abstand von dem Fiat 125 und dem Simca 1100 die Journalisten überzeugt. Dazu zeigt das Buch tolle Aufnahmen, sowohl von der Präsentation auf der IAA als auch von der Preisverleihung in London.

Auch einen großen Anteil an der positiven Aufnahme des neuen NSU hatte sicherlich seine gelungene Form und diese ist zugleich die Basis zum nächsten Kapitel. Doch zunächst wird der Anspruch an die Entwicklung an die neue Limousine verdeutlicht und die geforderten Fähigkeiten dargestellt. Dann folgen tolle Aufnahmen der erste Modelle und auch einige Zeichnungen finden sich wieder. Sogar ein vom Vorstand abgelehnter Entwurf für die Gestaltung des Armaturenbretts findet sich im Buch wieder. Maßgeblich an der Entstehung beteiligt was Claus Luthe, der auch durch Tests im Windkanal die Form optimierte. Hier erhält der Leser so die Möglichkeit von ersten Entwurf bis zum fertigen Produkt viele Schritte nachvollziehen zu können und auch die durchgeführten Testfahrten werden thematisiert. Hier kam es mit einem getarnter Prototypen sogar zu einem Unfall, der ebenfalls mit entsprechenden Fotografien dargestellt wird.
Der Antrieb war mit dem ungewöhnlichen Motor nach dem Prinzip von Felix Wankel eine der vielen ungewöhnlichen Entwicklungen für den NSU Ro 80. Schon seit 1958 wurden die Wankel-Motoren bei NSU entwickelt und seinen ersten Serieneinsatz feiert der Motor im NSU Wankel Spider von 1964. Die Vorteile sind vor allem die sanfte Kraftentfaltung und die sehr hohe Laufruhe die dem Prinzip des Wankel-Motors geschuldet sind. Nach einigen Anpassungen leistet der im Ro 80 verwendete Motor 115 PS, was für die damalige Zeit ein noch beeindruckender Wert war.

Auch die weitere Technik des NSU Ro 80 stellt das Buch vor. So wurde ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit gelegt, was für die damalige Zeit noch ungewöhnlich war. Mit einer Bodengruppe, die durch eine geschickte Kombination aus Traversen und Holmen eine stabile Basis bot, wurde die besonders verwindungssteife, selbsttragende Karosserie verbunden. Und auch die Lenkung, das Fahrwerk und die Bremsen werden kurz und vorgestellt und mit entsprechenden Bilder und Grafiken unterstützt.
Die Ausstattung steht dann beim mittlerweile schon fünften Kapitel im Mittelpunkt. Hier bietet die mit schmalen Dachpfosten ausgestattet Karosserie eine gute Basis um mit einem lichtdurchfluteten Raum auch eine optimale Sicht zu erreichen. Das Armaturenbrett zeigt die damals noch keinesfalls alltäglichen Rundinstrumente mit Drehzahlmesser, Tachometer sowie eine elektrischen Zeituhr und einem Kombiinstrument für Wassertemperatur und Tankinhalt. Der gebotene Komfort wird dann ebenfalls noch beschrieben, ebenso wie alle Details der Innenausstattung und auch der Kofferraum mit seiner hohen Variabilität.

Dann folgt der Blick auf die Serie und zeigt dabei auch Bilder aus der damaligen Produktion. Nach 18 Vorserien-Fahrzeugen startet diese zunächst aber nur schleppend, da es zu Problemen bei der Materialbeschaffung und den Einzelproduktion gab. So werden nach dem Start im Oktober 1967 nur 354 Ro 80 hergestellt – bei einer Planung von 50 Limousinen pro Tag. Doch selbst diese kleine Stückzahl kann nicht verkauft werden, da der recht hohe Preis vermutlich den ein oder anderen Interessenten noch hadern lässt. Die Käufer eines Ro 80 kommen aber dafür zumeist aus den höheren Schichten und sorgen für eine Portion Extravaganz. Das verhindert aber gleichzeitig das die angestrebten Käufer in Form der Familienväter noch zuschlägt, dabei wären hier sicher höhere Stückzahlen zu erreichen. Dazu kommen auch noch ein paar Kinderkrankheiten, von denen viele mit der ersten Modellpflege im Juni 1968 verbessert werden können. Und trotz eines Rekordjahres für NSU 1969 sind die finanziellen Mittel, auch durch die Entwicklung des Ro 80, inzwischen aufgebraucht. Volkswagen übernimmt schließlich die Marke und fusioniert diese mit Audi. Das neuste Modell von NSU kommt dann schließlich als VW auf den Markt, hier zeigt sich aber später, das der kantige K 70 ein Flop werden sollte. Der vermeintlich hohe Verbrauch des Ro 80 ist hingegen auch dann noch Thema, als das Modell für den Export vorbereitet wird. Der Leser erhält in diesem Kapitel auch eine Übersicht der Farben und Lacke von 1969, einen Rückblick auf die Berichte der Presse, einige der damaligen Anzeigen und auch die ständige Modellpflege kann nachvollzogen werden. Dazu noch einen kleinen Extra-Artikel zu Claus Luthe, der maßgeblich an der Entwicklung des Ro 80 beteiligt war.

Die Zukunft des NSU Ro 80 in Form des mittlerweile zum Klassiker avancierenden Fahrzeug war dann beleuchtet, nicht ohne seinen möglichen Einsatz im Alltag darzulegen.
Zum Abschluss liefert das Buch dann noch alle wichtigen Daten zum Ro 80. Hier finden sich natürlich alle technischen Daten, aber auch eine Übersicht der Fahrgestellnummern, Lacke, Polster und Sonderausstattungen sind nach Baujahr sortiert aufgeführt. Dazu nich die Produktions- und Verlaufszahlen und auch die Preisentwicklung über die Produktionsjahre.

Fazit: Das Buch bietet einen schönen, kompakten Rückblick auf 50 Jahre NSU Ro 80. Das auf den ersten Blick recht zierliche Buch hat es dabei durchaus in sich. Zwar sind keine ausschweifenden Erläuterungen der zahlreichen, technischen Besonderheiten des Modells zu finden, aber dafür ein optisch sehr ansprechendes Layout mit einer sehr guten Bild-Text-Mischung. Bis auf wenigen Ausnahmen sind alle Aufnahmen zeitgenössisch und zeigen somit das Modell in seiner damaligen Umgebung. Dazu bietet der Text alles wichtige zum NSU Ro 80 und bringt viele Fakten schnell und verständlich auf den Punkt.
Für günstige 19,90€ erhält der Käufer einen kompletten Abriss der Geschichte der größten NSU-Modells. Alle wichtigen Daten und Fakten sind inklusive und so ist das Buch ein sicherer und guter Einstieg in das Thema NSU Ro 80.

Bibliografie:
Titel: NSU Ro 80 – 50 Jahre Vorsprung durch Technik
Autor: Klaus Arth
Umfang: 112 Seiten, 82 Abbildungen
Format: 245 x 188 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 1. Auflage 2017
Preis: 19,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-667-11045-9
Bestellbar beim Verlag unter: www.delius-klasing.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Delius Klasing, Marco Rassfeld