Buch – Verlorene Freunde

Beim Rennsport muss neben vielen spannenden Rennverläufen auch immer die Gefahr vor Augen geführt werden. Denn schließlich handelt es sich um einen Risikosport, bei dem aufgrund der hohen Geschwindigkeit auch immer mit dem Schlimmsten gerechnet werden muss. Das auch heutzutage die ständige verbesserten Sicherheitseinrichtungen nicht vor alles schützen können haben einige tödliche Unfälle in den letzten Jahren bewiesen. Ein Buch aus dem Delius Klasing Verlag blickt auf Das dramatische Leben und Sterben der größten Rennfahrer.

Das Buch kommt im klassischen Format daher und auf dem Titel blickt Jochen Rindt nachdenklich aus seinem Cockpit. Das Foto scheint perfekt gewählt für das Thema, denn man erhält den Eindruck das Rindt sich der Gefahr bewusst ist, die er sich bald aussetzen wird und auch Respekt davor zu haben scheint. Der Gefahr war sich vermutlich jeder der im Buch vorgestellten Fahrer bewusst und doch konnten sie nicht von dem Rennfahren lassen, es scheint wie eine Droge auf die Rennfahrer zu wirken. Erste Bilder von Unfallstellen finden sich dann auch direkt auf dem Vorsatz und der ersten Seite wieder. Sie bereiten den Leser darauf vor was sie erwartet und nach einem kurzen Editorial und dem Inhaltsverzeichnis beginnt sofort die Vorstellung der 19 ausgewählten Rennfahrer.
Der Start obliegt dem Italiener Michele Alboreto, der im Jahr 2001 bei Testfahrten auf dem Lausitzring in einem Audi R8 verstarb. Alboreto war mit seiner großen Erfahrung ein wichtiger Testfahrer für Audi um die Entwicklung für das legendäre 24 Stunden Rennen in Le Mans zu bestreiten. Diese Arbeit war eigentlich reine Routine und fand unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur ein Streckenposten war Augenzeuge des Unfalls, der aus der 11,3 km langen Strecke aus Renn- und Industrie-Prüfstrecke bestand. Ein tragisches Ende eine interessante Karriere bei der als Highlight die Jahre in der Formel 1 bei Ferrari zu nennen ist.
Bis heute ein Ikone ist der Brasilianer Ayrton Senna um dessen Unfalltod im Jahr 1994 bei Großen Preis von San Marino bis heute einige Fragezeichen stehen. Fest steht das die Lenksäule des Williams gebrochen ist, aber nicht ob dies die Ursache oder eine Folge des Unfalls war. Für alle war der unerwartete Tod von Senna aber ein Schock und für den damaligen, deutschen Jungstar Michael Schumacher eine erste Erfahrung mit dem Tod im Rennsport. Dies machte auch Schumacher nachdenklich, der sogar über einen Rückzug aus dem Sport nachdachte. Das Wochenende in diesem Jahr stand schon nach dem Training unter keinem guten Stern. So ließ auch Roland Ratzenberger hier sein Leben und Rubens Barrichello konnte mit viel Glück einen schweren Unfall überleben.

Für gleich zwei große Talente war der Sommer im Jahr 1985 der letzte den sie erleben durften. Sowohl der amtierende Sportwagen-Weltmeister Stefan Bellof und die kommende, deutsche Hoffnung für die Formel 1 Manfred Winkelhock verloren bei Rennunfällen innerhalb von nur drei Wochen ihr Leben. Bellof war in Spa-Francochamps in der berüchtigten Eau Rouge-Kurve mit seinem Porsche 962 des privaten Brun-Rennstalls mit dem Porsche 962 des Porsche-Wekrsteams und Jacky Ickx am Steuer kollidiert. Die Kurve bietet eigentlich keine Möglichkeit zum Überholen, aber Bellof schien furchtlos und bezahlte damit mit seinem Leben. Nach fünf Runden hinter dem Altmeister Ickx wollte Bellof unbedingt überholen und schlug in den Sockel der Tribüne ein. Der Frontalaufprall ließ ihm keinerlei Überlebenschance. Winkelhock schlug beim Rennen der Sportwagen-Weltmeisterschaft im kanadischen Mosport ebenfalls mit einem Porsche 962 in eine Betonmauer ein. Beim Rennwagen des Kremer-Teams brach die Aufhängung und ließ den Porsche mit etwa 230 km/h in die Mauer einschlagen. Dazu kamen dilettantische Rettungsmaßnahmen und erst nach langen 25 Minuten war Winkelhock aus seinem Wrack befreit. Er starb schließlich nach 22 Stunden im Koma an seinen schweren Kopfverletzungen.
Schon zwei Jahre zuvor ließ der erfahrene Rolf Stommelen sein Leben bei einem Rennunfall. Beim Porsche 935, den Stommelen gemeinsam mit Derek Bell beim 6-Stunden-Rennen in kalifornischen Riverside einsetzt brach der mächtige Heckflügel. Der Rennwagen wurde unkontrollierbar und flog über die Leitplanke und prallte anschließend mit voller Wucht gegen eine Betonwand, die Teil der alten Streckenbegrenzung war. Eigentlich hätte die Wand gar nicht mehr stehen dürfen aber brachte für den fast 40 jährige Deutschen den Tod. Schon in Laufe seiner Karriere überlebte Stommelen einen ähnlichen Unfall während des Formel 1-Rennen in Spanien im Jahr 1975. Auch hier bricht an seinem Hill-Ford der Heckflügel und er landet in den Zuschauern, von denen fünf getötet werden.
Als vollkommen unerschrockener Rennfahrer wird den Formel 1-Fans der kanadischen Rennfahrer Gilles Villeneuve sicher noch in Erinnerung sein. Er hatte viele spektakuläre Unfälle ehe das Abschlusstraining zum Großen Preis von Belgien im Jahr 1982 sein letzter Einsatz hinter dem Lenkrad werden sollte. Villeneuve fuhr für Ferrari und war in einem teaminternen Duell mit Didier Pironi der kurz vor dem Ende der Session in Führung lag. Villeneuve setzte alles auf eine Karte und dabei kam es zu einem Missverständnis mit dem deutschen Jochen Mass. Dieser wollte die Rennstrecke frei machen und verließ die Ideallinie. Aber Villeneuve war schon im Begriff zu Überholen und kollidierte so mit dem March. Nach mehreren Überschlagen trifft sein Kopf den Pfosten eines Fangzaun und durch einen Genickbruch ist der Kanadier unvermittelt tot.

Einige Rennfahrer ließen zwar nicht im Rennsport ihr Leben, aber durch einen Absturz aus der Luft, so finden sich im Buch mit Harald Ertl, Carlos Pace und Graham Hill gleich drei Rennfahrer die dieses Schicksal erleiden mussten. Nach Ertl’s Absturz kam es in Deutschland zu einer hitzigen Diskussion um die Hobbypiloten, denn sein Schwager flog das kleine Flugzeug mit fünf Insassen. Kurz zuvor konnte Uli Hoeneß bei einem ähnlichen Absturz als einziger überleben. Scheinbar gibt es aber parallelen zwischen der Faszination von Rennfahren und Fliegen. Tragisch aber das es so viele Spitzenfahrer der Renngeschichte treffen musste.
Für Ronnie Petersen wurde auch Monza zum Verhängnis. Kurz nach dem Start kam es im Getümmel zu mehreren Berührungen der Fahrzeuge in dessen Folge der Lotus von Petersen frontal in die Leitplanken einschlägt. Anschließend konnte Vittorio Brambilla nicht mehr ausweichen und krachte in den Lotus. Petersen wird von den Fahrerkollegen aus seinem Fahrzeug gezogen und ist sogar bei Bewusstsein. Rennarzt Sid Watkins wird allerdings auf dem Weg zu dem Opfer von der italienischen Polizei aufgehalten und erst nach einer Viertelstunde erreicht ein Krankenwagen den Verletzten um ihn zu versorgen. Die Beine sind mit 27 Frakturen versehen und ein Bein sollte amputiert werden. Hiergegen protestierte Petersen aber, schließlich wolle er wieder Rennen fahren. Es kommt aber noch in der Nacht zu einer OP, aber am Montag früh um 4 Uhr erhält Watkins einen Anruf, das der Zustand von Petersen sich rapide verschlechtert hat. Als er im Krankenhaus ankommt ist er schon Gehirntod, die Folgen eine Fettembolie vermutlich durch die Vollnarkose. Entscheidend sind aber hier die Folgen des Unfalls, denn mit Bernie Ecclestone, Jackie Stewart und Niki Lauda wird das Thema Sicherheit zum ersten Mal ernsthaft diskutiert. Als erste Maßnahme wird hinter dem Starterfeld ein Arztauto mit auf die Strecke geschickt um schneller bei den Opfern zu sein. Eine längst überfällige Maßnahme in Jahr 1978.

Einen der vermutlich schrecklichsten Unfälle in der Formel 1-Geschichte kostete 1977 Tom Pryce das Leben. In der dritten Runde des Großen Preis von Südafrika in Kyalami rollt Renzo Zorzi mit einem Motorschaden auf der Start- und Zielgerade aus. Er kann den Shadow noch auf den Seitenstreifen lenken und so eine unmittelbare Gefahr für das Feld der restlichen Rennfahrer zunächst vermeiden. Der Wagen fängt aber schnell Feuer und zwei Streckenposten laufen über die Rennstrecke um den Brand zu löschen. Dabei ist das Rennen im vollem Gang und die Fahrer können hinter einer Kuppe auf der Gerade erst sehr spät gesehen werden. So trifft der Shadow von Pryce einen der Streckenposten, den gerade einmal 19 Jahre alten Frikkie Jansen von Vurren. Dieser wird wie eine Puppe durch die Luft geschleudert und schlägt auf den Randsteinen hart auf. Der Feuerlöscher den er bei sich trug, traf Pryce am Kopf und die Wucht des Aufpralls schleuderte diesen hoch in die Luft ehe er schließlich unter einem Auto auf dem Parkplatz landete. Auch Pryce war sofort Tod, sein Wagen allerdings etwa 300 km/h schnell und sein Fuß drückte weiterhin auf das Gaspedal. In der folgenden Kurve reist er noch den Ligier von Jacques Laffite mit und beide landen frontal in der Streckenbegrenzung. Ein echtes Horrorszenario, das Rennen wurde aber, wie damals nicht unüblich, zu Ende gefahren.
Der junge Franzose Francois Cevert sollte bei Tyrrell der Nachfolge von Jackie Stewart werden. Der dreimalige Weltmeister war der Ziehvater für Cevert und wollte zum Ende der Saison mit dem Rennfahren aufhören. Aber die Statistik endet für Stewart bei 99 Rennen, obwohl er gemeinsam mit Cevert und dem Tyrrell-Team zum Großen Preis der USA in Watkins Glen angereist war. Im Qualifying kam es dann aber zu einem schweren Unfall auf der Suche nach den letzten Sekunden und Cevert verlor nach der Berührung der Randsteine die Kontrolle und schleuderte anschließend von Leitplanke zu Leitplanke. Die Bilder der havarierten Tyrrell und dem verstorbenen Cevert brennt sich die Köpfe von Stewart und seiner Kollegen. Stewart zieht unmittelbar seinen Konsequenzen und beendet sein  Formel 1-Engagement. Sein hochtalentierter designierter Nachfolger war einen schrecklichen Tod gestorben und dies veranlasste ihn zu dieser bemerkenswerten und anerkennungsvollen Aktion.

Auch die tragischen Unfälle von Joseph Siffert, Pedro Rodriguez, Jochen Rindt, Piers Courage, Gerhard Mitter, Jim Clark und Graf Berghe von Trips werden im weiteren Verlauf des Buches noch vorgestellt und lassen den Leser ein ums andere mal schwer schlucken. Zu jedem Schicksal gibt es ein Porträt des Fahrers und ein bis mehrere doppelseitige Abbildungen aus dem Rennfahrer-Leben der einzelnen Fahrer. Hier sind nicht ausschließlich die Unfallszenen zu entdecken, sondern immer wieder auch tolle Fahraufnahmen und beim weiterführenden Text oft auch kleiner abgebildete Bilder mit viel menschlichen Eindrücken.

Fazit: Die Umstände der tödlichen Unfälle der besten Rennfahrer sind teilweise so obskur, dass man diese kaum nachvollziehen kann. Deutlich werden aber so auch immer wieder die damals nicht vorhandenen Sicherheitsvorschriften, welche sowohl den Fahrern, als auch den Zuschauern oft zum Verhängnis wurden. Das Motorsport gefährlich ist, wird sich niemals ändern und man kann sich nicht vor jeder Eventualität schützen, aber die hohen Standards führen heute zu einer deutlichen Steigerung der Sicherheit. Hinter jedem verstorbenen Fahrer stecken einzelne Schicksale und auch diese werden im Buch herausgearbeitet in dem auch der Weg bis zum Unfall noch nachgezeichnet wird. Bei allen Opfern ist die bedingungslose Leidenschaft zum Motorsport fast spürbar und die herausragenden Bilder tragen dazu auch einen wichtigen Teil bei. Schön das auch eine großformatige Platzierung gewählt wurde um die Eindrücke einfach besser übermittelt zu bekommen. Die Wahl der vorgestellten Fahrer zeigt eine hohe Fachkenntnis und deckt dazu einen erstaunlichen langen Zeitraum ab.
Das Buch ist für absolut faire 29,90 Euro erhältlich und bietet dem Motorsport-Fan einen Rückblick auf herausragende Fahrerpersönlichkeiten, denen der Tod im Rennsport oder durch einen Flugunfall gemein ist. Interessant ist der Titel sicher für die vielen Menschen, welche die Unfälle live miterlebt haben und für alle Motorsport-Fans. Eine hohe Faszination strahlen auch die tollen Bilder aus und bilden so einen würdigen Rahmen.

Bibliografie:
Titel: Verlorene Freunde – Das dramatische Leben und Sterben der größten Rennfahrer
Autoren: Elmar Brümmer, Ferdi Kräling
Umfang: 144 Seiten, 75 Abbildungen
Format: 216 x 286 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 1. Auflage 2017
Preis: 29,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-667-10970-5
Bestellbar beim Verlag unter: www.delius-klasing.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Delius Klasing, Marco Rassfeld