Buch – Fast Forward

Autos für die Zukunft, die Zukunft der Autos so lautet der Untertitel eines neuen Buches aus dem Verlag Gestalten. Mit diesem neuen Titel soll die Geschichte der Concept Cars nachvollzogen werden und hierbei wird der große Zeitraum seit den 1930er bis heute berücksichtigt. Ein vielschichtiges Thema, welches auch oft eine große Portion an Faszination mit sich bringt. Somit ist ein Buch mehr als gerechtfertigt …

Das Buch zeigt sich im großem Format und ist dabei fast quadratisch. Dies ermöglicht einen großflächige Platzierung von Bildern, welche die interessanten Fahrzeuge zeigen. Dazu hat das Buch ein beachtliche Stärke und somit auch das entsprechende Gewicht. Das gewählte Bild auf dem Titel zeigt eines der auch heute noch bekanntesten und gleichzeitig auch radikalsten Concept Cars, den Lancia Stratos HF, besser bekannt als Stratos Zero. Perfekt in Szene gesetzt in einer farblich abgestimmten Umgebung sorgte der Titel so für große Neugier und bei den Kennern auch gleichzeitig für einige Erwartungen.
Als Einstieg folgt dann zunächst ein Vorwort von Jan Karl Baedeker, der die Geschichte der Concept Cars Revue passieren lässt und dabei auch auf den Sinn und Zweck solche Fahrzeugstudien eingeht. Dabei nennt er auch das ein oder andere Beispiel um die eingebrachten Thesen zu verdeutlichen und zu unterstreichen. Dazu gibt es auch schon erste Bilder von unterschiedlichen Concepts Cars aus verschiedenen Epochen.
Dann startet das Buch mit den 30er und 40er Jahren in denen die ersten Concepts Cars auf sich aufmerksam machten und versuchten die Zukunft des Automobils vorherzusehen. Zunächst folgt noch eine Blick auf die damaligen, modernsten Designs aus unterschiedlichen Genres um so auch ein Gespür für die Zeit zu vermitteln. Schließlich zeigt sich mit dem Buick Y-Job dann auch schon das erste Concept Car der Geschichte, welches sinnvoller Weise auch der eigentliche Einstieg in das Buch bedeutet. Die Idee hinter des Y-Job war den Käufer wieder Geschmack auf ein neues Automobil zu machen. Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise, die durch den schwarzen Dienstag im Oktober 1929 ausgelöst wurde waren noch zu spüren und viele Menschen hatten diverse Ängste und so ziemlich als letztes fiel der Gedanke an ein neues Automobil. Für die Hersteller war also zwingend erforderlich das die potentiellen Kunden wieder das Interesse am Automobil wiederentdeckten. So entstand unter dem genialen Harley J. Earl das erste Concept Car überhaupt. Und der Y-Job hatte einige damals sehr fortschrittliche Details zu bieten, die das Buch sowohl mit dem gelieferten Text als auch mit zahlreichen Bilder darlegen. Weitere ungewöhnliche Modelle aus dieser Zeit sind der Gordon Buehrig Tasco 48, der Stout Scarab, der Phantom Corsair sowie der Buckminster Fuller Dynaxion die durchaus unterschiedlichste Ansätze hatten.

Es folgten die 50er Jahre, die im Buch unter dem passenden Titel Chrom und Rock ’n Roll stehen. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg brachte vor allen in den USA einen kaum ja dagewesene Optimismus. Es war auch das Jahrzehnt der Flugzeug-Euphorie und die kann man sehr deutlich an den vielen Concept Cars ablesen. Schon das erste Modell in Form des Oldsmobile Golden Rocket trägt offensichtlich erste Elemente aus der Luftfahrt zur Schau und wurde erneut von Harley J. Earl umgesetzt. Er wurde 1956 im Rahmen der Motorama-Show von General Motors vorgestellt und gehört neben weiteren Fahrzeugen zu den Highlights. Die Motorama-Show wurde von GM von 1949 bis 1961 durchgeführt und brachte die neusten Ideen der Automobil-Designer an vielen Standorten direkt zu den neuen Kunden um das entsprechende Know-How zu unterstreichen. Auch schon 1951 nutzte GM diese Show um den LeSabre vorzustellen, der viele Neuheiten zu bieten hatte, von denen nur die wenigsten den Weg in die Serie fanden. Der LeSabre war mit extrem viel Aufwand und hohen Kosten entstanden, so dass eine Serienproduktion nicht möglich war. Der Name LeSabre wurde von General Motors aber wenig später für ein Modell von Buick genutzt. Wie ein Flugzeug auf Rädern scheint dann das nächste Concept Car. Der GM XP-21 Firebird I verfügte über echte Flügel und es schien als könnte das Auto abheben. Zu dem extremen Äußeren passt dann der Antrieb mit einer Gasturbine und beeindruckend ist dann noch die Tatsache, das der Firebird I wirklich fahrfähig war und für wenige Tests dies auch unter Beweis stellte. Mit dem Firebird II sollte dann die Alltagstauglichkeit der Gasturbine unter Beweis gestellt werden und so war der zweite Versuch deutlich konservativer. Aber von vielen verspielten Details konnte Harley J. Earl auch hier nicht absehen. Nachdem schon viele Modelle vom ehemaligen GM-Designchef Harley J. Earl gezeigt wurden, findet der Leser in der Folge ein Porträt über Earl wieder, im dem sein Werbegang und seine bedeutendsten Autos vorgestellt werden. Hier kann der Leser auch zum ersten Mal auf einen Erschaffer der Concept Cars blicken und einen sehr nahem Eindruck gewinnen. Unterstützt wird der Text auch hier von vielen und oft großen Bildern. Die nächste Variante der Firebird-Reihe war dann der Firebird III, der wieder einmal mit vielen Leitwerken eher wie ein Flugzeug aussah als nach einem Auto. Aus dem spannenden Zeitalter zeigen sich auch noch der Ford FX Atmos, der Plymouth XNR und der Cadillac Cyclone. Mit dem Alfa Romeo B.A.T. 7 von Bertone und dem Ghia Supersonic zeigen sich dann auch schon die ersten Modelle aus Europa, konkret aus Italien.

Die absolute Hochzeit der Concepts Cars erlebten diese dann aber in den 60er und 70er Jahre dessen wichtigsten Concept Cars im Buch als nächstes vorgestellt werden. Der Start obliegt dem Chevrolet Corsair Testudo mit dem Giorgio Giugiaro dem amerikanischen Modell eine komplett neue Identität schneiderte. Diesem Modell auf Basis des kompakten Corsair kann man viele Details entnehmen die später bei unterschiedlichsten Modellen in der Serie auftauchten. Die Grundform mit langer Motorhaube und kurzem Heck war zweifellos von E-Type von Jaguar inspiriert und doch lassen sich noch zahlreiche besondere Umsetzungen entdecken. Mit dem Studebaker Avanti schaffte es dann sogar ein Serienmodell in das Buch, das aber durch ein extrem modernes Design die Darstellung mehr als verdient hat. Bis 2007 wurde das Modell im Grunde so gebaut, wenn auch von unterschiedlichen Firmen da Studebaker wenig später Pleite ging. Wieviel Fortschritt man in diesen Jahren machte, verdeutlicht auch der Firebird IV von William L. Mitchell. Mit den Vorgänger-Firebird hatte das Modell nur noch wenig gemein und man schuf Ende der 60er Jahre schon ein Design was heute aus den 80er zu stammen scheint. Dazu ersann man schon damals das autonome Fahren, allerdings wäre ein speziellen Highwaysystem dafür erforderlich gewesen. Nach dem Flugzeugen stand nun die Rakete immer mehr im Fokus und besonders deutlich ist dies am GM Astro III zu erkennen, der mit einem extrem ungewöhnlichen Design auf sich aufmerksam machte. Das dreiräderige Fahrzeug war sehr ungewöhnlich und sorgte für viel Aufsehen. Ein weiteres Serienmodell ist der dann folgende Mazda Cosmo 110 S, der mit seinem ungewöhnlichen Wankel-Motor auch heute noch eine Besonderheit darstellt. Die hier gezeigten Bilder sind recht aktuell und setzten den seltenen Mazda wirklich gut in Szene. Es folgt ein Porträt von William L. Mitchell der bei General Motors die Nachfolge von Harley J. Earl antrat und ebenfalls viele Concept Cars zu verantworten hatte. Das aber die Concept Cars nun mehr und mehr aus Europa und vor allem aus Italien stammten wird in der Folge recht deutlich. So kann der Fiat Abarth 2000 Scorpione von Pininfarina heute ebenso noch gefallen wie der Lancia Sibilo von Bertone. Beide Modelle sind in extrem sportliche Form umgesetzt und zeigen eine ausgeprägte Keilform. Auch der japanische Mazda RX 500 war ein solcher Sportwagen und entstand im Hinblick auf die Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten. Mit Pininfarina zeigt sich dann auch der erste Europäer im Porträt und unterstreicht auch hiermit nochmals den Anspruch der Italiener.

Ein besonders bemerkenswertes und bekanntes Modell von Pininfarina ist der Ferrari Modulo, der durch seine kompromisslose Umsetzung begeistern kann. Auf Basis den damaligen Rennwagens 512 S schuf der Designer Paolo Martin ein vielbeachtetes Concept Car, welches mit insgesamt 22 Designpreisen überhäuft wurde. Aber auch in anderen Teilen der Welt wurden Concept Cars immer wichtiger und so zeigte der australische Hersteller Holden mit dem Hurricane sein Können. Hierzu wählte man auch einen Sportwagen um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Das aber unter der ansehnlichen Hülle auch viel fortschrittliche Technik steckte wird im Buch deutlich. So fand sich unter anderem auch ein Navigationssystem auf Basis von Magnetfeldern im Concept Car wieder. Der Lamborghini Marzal von Bertone war ein Concept Car welches einen Mittelmotor mit einer Viersitzer-Konfiguration verband. Vom Design kann er als Ausgangspunkt für den späteren Espada angesehen werden. Das nächste Porträt zeigt mit Giuseppe Bertone einen weiteren berühmte Namen der italienischen Karosserie-Künstler. Die Ausprägung der Keilform wurde indes immer weiter verfeinert und mit dem Maserati Boomerang von Giorgio Giugiaro und seiner Firma ItalDesign war Anfang der 70er Jahre ein neues, beeindruckendes Concept Car entstanden. Der Boomerang war als fahrfertige Studie ausgelegt und sollte ein konkreten Blick in die Zukunft von Maserati bieten. Auch über Giorgio Giugiaro bietet das Buch dann ein interessantes Porträt. Als nächstes fällt der Blick dann auf ein englisches Automobile, welches als Versuchsfahrzeug unterwegs war. Der Vauxhall SRV verband die eine lange, flache Form mit der Unterbringung von vier Sitzplätzen. Marcelo Gandini wird dann im folgenden Porträt vorgestellt ehe der Blick auf einer seiner beeindruckendsten Schöpfungen fällt, dem Alfa Romeo Carabo. Einmal mehr ein Concept Car mit extremer Keilform der mit seinen nach oben öffneten Türen die Basis für die Türkonstuktion des Lamborghini Countach gab. Das Konzept wurde zwei Jahre später mit dem Lancia Stratos HF noch weiter entwickelt und so entstand ein weiteres, keilförmiges Concept Car das noch extremer umgesetzt wurde. Ein wenig näher an einem Serienmodell war dann der 1974 vorgestellt Lamborghini Bravo, der ebenfalls von Marcelo Gandini stammte. Nur einen kleinen Schritt vom käuflichen Produkt entfernt war dann der Lancia Stratos HF aus dem Jahr 1971 der wenig später in der Rallye-WM für Furore sorgen sollte. Mit dem BMW Turbo folgt dann auch das erste deutsche Fahrzeug, von dem viele Elemente im M1 verwirklicht wurden. Der DeLorean DMC-12 ist ein weiteres Serienfahrzeug im Buch, welches auf Grund seiner speziellen Umsetzung und auch der einmaligen Geschichte erwähnenswert ist. Mit dem Mercedes C111 bildet dann ein fahrendes Labor den Abschluss der 60er und 70er Jahre.

Die Zeit ab den 80er Jahren bis heute werden dann auf den folgenden Seiten im Buch noch zusammengefasst. Hier findet sich zunächst der Audi Avus quattro wieder, der den Einsatz von Aluminium voraussagte. Der extreme Peugeot Proxima, der ItalDesign Aztec, der Alfa Romeo Zagato, der Ford GT90 und der Ford 021C sind die weiteren Modelle aus den 90er Jahren. Dann folgt der Schritt in die 2000er mit dem Volkswagen Microbus Concept und dem Audi Steppenwolf, gefolgt von Porträts über Marc Lichte, Flavio Manzoni und Louis de Fabribeckers. Ein besonders ansehnliches Concept Car ist der Renault Trezor von 2016. Weitere Porträts blicken auf Michael Mauer und Adrian van Hooydonk. Der Rolls-Royce Vision Next 100 blickt ebenso wie der BMW Vision Next 100 gleich 100 Jahre in die Zukunft. Das ein Videospiel heute eine Basis für Concept Cars sein kann, zeigt die Alpine Vision Gran Turismo und wie die Zukunft eines vollkommen unbelasteten Hersteller aussehen kann zeigt der Faraday Future FFZERO1. Mit Mitja Borkert und Daniel Simon stehen dann nochmals zwei Menschen im Mittelpunkt. Dann folgten mit dem Concept IAA und der AMG Vision Gran Turismo zwei recht aktuelle Concept Cars von Mercedes und das passende Porträt über Gordon Wagener. Mit dem F 015 von Mercedes-Benz blickt man speziell auf das autonome Fahrerlebnis von morgen und mit dem JRuiter Consumer und den United Nude Lo Res Car bilden zwei hochmoderne Concept Cars den Abschluss des Buches.

Fazit: Ein sehr gelungenes Buch über die Vielfalt und die Geschichte der Concept Cars. Die Auswahl der Fahrzeuge kann dabei als durchaus gelungen gelten und die vielen Porträts von tragenden Persönlichkeiten ermöglichen dem Leser einen noch tieferen Einblick. Die Texte werden von vielen Bildern unterstützt, welche die beeindruckenden Fahrzeuge sehr gut in Szene setzt und zudem durch eine zumeist großflächige Darstellung überzeugen können. Zudem werden auch des Öfteren einige Details sichtbar, was sicher viele Betracher erfreuen wird. Deutlich wird in jedem Fall wie sich der Blick in die Zukunft im Laufe der Zeit wandelte und sich zugleich das Design immer weiter entwickelte. Die einzelnen Modelle stehen immer für die entsprechende Zeit und spiegeln die damaligen Verhältnisse ebenso dar wie die Hoffnungen auf die Zukunft. Oftmals legten die Concept Cars wichtige Weichen für die Zukunft in der einige der zunächst ungewöhnlichen Details umgesetzt wurden. Nur durch diesen Weitblick ist eine fortwährende Entwicklung möglich und dies macht die Concept Cars um so wichtiger. Ein Wermutstropfen ist dabei der vollkommene Verzicht auf Concept Cars aus den 80er Jahren, der so nicht zu erklären ist. Aber für eine komplette Abhandlung ist der gegeben Platz sicherlich nicht ausreichend.
Das technisch sehr gut umgesetzte Buch ist auch in englischer Sprache erhältlich und kann so auch die internationale Kundschaft befriedigen. Für knapp 50 Euro erhält man ein schweres Buch mit einen tollten Rückblick auf die Geschichte der Concept Cars und seiner Erschaffer. Für Einsteiger ist dss Buch ebenso zu empfehlen wie für erfahrenen Auto-Enthusiasten.

Bibliografie:
Titel: Fast Forward – Autos für die Zukunft, die Zukunft des Autos
Editoren: Gestalten & Jan Baedeker
Umfang: 304 Seiten
Format: 300 x 270 mm
Bindung: gebunden
Sprache: Deutsch
Auflage: 09/2017
Preis: 49,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-89955-689-6
Bestellbar beim Verlag unter: shop.gestalten.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Copyright Gestalten 2017, Renault