Buch – Shelby American – Up Close and Behind the Scenes

The Venice Years 1962-1965 so der weitere Untertitel zu einem neuen Buch aus dem amerikanischen Motorbooks Verlag. Der Kenner wird dabei sofort neugierig, denn schließlich handelt das Buch augenscheinlich von den Anfangsjahren von Shelby Americas, in denen die ersten Modelle in Venice entstanden. Hier wurde die Grundlage für einen langen Erfolg gelegt und somit lässt sich auf ein interessantes Buch hoffen.

Das Buch kommt im Querformat daher und kann mit einer Renn-Cobra auf dem Titel unmittelbar die notwendige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sofort gefallen kann auch das Design mit einer Art Label auf dem Titel, wobei dieses sogar durch eine Prägung nochmals hervorgehoben wird. Als Autor zeichnet sich Dave Friedman für den Titel verantwortlich, seines Zeichens ehemaliger Fotograf in Diensten von Shelby American. Dies lässt auf einen wirklich tiefen Blick in die internen Abläufe hoffen und passend dazu ist auf dem Klappentext zu lesen, dass das Buch den Leser mit in die Werkstatt von Shelby entführt. Unter dem Schutzumschlag lässt sich dann auch noch ein weiteres Bild entdecken, welches blau und schwarz ausgeführt ist und ein Shelby Daytona beim Boxenstopp zeigt. Das Bild geht über den kompletten Bezug und wirkt durchaus beeindruckend. Im Vorwort geht es gleich bildgewaltig weiter und es gibt einen ersten Blick in die Werkstatt. Hier ist die Qualität des Bildes allerdings nicht sehr gut, da eine ehemalige Rasterung noch sichtbar ist. Im ähnlichen Stil zeigt sich zum Schluss auch der Nachsatz, aber im gesamten Buch ist die Qualität der Bilder sehr gut. So kann man hier sicher auch von einem Stilmittel reden. Die hohe Qualität der Bilder wird dann beim weiteren Blättern deutlich, wie einen Rennszene mit zwei Shelly-Teammitgliedern auf einem Heuballen deutlich zeigt. Nach der Widmung und den Danksagungen des Autors folgt schließlich das Inhaltsverzeichnis, welches eine logische Struktur nach Jahren aufzeigt. Das folgende Vorwort erläutert dann nochmals das Verhältnis vom Autor zu Shelby und blickt in die Vergangenheit. So werden die damaligen Verhältnisse deutlich und der Leser kann sich einen ersten Eindruck verschaffen. Das der Leser sich auch auf die Erinnerungen einiger ehemaliger Mitarbeiter freuen darf wird deutlich. Eine Anmerkung beschreibt dann noch das Friedman beim Erstellen des Buches bestrebt war, möglichst viele neue oder kaum bekannte Bilder im Buch zu zeigen und so auch komplett neue Eindrücke schaffen zu können.

Der endgültige Start folgt dann mit dem ersten Kapitel und dem Jahr 1962. Die erste Mitarbeiterin von Carroll Shelby war Joan Sherman die Shelby bei einer Veranstaltung für Automobil-Enthusiasten und Süd-Kalifornien kennenlernte. Sherman war bei Bill Harrah angestellt und war beim Aufbau eines Automobil-Museums tätig, kümmerte sich aber ebenso um VIP-Veranstaltungen zu denen Harrah einlud. In einem kurzen Text lässt Sherman dann ihre Erinnnerungen an das erste Treffen mit Carroll Shelby Revue passieren. Aber auch weitere Details wie die ersten Kontakte mit dem britischen Herstellen AC werden dargelegt und die entscheidenden Entwicklungen somit hautnah präsentiert. Dann kommt auch der ehemalige Ford-Vizepräsident Don Frye noch zu Wort und trägt seine Erinnerungen vor. Ein schöner Einstand auf dem Weg zur ersten Cobra. Dann zeigt das Buch eine Vielzahl an Bildern, die dem Leser mit auf Entdeckungsreise durch das Jahr 1962 nehmen. Hier gibt es viel zu entdecken, von der ersten Cobra, den ersten Kunden und auch zahlreiche Renneinsätze ist vieles zu entdecken. Zu jedem Bild klärt eine Bildunterschrift über den Inhalt auf und liefert so die notwendigen Informationen.

Der ehemalige LKW-Fahrer von Shelby, der auch für die Zulieferung zur Rennstrecke verantwortlich war, erinnert sich dann im nächsten Kapitel an die enge Verbundenheit der Belegschaft von Shelby American und die vielen Aufgaben, die diese zur damaligen Zeit erledigen mussten. Dazu blickt das Buch auch textlich immer mehr auf die Ereignisse im Motorsport, denn durch mögliche Siege sah Shelby die Möglichkeit den Verkauf anzukurbeln und so war es notwendig, dass man bei vielen Veranstaltungen vor Ort war und um den Sieg mitfahren konnte. In diesem, erst zweiten Jahr wurden weitere Modelle geschaffen die den Erfolg noch steigern sollten. So schuf man auf Basis eines Chassis von einem Cooper Monaco den Shelby King Cobra, der die West Coast Pro Series in diesem Jahr beherrschen sollte. Für das kommende Jahr nahm man schließlich schon Entwicklungen auf um ein Coupé auf Basis der Cobra zu schaffen. Aus dem Brock Coupé Project wurde letztendlich der Shelby Daytona. Verantwortlich hierfür war in erster Linie Peter Brock, der für das Gesamt-Konzept verantwortlich war. Da man die genauen Regeln der FIA noch nicht kannte musste man später noch einiges am Fahrzeug ändern um den Regeln zu entsprechen. Es war schlicht und einfach kein Regelment aufzutreiben und so musste Mechaniker John Ohlsen nach einem Trip nach England das Regelbuch mitbringen und für Shelby American waren einige Dinge doch sehr überraschend und mussten nachträglich angepasst werden. Aber auch bei den Straßenfahrzeugen wurde weiter entwickelt und so wurde auch der größere Motor mit 289 cui in der Cobra verfügbar. Bei den Bildern sind jetzt auch schon vereinzelt erste Farbaufnahmen zu entdecken, die im Buch im Geist der Zeit umgesetzt wurde. So hat man keine aufwendige Bearbeitung der Bilder betrieben, sondern den leicht flauen Eindruck der damaligen Zeit erhalten. Sehr löblich.

1964 brachte dann weitere massive Änderungen für Shelby American mit sich, welche die Zukunft des Standortes in Venice immer mehr in Fragen stellen ließ. So war man zu Beginn des Jahres mit der Vollendung des Cobra Coupés beschäftigt, zwängte zur gleichen Zeit den ersten 427 cui-Motor in eine Cobra und schließlich tauchte plötzlich und für viele augenscheinlich unerwartet ein Ford Mustang auf dem Werksgelände auf. Das Buch zeigt unter anderem Bilder von den ersten Testfahrten der Cobra 427 und auch des Daytona Coupé in Riverside. Dazu sind dann natürlich auch die Bilder vom ersten Rennen in Daytona zu finden. Es ist durchaus erstaunlich auf wie vielen Aufnahmen Carroll Shelby höchstpersönlich an der Rennstrecke zu sehen ist. Der Gründer von Shelby American lag offensichtlich viel am Rennprogramm und so nahm er sich immer auch die erforderliche Zeit um seine Wagen und Fahrern zu unterstützen wo es ihm nur möglich war. Durchaus interessant sind auch drei Farbaufnahmen, die mögliche Farbkombinationen der Cobra aufzeigen, oder auch der Blick auf die erste Cobra 289 mit Automatik-Getriebe. Diese Kombination wurde selbst in den USA wenig nachgefragt und so wurden nur 20 Exemplare mit einem Automatik-Getriebe hergestellt. Der Blick fällt dann auch noch auf den Lang Cooper, ein Rennwagen-Einzelstück welches Shelby für Craig Lang herstellte und auch beim Sunbeam Tiger waren die Künste aus Venice gefragt. Peter Brock war in diesem Jahr auch mit den Entwürfen für ein neues Modell der King Cobra beschäftigt und das Buch zeigt das fertige Modell. Verwirklicht wurde dieser Wagen aber nie, das gleiche Schicksal teilte auch das Type 65 Cobra Coupé, von dem ebenfalls das entstandene Modell wiederzufinden ist. Mit der Dragon Snake wurde ein Modell der Cobra für das in den USA beliebte Drag Race verwirklicht und ebenfalls 1964 wurden auch die ersten Mustang zum Shelby GT350 umgebaut. Im Dezember tauchte dann das nächste Großprojekt für Shelby American auf, in einem Flugzeug wurde der erste Ford GT aus England zur Optimierung in die USA gebracht. Shelby American sollte aus dem zunächst schwierig zu fahrenden GT einen Gewinner-Typ machen.

1965 begann für Shelby gleich am ersten Tag mit einem Meilenstein, da noch am Neujahrstag der Vertrag für neue Hallen auf dem Gelände des Flughafens von Los Angeles unterschrieben wurden. Der beengte Platz in Venice zwang Shelby zu einer solchen Entscheidung. Die Produktion zog schon Anfang März in die neuen Hallen und das Rennteam folgte kurze Zeit später Ende März. In Nachhinein gab dann aber Carroll Shelby zu, dass es ein Fehler war die Rennabteilung ebenfalls umziehen zu lassen, schließlich wäre in Venice vermutlich ausreichend Platz zur Verfügung gestanden und durch den Umzug musste Shelby auf die Expertise vieler guter Leute verzichten. Es lassen sich auch noch einige Fotos der ersten Ford Mustang GT350 entdecken, die noch in Venice gebaut wurden. Heute echte Raritäten die bei Sammlern sehr beliebt sind. Der Fokus im Motorsport lag fortan immer mehr auf dem Ford GT aber auch das Daytona Coupé war noch an vielen Rennen beteiligt und als herausragenden Erfolg konnte mit der Eigenkonstruktion am Jahresende der Gewinn der FIA GT-Weltmeistschaft eingefahren werden. Auch für den Mustang GT350 wurde auch eine R-Version entwickelt, die im Hinblick auf einen Einsatz im Motorsport optimiert worden war.
Der folgende Epilog blickt noch auf die wichtigsten, nachfolgenden Entwicklungen und zeigt die Serienversion der Cobra 427, den Geschwindigkeitsrekord des Daytona Coupés und auch den Einsatz des GT40 und des Mustangs im Rennen. Im Anhang sind dann noch alle Ergebnisse der Rennen von 1962 bis 1967 zu finden, bei denen ein Shelby teilnahm und zum Abschluss findet sich noch eine unkommentierte Fotogalerie wieder, die auf die Zeit zurückblickt.

Fazit: Die Anfangsjahre von Shelby bilden die Basis zu diesem neuen Buch und werden viele Fans sicher in ihrem Bann ziehen. Da sind zum einen die wirklich sehr guten Aufnahmen von Dave Friedman der als Fotograf für Shelby aktiv war und tief in sein Archiv greifen konnte. Viele der Bilder sind bis zu diesem Buch nicht veröffentlicht worden und andere sind nur selten zu finden. Zu Anderen liefern die Texte zu den einzelnen Jahren die persönlichen Erinnerungen der Mitarbeiter von Shelby und liefern somit einem direkten Blick auf die damaligen Verhältnisse. Einen tieferen Einblick kann man kaum ermöglichen und so findet sich der Leser direkt bei dem Aufbau einer Legende wieder. Dabei wird ein ums andere Mal auch deutlich das Shelby nicht nur die Cobra zu verantworten hatte, sondern stattdessen bei vielen Projekten involviert war. Das es dann für die ersten Räumlichkeiten zu eng wurde scheint im Nachhinein wenig verwunderlich. Aber auch dies trug sicher zur Legende der Venice Jahre bei und dies lässt auch der Autor dem Leser abermals aus erster Hand erfahren.
Technisch ist das Buch sehr gut umgesetzt und kann mit einem tollen Schutzumschlag sofort überzeugen. Die optische Aufmachung ist passend dazu gewählt und wirkt durchaus modern ohne zu aufdringlich zu wirken.
Für aktuell etwas über 40 Euro ist das Buch eine Sünde sicher wert. Für die komplette Shelby-Bibliothek scheint das Werk geradezu unverzichtbar und darf keinesfalls fehlen. Aber auch die Freunde des Motorsports aus den 60er Jahren können hier einiges entdecken und werden sicher ihre Freude an dem Buch haben.

Bibliografie:
Titel: Shelby American Up Close and Behind the Scenes – The Venice Years 1962-1965
Autor: Dave Friedman
Umfang: 240 Seiten, 100 Farb- und 200 Schwarz-Weiß-Fotos
Format: 305 x 248 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 09/2017
Preis: $50.00
ISBN-Nr.: 978-0-76035-198-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.quartoknows.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Bob Bondurant, Marco Rassfeld