Magazin – Motor Klassik Dezember 2017

Die letzte Ausgabe der Motor Klassik des Jahrgangs 2017 ist ab sofort erhältlich und wirft wieder einen Blick auf einige tolle, klassische Fahrzeuge. Im Vorwort blickt Hans-Jörg Götzl zurück auf eine beeindruckende Oldtimer-Veranstaltung. Hierbei ist aber keine der großen, bekannten Concours‘, Messen oder Rennveranstaltungen gemeint, sondern eine mit gut 20 Klassiker eher bescheidene Veranstaltung. Diese trafen sich um die Bewohner des Generationenhauses in Stuttgart zu einer etwa einstündigen Ausfahrt mitzunehmen. Die Bewohner der sozialen Einrichtung fieberten dem Tag entgegen und konnten ihrem grauen Alltag entfielen. Ob nun ältere Menschen, oder Menschen die an Multipler Sklerose erkrankt sind, allen brachte der Tag eine tolle Abwechslung. Eines von vielen Beispielen, wie man mit seinem Klassiker auch benachteiligten Menschen helfen kann. Toll!

Porsche – bei dem Namen weiß auch heute noch jedes Kind, dass diese Automobile eine hohe Faszination ausstrahlen. Redakteur Dirk Johae geht für Motor Klassik auf Spurensuche fährt zwei der ältesten Modelle des Herstellers aus Zuffenhausen und wird somit von vielen sicher beneidet werden. Das Porsche Museum stellte dazu sogar das absolut erste Automobil mit dem Markennamen Porsche bereit, den sogenannten Porsche Nummer 1. Dieser entstand damals noch im österreichischen Gmünd, wo Porsche nach den zweiten Weltkrieg zunächst ansässig war. Mit den technischen Komponenten des Volkswagen schuf man hier einen ersten Sportwagen, der sogar mit einem Mittelmotor ausgestattet war. Dazu drehten die Konstrukteure um Ferry Porsche den Motor samt Getriebe und strebten hiermit eine bestmögliche Gewichtsverteilung an. Die 35 PS hatte nur das geringe Gewicht von 585 kg zu bewegen und so wurden durchaus stattliche Fahrleistungen ermöglicht. Dazu bei trug auch die kompromisslose Ausrichtung als Speedster bei und man erkennt schon deutlich erste optische Ansätze zum späteren 356. Für die Serienversion des 356 änderte sich entgegen der Nummer 1 aber noch einiges, so verzichtete man auf den Gitterrohrahmen, schuf stattdessen eine selbsttragende Karosserie und auch die Auslegung als Mittelmotor wurde nicht in die Serie übernommen. Das zweite Modell welches sich im Fahrbericht zeigt, ist eines der seltenen ersten 356 die offiziell noch als Limousine verkauft wurden. Auch diese erste Modelle wurden noch im Gmünd gebaut und verfügten über eine Karosserie aus Aluminium. Dadurch waren die 356 sehr leicht und zugleich verwindungssteif und prädestinierten sie so für den Einsatz im Motorsport. Das gezeigte Modell trägt die Chassis-Nummer 356/2-055 und es ist nicht eindeutig zu klären ob der 356 vielleicht doch schon einer der ersten Porsche aus Zuffenhausen war. Bekannt ist aber, dass es einer der vier Werks-Rennwagen war und somit eine aktive Rennkarriere hatte. Beide Modelle können heute mit echtem und ungefilterten Fahrspaß überzeugen und die Ausfahrt war mit hoher Sicherheit ein prägendes Erlebnis.

Im Winter sind die geliebten Klassiker zumeist in der Garage zu finden, um sie nicht den Strapazen des hiesigen Winters auszusetzen. Aber es gibt auch hier spannende Alternativen für die Freunde der klassischen Automobile in Form der zumeist durch und durch alltagsfreundlichen Youngtimer. Die Motor Klassik stellt sieben ganz unterschiedliche Modelle vor und blickt so auf eine große Bandbreite von interessanten Fahrzeugen. Da wäre zunächst der Volkswagen Bus T3, der sicher kein Geheimtipp mehr ist. So sind die Preise auch schon bei etwa 8.000 Euro für ein ordentliches Exemplar und steigen weiter. Aber die hohe Flexibilität und die vielen Möglichkeiten mit einem Bulli bietet auch schon der T3, wobei man natürlich aber auch einige besondere Stellen besonders achten muss. Als zweites betritt der Fiat Barchent die Bühne. Ein Roadster, der auf der Welle des Mazda MX-5 mitsegelte und heute ein besonderes interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Durch die zuverlässige Großserientechnik bietet der Barchetta eine Menge Fahrspaß fürs Geld und kann auch bei einer Reise zu zweit gut eingesetzt werden. Mehr Platz unter freiem Himmel bietet das letzte Stoffdach-Cabriolet von BMW, der 3er aus der E46-Serie. Wie bei so vielen Dreiern wird auch hier das Problem ein unverbasteltes Exemplar zu finden und damit dann die Sonne zu genießen. Ein nicht zu kleines Porte­mon­naie sollte aber dennoch vorhanden sein. Wenn es ein wenig mehr Platz sein darf, so bietet sich der Mercedes-Benz E 280 T-Modell der Baureihe 210 an. Das oft gescholtene Modell litt unter einigen Rostproblemen, aber die schlimmsten Exemplare dürften inzwischen nicht mehr existieren. Der Mercedes-Benz kann in jeden Fall mit viel Platz aufwarten und liefert auch das sichere Gefühl, welches die Fahrzeuge aus Stuttgart schon lange auszeichnet. Die drei verbleibenden Alternative sind heute in erster Linie nur noch selten anzutreffen aber eben das macht den Reiz eines Youngtimers auch aus. Der Jaguar S-Type war die erste moderne Interpretation eines Klassikers aus einigem Haus und wurde so zu beachtenswerten Erfolg, der Mitsubishi Sigma zeigt die schon damals vorhandene Verbindung des Japaner zu den US-Amerikanern, denn vieles ist nach dem Baumuster der US-Amerikaner gebaut worden. Beim Citroën XM stellt sich für viele bis heute die Frage, ob dies nun der letzte echte Citroën war oder nicht, seine große Extravaganz ist bis heute aber ungebrochen. Eine gelungene und weite Auswahl an tollen Youngtimern.

Im historischen Rennsport hat sich in diesem Jahr eine interessante Rennserie etabliert und konnte dabei schon in seiner zweiten Saison für große Aufmerksamkeit sorgen. Basis der Tourenwagen Classics sind die Rennwagen der vergangen DTM- und auch STW-Tage. Gerade die DTM war in der Vergangenheit eine beeindruckende Serie die mit enormen Publikumsinteresse verfolgt wurde. Die Rennwagen der Serie stammen aus den Jahren von 1984 bis 1999 und sind in den meisten Fällen echte, damals aktive Rennwagen. Das Reglement sieht vor, dass die damalige optische Erscheinung beibehalten werden muss und so können die Fans an den Rennstrecken die alten Fahrzeuge nochmals erleben. Die Rennwagen werden in insgesamt fünf Klassen unterteilt um, die vor allem zum Schluss, sehr schnelle Weiterentwicklung Rechnung zu tragen. Meister der Tourenwagen Classics wurde Thorsten Stadler auf einer Mercedes-Benz C-Klasse aus dem Jahr 1994. Dieser Wagen wurde in der entsprechenden Saison von Ellen Lohn gefahren und neben ihrem elften Platz im Jahr 1994 konnte das Klaus Ludwig am Steuer des Schwesterautos die damalige Meisterschaft für sich entscheiden. Begeistern kann die Serie durch die Möglichkeit solch Rennwagen nochmals in vollem Einsatz auf der Rennstrecke zu erleben und auch den Sound erneut zu erfahren. So kann auch der Alfa Romeo 155 V6 TI von Stefan Rupp aus dem letzten Jahr der DTM bzw. ITC begeistern und selbst ein nie im Rennen eingesetzter Audi 80 DTM ist Teil der Serie. Die Tourenwagen Classics bieten ein tolles Angebot für die Fahrer, die Fans und die Serie steht dazu erst noch am Anfang, für das nächste Jahr hat sich Jürgen Feucht mit seinem Ford Mustang angekündigt und man darf gespannt sein auf das kommende Fahrerfeld und die weiteren Entwicklungen der Serie.

Ein weiteres Highlight aus Sicht des Motorsports in der aktuellen Motor Klassik ist ohne Frage ein Interview mit Vic Elford. Während der Tour de Corse Historique fuhr der Ausnahme-Rennfahrer einen Porsche 911 Carrera SC/RS von 1985 und traf hierbei auch seinen alten Teamkollegen Gérard Larousse wieder. Schon im Jahr 1966 startete Elford auf Korsika bei der damaligen Rallye mit einem Porsche 911 und seinem Beifahrer David Stone. Dies war zugleich seine erste Rallye auf einem Porsche und beide konnten die Rallye auf dem dritten Rang hinter den Renault 8 Gordini von Piot/Jacob und dem Alfa Romeo von Rolland/Augias beenden. Dabei waren die Engländer das einzige nicht-französische Team unter den Top 8. Im Interview geht Elford auf den Verlauf der damaligen Rallye ein und berichtet von der Entwicklung eines besonderen Aufschreibs, welches ein nicht zu verachtender Vorteil gegenüber der Konkurrenz war. Lange war der Engländer für Porsche aktiv und entwickelte hierbei auch ein besonderes Verhältnis zu Ferdinand Piëch, der auch das Vorwort zu seinem Buch schrieb. Eine beeindruckende Leistung zeigte Elford während der Targa Florio im Jahr 1968, die er schließlich auch gewann. Das anschließende Rennplakat zeigte dann nicht wie zumeist den Rennwagen, sondern Vic Elford höchstpersönlich. Dies hatte er auch der großen Anerkennung von Helmuth Bott zu verdanken, dem damaligen Entwicklungschef von Porsche. Elford empfahl Porsche auch den gesuchten, französischen Fahrer um in einem Porsche Siege einzufahren und nachdem sein guter Bekannter Piot auf der Liste von Porsche stand kam die Empfehlung Elford’s zu Larrousse. Beide gemeinsam konnten 1971 Siege beim 12 Stunden-Rennen in Sebring und beim 1.000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring feiern. Die besondere Kunst sich auch lange Rennstrecken einzuprägen brachte Elford auf langen Strecken wie bei Targa Florio oder der Nordschleife des Nürburgrings nicht zu verachtende Vorteile und auch hiervon weiß er noch zu berichten. Zum Schluss legt er auch noch dar, warum er den Helm an den Nagel hängte und seit dem vermehrt aufkommenden Sponsoring der Motorsport nicht mehr so wie vorher ist.

Dazu gibt es noch weitere interessante Themen zu entdecken: Ein Fahrbericht mit zwei Zwölfzylinder von Jaguar in Form des E-Type und des XJ-S und ein dazu passender Blick auf weitere neun Klassiker mit Zwölfzylinder unter der Motorhaube. Tipps gibt es zu kommenden Terminen für organisierte Fahrten im Jahr 2018, einen besonderen Alfa Romeo 200 Spider besitzt Heiner Himmler und stellt ihn vor. 90 Jahre Volvo werden mit zwei klassischen Kombis aus dem Haus der Schweden gefeiert, ein Fahrbericht zeigt den BMW 700 und zudem gibt es den Blick auf mögliche Geschenke auch eine Betrachtung der aktuellen Entwicklung bei der Wertsteigerung. Die Restauration kümmert sich diesmal um eine Alfa Romeo Giulietta TI, während die Service-Station dem Mercedes-Benz 190 und 200 unters Blech blickt. Dann liefert das Heft noch Tipps zum Einstellen des Ventilspiels und der abschließende Fahrbericht zeigt mit Taunus 17 M TS, Taunus 20 M TS Coupé und 17 M 1800 S gleich drei klassische Ford.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Tourenwagen Classics, Marco Rassfeld