Magazin – Porsche Klassik 02.2017

Ein klassisches Vorwort lässt sich im zweijährlich erscheinenden Magazin Porsche Klassik aus dem Delius Klasing Verlag zwar nicht entdecken, aber es gibt auch andere Möglichkeiten ein Magazin zu beginnen. So lässt man hier die Kraft der Bilder wirken und liefert einen Blick in das Porsche Archiv. „Einen Porsche kann man anfassen, er hat einen Körper. Er ist eine Sie.“ sagte dazu Ferdinand Alexander Porsche zu seinem Dauerbrenner 911 schon im Jahr 1963. Dazu finden sich mit 356, 928 und 914 noch weitere Modelle quasi als bildhafte Einleitung wieder, jeweils in historischen Aufnahmen die allesamt eine interessante Anmutung zeigen.

Ein echtes Highlight aus der Geschichte von Porsche zeigt dann auch gleich der erste Artikel, der sich um einen 911 GT2 dreht. Das Modell aus der Baureihe 993 war der erste Porsche, der die Kennung GT2 tragen durfte und war als Basis für den Motorsport gedacht. Die GT2-Klasse war in erster Linie für den Kundensport vorgesehen und war zunächst Bestandteil der BPR-Serie, die wenig später in die FIA-GT-Weltmeisterschaft überging. Dazu bekam der 911 von Porsche unter anderem scheinbar aufgeschraubte Kotflügelverbreiterungen, die in Wirklichkeit aber geklebt waren. Dazu kam auch ein üppige Bespoilerung und natürlich auch entsprechend angehobene Leistung. Der GT2 basierte auf den Turbo und verzichtete aber aus Gewichtsgründen auf den Allradantrieb. Das vorgestellte Modell ist der GT2 von WhatsApp-Gründer Jan Koum, der schon eine beachtliche Sammlung an Automobilen vorweisen kann. Als einer von nur 194 hergstellten 993 GT2 ist der Porsche schon so ein besonderes Exemplar, seine Farbe Arenarot Metallic gab es in bei diesem Modell sogar nur einmal. Dabei steht dem brutalen 911 GT2 die Farbe erstaunlich gut, wie auch die tollen Fotos zum Artikel zeigen. Noch befindet sich der GT2 in der Obhut von Frank Troche, der den Wagen für Koum bis zur Perfektion vorbereitet. Der Leser erfährt im Artikel aber auch wie das Fahrerlebnis im GT2 ist, und zwar aus einer echten Könnerhand. Denn seit Walter Röhrl mit Jan Koum ein paar schnelle Stunden verbrachte, darf Röhrl seine Spielzeuge ausprobieren und kann bei einem solch seltenen und zudem noch sportlichen 911er natürlich nicht ablehnen. „Mei, geht der brutal, das ist ja nicht normal!“ kommt dem gebürtigen Regensburger da über die Lippen und dies ist mehr als bezeichnend für die Anlagen des 911 GT2. Die regulären 430 PS wurde durch eine Werksleistungssteierung auf 450 PS erhöht und bei einem Gewicht von nur 1.290 kg kann der Porsche so mit atemberaubenden Fahrleistungen punkten.

Zagato und Porsche, die Verbindung des italienischen Karosseriebauers und dem Stuttgarter Fahrzeughersteller brachte in der Vergangenheit einige, seltene Fahrzeuge hervor. Das bekannteste Beispiel aus der Vergangenheit ist fraglos der Porsche 356 Carrera Abarth GTL von dem 20 Stück hergestellt wurden. Mit diesem Fahrzeug gelang Porsche dann 1961 und 1963 gleich zweimal der Gewinn der Weltmeisterschaft in der GT-Klasse bis 2 Liter Hubraum. Doch schon vorher nahm sich Zagato dem Porsche 356 vom französischen Rennfahrer Claude Storez an und schuf so den Porsche 356 Carrera Speedster Zagato. Mit diesem Einzelstück nahm der Franzose an Rennen teil und auf tragische Weise endete sein Leben nach einen Unfall bei dem auch der Wagen unwiderruflich zerstört wurde. Zagato setzt mit den Sanction II-Programm auf die Wiederbelebung ausgesuchter Klassiker seiner Vergangenheit. Hierzu werden sämtliche Unterlagen mit modernsten Techniken aufgearbeitet und zum Schluss entsteht ein Mathematical Master aus dessen Basis die Modelle detailgetreu neu aufgelegt werden können. Von Speedster sollen so neun neue Exemplare entstehen, die allesamt auf Orginal-Chassis eines Porsche 356 aufgebaut werden. Bei den Nachforschungen zum Speedster kam in den Archiven ein vollkommen vergessene Automobil zum Vorschein, denn auch als Coupé schuf Zagato eine elegante Variante des Porsche 356. Dieses wurde der Porsche Klassik exklusiv zum ersten Mal präsentiert und ist in der neuen Ausgabe zum ersten Mal zu bewundern. Das Porsche 356 Carrera Coupé Zagato wird in der selben Auflage wie der Speedster aufgelegt und wie so oft sind schon fast alle Exemplare ausverkauft. Das notwendige Basis-Fahrzeug in Form eines mindestens 100.000 Euro teuren Porsche 356 B sollte der Kunden aber schon mitbringen und bis zum fertigen, individuellen 356 Carrera Coupé Zagato sind in etwa nochmal 300.000 Euro zu bezahlen. Ein generell interessanter Ansatz von Zagato die prägenden und seltenen Modelle in diesem Rahmen neu auflegen zu lassen und den Fans die Möglichkeit zu schaffen die Fahrzeuge neu ab Werk bestellen zu können.

Der Name Carrera ist seit jeher verbunden mit der Firma Porsche, die ja bekanntlich seine Modelle nach dem mexikanischen Rennen Carrera Panamericana benannte. Aber eine weitere deutsche Firma nutzte den wohlklingenden Namen um ihre Produkte danach zu benennen. Die Carrera-Bahn war in vielen Kinderzimmer ein fester Bestandteil und prägte so viele Menschen. Die ursprünglich in Fürth ansässige Firma ließ den Namen beim Patentamt eintragen, Porsche erwägt zunächst einen Einspruch dagegen einzulegen. Schließlich sollte man Carrera mit Porsche verbinden und nicht mit Spielzeug, aber die Weitsicht von Huschke von Hanstein ist zu verdanken das die Firma ihren Namen behalten durfte. Schließlich plante man in nahezu jedem Starterpack der Rennbahn auch einen Porsche beizulegen und so begann für viele Porsche-Fahrer die erste Fahrt im Wunschfahrzeug auf der Carrera-Bahn im Kinderzimmer. Ein wirklich kluger und durchaus gelungener Schachzug. Seit 1963 musste Carrera aber bis heute schon zwei Pleiten verkraften und beim zweiten Crash im Jahr 1999 kam der österreichische Importeur Dr. Dieter Stadlbauer und sein Sohn auf den Plan. Man glaubte an die Zukunft der vermeintlich alten Carrera-Bahn und kann heute von einem Erfolg sprechen. Die Porsche Klassik stattete Carrera einen Besuch ab, erhielt auch Einblick in die Entwicklung neuer Modelle und kann die Entstehung anhand eines Porsche 917 nachvollziehen. Neue Modelle werden in drei Meetings pro Jahr festgelegt, müssen anschließend noch lizenzrechtlich abgesichert werden und benötigen dann etwa 8 Monate bis zum fertigen Modell. Diese Entwicklung findet komplett in Österreich statt und bringt immer wieder auch von Fans gewünschte Modelle in den Verkauf. Die Produktion erfolgt dann nach strengen Vorgaben in China um den hohen Kostendruck standhalten zu können. In jedem Fall ist der Artikel ein interessanter Ausflug in die Welt der kleinen Rennwagen, die über ein durchaus unterschiedliches Fahrverhalten verfügen. Der 917 wurde mit einer Geschwindigkeit von 18,32 km/h gemessen, was einer echten Geschwindigkeit von 583,38 km/h entsprechen würden.

Um die Zuverlässigkeit der neuen 944 Turbo unter Beweis zu stellen nahm der Österreicher Gerhard Plattner ein serienmäßiges Exemplar und wollte hiermit die Welt umrunden. Die einzigen Anpassungen waren Zusatzkanister und ein Dachgepäckträger mit Ersatzteilen sowie die unvermeidlichen Aufkleber zahlreicher Sponsoren. Porsche wollte hiermit zum einen die Zuverlässigkeit des Turbomotors unter Beweis stellen und zum anderen auch die problemlose Handhabung mit bleifreiem Kraftstoff. Nach nur einem Monat war der 944 Turbo mit 41.400 zurückgelegten Kilometern wieder zu Hause und konnte die Fahrt ohne Probleme beenden. Der Spitzname des 944 Turbo war fortan „Tiroler Adler“, was auch an den Aufklebern liegt. Das Fahrzeug ist heute im Bestand des Porsche Museums und begab sich gemeinsam mit einem Porsche 718 Cayman S auf dem Weg zum Nordkap. Dabei zeigt sich natürlich das der neue Cayman, der über die aktuellen Fahrunterstützungen verfügt, deutlich einfacher zu bewegen ist. Aber gegen die großen Schneemassen ist auch er nachvollziehbarer Weise machtlos und viele Fahrzeuge warten regelmäßig in Finnland auf den Schneeschieber. Dieser räumt die ansonsten nicht zu passierenden Straßen frei und alle Fahrzeuge folgen ihm. Als Belohnung für die lange Anreise steht dann das Pirelli-Testgelände in Schweden als Ziel fest, auf dem es sich nach Herzenslust fahren lässt und sich der große Fahrspaß mit beiden Porsche erfahren lässt. Erstaunlich wie gut sich hier der klassische 944 Turbo schlägt.

Im Fokus der Porsche Klassik 02.2017 steht mit einigen Artikel der Porsche 928, der mittlerweile seinen 40. Geburtstag feiern kann. Als Porsche Experte zeigt sich Peter Pohl, der sich dem legendären Königswellen-Motor verschrieben hat, in einer umfassenden Kaufberatung zeigt sich der Porsche Boxster als Klassiker der Zukunft und eine besondere Geschichte liefert Lea Klein mit ihrem 78er 911er im Renntrimm. Nach einem Blick auf die Porsche Classic Center zeigt das Magazin noch den letzten Porsche 911 für Louise Piëch und auf die Spuren des westfälischen Künstlers Peter August Böckstiegel begibt sich das Magazin dann stilecht mit einen Porsche 356 SC. Ein kleines Extraheft blickt dazu noch auf die Verbindung von Automarken und Werften sowie auf die neusten Uhren und exklusiven Hotels.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Delius Klasing, Marco Rassfeld