Comic – Michel Vaillant – Albtraum

Die Fans von Michel Vaillant konnten sich im Dezember schon über den zweiten Zuwachs bei den klassischen Comics freuen und der nun erneut veröffentlichte Band 24 mit dem Titel Albtraum ist dabei in mehreren Punkten etwas Besonderes. So liegt der Fokus, wie bei der letzten Veröffentlichung von Band 20 – Rodeo auf zwei Rädern, auch in diesem Band nicht auf das Geschehen rund um Autorennen, sondern betritt komplett andere Sphären. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes …

Gleich zum Start findet sich im Comic eine Einführungsseite wieder, die den eigenartigen Anfang zum Band 24 schon vor der Erstveröffentlichung erläutern sollte. Denn neben einer Hochzeit steht für Michel auch ein Einsatz auf dem Mond unmittelbar bevor. Da die Comics von Michel Vaillant zumeist als erstes in unterschiedlichen Episoden veröffentlicht wurde, befand der Schöpfer Jean Graton das eine entsprechende Ankündigung die Leser besser auf die Eingangsszene vorbereiten würden. Diese zeigt nämlich zunächst die Landung einer Raumfähre und das anschließende Verlassen eines speziellen Gefährts aus dieser Fähre. Dieses macht sich mit Michel am Steuer schnell daran die Fahreigenschaften auf den besonderen, landschaftlichen Gegebenheiten auszuprobieren. Doch das Ende der Tests endet für Michel mit einem Schrecken. Der Funkkontakt bricht abrupt ab und sowohl das Fahrzeug, als auch Michel scheinen auf mysteriöse Art und Weise verschwunden zu sein.

Schließlich klärt das Comic den Leser darüber auf, dass diese Szene zwar in der Nacht stattfand, aber eben noch auf der Erde und nicht auf dem Mond. So findet sich an der Stelle, an der Michel zuletzt war auch schnell einige Mensch wieder, die sich auf die Schnelle das Verschwinden nicht erklären können. Schließlich werden diverse Hilfstrupps auf den Weg geschickt um die Vermissten wiederzufinden. Klar wird auch, dass das Interesse am Kidnapping wohl eher an einer bestimmten Erfindung liegt, die im Fahrzeug eigentlich platziert sein sollte.
In der folgenden Szene wird Michel auf einer einfachen Pritsche in einem kahlen Raum langsam wieder wach und versucht sich an die Ereignisse zu erinnern, allerdings vollkommen ohne Erfolg. Schließlich nimmt jemand Kontakt mit ihm per Lautsprecher auf und tatsächlich scheinen die Bösen vor allem an der eingebauten Erfindung interessiert zu sein. Da sie diese aber nicht finden können stellten sie nun Michel’s Bruder Jean-Pierre ein Ultimatum um die Erfindung zu übergeben. Michel soll für mindestens 24 Stunden noch eingesperrt bleiben und erst bei Übergabe frei kommen. Doch die Beschaffung ist schwierig und so bittet Jean-Pierre um einen weiteren Aufschub um 24 Stunden. Als Michel dies erneut durch den Lautsprecher erfährt wird ihm zugleich ein Essen angekündigt, welches in der Zelle übergeben werden soll.

Michel ist drauf und dran die Sache dann zu regeln und den Überbringer des Essens niederzustrecken und zu fliehen. Doch für sich selbst kaum nachvollziehbar macht er dabei einen Rückzieher. In der Nacht kommt dann der „Bote“ des Essenes wieder und gibt Michel erstaunlicherweise die Möglichkeit zu fliehen. Dabei behauptet er zudem Michel schon zu kennen und ihm diese Flucht zu ermöglichen wäre das Mindeste was er tun kann. Michel scheint leicht verwirrt, verpasst dem Mann aber schließlich einen Schlag, damit die Flucht für die verbliebenen Gauner auch echt aussieht. Er zieht raus in die Dunkelheit und findet sich in einer wirklich verlassenen Gegend wieder. Als er langsam hell wird kann er sich aber wieder orientieren und findet relativ schnell die Hauptstraße. Aber ein plötzlich auftauchenden Jaguar mit vier Typen im Wagen scheint ihm aber ein wenig eigenartig und so versteckt er sich schnell und nimmt die nächste Mitfahr-Gelegenheit dann dankbar war und schneller voran zu kommen.

Sein Ziel ist die Fähre über die Rhone und so wissen Frankreich-Kenner, dass Michel sich in Südfrankreich aufhält. Dies passt auch zur unmittelbaren Nähe der Crau, in der die Geschwindigkeitstest zu Beginn stattfanden. Ein Beispiel für die akribische Vorbereitung des Comic-Umfeldes durch Graton. Am Fähranleger zeigt sich dann auch schnell wieder der Jaguar, vor dem sich Michel noch versteckt hatte und es kommt zu dramatischen Szenen. Hier ist gerade einmal knapp über die Hälfte des ereignisreichen Comics vergangen und die Geschichte hält für den Leser noch die ein oder andere Überraschung bereit. Das Ende ist dann aber schon wieder an einem ganz anderen Ort, denn Michel sollte eigentlich bei den Trainings zum großen Le Mans-Rennen starten, wurde aber durch die Entführung daran gehindert. Steve Warson übernahm die Trainings und ist vom Erfolg mehr als überzeugt. Zum Schluss folgen dann, leider ein wenig eingekürzt, die Notizen zum Band 24 in der man noch einige Details zur Entstehung und zum Hintergrund erfahren kann.

Fazit: Ein durchaus überraschender Band, der die Fans von Michel Vaillant in einen echten Kriminalfall verwickelt. Die Vorankündigung des Comics mit den Fahrten auf den Mond ist einmalig und auch diese wird in der Neuauflage erfreulicherweise berücksichtigt. Viele Autos lassen sich zwar nicht entdecken, aber die Story kann auch so begeistern und den Leser fesseln. Ein ungewöhnliche Vaillant-Comic mit einer interessanten Geschichte.

Bibliografie:
Titel: Michel Vaillant – Albtraum
Autor und Zeichner: Jean Graton
Umfang: 46 Seiten
Format: 210 x 297 mm
Preis: € 13,00
ISBN: 978-3-86462-145-1
Bestellbar beim Verlag unter: https://shop.mosaik.eu/

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Mosaik, Marco Rassfeld