Buch – Horse Power – Legendäre US-Cars

Auf dem Markt der günstigen Autobücher tummelt sich der Motorbuch Verlag mit Unterstützung von DMAX schon mittlerweile mit dem vierten Titel. Nach den Supersportwagen, den Oldtimern und den Kult-Karren wurde im Herbst ein Buch unter dem Titel Horse Power veröffentlicht. Konkreter wird dann der Untertitel mit dem Hinweis auf Legendäre US-Cars und auch das sehr schönen Titelbild mit einem Pontiac GTO und einem Chevrolet Camaro SS weisen auf den Fokus des Buches schnell hin.

Das Buch entspricht in der Aufmachung den anderen Titeln der Serie und so macht sich die Reihe im Regal besonders gut. Das durchaus große Format erfreut den Leser und die sonstige Aufmachung ist ohne große Besonderheiten und dem Preis entsprechend umgesetzt. Schließlich muss man lediglich knapp unter 15 Euro bezahlen um einen Abstecher in die Autowelt jenseits des großen Teiches zu erleben. Kurz nach dem Aufschlagen findet man sich schon im Inhaltsverzeichnis wieder und hier wird gleich auch die Struktur des Buches deutlich. So erfolgt die Vorstellung der Fahrzeuge zunächst nach Epochen gegliedert. Das Hauptaugenmerk des Buches liegt dann auf den Jahren 1947 bis 1974 und hier stellen sich die einzelnen Hersteller vor, wobei eine Zuweisung zu den großen drei Mutterkonzernen und seinen diversen Marken auch berücksichtigt wurde. Im Vorwort vergleicht der Autor die unterschiedlichen Welten in Europa und in den USA, bei denen die Evolution des Automobils einen kompletten anderen Ansatz und Weg verfolgte. Das galt auch schon zu den Pionierzeiten, denn durch die einfache Masse der Menschen, waren hohe Stückzahlen oft das ausschlaggebende Argument zu Herstellung eines Fahrzeuges. Dann folgt ein Intro, bei dem das Layout des Buches zum ersten Mal genutzt wird. So zeigt sich immer eine Spalte Text und daneben einige Abbildungen, von denen eine immer sehr groß gehalten wurde. So kann der Leser im Buch viele unterschiedliche Fahrzeuge auch im Bild entdecken. Der Text zum Intro führt die Leser in die Anfänge des Automobilbaus und verdeutlicht ebenso wie das Vorwort die unterschiedlichen Entwicklungen und die so entstandene Szene.

Dann folgt schließlich der Einstieg in die Zeit bis 1947 und liefert erste Fakten zu den einzelnen Herstellern und deren Modelle. Dabei steht die Leistung noch nicht im Fokus, sondern zunächst die Mobilisierung der Massen und neben dem Text finden sich einige Modelle der Ära auch entsprechend wieder. Auch die Hot Rod-Szene findet sich hier wieder und wird in einem Extra-Bericht vorgestellt.
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs folgte dann die Epoche in der die bis heute für viele interessantesten Fahrzeuge in den USA entstanden. Der Grund war einfach, schließlich kamen eine Menge an Soldaten aus Europa mit gut gefüllten Portmonee wieder und wollten das hart verdiente Geld nur zu gerne ausgeben. Zunächst steht der gesamte Markt nochmals im Fokus und so werden die wichtigsten Modelle erwähnt und einige auch mit einem entsprechenden Bild dargestellt. Die Vielfalt der Marken und Modelle war kaum zu überschauen, denn offensichtlich wollten viele Hersteller von den Möglichkeiten profitieren. Das stellt sich mit AMC schließlich der erste Hersteller vor, der heute nicht unbedingt mehr jedem ein Begriff sein dürfte. 1954 entstand AMC durch die Fusion von Hudson und Nash und sollte nur 33 Jahre später in den Chrysler-Konzern übergehen. Dabei war AMC der wichtigste Gegner der großen Drei und schuf einige Interessante Modelle, die von den anderen Herstellern niemals gebaut werden würden. Eine echte Chance hatten die AMC aber nicht und so war das Ende eigentlich vorhersehbar. Doch bis dahin schufen die Ingenieure von AMC einige tolle Modelle und bewiesen dabei ein ums andere Mal auch ihren Mut. So kann der Eagle heute als Urvater der heute so beliebten Crossover-Modelle gelten, denn durch die Höherlegung und dem Allradantrieb war man im Eagle auf vieles gefasst und konnte auch schwierige Situationen problemlos meistern. In punkto Kraft steht dann auch auf jeden Fall der Javelin im Mittelpunkt  und zeugt von dem Willen sich gegen die großen Drei in allen Punkten messen zu wollen.

Dann folgt der unabdingbare Blick auf die großen Drei aus Detroit und startet mit der Chrysler Corporation. Der kleinste Konzern hat mit einigen Modelle maßgeblich zur Geschichte des Muscle Cars beigetragen und als Einstieg wird zunächst die Geschichte des Gesamt-Konzerns kurz vorgestellt. Hier taucht auch schon der C-300 auf, mit dem Chrysler ein erstes hochmotorisiertes Automobil schon im Jahr 1955 vorgestellte. Dann blickt das Buch auf die einzelne Marken des Konzerns und hier wird gebührt der Einstieg der heute nicht mehr existierenden Marke Plymouth. Die Modelle von Plymouth waren quasi die Brot-und-Butter-Autos von Chrysler und waren deshalb in der günstigen Preisklasse angesiedelt. Hier waren vor allem hohe Stückzahlen interessant und man bediente eher die kleineren Klassen. Vorgestellt werden die Modelle dann nach Plattform auf denen sie aufbauten. Der Reihenfolge nach arbeitet sich das Buch von den kleinen zu den größeren Modellen hoch. Die sehr umfangreiche Geschichte wird so nach dem schon vorgestellten Muster weitergeführt. Als Besonderheiten gelten bei Plymouth der HEMI-Motor und das Modell Roadrunner, die etwas intensiver auf eigenen Seiten hervorgehoben werden.
Die mittlere Marke der drei Konzernmarken von Chrysler war Dodge und hatte die anspruchsvolle Aufgabe, die durch General Motors mit gleich mehrere Marken abgedeckten Klassen zu bedienen. Im Bereich der hochmotorisierten Fahrzeuge hatte Dodge im Laufe der Jahre einige beeindruckende Modelle im Angebot und so finden sich einige berühmte Namen wieder. Ob Charger, Challenger oder Super Bee, alle sind im Buch wiederzufinden. Durch die Konzerngröße war man auch bei Dodge nicht dazu gezwungen den Ideen der großen Hersteller zu folgen und so wurden einige besondere Modelle Realität. Den Charger und den Polara stellt das Buch dann noch eingehender vor.
Die Modelle von Chrysler waren schließlich am oberen Ende der Preisskala angesiedelt und in der Einführung erfährt der Leser auch noch von weiteren Marken des Konzerns, die aber im Laufe der Zeit verschwanden. Die Letter Cars brachte Chrysler ab 1955 mit dem C-300 echte 300 PS auf die Straße, was zur damaligen Zeit ein echter Spitzenwert war. Bis 1965 wurde jedes Jahr ein neues Modell vorgestellt, welche teilweise nur in sehr geringen Stückzahlen produziert wurden. die Bezeichnung 300C sollte in abgewandelter Form dann im Jahr 2005 eine Wiederauferstehung feiern mit einem Modell welches nach der Fusion mit Daimler verwirklicht wurde.

Die Ford Motor Company sorgten in der Frühzeit des Automobiles für einen Großteil der auf den Straßen befindlichen Fahrzeuge. Durch die einfache und geniale Fertigung des T-Modells war ein erstes Massenmodell entstanden. Im Gegensatz zu Chrysler stand hier die Kernmarke an der Basis und so war Ford der Massenproduktion zugeschrieben. Mit dem Falcon entstand ein für amerikanischer Verhältnisse kompaktes Fahrzeug auf dessen Basis das vermutlich bekannteste Modell von Ford entstand  –  der Mustang. Seit 1964 bis heute wird der Mustang ununterbrochen gebaut und durchschritt hier natürlich zahlreiche Höhen und Tiefen. Schon fast selbstverständlich das diesem prägenden Modell gleich zwei Doppelseiten gewidmet werden. Aber auch weitere Modelle wie der Torino oder auch die Spezial-Fahrzeuge für die Polizei finden sich wieder. Eine weitere Sonderstellung nimmt auch Shelby American ein, die für die ersten wirklich schnellen Mustangs verantwortlich war.
Die zweite Marke der Ford Motor Company ist dann Mercury und stellt die Mitte dar. Neben dem Mustang-Abkömmling Cougar steht auch der Cyclone im Mittelpunkt und ebenso auch der Marauder. Von letzterem gab es noch 2003 eine beeindruckende Neuauflage, die den Gedanken des Muscle Cars in die Neuzeit trug.
Lincoln war die Edelmarke der FoMoCo und versorgte unter anderem auch bei den amerikanischen Präsidenten den Fuhrpark. Die großen Limousinen waren sportliche Gene eher nicht gegeben und so hält sich das Buch hier entsprechend kurz und knapp. Der Mark steht aber dennoch verdient im Mittelpunkt und zeigt eine langjährige Modellgeschichte nach.

Der Big Player in den USA war General Motors und sie zeigen sich als nächstes im Buch. Die Basis-Marke Chevrolet ist der Massenproduzent des Konzerns und hat eine reiche Geschichte mit vielen Modellen. Hervorgehoben wird hier der Corvair, der mit seiner europäischen Auslegung für Aufsehen sorgte und durch seine schlechten Fahreigenschaften für einen Skandal sorgte. Dazu stehen die legendären Motoren mit den einfachen Bezeichnungen Small Block und Big Block im Mittelpunkt und auch hier findet sich einiges zum Police Package. Der im amerikanischen einmalige Sportwagen Corvette darf natürlich auch nicht fehlen.
Die weiteren Marken wie Pontiac mit dem prägenden GTO, Oldsmobile mit dem besonderen 442, Buick mit dem erstaunlich schnellen GNX und Cadillac mit dem riesengroßen Eldorado und den besonderen Ambulante Cars finden sich natürlich ebenso wieder und komplettieren die Geschichte zu General Motors.
Doch das Buch ist damit aber noch nicht am Ende angelangt, denn die aktuelle Reinkarnation der Muscle Cars wird unter dem Titel Late Model ebenfalls noch berücksichtigt. Hier findet sich auch der DeLorean wieder, der ein ganz einige Geschichte geschrieben hat.

Fazit: Ein durchaus umfangreichen Blick auf die Welt der amerikanischen Automobile erhält der Käufer des neusten Bandes aus der DMAX-Serie vom Motorbuch Verlag. Dabei werden viele Modelle berücksichtigt und zeigen sich sowohl im Bild als auch Text. Das die pure Masse der langen Tradition der wichtigsten Marken dabei nur oberflächig abgebildet werden kann erscheint bei dem Umfang logisch. So kommt es textlich auch zu einigen Überschneidungen um die Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können. Die reichliche Bebilderung hat unterschiedlichste Qualitäten und greift auch auf freie Quellen zurück. Aber zwischendurch finden sich wirklich erstklassige Fotos, die aus dem Archiv von Autor stammen und geben dem Buch eine prägende Note.
Technisch ist das Buch dem Anspruch entsprechend umgesetzt, aber das Druckpuder ist teilweise recht deutlich zu spüren.
Für den günstigen Preis von knapp 15 Euro ist das Buch ein toller Einstieg in die amerikanische Automobil-Geschichte und eine Investition wert. Mehr sollte man vom Titel aber nicht erwarten, denn dafür ist der Umfang einfach zur gering und die Masse der amerikanischen Automobilgeschichte einfach zu groß.

Bibliografie:
Titel: Horse-Power – Legendäre US-Cars
Autor: Sönke Priebe
Umfang: 224 Seiten, 15 s/w Bilder & 385 Farbbilder
Format: 230 x 305 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 09/2017
Preis: 14,96 €
ISBN-Nr.: 978-3-613-04001-4
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Motorbuch, Marco Rassfeld