Buch – Opel Kadett-Story

Alle Generationen seit 1962 – so der Untertitel des im Motorbuch Verlag soeben erschienen Buches über den Opel Kadett. Hierin möchte Autor Alexander F. Storz auf die wohl wichtigste Modellreihe des Autobauers aus Rüsselsheim blicken und die Entwicklung und Geschichte nachvollziehen.

Das Buch kommt im klassischen Format und ist weder zur groß, noch zu klein. Auf dem Titel zeigt sich ein Kadett C gemeinsam mit dem aktuellen Astra, der als Nachfolger der Kadett die Idee des vielseitigen Kompaktwagens bis ins heute trägt. Denn auch der Astra wird im Buch berücksichtigt um eine komplette Darstellung der Baureihe zu ermöglichen. Auf der Rückseite findet sich dann noch eine Abbildung aller Generationen von Kadett- und Astra-Modellen wieder und der übliche Klappentext. Nach dem Aufschlagen entdeckt man schnell das Inhaltsverzeichnis, welche einen Überblick über die Generationen und gleichzeitig der Kapitel aufzeigt. In der ersten Auflage fehlen hier leider sie entsprechenden Verweise zu den Seiten, stattdessen findet sich immer die Angabe xx wieder. Diesen Fauxpas hat der Verlag aber schnell bemerkt und den bereits gedruckten Exemplaren ein Korrekturblatt beigefügt. Sicherlich ein ärgerlicher Fehler, aber er zeigt deutlich auf, dass immer noch Menschen am Entstehen eines Buches maßgeblich beteiligt sind und diese machen nun mal leider Fehler. In der Einleitung geht der Autor dann auf die vermutlich bei vielen Menschen verbundenen Erinnerungen an die Kindheit und einem Opel Kadett ein, denn das Modell prägte einen langen Zeitraum das Straßenbild in Deutschland und teilweise sogar weltweit.

Der Weg zum Kadett: Ein Ahn und ein Rekord auf Diät lautet dann schließlich die Überschrift zum ersten Kapitel im Buch. Als Opel nach dem zweiten Weltkrieg ab 1962 wieder einen Kadett im Modellprogamm hatte, konnten die Käufer endlich wieder ein günstiges EInstiegsmodell von Opel erwerben. Die Modellbezeichnung nutzte man schon in den Jahren von 1936 bis 1940 für eine ebenfalls kompaktes Modell und setzte diese Tradition nun fort. Die Nachfrage nach kompakten Fahrzeugen war groß und bis der Kadett erhältlich war, speckte man den Rekord ab und bot den Kunden diesen Opel 1200 als günstiges Modell von Opel an. Der Vorkriegskadett machte auch nach dem zweiten Weltkrieg noch weiter von sich reden. Die Sowjets schafften die kompletten Produktionsanlagen des Kadett in ihr Heimatland und sahen diese als Reparationsleistung. Als Moskvitch 400 startete er nun sein zweites Leben im Ostblock und die technische Grundkonstruktion des Motors trieb bis 1969 die Modelle des staatlichen, russischen Herstellers an. In Deutschland hingegen lief der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder war im vollen Gang, als Opel den 1200 als Einstiegsmodell vorstellen konnte. Er sollte aber nur ein Vorbote des neuen Kadett werden.

Gegen denn allseits beliebten Volkswagen Käfer stellte sich dann ab August 1962 der Opel Kadett in dem Kampf um die Gunst der Käufer. Dabei setzte der Opel auf eine deutlich modernere Konstruktion als der Volkswagen und verfügte über ein klassisches Stufenheck mit einem großen Kofferraum und der Motor war vorne angeordnet. Das Modell wurde mit durchaus aggressiven Maßnahmen im Markt vorgestellt und man versuchte mit vielen Aktionen die potentiellen Kunden von der Qualität des neuen Kadett zu überzeugen. Das Buch zeigt hierzu viele historische Aufnahmen, die den Kadett A in der damaligen Zeit zeigen. Hierdurch erlangt man ein ums andere Mal den Eindruck in ein altes Familienalbum zu blicken. Die entsprechende Entwicklung von Jahr zu Jahr wird dazu im Text gut wiedergegeben und selbst die Spezialitäten wie die Sonderkarosserien von Vignale und Frua, oder das Cabriolet von Welsch finden sich wieder.
Bereits 1965 präsentierte Opel dann den Nachfolger als Kadett B und dieser war sowohl Biedermann und Brandstifter. Denn neben den gutbürgerlichen Modellen kam mit dem Rallye Kadett eine betont sportliche Variante hinzu. Dieser verfügte aufgrund seiner hohen Leistung von 90 PS dann auch über eine modifiziertes Fahrwerk, während die Standard-Modell hier noch die Technik von Vorgänger nutzten. Mit der neuen Fastback-Linie des Coupés traf man dazu den Puls der Zeit optimal und konnte viele Käufer überzeugen. So war der Kadett auch für die jungen Käufer interessant und deckte mit seiner Vielfalt viele Ansprüche ab. Mit dem Olympia wollte Opel dann die vorhandene Lücke zwischen dem Kadett und dem Rekord füllen und wertete den Kadett dafür deutlich auf. Dieser wurde aber schnell von den Käufern auch nur als Kadett angesehen und Opel konnte keinerlei nennenswerte Erfolge verbuchen.
Einen ebenfalls verbesserten Kadett B bot man auf dem Schweizer Markt an, mit dem im schweizerischen Biel produzierten Kadett Ascona und auch in den USA machte der Kadett B als Buck-Opel Jagd auf den immer erfolgreicher werdenden Käfer. Beiden Abarten ist ein eigenes Kapitel im Buch gewidmet und zeigt die internationale Bedeutung der Baureihe auf.

Dann folgt das nunmehr schon sechste Kapitel und wirft einen Blick auf die aufwendige Entwicklung- und Prüfmethoden der damalige Zeit. So baute Opel schon im Jahr 1903 eine sogenannte Einfahrbahn und wenig später zwei Prüffelder, die in ihren Ausmaßen echte Superlative darstellten. Die Testgelände in Rüsselheim wurde nach dem Krieg aber schnell zu klein und so entstand im Südosten von Frankfurt in den 60er Jahren ein neues Testgelände in Dudenhofen. Mit erstaunlichen 2,6 Millionen qm stellte das neue Gelände das ehemalige mit 150.000 qm deutlich in den Schatten. Hier konnte Opel in Abgeschiedenheit der Öffentlichkeit neue Modelle testen und verfeinern. Heute nutzt Opel, wie viele andere Hersteller, gerade für die Entwicklung der sportlichen Modelle den Nürburgring.
Ein Opel für die ganze Welt sollte dann das T-Car werden, welcher als Opel Kadett C in Deutschland angeboten werden sollte. Die erstaunliche internationale Vermehrung dieses Modell verdeutlicht das im eigens gewidmeten Kapitel und unterstreicht die Möglichkeit des Mutterkonzerns GM, der das T-Car über viele Dependancen mit jeweiliger landesspezifischer Ausstattung anbieten konnte. In Brasilien wurde ein Modell sogar bis in der 90er Jahre hin angeboten. Neben Brasilien wurde das T-Car so im Laufe der Zeit unter anderem in England, Ecuador und Japan jeweils unter verschiedenen Marken angeboten.
Der deutsche Kadett C wird dann ausführlich im folgenden Kapitel vorgestellt und wird sicher bei vielen Lesern Erinnerungen wecken. Heute ist der Kadett C ein anerkanntes Modell in der Klassiker-Szene. Mit dem Aero und GT/E hatte man auch wieder besondere Modelle im Portfolio und auch die aufkommenden Sondermodelle werden vorgestellt.

Der Kadett D betrat dann 1979 auf den Markt und nutzte endlich ein modernes Antriebslayout mit Frontmotor und -antrieb. Dem ewigen Rivalen des Kadett in Form des Volkswagen Käfer stellte der Konkurrent aus Wolfsburg schon 1974 den deutlich moderneren Golf an die Seite, der dieses Antriebskonzept etablierte. Sein Design war so unspektakulär wie gradlinig und sorgte kaum für Aufsehen, eine damals moderne Interpretation, die aber durchaus Erfolg versprach. Die sportlichen Gene hielt weiterhin der GT/E, hoch der vor allem im komplett weißen Kleid ein Hingucker war.
Als letzter Kadett betrat dann der Kadett E im Jahr 1984 die Bühne und auch dieser wurde auf den internationalen Märkten von diversen Herstellern angeboten. Selbst in Deutschland war er bis 1997 als Daewoo Nexia erhältlich. Dem Rallyesport blieb man weiterhin verbunden und plante gar einen ernsthaften Einsatz in der legendären Gruppe B. Der hierfür entwickelte 4×4 Kadett konnte sein Potential allerdings nicht unter Beweis stellen, da die Gruppe B durch eine Serie von Unfällen schnell beendet wurde.
Eigentlich hört die Kadett-Story dann zumindest dem Namen nach auf, denn der Nachfolger des Kadett E hörte auf den Namen Astra. Diese Modellbezeichnung löste die alteingesessen, aber auch mit dem Militär verbundene Bezeichnung Kadett ab und wurde von Vauxhall in England schon ab den Kadett D verwendet. Das Buch geht noch auf alle Modellreihe bis zum heutigen Astra J kurz ein und zeigt so auch dessen Entwicklung bis heute.

Fazit: Der Opel Kadett ist ohne Frage ein wichtiges und prägendes Automobil in Deutschland und konnte mit großen Verkaufszahlen lange dem Käfer bzw. dem Golf Paroli bieten. Heute sind vermutlich die Kadett C bis E vielen Lesern noch aus ihrer Kindheit bekannt und wecken Erinnerungen. Durch eine reichliche Bebilderung erlebt man das Buch sehr oft als Rückblick in die Geschichte und lernt dabei aber auch die internationale Vermarktung des Modells kennen. Auf eine allzu technische Beschreibung wird hierbei bewusst verzichtet und so liefert das Buch eine launige Lesereise durch die Zeit.
Zum Preis von unter 30 Euro bietet das technisch solide umgesetzt Buch einen sehr emotionalen Blick auf den Opel Kadett, man kann deutlich erkennen das der Autor vor allem dem Kadett C verfallen ist. Zu den Nachfolgern werden die Informationen dann leider immer spärlicher. Aber für die Fans der Marke ist das Buch auch durch dann gute Preis-Lesitungs-Verhältnis eine Empfehlung, ebenso wie für alle generell Automobil-Interessierten.

Bibliografie:
Titel: Opel Kadett-Story – Alle Generationen seit 1962
Autoren: Alexander F. Storz
Umfang: 192 Seiten, 138 s/w Bilder & 237 Farbbilder & 4 Zeichnungen
Format: 230 x 265 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 04/2018
Preis: 29,90 €
ISBN: 978-3-613-04052-6
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Opel, Marco Rassfeld