Buch – Ford Mustang – America’s Original Pony Car

Der Ford Mustang ist neben dem Porsche 911 das einzige Automobile welches ohne Unterbrechung seit den 60er Jahren produziert wird. Allein diese Tatsache unterstreicht wie passende das Modell zu allen Zeiten war und ist und selbstredend gibt es zum Mustang einige Bücher. Das GeraNova Bruckmann Verlagshaus hat vor kurzem ein neues Buch über den Gründer der Pony Cars-Klasse veröffentlicht.

Den Kenner der Mustang-Szene dürfte schon bei der Aufmachung des Buches auffallen, dass es sich nicht um einen komplett neuen Titel handelt, stattdessen vielmehr um ein überarbeiteten. Denn bereits 2013 veröffentlichte der Verlag das Buch mit einem roten Umschlag und dem Untertitel Fünfzig Jahre – Das offizielle Jubiläumsbuch. Die Neuausgabe berücksichtigt aber natürlich die neusten Entwicklungen in den letzten Jahren. Äußerlich kommt es ebenfalls in einer betont schlichten Aufmachung daher, das berühmte Mustang Logo samt blau-weiß-roten Streifen zieren den weißen Schutzumschlag. Dazu wird das Logo und der Buchtitel durch einen Glanzlack noch hervorgehoben. Auf der Rückseite findet sich ein großes Bild des neusten Mustang-Modells und der Klappentext. Entfernt man den Schutzumschlag, so kann man eine weitere, interessante Gestaltung der Buchdecke entdecken. Hier zeigt sich das große Buch komplett in Blau und vielen durch Lack- und Farbton abgesetzten Mustang-Zeichen. Ein verstecktes Highlight welches einen Blick wert sein sollte. Nachdem ersten Aufschlagen entdeckt der Leser eine vollformatige Aufnahme des ersten Mustang auf dem Vorsatz, gefolgt von dem Inhaltsverzeichnis, den Danksagungen und dem Vorwort. Letzteres stammt aus der Feder von Edsel B. Ford II, der versucht die Frage nach seinem Lieblings-Mustang zu beantworten.

Kapitel 1 startet dann mit der Entwicklung zum ersten Mustang. Hier werden auch die damaligen Hintergründe erläutert warum Ford mit einem solchen Modell auf einen Verkaufsschlager hoffte. Gleichfalls war die Stimmung im Konzern nach dem Debakel mit der aufwendig eingeführten Marke Edsel durchaus zweifelhaft ob des neuen Modells. Die vorhandene Lücke im Modellprogramm wurde aber in Form eines kleinen Sportwagens schnell erkannt und so machte man sich an die Arbeit den neuen Sportwagen zu entwerfen. Treibende Kraft hinter dem Mustang-Projekt war der Vizepräsident und Geschäftsführer der Ford Division Lee Iacocca. Der Leser kann im gesamten Buch viele Bilder entdecken, die zudem größtenteils historisch sind und so auch einige, verworfenen Studien des späteren Mustangs zeigen. Auch die Entwicklung des Namens war keinesfalls einfach und zunächst lief das Modell vielfach als Cougar durch die Entwicklung. Da sich mit dem Ford Mustang Experimental Sports Car eine noch frische Studie auf Tournee durch die Welt machte, nutzte man schließlich diesen Namen und schuf so zugleich die Klasse der Pony Cars. Gegen die europäische und japanische Konkurrenz bot nun auch ein amerikanischer Hersteller einen kompakten Sportwagen an. Unter anderem wurde der Mustang als Pace Car bei dem 500 Meilen-Rennen in Indianapolis eingesetzt und mit einer aufwendigen Werbekampagne eingeführt. Als das Modell dann endlich verfügbar und bestellbar war, liefen die Kunden den Ford-Händlern sprichwörtlich die Tore ein und hier kam es zu einigen verrückten Ereignissen, die das Buch darlegt. Neben dem Hardtop-Coupé und dem Cabriolet kam wenig später auch noch eine Fastback-Variante hinzu und es dauerte nicht lange bis auch Carroll Shelby sich des Mustangs annehmen sollte.

Der große Erfolg des neuen Modells brachte natürlich auch die Konkurrenz auf den Plan und schnell kamen mit Chevrolet Camaro und Pontiac Firebird zwei ernsthafte Gegner für den Mustang auf den Markt, welche die Absatzzahlen vom Mustang zurückgehen ließen. Die Konkurrenz von GM bot dazu die bessere Performance und verfügten oft auch über eine höher Leistung, was zu Zeiten der Muscle Cars ein willkommenes Verkaufsargument war. Der Mustang musste sich weiterentwickeln und wuchs so in der Größe deutlich an. Der Platz unter der Haube des ersten Mustang war für große Motoren nicht geeignet und so war dieser Schritt unausweichlich. Mit dem 428 cui großen Cobra Jet-Motor bot man nun den Kunden auch die geforderte Leistungsreserven. 1969 bot Ford dann mit dem Mustang Boss das ultimative Sport-Modell an und nutzte diese Basis auch als Homologation für den Motorsport. Bis 1973 wurde der Mustang nach amerikanischer Sitte in jedem Jahr ein wenig erneute und hatte nicht mehr viel mit dem Urgedanken eines kompakten Sportwagens gemein.
Die Ölkrise brachte dann aber die Leistungsexplosion der Motoren abrupt zum Erliegen und Ford verkleinerte den Mustang zum Modelljahr 1974 deutlich. Die Unterschiede waren so gravierend das Ford das Modell sogar offiziell als Mustang II bezeichnen sollte. Bis auf die Breite war der Mustang II sogar kompakten als das Urmodell und alleine in der Länge verlor er gegenüber dem ausladenden Vorjahres-Mustang knapp einen halben Meter! Das Modell entsprach so dem Anspruch der Zeit und hatte dabei nur bedingt sportliche Gene vorzuweisen, die Ford nach und nach bei einigen Varianten wieder einführen sollte.

In nun schon vorliegenden Kapitel 4 folgt dann ein nochmals deutlich überarbeiteter Mustang ab dem Modelljahr 1979. Optisch ein Kind der 80er Jahre, waren fast alle klassischen Merkmale des Mustang-Urmodells verschwunden, so war selbst der Mustang aus dem Grill verschwunden. Die Basis des neusten Mustang war die Fox-Plattform auf dessen Basis weltweit unterschiedlichste Kompakt-Modelle entstehen sollten. Erstmals nach 15 Jahren wurde der neue Mustang als Pace Car bei dem berühmten 500 Meilen-Rennen in Indianapolis eingesetzt und war als Sondermodell auch für interessierte Käufer erhältlich. Die sportliche Note sollte also wieder mehr im Fokus stehen, aber die Leistung der Motoren ging noch immer mehr zurück. 1980 und 1981 verfügte der V8-Motor im Mustang nur noch über 118 PS – der vermutlich auch in Zukunft nicht mehr zu unterbietende Tiefpunkt. Schon 1982 kehrte Ford dann mit dem 5.0 HO-Motor die Spirale um und bot endlich wieder mehr Leistung, die auch dem Äußeren entsprach. Mit den SVO und SVT-Modellen waren bald auch wieder ernsthafte Sportwagen im Angebot. Das Buch blickt auch auf den aufkommenden Trend zum Tuning und stellt unter anderem Modelle von Saleen und Roush vor. Bis 1993 sollte der Fox-Mustang produziert werden.
Für den neuen Mustang planten man bei Ford schon mit einer gemeinsamen Produktion mit dem Partner Mazda und wollte einen Front-Antriebs-Mustang auf den Markt bringen. Als erste Gerüchte hierzu bekannt wurden, liefen die Fans des Mustang Sturm und drangen Ford auf eine klassisch amerikanische und heckangetriebene Lösung. Dass das 94er Modell schließlich wieder ein klassischer Mustang wurde, haben die Fans auch John Coletti zu verdanken, der sich des Potential des Modells bewusst war und stellte sich der internen Aufgabe zu beweisen, dass der Mustang noch den Anforderungen der Zeit entsprach. Das neue Modell entsprach dem Geschmack der 90er Jahre und wurde bis 2004 immer wieder modifiziert. Mit Cobra und Cobra R sowie dem Bullitt GT und dem Mach I kam die Sportlichkeit und Leistungsfähigkeit auch wieder zurück und man besann sich gleichfalls auf die Tradition des Mustangs.

2005 kam dann ein komplett neuer Mustang in Retro-Design auf den Markt, der sich deutlich am Ur-Modell orientierte und von den Käufern begeistert angenommen wurde. Nachdem es zwischenzeitlich mit Shelby Probleme um die Namensrechte gegeben hatte, kehrte der Shelby Mustang mit dieser Modell-Reihe auch wieder zurück und bildet bis heute die sportliche Sperrspitze der Mustang-Modellreihe. Neben dem GT350 kehrte auch der GT500 zurück und selbst ein Boss-Mustang wurde wieder angeboten.
2014 wurde dann der aktuelle Mustang vorgestellt und nun erstmals weltweit angeboten. Damit ist das legendäre Modell unter anderem auch in Deutschland offiziell erhältlich und Mustang-Fans benötigen nicht mehr einen Grauimport um ihre Lieblingsmodell zu fahren.
Die Geschichte des Ford Mustang ist somit in sieben Kapitel von der ersten Entwicklung bis heute erzählt, aber das Buch ist noch nicht am Ende angelangt. In drei weiteren Kapiteln wird noch der Einsatz der Mustangs-Modelle im Motorsport beschrieben, die Studien und Prototypen zum Mustang vorgestellt und abschließend auch noch der Bezug zur internationalen Popkultur dargelegt. Hier lassen sich Film- und Musikstars entdecken, die zum Mythos des Mustang beitragen haben. Drei interessante Kapitel, welche das Buch über den Mustang würdig abschließen.

Fazit: Ein tolles und umfangreiches Buch über den Mustang, welches auf die lange Modellentwicklung zurückblickt und diese hierarchisch aufarbeitet. Dabei sind allzu technische Details nicht zu entdecken, denn vielmehr steht die ständige Anpassung des kleinen Sportwagens an der zeitlichen Gegebenheiten im Mittelpunkt. Der Text ist dabei erfreulich locker geschrieben und lässt sich sehr gut erfassen. Dazu eine große Mange an Bildmaterial, welche auch die Vielfalt des Mustang ein ums andere Mahl verdeutlichen kann. Das große Format des Buches trägt hier auch seinen Teil zu bei, denn hierdurch werden auch großformatige Abbildungen möglich. Die Einsätze im Motorsport, die Studien und Prototypen und auch die Einflüsse der Popkultur auf den Mustang werden dazu ebenfalls thematisiert. Das Bild der Erschaffer der Pony Car-Klasse wird dadurch gekonnt abgerundet. Das Buch entspricht bis auf dem Kapitel zum aktuellen Mustang fast komplett dem 50 Jahre Jubiläumsbuch und erweitert den Titel um eben dieses Modell.
Zum Preis von 50 Euro erhält der Käufer ein tolles Buch über den Ford Mustang, bei dem es nicht um technische Details geht, sondern vielmehr das Modell selbst und auch die verbundenen Emotionen dazu im Mittelpunkt stehen. Für alle, die das Jubliäumsband nicht besitzen ist der Titel eine fast zwingende Kaufempfehlung.

Bibliothek:
Titel: Ford Mustang – America’s Original Pony Car
Autor: Donald Farr
Umfang: 240 Seiten, ca. 400 Abbildungen
Format: 248 x 305 mm
Bindung: Hardcover mit Schutzumschlag
Auflage: 02/2018
Preis: 50,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-86245-757-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.verlagshaus24.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Ford, Marco Rassfeld