Buch – PS: Ich liebe Dich

Sportwagen-Design der 1950er bis 1970er Jahre zeigt aktuell die Stiftung Museum Kunstpalast in einer neuen Ausstellung in Düsseldorf. Passend dazu erschien im Hirmer Verlag der entsprechenden Katalog, welcher einen Blick auf die Ausstellungsstücke und mehr liefert.

Betont edle Aufmachung des Titels.

Das Buch wurde im Querformat ausgeführt und zeigt auf dem Titel eine seitliche Aufnahme von einem goldenen Lamborghini Miura, ohne Frage eines der formal gelungensten Automobile der Geschichte. Präsentiert auf einem schlichten, schwarzen Hintergrund wird der Italiener durch eine Glanzlackierung hervorgehoben. Auf der Rückseite kann man das gleiche Modell dann mit geöffneter Front- und Heckhaube erkennen. Ein passend zum Thema Design gestalteter Umschlag, der durch den formidablen Miura für Aufsehen sorgen kann. Nach dem ersten Aufschlagen lassen sich dann noch einige vollformatige Detail-Aufnahmen weiterer Ausstellung-Stücke entdecken, welche die Neugier noch steigern. Das Inhaltsverzeichnis gibt dann einen Überblick über die Fahrzeuge und auch der weiteren Kapitel. Erster Text folgt dann in Form des Vorworts vom Generaldirektor des Kunstpalastes Felix Krämer.

Ein Automobil als Skulptur – lange schien dies nicht möglich.

Ein ersten Blick auf die Entwicklung des Automobils zum Kunstobjekt wirft dann ein Artikel von Barbara Til und Dieter Castenow. So lässt sich im Laufe der Zeit auch ablesen wie die Geschmäcker der damaligen Kunden waren und sich diese immer fortwährend weiterentwickelten. So sind die klassischen Automobile der 60er und 70er Jahre gleichfalls Zeitzeuge und führen zurück in die damalige Zeit. Niclas Maak geht anschließend noch den Phänomen des Sportwagens auf die Spur und beleuchtet auch hier vor allem die designtechnische Besonderheit dieser speziellen Fahrzeuggattung. Entgegen der Massenware war es den Herstellern hier möglich zu experimentieren und auch ausgefallene Designs umzusetzen. Schließlich waren die Stückzahlen zumeist nicht hoch. Beide Texte werden von kleineren Bildern unterstützt.

Ein besonderer Ferrari ist der 166 MM Barchetta, der in der Ausstellung zu sehen ist.

Dann folgt der eigentliche Katalog-Teil mit dem Blick auf insgesamt 29 Modelle, die in Düsseldorf im Rahmen der Sonderausstellung seit Ende September bis zum 10. Februar 2018 zu entdecken sind. Die Vorstellung erfolgt in chronologischer Reihenfolge, so dass der Leser die Entwicklung sehr gut nachvollziehen kann. Der Start obliegt dem Cisitalia 202 SC Berlinetta. Dieses Modell wurde schon 1951 im Rahmen einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York erstmals neben weiteren Kunstwerken ausgestellt. Neben sieben weiteren Automobilen stellte das amerikanische Museum das Automobil erstmals als Kunstwerk vor und die Formen des Cisitalia können bis heute begeistern. Der SC entspricht dabei nicht exakt dem in New York ausgestellten GT, da in der damaligen Zeit viele Karosserien noch nach speziellem Kundenwunsch fertigt wurden. Der Wagen wird mit einigen Bildern präsentiert, darunter finden sich auch vollformatige, eigens für den Katalog hergestellte Bilder von Münchener Fotograf Olaf Sold.

Auch historische Aufnahme lassen sich immer wieder entdecken.

Das zweite Fahrzeuge ist mit dem 166 MM Barchetta von Ferrari ein weiteres aus Italien. Die Italiener erreichten mit ihren unterschiedlichsten Design-Studios im Automobilsektor Weltruhm und konnten Kunden aus aller Welt für ihre Arbeit begeistern. Ursprünglich stammte die Karosserie des 166 MM Barchetta von der Carrozzeria Touring, aber in diesem besonderen Fall von Chassis 0264M wurde durch die Carrozzeria Fantuzzi im Jahr 1969 neu aufgebaut, Touring war zu dieser Zeit schon nicht mehr existent. Zu jedem der Fahrzeuge liefert das Buch neben den Bildern auch einen kurzen Text. In diesem erfährt der Leser generell was zu dem Modell, als auch zu dem in der Ausstellung befindlichen Fahrzeug. Zusätzlich gibt es noch weitere Informationen zur Bauzeit, den Produktionszahlen, dem Designer, die wichtigsten technischen Daten und auch dem damaligen Hersteller. Auch der entsprechende Leihgeber für die Ausstellung bleibt nicht unerwähnt. 
Es folgen weiteren, herausragend gezeichnete Fahrzeuge wie der Porsche 356, der Mercedes-Benz 300 SL oder der Lancia Aurelia B24 S America Spider.

Die Besonderheiten des Designs kann in der Entwicklung des Automobils verfolgt werden.

Bei vielen Modellen in den 50er Jahren kann man oft einen unmittelbaren Einfluss aus den USA erkennen. Denn als Europa sich nach dem zweiten Weltkrieg noch im Wiederaufbau befand, lechzten die Amerikaner nach europäischen Sportwagen und konnten sich diese auch leisten. Oftmals ist ein direkter Einfluss zu erkennen. Aber auch die 60er und die 70er Jahre lassen einige echte Highlights entdecken und adeln die Ausstellung zu einem echten Muss für Auto-Fans. Bei Namen wie Bizzarrini, Shelby oder De Tomaso werden viele sicher hellhörig werden.
Nach den Fahrzeugen blickt Markus Caspers noch aus das speziellen Design der Sportwagen und deren Entwicklung von runden Formen zur Keilform. Der anerkannter Professor Paolo Tumminelli der Kölner Design-Schule blickt noch auf die Verbindung zum Motorsport, die einige aerodynamische Entwicklungen im Design vorgaben um Erfolg zu erzielen. 
Schließlich gibt es noch eine Blick auf die prägendsten Designer und Konstrukteure sowie die bekanntesten Karosseriebauer und Designstudios. Diese werden mit einem kurzen, aber prägnanten Text vorgestellt.

Fazit: Dem Ausstellungskatalog gelingt was seine Aufgabe ist, er macht wirklich Lust auf einem Besuch der Sonderausstellung im Kunstpalast Düsseldorf. Hier zeigen sich einige der gelungensten Designs der Automobil-Geschichte und vermutlich wird für jeden Leser und Besucher mindestens ein echtes Highlight dabei sein. Neben der sehr gelungenen Präsentation der Fahrzeuge mit tollen Aufnahmen und kurzen Texten liefert das Buch dazu noch einige interessante Text zu den Themen die Design und Auto verbindet. Hier erfährt man auch noch einige Hintergrund-Information die den Titel sehr gut abrunden.
Zum Preis von knapp 40 Euro erhält man also einen ersten Überblick über die wichtigsten Automobile aus der Sicht der Designer und stellt voraussichtlich einen ersten Appetitanreger zum Besuch der Ausstellung dar.

Bibliografie:
Titel: PS: Ich liebe Dich – Sportwagen-Design der 1950er bis 1970er Jahre
Herausgeber: Barbara Til, Dieter Castenow
Umfang: 180 Seiten, 187 Abbildungen in Farbe
Format: 290 x 220 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 09/2018
Preis: 39,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-7774-3123-9
Bestellbar beim Verlag unter: www.hirmerverlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Oliver Sold, Marco Rassfeld