Buch – Vollgas oder nix

Meine wilden 60er mit Jochen Rindt, James Bond und Steve McQueen. Viele bekannte Namen zieren das Cover eines neuen Buches von McKlein Publishing. Der Autor Dr. Erich Glavitza blickt hiermit zurück auf seine Erlebnisse im Motorsport und Filmgeschäft und bringt einige interessante Geschichten zum Vorschein …

Ein verunfallter 917 pflastere auch den Weg des Autors.

Das Buch ist im klassischen Hochformat und recht kompakt ausgeführt. Der Titel zeigt einen verunfallten Porsche 917 und ist stilvoll im blau und orange gehalten. Auf der Rückseite kann man dazu noch drei weitere Bilder entdecken und der Klappentext gibt einen ersten Einblick auf den zu erwartenden Inhalt. Nach dem Öffnen des Buches findet man als erstes das Vorwort wieder, welches von Heinz Swoboda geschrieben wurde. Er erzählt in prägnanter Kürze sein spätes Kennenlernen mit Glavitza und seine plötzliche Erkenntnis über die spannenden Erlebnisse des Österreichers. Dazu zeigt ein Blick die Beiden in lockerer Szene. Direkt daneben findet sich das Inhaltsverzeichnis wieder, welches eine Staffelung des Buches in stattliche 26 Kapitel aufzeigt. Hierbei geben die Titel erste wage Hinweise auf den entsprechenden Inhalt und können sicher schon bei dem ein oder anderen Leser für Aufmerksamkeit sorgen.

Als Journalist ließ sich ein wenig Geld verdienten und man bekam einen tieferen Einblick.

Die erste Geschichte, welche das Buch erzählt hat den Titel You Shake my nerves and you rattle my brain und zeigt sofort zu Start zwei Fotos eines klassischen Ford Mustang. Kenner der Musik erkennen hier auch sofort ein Zitat des Rock&Roll-Songs von Jerry Lee Lewis aus dem Jahr 1957. So führt die Sub-Headline den Vers auch zu Ende und liefert einen sympathischen Start in das eigentliche Buch. Schon der erste Satz lautet dann „Du bist ein Oasch!“ und macht deutlich, dass sich der Leser auf ungeschminkte Zitate im besten Österreichisch freuen kann. Und dazu auf einen bewusst ungeschminkten und direkten Ton. Dieser sorgt tatsächlich im gesamten Buch immer wieder für das ein oder andere Schmunzeln. Die meisten Texte werden zudem sogar noch in korrekt hochdeutsch übersetzt um eine Verständlichkeit zu gewährleisten. Die Geschichte zu Great Balls of Fire und dem Mustang ist dann ein erster Blick in die Zukunft, denn die meisten folgenden Kapitel fanden vorher statt. So begab sich Erich Glavitza gemeinsam mit Jochen Rindt auf den Weg zu Salzburgring und wollte die Kraft des Zuverfügung gestellten Shelby Mustang auf der Autobahn ausloten. Hier kam es dann zu einer unvorhergesehenen Begegnung mit einem LKW, der sich dem heranfliegenden Mustang in den Weg stellte. Der Test ist dabei so geschrieben, das man beim Lesen den Eindruck hat auf der Rückbank den Ford zu sitzen. Wow!!

Der Ford GT 40 war eine Sensation, als dieser vorgestellt wurde.

Schließlich ist die Szene überstanden und nun startet die Geschichte von Erich Glavitza mit einem Rückblick auf die Anfänge des „Motorsports“ im VW Käfer seiner Mutter. Denn eines war schon dem jungen Glavitza klar, er wollte sich in der Szene des Motorsport einbringen. Schon früh sog er den Inhalt von diversen Automagazine in sich auf und anhand von Fotos versuchte er gar die einmalige Fahrweise eines Stirling Moss im Käfer nachzuahmen. Die Rennen beeindruckten den Österreicher besonders und die neue Generation von Rennfahrer wie eben Moss, Brooks oder Collins waren seine Idole. Eine weitere Geschichte erzählt dann von der Donau-Castrol-Rallye im Jahr 1968. Hier fuhr Glavitza gemeinsam mit Peter Huber in einer Citroën DS 21 mit und erlebten eine umsanfte Begegnung mit einer Bahnschranke. Schon im ersten Kapitel finden sich also gleich drei unterschiedliche Stories wieder, allesamt lesenswert weil toll geschrieben und unterstützt von einigen Bildern.
Es folgt ein Blick auf die Rennszene in Österreich der 60er Jahre, welche vor allem durch reiche Herrenfahrer beherrscht wurde. Diese hatten die Möglichkeit die schnellsten Fahrzeuge zu erstehen und damit anschließend die aufstrebende Jugend um die Ohren zu fahren. Hier war auch Glavitza das ein oder andere Mal beteiligt und versucht auf sich aufmerksam zu machen. Erst mit Jochen Rindt wurde ein echtes Talent aus Österreich an die Weltspitze herangeführt und auch hier war Glavitza in vielen Punkten direkt mit dabei.

James Bond – die Verantwortung für das Eisrennen lag bei Erich Glavitza.

Gemeinsam mit seinem Schulfreund Peter Huber war sich Erich Glavitza sicher, dass ihre Zukunft die Rennfahrerei sein wird und testete hierzu unter anderen am Gaisberg. Beim berühmten Gaisbergrennen konnten beide beobachten wie Porsche-Werkfahrer Edgar Barth die Bestzeit fuhr. Die beiden Österreicher wollten mit einem VW Käfer schließlich ausloten wie schnell sie diesen Berg herunterfahren konnten. Berghoch hätte sie von der Zeit her natürlich keine Chance gegen den Porsche. Auch hier kam es einmal mehr zu brenzligen Situation, welche aber erneut überstanden wurden. Dennoch waren beide weiterhin von ihrem Können überzeugt und beschlossen ihr Glück in England zu suchen. Gegenüber Österreich waren hier viele der erfolgreichen Rennteams beheimatet und beide bemühten sich zunächst um eine Stelle in den Teams. Mit Lotus, Lola, Cooper und Brabham hatte man schon die zukünftigen Arbeitgeber im Visier und durch einen Bekannten stellte man einen ersten Kontakt her. Alle vier Teams sollte die beiden beim Rennen in Zeltweg besuchen um ein erstes Gespräch zu führen. Heute unvorstellbar! Mittlerweile war Glavitza als Journalist aktiv und kam an die entsprechenden Pressekarten für den Formel 1-Lauf in Österreich. So kam es auch hier zu erstaunlichen Begegnungen mit den Großen des Motorsports und man gab sich hierbei betont locker. Die Erlebnisse kann man heute kaum glauben, aber die Zeiten waren natürlich auch andere.

Auch in Le Mans war Glavitza beteiligt und schildert einige Szenen.

Bis hierhin sind nur drei der sechsundzwanzig (!!!) Kapitel beschrieben und dies auch eher nur oberflächig. Das Buch hat noch Unmengen an Geschichten zu bieten und hierbei begleitet man Erich Glavitza durch sein Leben. So erlebte er auch den ersten Auftritt eines Ford GT40 auf dem Nürburgring, war unmittelbar dabei als Jochen Rindt immer mehr zum Star des Motorsports aufstieg und war auch bei der ersten Vienna Racing Car Show beteiligt. Die Namen der Szene sind allesamt vertreten und die unterschiedlichsten Geschichten sorgen für Spannung, Freude und vieles weitere. Der Aufstieg der Formel Vau in Europa darf natürlich nicht fehlen und auch die dunklen Stunden des Motorsports bleiben nicht verborgen. Viel gefährlicher als heute, verloren damals viele Rennfahrer ihr Leben! Im Leben von Glavitza kam dann zu einem Anruf von James Bond, bzw. dessen Produktionsleiter Hubert Fröhlich. Dieser bat um die Mithilfe für ein spektakuläres Eisrennen. Nur die erste Begegnung mit dem Film, denn schließlich sollte Glavitza beim Remmwagen-Filmklassiker Le Mans mitwirken. Hier gibt es dann auch wieder spannende Stories außerhalb der Motorsport-Szene, die aber nicht weniger lesenswert sind …

Fazit: Das Buch ist eine wirklich lesenswerte Zeitreise durch die 60er Jahre. Hierbei steht der Motorsport zwar im Fokus und war auch zeitlebens das Ziel von Autor Erich Glavitza. Aber auch die Filmszene kommt mit den automobilen Highlights von James Bond und Le Mans nicht zu kurz. Durch die wirklich erstklassig geschriebenen Text kann man sich in jede Szene hineinversetzen und scheint dabei zu sein. Die dabei verwendete Sprache ist echt und ehrlich und trägt hierzu auch einen großen Teil bei. Dazu lieferte das Buch auch noch einige Bilder, die dem Leser die Möglichkeit gibt die Szenen zu noch näher zu erleben. Erwähnt sei noch, das sich im Buch einige, wenige Anzeigen wiederfinden, die aber nicht wirklich als störend empfunden werden.
Zum Preis von 35 Euro muss der Motorsport-Fan zuschlagen! Dieses Buch liefert einen direkten Blick auf die damaligen Szene und dies betont unzensiert. Unbedingt Lesen!

Bibliografie:
Titel: Vollgas oder nix – Meine wilden 60er mit Jochen Rindt, James Bond und Steve McQueen.
Autor: Dr. Erich Glavitza
Umfang: 288 Seiten, ca. 25 Fotos und Grafiken in Farbe und 140 in Schwarzweiß
Format: 170 x 240 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 11/2018
Preis: 34,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-947-15611-5
Bestellbar beim Verlag unter: www.rallyandracing.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: McKlein, Marco Rassfeld