Buch – Deutsche Autos

Personenwagen und Nutzfahrzeuge in der DDR – das Deutschland mal geteilt war, ist heute der Jugend schon kaum noch bekannt und beim Namen DDR werden viele stutzen, zumindest bis dieses Thema in der Schule erlernt wird. Der Motorbuch Verlag veröffentlichte schon 2017 ein Buch über alle Fahrzeuge in der DDR, wobei dieser Titel schon auf eine lange Tradition zurückblicken kann …

Ein Wartburg 312 ist der Titelheld des Buches.

Die Basis zu diesem Buch stammt aus dem Jahr 1975 vom anerkannten Automobil-Historiker Werner Oswald. Nach der Wende überarbeiteten die Autoren Michael Dünnbier und Eberhard Kittler dieses Buch und so kam 1998 eine deutlich erweiterte Ausgabe auf den Markt. Immer mehr Erkenntnisse führte zu einer weiteren Auflage aus dem Jahr 2006. 2017 erschien dann der aktuelle Titel mit dem Blick auf die Fahrzeug-Historie in der ehemaligen DDR.
Das Buch ist im klassischen Hochformat ausgeführt und zeigt schon auf dem Titel einige Modelle aus der DDR und auf der Rückseite findet sich auch noch ein weiteres Bild. Dazu klärt der Klappentext schon direkt auf, das es neben den bekannten Marken Trabant und Wartburg noch vieles mehr gab.
Das Vorwort blickt dann zunächst auf die oben erwähnte Historie des Buches und die Autoren würdigen hierin auch die unverzichtbare Mitarbeit von vielen weiteren Personen, welche sich mit der Geschichte der Fahrzeuge in der DDR intensiv auseinander gesetzt haben. So ist der Titel der bisher umfangreichste zu dem Thema der Motorisierung in der DDR. So überrascht dann auch nicht, dass das Inhaltsverzeichnis sich gleich über zwei Seiten erstreckt, ohne dabei auf Bilder zurückzugreifen.

Die Anfänge des Trabbi waren noch bescheiden.

Automobilindustrie und automobiler Alltag in der DDR lautet dann der Titel zu ersten Kapitel, welcher sich eher in der Art einer umfassenden Einleitung zeigt. Als erstes wird der Lage nach der Wende betrachtet und wie hier die Entwicklung voranschritt und die altehrwürdigen Modelle schnell vom Markt verschwinden ließ. Dann steht der anfängliche Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg und der Gründung der DDR im Mittelpunkt, wobei schnell die eingeschränkte Freiheit deutlich wird. Hierzu zählt dann auch der damalige Vertrieb und der Alltag der Fahrer, die oftmals viele Jahre auf ihr Fahrzeug warten mussten. eine große Tabelle gibt dazu einen Überblick über die Kraftfahrzeug-Produtkion in der DDR von 1948 bis 1991. Dazu gab es für einen ausgewählten Personenkreis auch die Möglichkeit Import-Fahrzeuge zu erstehen. Diese blieben aber im Straßenbild oftmals etwas besonderes, gerade wenn man die großen Städte verlassen hatte. Zudem finden sich noch zahlreiche weitere Information wieder, wie zum Beispiel zur Oldtimer.Szene, den Nutzfahrzeugen und auch dem Motorsport. Der umfangreiche Text wird von mehreren Bildern, welche größtenteils zeitgenössisch sind sowie einigen Tabellen unterstützt und liefert somit einen wirklich guten Überblick auf die Entwicklungen und den Alltag in der DDR.

Wartburg schuf mit dem Sport 313 ein erstaunlichen Sportwagen.

Es folgt dann zunächst die komplette Betrachtung der Personenkraftwagen in der DDR. Die Pkw aus dem Automobilwerk Zwickau stehen dabei zunächst in Fokus. Vor dem Krieg waren in Zwickau die wichtigsten Werke der Auto Union und es wurden Modell von Audi und Horch produziert. Nachdem man zunächst mit vielen Reparatur-Arbeiten für Beschäftigung sorgen konnte, wurde für die sowjetischen Besatzungsmächte auch noch drei Exemplare des Horch 930 S auf Restbeständen neu aufgebaut. Im Jahr 1949 lief dann die regulären Produktion mit dem F8 und F9 wieder an. Man griff hier auf frühere Modelle zurück und produzierte diese mit unterschiedlichen Aufbauten, vom F9 entstanden sogar zwei Rennwagen. Mit dem Erscheinen des neu konstruierten AWZ P70 im Jahr 1955 verlagerte man die Produktion der ersten Modelle nach Eisenach und setzte fortan auf frische Formen. Dem kompakten P70 stellte man mit dem Sachsenring P240 ein größeres Modell zur Seite, welches vor allem von Funktionären gefahren werden durfte. Die Anforderungen an ein bezahlbares Automobil wurde aber immer massiver und so wurde der P50 entwickelt, der als neuen Markennamen Trabant tragen sollte. Auf der Leipziger Herbstmesse im Jahr 1958 feierte der Trabant P50 seine Premiere. Der Name verwies auf die erste Sputnik-Trägerrakete der Sowjetunion und wurde durch ein Preisausschreiben gefunden. Hieraus entwickelte sich der 601, der von 1964 bis 1990 gebaut wurde und als ein automobiles Symbol für den Mauerfall gilt.

Die Importe von russischen Staatslimousinen waren quasi selbstverständlich.

Das Modell blieb in den Grundzügen fast unverändert, was aber keinesfalls bedeutete, dass man sich nicht mit modernen Automobilen auseinandersetze. Hierzu finden sich sich viele Alternativen und Versuchsträger wieder, die es aber leider nie in eine echte Produktion schafften. Auch der Versuch den Trabant als Elektro-Modell im Retro-Look wiederzubeleben wird im Buch ausgeführt, sollte aber auch scheitern.
Die Pkw aus dem Automobilwerk Eisenach finden sich dann im nächsten Kapitel wieder und stellen vor allem die Modelle von Wartburg vor. Als ehemaliges Werk von BMW entstanden hier aber zunächst noch direkte Nachfolger der Vorkriegsmodelle, welche auch zunächst in West-Deutschland vertrieben wurden. Dies wurde aber 1950 durch eine Klage von BMW untersagt. So änderte man auch die Markenbezeichnung auf EMW. Die Stückzahlen waren aber immer übersichtlich und schließlich entstanden mit dem sowjetischen Einfluss auch eigenständige Modelle, welche aber nie in Produktion gehen sollten. Ab 1953 erfolgte die Produktion des IFA F9 in Eisenach und so findet man auch dieses Modell hier nochmals wieder. Auf diesem Modell basierte dann auch der erste Wartburg mit der Modellnummer 311. Der formal durchaus gelungene Wagen war auch in unterschiedlichsten Varianten erhältlich und konnte für viel Aufmerksamkeit sorgen. Noch herausragender war der Wartburg Sport 313/1 der aber nur in 469 Exemplare entstand, wobei etwa ein Drittel in den Export ging. Nach dem nur drei Jahre lang produzierten, technisch moderneren 312 folgte schließlich der mit deutlich modernerer Form ausgestattete 353. Dieser war, wie der Trabant 601 über viele Jahre im Programm und sollte mit ihm gemeinsam das hiesige Straßenbild prägen. Ab 1989 war endlich ein Viertakt-Motor verfügbar und das optisch verfeinerte Modell trug den schlichten Namen 1.3.

Auch die reichhaltige Auswahl an Nutzfahrzeugen in der DDR kann überzeugen.

Als einziger Exot schuf Heinz Melkus noch einen Sportwagen auf Basis des Wartburg, welcher sich wie selbstverständlich auch im Buch wiederfindet. Neben dem Ur-Modellen ist auch die Neuauflage, welche ab 2006 produziert wurde, zu finden.
Damit aber noch nicht genug der Personenkraftwagen. Auch die vielen Import in die DDR werden vorgestellt. Hier kann der Leser Modelle aus der Tschechoslowakei, aus Polen, aus Rumänien, aus der Sowjetunion und aus Jugoslawien wieder entdecken.
Mit nur ein wenig mehr als der Hälfte der Seiten belegen die Personenkraftwagen den ersten Teil des Buches. Es folgen noch die Nutzfahrzeuge, welche auch nach den Produktionsort sortiert vorgestellt werden. Neben den verschiedensten Aufbauen für die unterschiedlichsten Einsätze der LKW’s, finden sich auch die Busse wieder, welche in der DDR produziert werden. Einige Marken wie Robur, Barkas oder Multicar sind sicher auch noch heute einigen Lesern bekannt. Und auch die Importe aus den unterschiedlichsten Ländern des Ostblocks werden akribisch aufgeführt.

Fazit: Ein Blick auf die Personenwagen und Nutzfahrzeuge in der DDR wie er umfassender nicht sein könnte. So die einfache und beeindruckende Zusammenfassung zum Buch. Die Autoren bauten auf einen guten Standardwerk auf und verfeinerten es mit jeder Ausgabe immer mehr. So stellt dieses Buch nicht weniger als das aktuelle Standardwerk zum Thema dar und führt die Leser zurück in die Zeit der DDR. Durch die durchaus gute Bebilderung, die oftmals auch zeitgenössische Szenen zeigt, fällt ein Rückblick leichter. Zudem liefert das Buch umfangreiche technische Daten zu den Fahrzeugen und auch einen Überblick über die entsprechenden Produktionszahlen. Auch die erstaunlich vielen Prototypen, welche es nie in die Produktion schafften, finden sich ebenso wieder wie die aktuellen Neuauflagen von automobilen DDR-Legenden.
Zum Preis von knapp 30 Euro muss ein automobilhistorisch interessierter Mensch zuschlagen. Das Buch wird sicher immer mal wieder aus dem Regal geholt um die vielen Infos in der Hand zu haben. Ein beeindruckendes Nachschlagewerk.

Bibliografie:
Titel: Deutsche Autos – Personenwagen und Nutzfahrzeuge in der DDR
Autoren: Eberhard Kittler, Michael Dünnebier
Umfang: 304 Seiten, 120 s/w Bilder & 436 Farbbilder
Format: 230 x 265 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 08/2017
Preis: 29,90 €
ISBN: 978-3-613-04000-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Christian Bittmann, Marco Rassfeld