Buch – Katalog der Automobil Revue 2019

Vor kurzem erschien endlich die lang erwartete neuste Ausgabe einer automobilen Literatur-Legende. Der in Deutschland durch den Motorbuch Verlag vertriebene Katalog der Automobil Revue 2019 ist ab sofort erhältlich. Durch die Neutralität der Schweiz finden sich hier oftmals kaum bekannte Automobile wieder, die selbst hierzulande kaum bekannt sein dürften.

Eine schlichte Aufmachung mit nur einem Modell kommt gut an.

Diejenigen, welche den Katalog in jedem Jahr kaufen, werden ob der diesjährigen Ausführung zunächst sicher erstaunt sein. Denn im Gegensatz zu dem noch massiven Katalog mit fast 700 Seiten aus dem letzten Jahr ist die neuste Ausgabe deutlich geschrumpft. Zumindest auf den ersten Blick kommt die Ausgabe 2019 so deutlich schlanker daher und kann auch nur noch 368 Inhalt bieten, was nur ein wenig mehr als die Hälfte des Vorgängerjahrgangs darstellt. Zudem ist nun das Format in der Breite ebenfalls kleiner geworden, nunmehr wird hier das klassische DIN A4-Format verwendet. Das Geheimnis dieser Reduzierung ist so einfach wie logisch. Statt der bisher vor allem für den schweizer Heimatmarkt noch logisch verwendeten Zweisprachigkeit in Deutsch und Französisch ist die aktuelle Ausgabe in zwei Versionen erhältlich. So kann der Käufer nun zwischen den Sprachen wählen und gleichzeitig ist gewährleistet, dass der Katalog nicht vollkommen explodiert.

Ein Überblick über die wichtigsten Neuheiten des Jahres gehört zum Standard.

Ansonsten zeigt sich der Katalog mit einem bewusst schlichten Titel, auf dem sich, mit dem Opel GT X Experimental nur ein Modell befindet. Dazu finden sich noch die Hinweise auf dem Inhalt in Textform während die Rückseite schon mit einer Werbeanzeige belegt wurde. Auf die Zahlen wieviele Hersteller, Modelle und Fahrzeuge sich im Katalog befindet wurde verzichtet, ob die bewusst geschehen ist lässt sich nicht nachvollziehen. Bei Griff zum Katalog fällt auf, dass sich dieser sich haptisch sehr stumpf aber zugleich auch edel anfühlt. Eine Kaschierung ermöglicht diesen Effekt und sorgt zudem für eine bessere Stabilität des Kataloges.
Nach dem Aufschlagen folgt eine komischerweise leere Umschlaginnenseite sowie das Inhaltsverzeichnis. Hier wird schnell erkennbar, dass auf weiterführende, redaktionelle Themen fast komplett verzichtet wurde. Sicher auch eine Maßnahme um den Umfang nochmals zu beschränken. Da diese aber immer sehr interessant waren, werden sie sicher auch von dem Stammlesern vermisst werden. Gerade der unabhängige Blick durch die schweizer Brille brachte teilweise wertvolle Erkenntnisse zu Tage.

Jeder Hersteller findet sich mit vielen Modellen wieder.

Nach dem aufschlussreichen Editorial, in dem der Dieselskandal als möglicher Wendepunkt der Automobilindustrie gesehen wird, folgt der unverzichtbare Blick auf die Neuheiten für das Autojahr 2019. Hier finden sich in vielen Aufnahmen einige der interessantesten Neuheiten, welche in den meisten Fällen ihre Premiere auf dem Genfer Autosalon feiern konnten. Hier sind sowohl Kleinwagen, Sportwagen, Mittelklasse und SUV’s vertreten. Auch zwei der immer wieder beliebten Concept Cars finden sich in Form des Fiat Centoventi und Volkswagen I.D. Buggy Concept wieder. Der Titelheld in Form des Opel GT X Experimental lässt sich hingegen nicht entdecken. Auffälig ist hierbei leider, dass die Abbildungen allesamt sehr dunkel umgesetzt sind und viele Details leider so verschwinden und kaum sichtbar sind. Ein Vergleich mit dem letztjährigem Katalog offenbart, dass diese Problem hier nicht nicht auftrat.

Durch die dreispaltige Umsetzung konnte reine Seitenmasse gespart werden.

Als sicher wichtigstes, redaktionelle Thema ist der Blick auf den automobilen Weltmarkt erhalten geblieben. Dies stammt diesmal aus der Feder des deutschen Prof. Dr. Ferdinand Dudenhofer, der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg ist. Dieser nimmt sich dem Thema dann auch bewusst wissenschaftlich an und analysiert der Probleme der verschiendene Märkte. So ist vor allem der über lange Jahre hochinteressante Markt in China inzwischen gesättigt, was unter anderem durch die Tatsache verdeutlicht wird, dass voraussichtlich etwa 19% aller Produktionsanlagen vor Ort im Jahr 2019 ungenutzt sein werden. Weitere internationale, politische Verhältnisse erschweren zudem die Möglichkeit der global agierenden Hersteller. Sei es der lähmende Brexit oder die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump immer wieder angeheizten Zölle auf einzelne Importgüter. Vieles erschwert die Absätze und zudem kommen auf die Hersteller große Investition zu um die Mobilität der Zukunft schnellstmöglich für die Käufer verfügbar zu machen. Die Forschungsgelder, welche die Verwirklichung der prognostizierten Zukunft mit Elektroantrieb antreiben sind immens. Die Lage bleibt also sicher 2019 angespannt und sorgt nach vielen sorglosen Jahren für Sorgenfalten bei den großen Automobilkonzernen.
Es folgt dann noch ein Testrückblick auf das Jahr 2018 der Automobil Revue und dazu noch die schweiz-spezifischen Importeure und auch der hiesigen Preise.

Leider wirken die Abbildungen im Katalog alle recht dunkel.

Dann folgt schließich der eigentliche Katalog-Teil, welcher mit einer Markenliste und einigen Erläuterungen startet. 118 Marken finden sich hier wieder, wobei es keine länderspezifische Unterscheidung der einzelnen Märkte mehr gibt. Bei Chevrolet als Beispiel war in den vorangegangenen Katalogen immer zwischen den einzelnen Märkten unterscheiden worden. So entstanden vermeintlich mehr Marken, welche aber natürlich den gleichen Background haben.
Der eigentliche Katalog-Teil zeigt dann die Möglichkeit auf, was durch die einsprachige Umsetzung möglich ist. Statt bislang verwendeten zwei Spalten mit jeweils noch zwei Sprachen nutzt der neue Katalog drei Spalten pro Seite und bekommt hierdurch deutlich mehr Modelle auf eine Seite. Leider leidet hierunter auch oftmals die Abbildungsgröße, da sich die Bilder der Modelle leider nur noch selten über zwei Spalten erstrecken dürfen. Die Informationen erfolgen wie gewohnt sehr umfangreich und neben den technischen Daten wird jeder Hersteller und jedes Modell mit einem kurzen Text vorgestellt. Es finden sich zahlreiche Hersteller aus der Welt wieder, wo sicher viele Leser noch den ein oder anderen Exoten entdecken können. Von A wie Abarth bis Z wie Zenvo finden sich alle wieder.
Zum Schluss enthält der Katalog noch Indexe zu den Modellen, Motoren und Plattformen, welche unter anderem die Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Hersteller verdeutlicht.

Fazit: Nach dem extrem starken Katalog des Jahres 2018 folgt eine deutlich kompaktere Ausgabe 2019. Dies wurde möglich durch die Aufspaltung der bisher gängigen Zweisprachigkeit, und der Katalog ist nun in zwei Versionen in Deutsch und Französisch erhältlich. Die immer wieder interessanten redaktionelle Berichte wurde leider deutlich eingeschränkt und beschränken sich so auf das Editorial, einem Blick auf die Neuheiten und einem Bericht zum Weltmarkt. Dazu folgen noch einige Schweizer Informationen ehe der eigentliche Katalog die notwendige Tiefe aufweist und kaum ein Modell vermissen lässt.
Der unveränderte Preis von 49 Euro erscheint auf Grund des deutlich reduzierten Umfanges sicher für einige Käufer fraglich. Aber ein echter Nutzen der Zweisprachigkeit für den Einzelnen ist sicherlich auch in Frage zu stellen.

Bibliografie:
Titel: Katalog der Automobil-Revue 2019
Umfang: 368 Seiten
Format: 210 x 297 mm
Bindung: Softcover
Auflage: 05/2019
Preis: 49,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-613-30895-4
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Opel, Marco Rassfeld