Buch – Sandizell

Herrenfahrer und Motorsport-Funktionär – Carl Max Graf von und zu Sandizell und seine Zeit, so lauten die gleich zwei Untertitel passend zu einem Buch aus dem Heel-Verlag. Dieses Buch blickt zurück auf einen Mann, der sich dem Motorsport verschrieben hat und lange Zeit eine der prägende Funktionen in der Motorport-Welt einnahm …

Zwei Welten – im Motorsport aktiv und als Funktionär.

Das Buch ist im großen Hochformat umgesetzt und zeigt auf dem Titel zwei Motive aus dem Leben von Carl Max Graf von und zu Sandizell. Zugleich werden zwei Zeiten und Phasen aus dem Leben des Grafen dargestellt. Im oberen Bereich sieht man ihn mit seiner Frau neben einem prachtvollen Horch, der augenscheinlich soeben einen 1. Preis gewonnen hat. Dies Bild ist stellvertretend für die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, während das untere Motiv den Grafen in augenscheinlich amüsierter Gesellschaft zeigt und somit auf die Zeit nach dem verheerenden Krieg blickt. Graf Sandizell war hier als Funktionär unterwegs und prägte auch den AvD. Dessen Logo findet sich dann auch passenderweise auf dem Titel wieder. Die Rückseite zeigt das Wappen von Sandizell und gibt mit einem kurzen Klappentext einen ersten Blick auf den Inhalt des Buches. Unter dem Schutzumschlag ist das Buch dann klassisch mit schwarzen Leinen ausgeführt und auf der Rückseite findet sich der Buchtitel in silberner Heißfolie wieder. Nach dem Aufschlagen findet man sich schnell beim Inhaltsverzeichnis wieder, dass eine chronologische Struktur aufzeigt. Diese wird im Buch in fünf Kapitel und dem Anhang eingeteilt.

Auf unterschiedlichsten Veranstaltungen war Graf Sandizell als Herrenfahrer zu finden.

Vor dem eigentlichen Start erfährt man in der Einleitung des Autors die Hintergründe zum Schloss Sandizell und dessen Geschichte. Dazu verdeutlicht er die Grundlage zur Erstellung des Buches, welches die Biografie des Grafen anhand von vielen historischen Dokumenten nachvollziehen kann. Allerdings waren hierbei einige Lücken auch nicht zu vermeiden.
Motorsport aus Leidenschaft lautet dann die Überschrift zum ersten Kapitel. Diese führt den Leser durch die Jahre 1925 bis 1932. Doch zunächst blickt der Text zurück auf die Kindheit und die Entwicklung von Graf Sandizell, der 1895 geboren wurde. Zudem klärt sich hier der Begriff Herrenfahrer, zu denen Graf Sandizell fraglos gehörte. Anhand der vielfach noch vorhandenen Trophäen und einigen Fotos kann man dann durch unterschiedlichsten Veranstaltungen der 1930er Jahre nacherleben. Der Motorsport entsprach damals noch nicht den heute bekannten Rennen auf extra erbauten Rennstrecken, sondern bot eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten die Fahrzeuge in einem Konkurrenz-Umfeld zu präsentieren. Sehr beliebt waren damals die Sternfahrten, die oftmals aber auch kombiniert wurden mit Schönheitskonkurrenzen oder Geschicklichkeitsprüfungen. Das Buch blickt so auf unterschiedlichste Veranstaltungen, bei denen Graf Sandizell teilnahm und blickt mit einigen Fotos zurück auf diese Zeit. Hier lassen sich viele prachtvolle Fahrzeuge aus der Vorkriegszeit entdecken.

Vor dem Krieg mutierten die Veranstalungen immer mehr zu Geländetests.

Im zweiten Kapitel beginnt der dunkle Teil der Biografie mit dem Titel Motorsport unter den Hakenkreuz. Durchaus kritisch wird hier der Versuch der Nationalsozialisten dargelegt, den Motorsport zu Propaganda-Zwecken zu nutzen. So bezeichnet das Buch die X. internationale Winterfahrt von Garmisch-Partenkirchen im Jahr 1933 als vermutlich letzte unpolitische Motorsport-Veranstaltung, welche gemeinsam vom ADAC und BAC organisiert wurde. Immer mehr wurden die Veranstaltungen ins Gelände verlegt um die Geländegängigkeit von Mensch und Maschine zu verbessern. Nachdem Graf Sandizell zunächst vor allem mit Horch-Modellen unterwegs war, trat er nun zunächst für Auto Union oft auf DKW an. Im weiteren Verlauf erstand er einen BMW 327, welcher der Maßstab für den Breitensport darstellte und folgerichtig dann auch von ihm eingesetzt wurde. Das der Sport immer politischer wurde, hatte auch zur Folge, das der AvD verboten wurden. Unter der Flagge des NSKK hatte man den DDAC installiert, in dem alle Clubs gleichgeschaltet werden sollten. Im gesamten Buch können viele Texte durch den akribischen Einsatz von Fußnoten einer zeitgenössischen Quelle zugeordnet werden. Dies sorgt für eine hohe Authentizität der Texte und kann so immer wieder überzeugen. Graf Carl Max von und zu Sandizell entwickelte sich in dieser Zeit vom Herrenfahrer zunächst zum Werksfahrer und später zum Soldatenfahrer, denn alle Rennfahrer wurden zu einer Mitgliedschaft im NSKK gezwungen. Eine Tabelle liefert zu Schluss des Kapitels noch einen Überblick über die Autos, welche Graf Sandizell in der Zeit von 1929 bis 1939 einsetzte.

In vielen Sitzungen bestimmte auch Sandizell die zukünftige Ausrichtung des Motorsport.

Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit ist dann die Überschrift zum dritten Kapitel und blickt auf die Jahre 1939 bis 1948. Neben dem Text, welcher die Geschichte von Graf Sandizell erzählt erinnert sich in diesem Kapitel auch sein Sohn Carl Hochbrand Graf Sandizell an seinen Vater. Das Schloss Sandizell wurde zu einer wichtigen Basis des Wiederaufbaus der Auto Union. Durch die Nähe zu Ingolstadt trafen sich hier immer wieder die Verantwortlichen und so kam auch eines Tages Carl Horst Hahn am Schloss Sandizell an. Der Sohn des späteren Chefs von Continental und Volkswagen Carl Hahn erinnert sich auch noch an die Zeit mit seinem Vater, an Sandizell sowie Ingolstadt. Die wichtigen Umbrüche durch die Besatzungskräfte werden im Text auch immer wieder berücksichtigt und vervollständigen so das Bild.
Motorsport am runden Tisch verfolgt dann die Entwicklung der Jahre 1948 bis 1962 in denen Sandizell in vielen Vereinigungen auch am Wiederaufbau der Motorsports mit beiliegt war. Am 6. November 1948 fand die Wiedergründung des AvD statt und Carl Max Graf von und zu Sandizell war schon zu Beginn der Vizepräsident. Schon wenig später konnte auch die Wiederaufnahme des AvD bei der FIA erreicht werden und das obwohl eigentlich nur ein Club pro Land zugelassen war. Der ADAC galt zu dieser Zeit schon als Mitglied. 1950 fand auch schon der erste Große Preis in Deutschland wieder statt, organisiert von AvD und in folgendem Jahr wurde Graf Sandizell als Vertreter der deutschen Interesse als Mitglied des CSI berufen.

Von den letzten Jahren gibt es leider nur wenig Foto-Material.

Hierdurch wurde Carl Max Graf von und zu Sandizell zum wichtigsten Vertreter Deutschland im wichtigsten Organ des internationalen Motorsports. In den weiteren Jahren war Graf Sandizell folgerichtig dann auch bei den bekanntesten Rennen der Welt zu sehen und auf vielen Aufnahme ist er bei einer Preisübergabe zu sehen. Aber immer wieder lassen sich auch Aufnahme von vielen Szenen rund um die Rennen entdecken. Auch die vielen Sitzungen, an denen Graf Sandizell teilnehmen musste finden sich im Buch wieder. Bis 1952 finden sich viele Fotos in diversen Alben wieder, aber die erste Lücke tut sich 1953 auf, gefolgt von den Jahr 1956 bis 1962. Hier finden sich dann deutlich weniger Bilder wieder und die Texte konzentrieren sich auf die wichtigsten Veranstaltungen.
Das letzte Jahrfünft ist dann die Titelzeile zum letzen Kapitel des Buches und beschriebt die letzten Jahre bis zum 21. Mai 1962, an dem Tag verstarb Carl Max Graf von und zu Sandizell unerwartet an plötzlichen Herzversagen.
Der Anhang blickt dann noch auf Sandizell heute und liefert einen tabellarischen Lebenslauf sowie weitere Verzeichnisse.

Fazit: Eine Biografie eines Renngrafen, der sich vor dem zweiten Weltkrieg in vielen motorsportlichen Veranstaltungen mit der Konkurrenz maß, scheint generell nicht uninteressant. Das dieser Mann dann aber nach dem Krieg als erster Deutscher überhaupt Mitglied im CSI war steigert das Interesse der motorsportaffinen Menschen sicher. Das Buch erzählt die Geschichte mit vielen zeitgenössischen Bildern aus den Alben von Sandizell und nutzt dazu viele zeitgenössische Quellen für die Texte. Eine hohe Authentizität ist dadurch sichergestellt. Besonders erfreulich ist dabei, dass sich die Texte und Bilder wirklich gut verschlingen lassen.
Zum Preis von knapp 50 Euro kann der Leser zurückblicken auf einen interessanten Mann aus der Motorsport-Szene, der sich international einen Namen machen konnte.

Bibliografie:
Titel: Sandizell – Herrenfahrer und Motorsport-Funktionär
Autor: Erik Eckermann
Umfang: 224 Seiten, 206 Farb- und 14 s/w-Abbildungen
Format: 240 x 320 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 04/2017
Preis: 49,95 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-516-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Marco Rassfeld