Buch – 50 Jahre Porsche 914

Porsche betrat mit dem 914 vor mittlerweile 50 Jahren ein besonderes Terrain. Denn aus der Zusammenarbeit mit Volkswagen entstand ein günstiger Sportwagen mit Mittelmotor und wurde schließlich von beiden Hersteller gemeinsam als Volkswagen-Porsche vertrieben. Pünktlich zum Jubiläum veröffentlicht der Delius Klasing Verlag ein neues Buch zum Porsche 914.

Ein optisch besonders gelungenes Titelbild zeichnet das Buch von außen aus.

Das Buch ist im durchaus großen und unkonventionellen Hochformat ausgeführt und kann mit einer tollen Detail-Aufnahme des VW-Porsche 914 im zeitgenössischen Orange glänzen. Diese zeigt aus einem gekonnten Winkel den verchromten Rückspiegel und mit einem angedeuteten Porsche-Schriftzug an der unteren Flanke. Dazu findet sich der Buchtitel in eine Schwarz-Weiß-Kombination wieder und zudem noch der Hinweis, dass der Titel aus der Edition Porsche Museum stammt. Auch der bekannte Autor Jürgen Lewandwski lässt sich noch entdecken. Auf der Rückseite findet sich eine seitliche Aufnahme eines weiteren, orangefarbenen 914 wieder, die geschickt angeschnitten wird. So bleibt der Bug komplett verborgen. Dazu ist auch der übliche Klappentext hier zu finden und gibt erste Hinweise auf den Inhalt des Buches.
Nach dem Aufschlagen zeigt sich ein in bunten Streifen gestalteter Vorsatz, der mit Zeichnungen von Details zum 914 versehen ist. Ein ohne Frage gelungener Einstieg, welche sich am Ende des Buches mit den Nachsatz auch wiederholt.

Nicht einfach war die Entstehung des 914.

Vor den eigentlichen Start des Buches finden sich dann zunächst noch einige, zeitgenössische Bilder wieder, welche den Volkswagen-Porsche 914 in Szene setzen. Dazu finden sich schon kurze Texte, welche die Highlights des Modell darlegen. Eine weitere, optische Besonderheit stellt dann das Inhaltsverzeichnis dar, welches durch die Verwendung von verschiedensten Farben wie eine Farbkarte aufgebaut ist.
Unter dem Titel Eine schwere Geburt folgt dann als erstes Kapitel die Einleitung zum Buch. Hier wird schon darlegt, wie es zu den Verbindungen von Volkswagen und Porsche kam und warum gerade dieses Projekt sich später als einziges Fahrzeug als Volkswagen-Porsche verkauft werden sollte. Der zweispaltige anlegte Text ist dabei schon recht umfangreich und liefert viele Details, dazu findet sich auch das erste US-Prospekt als bildliche Unterstützung wieder. Hier wurde das Modell übrigens als reinrassiger Porsche vermarktet. Auf einen Hinweis auf die Beteiligung von Volkswagen wurde hier bewusst verzichtet.

Leider kam es nicht zur Serienfertigung des sehr potenten 916.

Die Evolution und des Form des VW-Porsche 914 ist dann das Thema des folgenden zweiten Kapitels. Mit dem aktuellen Leiter der Design-Abteilung von Porsche wird in einem Interview die Entwicklung des Designs vom 914 nachvollzogen. Natürlich griff man hierbei auf die Schätze des Porsche Archivs zurück und so finden sich auch die unterschiedlichen Designstudien im Buch wieder. Hierbei wird schnell deutlich, dass es zu Beginn komplett unterschiedliche Ansätze gab einen kleinen Porsche zu verwirklichen, bis sich schließlich die später umgesetzt Form nach und nach hinaus kristallisierte.
Neben der reinen Verwirklichung des Modells ging es hinter den Kulissen zwischen Porsche und Volkswagen aber auch politisch zur Sache. Die ehemalige Einigung per Handschlag sollte durch einen Wechsel in der Volkswagen-Chefetage hinfällig werden. Schließlich schienen zwischenzeitlich alle Lösungen möglich bis hin zum Abbruch des Projektes. Aber man einigte sich doch noch auf die Gründung der VW-Porsche-Vertriebsgesellschaft. Viele interessante Details zu diesem kleinen Wirtschafts-Krimi findet der Leser im dritten Kapitel wieder. Hierbei kommen auch interne Notizen zum Vorschein und belegen die damaligen Vorgänge.

Die Suche nach einem Nachfolger sorgte für interessante Gedankenspiele.

Die Entwicklung eines Roadsters war zur damaligen Zeit schon ein spannender Prozess und so nimmt das Buch auch hier die Leser mit in das Archiv. Hier werden auch anhand von zeitgenössischen Berichten die Vorteile eines Mittelmotor-Konzepts vorgestellt und auch die Reaktion der Presse auf den neuen Volkswagen-Porsche findet sich wieder. Deutlich wird auch, dass es immer wieder Überlegungen gab andere Motoren in den 914 zu platzieren. Die Lücke zwischen den 914 und dem 914/6 war den Strategen zu groß und so suchte man nach Alternativen. Es standen zwischenzeitlich ein neuer Sechszylinder-Motor von Porsche, der Kreiskolben-Motor aus dem NSU Ro80 und der Vierzylinder aus dem Audi 100 zur Wahl. Vor allem für den letzten Fall gab es schon konkretere Betrachtungen, aber es sollte nie sowie kommen. Schließlich wurde der Sechszylinder aber eingestellt, da er preislich zu hoch angesetzt war und nunmehr waren zwei Vierzylinder-Aggregate mit 1.8 und 2.0 Liter Hubraum im Angebot.
Doch Porsche selbst setzte vieles daran, zu beweisen, dass das Mittelmotor-Konzept des 914 problemlos noch mehr Leistung vertragen könnte. Unter dem Titel Porsche 916 – der Wagen, der nicht kommen durfte kann der Leser die Geschichte eines knapp vor Produktionswert gestoppten, interessanten Fahrzeugs nachvollziehen. Nachdem durch die gesteigerte Leistung auch die weiteren technischen Komponenten angepasst werden mussten, befand sich der 916 in den Preisregionen des 911. Dies machte selbst für Porsche keinen Sinn, obwohl man sich schon die Freigabe holen konnte das Modell als echten Porsche anzubieten.

Auch warum der Volks-Porsche zum Drama geriet, wird im Buch nicht verschwiegen.

Nur etwa die Hälfte des Buches ist mit den oben beschriebenen Kapitel erreicht, was schnell deutlich macht welchen Umfang der Titel liefert. Die weiteren Kapitel zeigen noch die besonderen 914 S, welche für Ferry Porsche und Ferdinand Piëch gebaut wurden. Letzteres verfügt gar über eine Leistung von 300 PS und hatte als einziger 914 Doppelscheinwerfer unter den Klappen.
Auch im Motorsport wollte Porsche beweisen, dass der 914 mit dem Mittelmotor-Konzept erfolgreich sein konnte. Die hierzu speziell aufgebauten 914/6 GT konnten einige beeindruckende Erfolg einfahren und traten unter anderen auch bei den 24 Stunden von Le Mans und der Rallye Monte Carlo an.
Dazu zeigt sich noch der 914/6 GT welcher im Auftrag der ONS unterwegs war sowie die Fahrimpressionen und Erinnerungen von Eckhard Schimpf an seinen 914/6 GT. Dazu zeigt das Buch einen Blick auf den Nachfolger, der nie kommen sollte, die Sondermodelle unterschiedlicher Karosseriebauer auf Basis des 914 ehe der Nachgesang verdeutlicht warum man heute alles besser weiß.
Zum Abschluss des Buches gibt es noch zahlreiche technische Daten zu den unterschiedlichen 914-Versionen ehe eine Fotostrecke das Buch gebührend beendet.

Fazit: Das Buch zum 50. Jubiläum des Porsche 914 mit dem offiziellen Siegel der Edition Porsche Museum kann überzeugen. Der Titel stammt aus der Feder von Jürgen Lewandowski und bietet umfangreiche Texte, welche viele Details zum Volkswagen-Porsche offenlegen. Dabei blicken diese immer wieder auch anhand von internen Unterlagen oder zeitgenössischen Bericht zurück. Passend dazu finden sich einen Vielzahl an unterschiedlichen Abbildungen im Buch wieder, welche auch viele kaum bekannte Aufnahmen ans Tageslicht bringt. Lobenswert kann bei diesem Titel zudem noch das verwendete Layout erwähnt werden, welches für jedes Kapitel ein eigenes Farbschema nutzt und auch deshalb überzeugen kann.
Zum Preis von knapp unter 50 Euro ist das Buch in Deutsch oder Englisch erhältlich. Für Fans des inzwischen auch in Oldtimer-Kreisen anerkannten VW-Porsche einen lohende Investition, wenn sich sogar ein Muss!

Bibliografie:
Titel: 50 Jahre Porsche 914
Autor: Jürgen Lewandowski
Umfang: 224 Seiten, 194 Fotos und Abbildungen
Format: 232 x 271 mm
Bindung: Gebunden
Auflage: 04/2019
Preis: 49,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-667-11586-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.delius-klasing.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Artcurial, Marco Rassfeld