Buch – Colours of Speed

50 Jahre Porsche 917 – neben dem zuletzt rezensierten VW-Porsche 914 kann ein weiterer Porsche in diesem Jahr auf 50 Jahre zurückblicken. Dabei handelt es sich um den legendären 917, der bis heute als einer der wichtigsten Rennwagen der Geschichte gilt. Im Motorbuch Verlag erschien hierzu ein Buch, welches auch auf eine Sonderausstellung im Porsche Museum blickt. Selbstverständlich stammt der Titel somit auch aus der Edition Porsche Museum.

Der frisch restaurierte 917-001 zeigt sich auf dem Titel.

Das Buch ist im kompakten Querformat ausgeführt und kommt mit einer ungewöhnlichen Aufmachung daher. So kombiniert der Titel einen klassischen Leineneinband mit Papier. Im oberen Teil des Buches findet sich in Leinen geprägt der Titel wieder, ebenso noch das Verlagslogo und der Hinweis auf die Edition. Die dynamische Fahraufnahme des frisch restaurierten 917-001 wurde hingegen auf klassischen Papier umgesetzt, welches auf den Leinen geklebt wurde. Die Rückseite ist betont schlicht und zeigt das Logo zur Sonderausstellung im Porsche Museum und sonst nur eine grüne Fläche, passend zum 917 und ein kleinen Hinweis auf die Homepage des Porsche Museums. Eine gleichfalls besondere und gelungene Umsetzung.
Der Vorsatz zeigt sich dann mit einigen bunten Strichen, bei denen Kenner der Rennfarben des 917 schnell ausmachen kann. Auch das dann folgende Logo zur Ausstellung kann mit verschiedenen Formen und Farben des 917 überzeugen. So kann man gespannt sein auf den Inhalt des Buches.

Der Aufbau der 25 erforderlichen 917 erfolgte innerhalb kürzester Zeit.

Zunächst gibt dann das Inhaltsverzeichnis einen Überblick über die drei Kapitel plus dem Vorwort, einem Exkurs und einen Epilog. Hier lassen sich auch schon diverse Rennwagen aus der Geschichte von Porsche entdecken, die in einer kleinen Seitenansicht gezeigt werden.
Das Vorwort stammt dann aus der Feder von Hans Mezger, der lange Jahr in der Rennabteilung von Porsche verbrachte und als Motoren-Techniker für viele der entscheidenen Erfolgs-Komponenten verantwortlich war. Er blickt hierbei schon kurz auf die Geschichte des 917 zurück und dem recht schnelllebigen damaligen Reglement, welches gleich zweimal den weiteren Einsatz des Porsche 917 versagte. Neben einer aktuellen Aufnahme von Mezger zeigt sich hier auch schon eine Aufnahme aus der Renngeschichte in der Boxengasse von Spa im Jahr 1970.
Der nun folgende Prolog führt unter dem Titel Der Gesamtsieg in Le Mans als oberstes Ziel den Leser in die Geschichte des legendären Rennens in Frankreich und den Einsätzen von Porsche ein. Schon 1951 stand Porsche zum ersten mal am Start und konnte sogleich einen Klassensieg einfahren. Man strebte aber nach mehr und verpasste gegen die eigentlich übermächtigen Ford GT 40 mit einem 908 Langheck den ersten Gesamtsieg nur um wenige Meter. Mit kurzen Texten und vielen, oft großformatigen Bildern kann dieser Prolog überzeugen. Ein Extra-Blick legt das Buch dann noch auf Ferdinand Piëch, der maßgeblich für den 917 verantwortlich war.

Die Fahrzeuge der Sonderausstellung finden sich sehr präsent im Buch wieder.

Die Entwicklung des 917 ist dann das erste echte Kapitel im Buch und zeigt wie der neuen Rennwagen der Gruppe 4 entstanden. Entscheidend war auch hier eine Reglement-Änderung, denn ab 1969 wurde die notwendige Stückzahl der zur produzierenden Rennwagen von 50 auf 25 reduziert worden. Nachdem bisher kein Hersteller in dieser Klasse einen neuen Rennwagen entwicklen wollte, sah Piëch hier die Chance für Porsche den bisherigen 908 durch einen 5-Liter-Rennwagen zu ersetzen bzw. ergänzen. Dazu entwickelte man einen 12-Zylinder-Motor, der zunächst über 4.494 Kubikzentimeter Hubraum verfügte. Schon in ersten Tests konnte dieses Aggregat 542 PS erreichen, welche sich schnell auf 580 PS steigern ließen. Neben dem Motor war aber auch die Aerodynamik entscheidend und so griff Porsche hier auch auf die Erfahrung des Instituts SERA aus Paris zurück. Hier wurde ebenso an der Form gearbeitet wie im Windkanal der Uni Stuttgart. Der Zeitdruck war enorm, denn man wollte die Konkurrenz überraschen und setzte alles auf einen Vorstellung des neuen Rennwagens auf dem Genfer Salon im März 1969. Der Leser erhält auch hier tolle Einblicke in die damaligen Abläufe bei Porsche, denn viele Bilder lassen einen Blick auf die Einzelnen Enwicklungsschritte zu. Neben Hans Mezger und Valentin Schäffer gewährt das erste Kapitel auch noch einen intensiven Blick auf die unterschiedlichen Motor-Ausbaustufen des Zwölfzylinders und den eigens entwickelten Bremsen.

Auch zu vielen Menschen, welche mit dem 917 verbunden waren,
finden sich Texte und Bilder wieder.

Das Porsche 917 Coupé lautet dann die Überschrift zum zweiten Kapitel und behandelt alle geschlossenen 917. Gleich zu Beginn zeigt sich eine vollformatige Seiten-Aufnahme von 917-001 in der sich auch die wichtigsten technischen Daten wiederfinden. Auch zum 908 fand sich schon eine solche Abbildung im Buch wieder und zeigt dazu auch die Auflösung zu den bunten Streifen des Vorwortes. Zum Start zeigt sich der erste 917 bei seiner Präsentation und der wenig später stattfindenden Homologation mit den 25 Exemplaren des 917 im Werk 1 in Zuffenhausen. Diese Bilder sind sicher fast jedem Leser bekannt, aber sind immer wieder beeindruckend. In den ersten Rennen zeigte sich der 917 dann nicht von seiner guten Seite. Er war zwar sehr schnell, aber nicht besonders einfach zu fahren. Viele Fahrer setzten deshalb lieber auch noch auf den etablierten 908. Das erste Rennen in Le Mans im Jahr 1969 startet mit einer Katastrophe, denn schon in der ersten Runde verunglückte John Woolfe in einem 917 tödlich. Die zwei Werkswagen scheiden nach 14 und 21 Stunden aus, vor allem der zweite Ausfall war bitter. Der 917 von Vic Elford und Richard Attwood lag mit sechs Runden in Führung ehe eine gerissenes Getriebegehäuse zum Ausfall führte. Noch im ersten Einsatz-Jahr gelang aber im österreichischen Zeltweg der erste Sieg mit einem 917. Das Kapitel zeichnet natürlich die komplette Erfolgsgeschichte des 917 nach und wirft auch wieder einen Blick auf einige besondere Themen und Menschen. Auch die Restaurierung des 917-001 steht dabei im Fokus. Viele Bilder unterstützen dabei die Texte und lassen die Leser ein ums andere Mal zurückblicken.

Die offenen 917 legten mit Turbo-Aufladung noch viele Erfolge nach.

Mit über 150 Seiten bilden die geschlossenen 917 den Hauptteil des Buches und konnten bekanntermaßen auch gleich zweimal das Rennen in Le Mans gewinnen. Die stetige Entwicklung bis hin zum 917/20, welcher besser als „Sau“ bekannt sein dürften, wird im Buch wiedergegeben.
Die Porsche 917 Spyder finden sich dann im nächsten Kapitel wieder und sorgten in der Gruppe 7, die kaum Beschränkungen hatte, weltweit für viele weitere Porsche-Erfolge. Porsche hatte die kanadisch-amerikanische Can Am-Serie im Visier, dort fuhr aber etablierte Konkurrenz mit Hubraum-starken Motoren. Erste Erfahrungen sammelte man hier schon parallel zu den Auftritten in der Marken-Weltmeisterschaft. So war auch die Erkenntnis der mangelnden Leistung bekannt und man teste schon einen 16-Zylinder-Motor mit knapp 800 PS. Allerdings war das Gewicht des Motors schlicht zu hoch und durch die Aufladung mit einem Turbo erzielte man auch ähnliche Werte. Zudem konnte die technischen Basis des Zwölfzylinder beibehalten werden. 1972 erfolgte das erste Jahr im Werkseinsatz mit dem Team von Roger Penske. Mit dem 917/10 konnte man direkt eine überlegende Meisterschaft feiern, welche sich im Folgejahr mit dem weiterentwickelten 917/30 wiederholen ließ. Auch hier finden sich viele Details zu den offenen 917 wieder und das Buch kann abermals überzeugen.
Das Buch bietet dann noch einen Exkurs mit den Rennplakaten von Porsche aus den Jahren von 1969 bis 1974 und im abschließenden Epilog zeigen sich noch die Spuren welche der 917 bis in die Gegenwart gelegt hat.

Fazit: Zur Sonderausstellung im Porsche Museum bietet das Buch eine perfekt Ergänzung. So finden sich alle ausgestellten Fahrzeuge wieder und auch der interessante Werdegang des Vollblut-Rennwagens wird ansprechend wiedergegeben. Dazu nutzt das Buch gekonnt geschriebene Texte und viele Bilder die oftmals auch in die Vergangenheit blicken. Eine vollständige Dokumentation sollte man allerdings hier nicht erwarten, ist aber auch nicht der Anspruch des Titels.
Zum erstaunlich günstigen Preis von nur knapp 20 Euro können und werden aber auch die 917-Kenner sicher zuschlagen. Ein dazu passender Besuch im Porsche Museum ist in jedem Fall empfehlenswert. Noch bis zum 15. September 2019 kann man diese Chance nutzen.

Bibliografie:
Titel: Colours of Speed – 50 Jahre Porsche 917
Edition: Porsche Museum
Umfang: 320 Seiten
Format: 245 x 170 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 05/2019
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-613-30909-8
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Porsche, Marco Rassfeld