Buchbesprechung – Facel Vega

Es kommt nicht oft vor das eine relativ kurzlebige Marke einen bleibenden Eindruck in der Automobilbranche hinterlässt, der zudem auch noch Jahrzehnte nach dem Ableben der Marke noch präsent ist. Mit Facel Vega konnte der Versuch der Reinkarnation eines französischen Luxus-GT als gelungen gelten. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die einstmals großen, französischen Marken schnell vom Markt verschwunden und die Automobilhersteller in Frankreich boten zumeist nur Alltagsautos an, die natürlich auch sehr beliebt waren. Facel Vega hingegen lieferte erstklassige Gran Tursimo und blieb damit die große Ausnahme. Im Heel-Verlag erschien nun ein umfassendes Buch über die Interessante Marke Facel Vega.


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Durch das hohe Gewicht zeigt das Buch gleich seine wahre Masse und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Mit knapp 600 Seiten kann sich der Leser auf eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Facel Vega freuen. Neben dem üblichen Schutzumschlag kommt das Buch dazu in einem stabilen Schuber daher, der weiteren Schutz bietet. Das auf dem Titel platzierte Motiv zeigt einen Facel II, der ebenso wie der Schriftzug mit einem glänzenden Finish versehen wurde. So kann das Buch schon zu Beginn gleich viele positive Punkte einfahren. Das Buch entstand unter der Regie der Amicale Facel Vega in Frankreich und die vier Autoren stammen allesamt aus den Reihen des Clubs. Mit großer Hingabe trugen die Autoren über mehr als zehn Jahre viele Fakten über die Marke Facel Vega zusammen und konnten das Buch im Jahr 2013 veröffentlichen. All diese Details zur Entstehung erfährt der Leser in den Gruß- und Vorworten des Buches die auch hinter die Kulissen blicken. Nach einem Prolog mit der kurzen Chronologie des Werdegangs der Facel-Werke erhalt der Leser zunächst noch eine Übersicht über die Firma ehe sich der eigentliche Inhalt in sieben Kapitel gliedert. Das erste Kapitel zeigt zunächst den entschiedenen Mann hinter den Fahrzeugen von Facel – Jean Daninos. Ohne Daninos wäre eine Automobil-Produktion beim erfolgreichen Zulieferer für die Luftfahrt wohl kaum entstanden und aus diesem Grund blickt das Buch auch intensiv auf den umtriebigen Franzosen. Zunächst zeigt das Buch seinen persönlichen Werdegang, der auch maßgeblich mit der Entstehung der Firma Facel zusammenhängt. Auch die Luftfahrtindustrie spielte für Daninos und Facel eine entscheidene Rolle in der Entwicklung und so ist es wenig verwunderlich das viele Aspekte in dem Buch eingehend erwähnt werden. Das Firmenkonstrukt ist dabei sehr verworren und die Firmen Métallon, Skar und Facel bildeten die Basis. Nach dem zweiten Weltkrieg war Facel zunächst weiterhin in der Flugzeugsparte aktiv, weitete aber das Portfolio nach und nach aus und lieferte so Holzvergaser, Edelstahlerzeugnisse und Pressbleche.

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Kapitel 2 blickt dann auf den Einstieg in die Automobilindustrie und so auf den ersten Schritt zum Hersteller. Der erste Kunde war Panhard, für die Facel ab 1947 die Aluminium-Karosserie für den neuen Dyna X84 lieferte. Für Somua liefert man LKW-Führerhäuser und für den Geländewagen der französischen Armee, dem Delahaye VLR, lieferte man ebenfalls die Karosserien. Schon ab 1948 konnte man Simca ebenfalls von den Qualitäten überzeugen und so wurden erstmals auch komplette Fahrzeuge produziert. Der Simca 8 Sport war das erste Automobil, welches bei Facel-Métallon im Jahr 1950 hergestellt wurde. Bis 1961 entstanden über 20.000 Simca-Modelle bei Facel-Métallon bzw. Facel SA. Der Ford Comète und Comète Monte Carlo waren weitere Automobile, die bei Facel montiert wurden. Mit dem Cresta schuf man währenddessen auch seine erste Karosserie auf Basis eines Bentley die vielerorts für Anerkennung sorgte. Der 1951 vorgestellte Cresta II zeigte optisch schon deutlich erste Merkmale der folgenden Facel Vega-Modelle. Die Vorbereitung auf die eigene Automobil-Produktion war damit zugleich abgeschlossen.
Kapitel 3 zeigt dann endlich die ersten Modelle der Marke Facel. Nachdem eine Wiederbelebung der Marke Hispano-Suiza scheiterte und eine Übernahme von Delage ebenso, entstand der erste Prototyp der mit einem Motor von Hotchkiss auf einem Fahrgestell von Allard aufgebaut wurde. Die Ergebnisse entsprachen aber keinesfalls der Erwartungen und so begann die Konstruktion eines komplett neuen Prototyps. Er wurde mit einem ausreichend potenten Motor von De Soto ausgestattet und wurde im Jahr 1954 auf dem Pariser Salon der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei hieß das Modell noch Vega und der Hersteller trat als Facel auf. Die Entwicklung schritt aber rasant voran und bereits im September 1955 wurde der verbesserte FV2 vorgestellt, in den Werbematerialien tauchte er schlicht als Facel Vega 1956 auf und der offizielle Markenname wandelte sich zu Facel Vega. Das Buch zeigt auch das Echo der Weltpresse nach und liefert zeitgenössische Zitate dazu. Die weitere Entwicklung zeigt die Modelle FV3, FV3B und FV4 und auch die raren Cabriolets werden nicht vernachlässigt. Die Expansion auf die Exportmärkte ist ebenso Thema wie der verheerende Unfall eines Facel Vega bei dem Michel Gallimard und Albert Camus tödlich verunglückten. Die Erweiterung der Produktpalette erfolgte mit dem Excellence, einer Luxuslimousine nach höchsten Maßstäben. Der Höhepunkte des Ur-Modells ist der HK 500, der im Jahr 1958 vorgestellt wurde. Mit einer angegebenen Leistung vom 360 SAE-PS war der HK 500 eins der stärksten Automobile der Welt!

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Das Facel trotz des beeindruckenden Auftritts seiner Modelle aber schon in ersten finanziellen Schwierigkeiten steckte arbeitet das Buch zu Beginn des vierten Kapitels auf. Trotzdem steckte Facel weitere Investitionen in die Entwicklung eines neuen Modells, welches die Palette nach untern erweitern sollte – der Facellia. Im Sommer 1959 konnte das neue Modell erste Testfahrten absolvieren, bei denen niemand geringeres als Jean Daninos am Steuer war. Seine Kritik ist vollständig erhalten und das Buch veröffentlicht die wichtigsten Punkte. Zum ersten Mal stand ein eigens für dieses Modell entwickelter Motor zur Verfügung der die Unabhängigkeit von Facel Vega verdeutlichen sollte.
Kapitel 5 zeigt schließlich den Weg des neuen Modell in die Serie nach. Bei der Präsentation auf dem Pariser Autosalon im Jahr 1959 war der neue, kleine Facel Vega eine der größten Attraktionen. Mit dem Facellia wurde die Konkurrenz aus dem europäischen Ausland ins Fadenkreuz gesetzt. Er sollte gegen Alfa Romeo, Porsche und Co. in der Klasse der 1,6-Liter-Modelle antreten. Die Reaktion auf das neue Modell waren zunächst durchweg positiv und viele Bestellungen lagen bereits vor. Der Anlauf der Produktion verzögerte sich aber noch aus vielschichtigen Gründen und viele Kunden mussten lange auf ihr Automobil warten. Die ersten Test durch die Fachpresse erfolgten im Sommer 1960 und der Facellia konnte durchaus mit einem postiven Fazit die Tests beenden. Relativ schnell nach den ersten Kundenauslieferungen tauchten dann aber an vielen Fahrzeugen massive Probleme mit dem Motor auf. Diese Tatsache wurde von Facel mit einem hohen Kostenaufwand und weiteren Entwicklungen Rechnung getragen, aber der gute Ruf erhielt hierdurch erste Risse. Bald folgte der verbesserte F2 und der leistungsstärkere F2S, der die Sportversion darstellen sollte. Allerdings fand eine offizielle Auslieferung wohl nie statt. Um die Zuverlässigkeit der Motoren unter Beweis zu stellen setzte man den neuen Facellia F2 auch bei wenigen Veranstaltungen im Motorsport ein und hier konnten doch einige beachtliche Erfolge eingefahren werden.

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Doch die finanziellen Probleme wurden durch die massiven Aufwände durch die Ersatzmotoren für den Facellia keinesfalls besser und im Februar 1961 musste Facel alle Zahlungen einstellen. Dies ist der Beginn des nunmehr sechsten Kapitels und gleichzeitig der erste Versuch zur Rettung der französischen Nobelmarke. Unter der Führung des neuen Generaldirektors André Belin sollte Facel Vega wieder rentabel werden. Um dies zu ermöglichen brachte auch der französische Staat seine Unterstützung mit ein. Auf dem Pariser Salon im Jahr 1961 wurde der Nachfolger der HK 500 präsentiert, der Facel II. Dieser vollendete den unverwechselbaren Stil der Facel Vega Designsprache und wird heute als gelungenster Facel Vega bezeichnet. Der Motor des Facellia hingegen wurde von Jean Bertin und Charles Deutsch analysiert und die Fehlerquellen herausgearbeitet. So entstand der deutlich verbesserte Facellia F2B der von der Fachpresse positiv bewertet wurde. Leider blieb aber der zwingend erforderliche Verkaufserfolg aus und Facel stand abermals mit dem Rücken zur Wand.
Das letzte Kapitel zeigt schließlich die letzten Atemzüge einer großen, französischen Marke und auch deren Ende. Der Facellia sollte einen neuen Motor bekommen und nachdem Verhandlungen mit Rover und Volvo aufgenommen wurde, kam auch eine französische Lösung in Form der 4M4-Motors der Firma Sferma in Frage. Der Nachfolger der Facellia wurde als Facel III präsentiert und trug einen Volvo-Motor unter seiner Haube. Die Verkaufszahlen konnte mit dem zuverlässigen Motor zunächst wieder erhöht werden. Bald präsentierte Facel Vega dann ein weiteres Modell, den Facel 6. Er war als Bindeglied zwischen dem kleinen Facel III mit Vierzylindermotor und dem großen Facel II mit V8-Motor gedacht. Folgerichtig war er mit einem Sechszylindermotor ausgestattet, der auch im Austin-Healey seinen Dienst verrichtete. Aber die endgültige Einstellung der Geschäftstätigkeit erfolgte am 31. August 1964 und die Geschichte von Facel Vega war nach nur wenigen produzierten Exemplaren des Facel 6 beendet. Das Buch zeigt zudem noch den kaum bekannten Versuch einen Rennwagen für die 24 Stunden von Le Mans zu bauen und versucht auch die generellen Fehler die zum Ende von Facel Vega führten zu analysieren.

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Im Epilog werden die Schritte nach dem Untergang von Facel Vega betrachtet und auch der weitere Werdegang von Jean Daninos wird präsentiert. Er träumte weiterhin von französischen Spitzen-GT und das Buch zeigt unter anderem auch zwei Modelle eines modernen Facel Vega. Auch die Entstehung des Clubszene und die Würdigung der Marke Facel Vega in der Gegenwart werden thematisiert.
Da folgen noch umfangreiche Anhänge die viele wichtige Daten zu Facel Vega zusammentragen. So zeigen sich die technischen Daten, die Seriennummern und Produktionszahlen. Auch ein Blick in die Werbeprospekte und die Preislisten und Sonderausstattungen gewährt das Buch. Die Farbpalette wird ebenfalls noch präsentiert und die umfangreiche Auflistung von prominenten Besitzern zeigt den hohen Stellenwert der Marke Facel Vega. Dazu bietet das Buch noch ein Literaturverzeichnis, einen Überblick über die Auftritte in Film- und Fernsehproduktionen sowie einige Modellautos und weitere Sammelgegenstände rund um Facel Vega.

Fazit: Ein Meisterwerk! Das Buch über Facel Vega ist ohne Frage ein perfekte Hommage an eine interessante französische Marke die tolle Automobile herstellte. Nicht nur der Umfang kann begeistern, sondern auch der intensive Blick in alle wichtigen Nebenschauplätze rund um die Marke. Zu jedem fast noch so kleinen Detail lässt sich fast immer etwas Umfassendes entdecken. Dazu bietet das Buch zahlreiche Abbildungen, die dem Leser die schlichte Schönheit der Fahrzeuge mit zumeist zeitgenössischen Fotos präsentieren.
Druck und Bindung sind auf sehr hohem Niveau und können mit den tadellosen Inhalt problemlos Schritt halten. Auch der Schutzumschlag und der Schuber sind hochwertig ausgeführt und erfreuen den Käufer.
Der Preis von 129 Euro erscheint auf den ersten Blick recht hoch, aber wer das Buch und dessen massive Umsetzung in Händen gehalten hat kann schnell den hohen Pries nachvollziehen. Dieser Preis ist für das Buch absolut gerechtfertigt, es kann als Standardwerk zum Thema Facel Vega gelten und eine solch umfangreiche Aufarbeitung der Geschichte ist bisher noch nicht erschienen. Für alle Freunde und Fans von Facel Vega ist dies somit die absolute Pflichtlektüre um einen Einblick in die Unternehmenhistorie zu werfen! Erstklassig!!!

Bibliografie:
Titel: Facel Vega – Grand Tourisme
Autoren: Jean-Paul Chambrette, Dominique Bel, Michel G. Renou, Michel Revo
Umfang: 578 Seiten, zahlreiche s/w- und Farbabbildungen
Format: 246 x 295 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag, im Schumuckschuber
Auflage: 10/2016
Preis: 129,– €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-355-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Heel Verlag, Tom Gidden ©2015 Courtesy of RM Sotheby’s, Marco Rassfeld