Buch – VW Bus und Transporter

Ein echte Institution im Bereich der fleißigen Transportfahrzeuge und gleichzeitig auch bei den Großraumfahrzeugen ist der Volkswagen Bus bzw. Transporter. Die inzwischen schon sechste Generation ist mittlerweile beim Händler erhältlich und setzt die lange Tradition des ersten T1 aus dem Jahr 1950 fort. Ein neues Buch aus dem Motorbuch Verlag blickt auf die Geschichte aller Modelle in der Historie zurück.

Das Buch zeigt eine beachtliche Stärke von knapp 400 Seiten und kommt im klassischen Format daher, ein wenig breiter als DIN A4 und ein wenig kleiner in der Höhe. So kann der Titel auch mal schnell zwischendurch begutachtet werden und kann als schnelles Nachschlagewerk zu Rate gezogen werden. Schon mit dem geschickt gewählten Titelbild wird deutlich, dass das Buch die gesamte Geschichte des Transporters abdecken möchte und sämtliche Generationen berücksichtigt. Dies stellt auf Grund der langen Bauzeit ab 1950 eine stattlich Aufgabe dar und so ist auch die entsprechende Stärke auch zwingend notwendig. Im Vorwort erläutert der Autor dann den Ansatz des Buches, geschmückt von einem Bild auf dem alle Generation vereint sind. Um den Ansatz hinter dem Transporter zu verstehen ist es sinnvoll auch die Zeit vor dem eigentlichen Erscheinen mit in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund startet das Buch dann auch mit der Vorgeschichte von 1934 bis 1945, in der vor allem der kommende Käfer im Mittelpunkt steht. Dann folgt die Entwicklung hin zum Transporter, die ab 1946 ihren Lauf nimmt Für viele Fans ist bis heute das Jahr 1947 das eigentliche Jahr in dem der heute zumeist nur Bulli genannte Volkswagen seinen Startschuss erhielt. Hier zeichnete der holländische Importeur Ben Pon eine Skizze eines zukünftigen Transporter. Eben aus dieser Skizze sollte der erste Transporter entstehen. Basis war der Plattenwagen auf Basis des Käfer, welcher im Volkswagen-Werksverkehr eingesetzt wurde. Von den ersten nich recht eckigen Ansätzen der Karosserie entwickelte sich der Transporter auch durch Versuche im Windkanal zu seiner Ur-Form.

Der Serienanlauf der ersten Transporter-Serie erfolgt schließlich im März 1950, nachdem ab November 1949 etwa 20 Transporter als Vorabserie im Versuchsbau entstanden sind. Durch die schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland nach dem Krieg war der praktische und günstige Transporter von Beginn an ein echter Erfolg. Viele an Wiederaufbau beteiligten Firmen nutzen die hohe Nutzkraft des Transporter um ihre Aufgaben zu erledigen. Doch bei Volkswagen dachte man gleich einen Schritt weiter und bot dem Kunden neben dem reinen Transport auch bald den Bus an. Hier war der Personentransport das Ziel und neben den schon noblen ausgestatteten Bus bot Volkswagen auch einen einfacheren Kombi an. Das Buch zeigt die Entwicklung des Modells im gesamten Buch nach Jahren sortiert und sorgt somit für eine sehr gute Übersicht. Dazu kommen nicht wenige Aufnahmen, die zumeist auch historische sind und viele Modelle sowie Ausstattungsdetals zeigen. Die Vielfalt der angebotenen Transporter und Busse stieg rasch an und Volkswagen konnte auch zahlreiche Sonderaufbauten für die Kunden umsetzen. Das dabei auch auf Know-How aus Zweitbetrieben gesetzt wurde war ein geschickter Schachzug, da zum Einem die Produktionslast ausgelagert wurde und zum Anderen die Fachkompetenz der Betriebe genutzt werden. Schon ab 1951 kam die Luxusausführung in Form des Samba-Busses auf den Markt und eine Camping-Box war verfügbar, welche von Westfalia stammte. Die Ausrichtung wurde immer breiter und schon im nächsten Jahr war auch ein Pritschenwagen verfügbar. 1955 folgte das was man heutzutage als Facelift bezeichnen würde und einige interessante Änderungen wurden umgesetzt. 1956 konnte der Transporter im neuen Werk in Hannover hergestellt werden, die Kapazitäten in Wolfsburg waren schon lange an der Belastungsgrenze. Bis 1966 hielt sich der T1 im Modellprogramm von Volkswagen ehe er vom T2 abgelöst wurde.

Mit dem ab 1967 gebauten T2 setzte Volkswagen die Tradition des T1 fort und bot einige dringend erforderliche Verbesserung. So wurden die Fensterfläche deutlich vergrößert, ein moderner Motor mit mehr Leistung bot nun 47 PS und das Fahrwerk wurde modernisiert. Das äußere Erscheinungsbild wurde dabei behutsam aber gleichfalls deutlich in die aktuelle Zeit übertragen und wirkte nun deutlich moderner. So gerüstet sah sich der Transporter für die Zukunft gerüstet und die Kunden konnten auf aktuelle Technik vertrauen. Im Februar 1968 wurde bereits der zweimillionste Transporter gefeiert und ab 1969 zog auch endlich eine Sicherheitslenksäule in den Bulli ein. Nach herausragenden Zahlen vor allem bei US-Export im Jahr 1970 gingen diese Zahlen aber schnell wieder zurück, da der Dollar an Wert verlor und dadurch ein profitables Geschäft schon bald nicht mehr möglich erschien. Alternative Antriebskonzepte werden beim Transporter schon früh ausprobiert und so entstehen Elektro- und auch Hybrid-Transporter. Sogar eine Gasturbine wird zum Test in das Heck eingebaut. Auch der Einsatz eines Allradantriebs wird im T2 erprobt aber noch nicht zur Serienreife entwickelt. 1978 ist dann schließlich das letzte Produktionsjahr des T2 in Deutschland, in Brasilien wird der T2 hingegen noch bis zum Jahr 2013 gebaut. Natürlich findet auch hier eine ständige, aber behutsame Weiterentwicklung statt.

Das kantige Design des T3 führt den Transporter hingegen geradewegs in die 80er Jahre und beendet die Ära der runden Form beim Transporter. Ab 1979 ist der Neue in den Verkaufsräumen zu bewundern und setzt erneut auf einem Heckmotor mit Heckantrieb. Hier setzt Volkswagen seine Tradition weiter fort, obwohl mit dem Scirocco, Golf und Passat auch schon moderne Frontantriebskonzepte im Angebot stehen. Um die Nachteile des Heckmotors im Nutzungsgrad des Innenraums zu reduzieren werden die Motoren nun noch flacher ausgeführt und belegen so wenig Platz wie möglich, eine ebene Ladefläche schließt sich aber weiterhin aus. Nachdem die Campingmobile mit dem T2 weiterhin Fahrt aufgenommen haben war auch die Vorstellung des Joker schon obligatorisch. 200.000 Reisemobile wurden bis zum Erscheinen des T3 gemeinsam mit Westfalia gebaut und der Trend war weiterhin ungebrochen. Mit der auf der IAA präsentierten Studie Weekender wird die Idee weiter verfeinert und Volkswagen setzt auf noch mehr Luxus. Der ebenfalls vorgestellte Traveller-Jet ist dazu ein Vorfahre der heutigen Business-Konfiguration. Die Vielfalt stieg also weiterhin und ein Ende war noch nicht abzusehen. 1981 kam dann mit dem Diesel der erste wassergekühlte Motor im T3 zum Einsatz. Die Wirtschaftlichkeit stand an erster Stelle und konnte durch die geringen Kosten für Diesel sofort begeistern, die Fahrdynamik ließ allerdings noch deutlich zu wünschen übrig. Im folgendem Jahr zogen auch wassergekühlte Benzin-Motor in das Heck des T3 ein und stellten die Weichen für die Zukunft. Neben dem Transporter bot Volkswagen mit dem Candy nun auch ein kleineres Nutzfahrzeug an, welches in Form eines Golf Pick-Up um Kunden warb. Der Allradantrieb war in Form des syncro ab 1985 verfügbar und erweiterte die Einsatzmöglichkeiten erneut. Ab 1990 sollte aber endgültig Schluss sein mit der antiquierten Heckmotor-Technologie.

Der T4 war dann verfügbar und setzte nun endlich auf Frontmotor und -antrieb. Die meisten Konkurrenten des Transporter setzten schon länger auf diese Technik und mit dem Erscheinen des T4 schuf sich Volkswagen nochmals mehr Möglichkeiten. So war endlich eine ebene Ladefläche möglich und auch diverse Aufbauten konnten nun leichter umgesetzt werden. Die Entwicklung des neuen Transporters erfolgte mit größter Geheimhaltung und die Vorteile des Neuen waren vielfältig. So war die Karosserie nun windschlüpfriger, der Einstieg konnte hinter der Vorderachse deutlich sauberer erfolgen und Volkswagen war erstmals in der Lage zwei verschiedenen Radstände anzubieten. Zudem konnten die modernen Motoren aus den Automobilen genutzt werden und somit kam endlich auch hier die aktuellste Technologie zum Einsatz. Gleich zum Start bot Volkswagen eine breites Portfolio an Modellen des T4 an und konnte viele Einsatzgebiete abdecken. 1996 wurde der T4 durch ein Facelift nochmals aufgewertet ehe er 2003 vom T5 abgelöst wurde. Auch mit diesem Modell wurde eine konsequente Modernisierung vorangetrieben und der Transporter war mit einem hohen Anteil der Zulassungen seiner Fahrzeugklasse der absolute Platzhirsch. 2009 erhielt der T5 sein schon logisch erscheinendes Facelift und 2015 stellte Volkswagen den aktuellen T6 vor. Dieser ist vielmehr eine weitere Evolution des T5 und setzt bewusst auf die lange Tradition der Baureihe. So ist wie beim T1 nun wieder eine Zweifarben-Lackierung erhältlich und auch die Vielfalt ist weiterhin ungebrochen. Das Buch endet im Jahr 2017 und bietet auch einen kleinen Ausblick in die Zukunft.
Zum Schluss kann der Leser sich noch über einen Anhang freuen, in dem die Produktionszahlen des Transporters in Europa und außerhalb Europas aufgeführt werden. Dazu gibt es die Exportzahlen in die USA, einen Überblick der Belegschaft im Werk in Hannover und die wichtigsten technischen Daten von 1950 bis heute.

Fazit: Ein lange Tradition von 1950 bis heute wird im neuen Buch konsequent dargelegt. Der Transporter und Bus werden in ihrer kompletten Entwicklung verfolgt und durch die jährliche Ausarbeitung können die einzelnen Entwicklungsstufen gut nachvollzogen werden. Dazu gibt es eine große Anzahl an Fotos, welche die Modelle im zeitgenössischen Rahmen zeigen. Herausragende Neuerungen werden dabei durchaus intensiv vorgestellt, aber auch kleinere Optimierungen gehen nicht unter. Die angebotenen Vielfalt der Modellreihe wird immer wieder vor Augen geführt und zählt fraglos zu seinen Stärken. Das Buch betrachtet zudem auch immer die wirtschaftliche Entwicklung der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen und stellt auch wichtige Änderungen im Unternehmen dar. Der Unterteil Vom Samba-Bus zum Multivan ist dabei nicht wörtlich zu verstehen, da sich auch die anderen zahlreichen Varianten im komplette Buch wiederfinden.
Zum Preis von knapp 40 Euro kann der Leser sich über ein Buch mit der gesamten Historie des Volkswagen Transporters freuen. Dabei ist die enorme Vielfalt des Modells sehr gut berücksichtigt und das Buch schränkt sich erfreulicherweise keinesfalls ein. Für Fans der Baureihe eine Fundgrube in dem sämtliche Meilensteine übersichtlich dargelegt werden.

Bibliografie:
Titel: VW Bus und Transporter – Vom Samba-Bus zum Multivan
Autor: Randolf Unruh
Umfang: 368 Seiten, 186 S/W-Bilder, 288 Farbbilder, 19 Zeichnungen
Format: 230 x 265 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 02/2017
Preis: 39,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-613-03916-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Volkswagen, Marco Rassfeld