Magazin – Youngtimer 5/2017

In der Youngtimer werden immer wieder kaum noch beachtete Automobile vorgestellt und in der Serie Der unvernünftige Kauf kann der Leser in jeder Ausgabe einen weiteres vergessenen Auto begutachten. Das Vorwort von Alf Cremers geht auf die positive Resonanz dieser Reportagen ein und beobachtet gleichzeitig das viele Modelle nun zu überhöhten Preisen angeboten werden. Dazu klärt er schamlos auf wie unvernünftig der unvernünftige Kauf aus finanzieller Sicht wirklich ist. Hier steht für viele sicher in erster Linie der Reiz im Mittelpunkt.

Auch in der schon fünften Ausgabe des Jahres 2017 macht sich Alf Cremers wieder auf um eben jenen unvernünftigen Kauf durchzuführen. Das Ziel ist diesmal ein Honda Accord aus dem Jahr 1992, der heute eigentlich so gut wie von den deutschen Straßen verschwunden zu sein scheint. Es ist aber durchaus möglich, dass der Honda mit seinem biederen Design einfach nicht auffällt. Die 1989 vorgestellte, vierte Generation des Accord ist scheinbar aber ein solides Stück Technik. So ist die von Cremers erstellte Mängelliste bei der Heimfahrt die kürzeste aller unvernünftigen Käufe. Vom hiesigen Markt sind diese und vergleichbare Autos im übrigen oftmals durch den Export-Handel komplett verschwunden. Ein weiterer Hinweis auf die solide Technik, die beim Einsatz in Afrika eine wichtige Rolle spielt. Das Modell entdeckte er in Ingolstadt, wo der Japaner mit den knappen Hinweisen: „… gepflegt, TÜV 8/2017, 3. Hand, fährt gut“ angepriesen wurde. Dazu ein Preis von 699 €, der ebenso schnell neugierig machte wie die Laufleistung von knapp 170.000 km. Nur durch den ungünstigen Wechselkurs ist der Honda noch beim Händler, der auch über den guten Zustand zu berichten weiß. Nach recht kurzer Verhandlung fällt der Preis dann schnell auf 490 € und Cremers schlägt sogar ohne Probefahrt ein. Der vorher schon gründlich inspizierte Zustand lässt keine Zweifel mehr zu. Zusätzlich sind sogar noch viele Rechnungen vorhanden, ebenso auch das Original-Prospekt. Dann stellt die Reportage noch das Modell vor und blickt auch auf den technisch ungewöhnlichen Motor-Aufbau. Eine klassischer, unvernünftiger Kauf also, mit einer toll geschriebenen Reportage und einigen passenden Bildern.

Die Firma Lancia hat eine lange Tradition und gab vor kurzem bekannt, das der Verkauf in Deutschland eingestellt wurde. Lange vorher hatte man sich aber schon auf nur noch ein Modell in Form des Kleinwagen Ypsilon konzentriert, der Abklang war also sozusagen mit Ansage. Als letzter großer Lancia gilt der Thesis mit dem Lancia zum wiederholten Male versuchte in der Oberklasse Fuß zu fassen. In einem Fahrbericht zeigt sich ein ganz besonders Exemplar des Thesis, welche der Dienstwagen von Sergio Marchionne war. Eben dieser hat schon 2014 verkündet das die Marke Lancia nur noch den Ypsilon im Heimatmarkt Italien anbieten wird. Doch der Versuch mit dem Thesis weist zumindest auf einen ehrbaren Versuch hin, nochmals die Marke in andere Sphären zu etablieren. Die Grundlage zum Thesis legte das Concept Car Dialogos, der im Jahr 1998 auf dem Turiner Autosalon vorgestellt wurde. Sie nahm das ungewöhnliche Design vorweg und zeigte einige technische Innovationen, die es sogar in die Serie schafften. Neben den technischen Neuerungen konnten die Käufer des Thesis auch bei den Innenraum-Materialien aus dem vollen Schöpfen. So war eine edlen Ausstattung von Poltrona Frau als Option verfügbar. Natürlich war der Dienstwagen von Marchionne mit diesem Highlight ausgestattet und heute kann der Präsident des Lancia Club Deutschland diese Vorzüge genießen. Er setzt den besonderen Thesis aber nur selten ein, holt ihn aber für diese Reportage in der Youngtimer gerne aus der Garage. Ein interssantes Auto ist der seltene Thesis so oder so.

Zwei sportliche Vertreter von deutschen Herstellern waren ohne Frage der Ford Sierra Cosworth und der Opel Calibra Turbo. Obwohl beiden Modelle zeitlich ein wenig auseinander lagen, nutzten beide vergleichbaren Technik. Unter beiden Motorhauben lässt sich ein aufgeladener Vierzylinder-Motor entdecken und dieser treibt alle Räder mit Allradantrieb an. Beim Calibra folgte der Turbo nach drei Jahren als Spitzenmodell mit 204 PS Leistung, wobei die Motoren nachweislich eher nach oben streuten. Der gezeigte Calibra Turbo ist dazu eine echte Rarität, es handelt sich nämlich um die Cliff Motorsport Edition. Von dem 630 Sondermodellen sind nur ganze 11 mit dem Turbomotor ausgestattet worden. Das Fahrverhalten des Opel fällt dafür aber überraschenderweise durchaus langstreckenfreundlich aus und ist nicht übertrieben hart. Der Calibra ist zudem sieben Jahre jünger und dies macht sich vor allem im moderneren Innenraum und der besseren Verarbeitung bemerkbar. Der Cosworth hingegen ist die zweite Serie auf Basis der Sierra Limousine. Die erste Serie mit Fließheck und großem Spoiler kam bei den Käufern nicht besonders gut an und so war die Limousine als Basis die logische Folge. Mit 220 PS war der Sierra gut um Futter um konnte so einige schnelle Zeitgenossen ärgern. Beim Fahrverhalten kann der große Sierra dann mit direkter Lenkung und straffen Fahrwerk glänzen und ist deutlich fahraktiver als der Calibra. Beide Modelle konnte dazu im Motorsport Erfolge einfahren, die auch nicht verschweigen werden.

Einen Blick in die Historie des Motorsport liefert die Youngtimer dann mit einem Artikel zu der Marken-Meisterschaften von Renault. Hier wird zum Start des Artikels gleich eine tolle Bildauswahl präsentiert, wo der Leser viele Renault 5 entdecken kann die damals für wilde Rennszenen sorgten. Dazu ist auch die wildeste Ausbaustufe mit dem Clio V6 zu entdecken, der immerhin 285 PS leistete. Der Text führt aber dann zunächst ins das Jahr 1974, in dem das erste Rennen des Renault 5-Cup in Hockenheim stattfand. Mit einem großen Starterfeld mit 44 Teilnehmer warfen sich die unerschrockenen Piloten in das Rennen. Dabei sorgte das Fahrwerk für einmalige Schräglagen der kleinen Rennwagen und der ein oder andere legte seinen R5 auf die Seite. Das Rennen wurde aber zu Ende gefahren und der erste Sieger war Harald Grohs. In der Zeit der R5-Cups nahmen zahlreiche, später erfolgreiche Rennfahrer an der Meisterschaft teil und eine weitere Galerie zeigt einige der bekanntesten Fahrer aus der damaligen Zeit. In der zweiten Saison konnten die Fahrer mit internationaler Lizenz die Saison mit dem 85 PS starken TS in Angriff nehmen, während die Ausweisfahrer mit dem schwächeren LS um den ONS-Pokal antraten. Und so wurden die Modelle im Laufe der Zeit immer leistungsstärker und der Sport immer anspruchsvoller. Die gebotenen Show war aber immer außerordentlich sehenswert und mit dem Turbo wurde im Jahr 1981 sogar mit einem Mittelmotor-R5 um die Siege gekämpft. Nachdem der R5 vom Clio abgelöst wurde, setzte man diesen auch für den Markenpokal ein und im Laufe der Zeit wurden noch weitere Modelle eingesetzt ehe 2007 das bisher letzte Rennen ausgetragen wurde. Autor Dirk Johae regt dann noch diese langjährige Historie bei einem Treffen wieder aufleben zu lassen. Gute Idee!

Dazu bietet die Youngtimer 5/2017 noch folgende Themen: In einzelnen Fahrberichten stellt das Magazin gleich mehrere Cabrios vor. Konkret das Porsche 996 Cabrio, den Ford Mustang, das BMW E36 Cabrio, den Opel GT und das Peugeot 306 Cabrio. So stehen einige Alternativen in unterschiedlichsten Preisregionen zur Verfügung. Anna schraubt zeigt den Ausbau eine Zylinderkopfdichtung, eine umfangreiche Kaufberatung gibt es über den Audi A6 der Baureihe C5 und eine Reportage zeigt die Vorberatung von drei BMW 520i Touring für eine 6.000 Kilometer lange Tour. Ob es sich lohnt das Geld statt auf das kaum lohnende Sparbuch zu legen in einen Porsche zu investierte klärt eine Reportage und bei der Redaktionsauswahl finden sich diesmal einige interessante SUV’s wieder.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Renault, Marco Rassfeld