Buch – Alfa Romeo Tipo 33

Der Tipo 33 ist ohne Frage ein Meilenstein in der Renngeschichte von Alfa Romeo und nachdem ein 2005 vorgestelltes Buch aus dem englischen Veloce Verlag schon längst vergriffen war, wurde dies nun neu aufgelegt. So können sich die Anhänger des Tipo 33 das Buch nun wieder zu normalen Preisen erwerben und sind sicher erfreut über die Veröffentlichung im Rahmen der Veloce Classic Reprint Series. Die Forderungen der längst nicht mehr erhältlichen Bücher lagen im Bereich des Zehnfachen.

Das Buch kommt im quadratische Format daher und zeigt auf dem Schutzumschlag eine tolle Fahraufnahme eines Tipo 33. Dessen Farben werden dann auch für den Buchtitel verwendet und somit ergibt sich ein durchaus stimmiges Bild. Beim Blick ins Buch folgt dann als erstes das Inhaltsverzeichnis, welches die generelle Herangehensweise der Autoren schon offenlegt. So werden alle Entwicklungen in chronologischer Reihenfolge dargeboten gefolgt von drei weiteren Kapitel zu speziellen Themen aufzeigt. Dazu sind auch gleich sieben Anhänge zu finden und bieten scheinbar viele Zahlen und Übersichten. Ehe das Buch aber mit dem eigentlichen Inhalt beginnt kann sich der Leser mit zwei Vorworten der Rennfahrer Nanni Galli und Teddy Pilette auf das Thema aus Fahrersicht vorbereiten und erfährt hier aus erster Hand von den Erfahrungen, welche die beiden auf den Rennstrecken mit dem Tipo 33 gemacht haben. Nach den noch folgenden Danksagungen der Autoren folgt schließlich die Einleitung in das Thema Alfa Romeo Tipo 33. Hier wird der Weg zum Tipo 33 erläutert und man erfährt Interessante Details aus den vorhergegangenen Entwicklungen bei Alfa Romeo. So kann man auch die OSI Scarabeo im Buch finden, der auf Basis eines der ersten Tipo 33-Chassis aufbauten und die spätere Form durchaus beeinflussen konnten. Auch der Prototyp des Tipo 33 aus dem Jahr 1964 lässt sich entdecken. Nachdem Alfa Romeo selbst nur noch im Tourenwagen-Rennsport aktiv war, folgt mit dem Entschluss den Tipo 33 zu bauen der Wiedereinstieg in die Sportwagen-Klasse. Auch die dabei entscheidenden Menschen wie Carlo Chiti, Orazio Satto und Lodovico Chizzola werden vorgestellt und die Gründung von Autodelta spielt eine ebenfalls wichtige Rolle. Eine passende und ebenso wichtige Einleitung um die vorgelagerten Zusammenhänge nachvollziehen zu können und somit ein gelungener Einstand.

Im Januar 1967 war es dann endlich soweit und die ersten, noch streng geheimen Tests des kurz T33 genannten Rennwagens fanden in Monza statt. Am Steuer war der bekannte Alfa Romeo-Testfahrer Teodoro Zeccoli, der den etwa 240 PS starken Rennwagen über die vom Schnee befreite Rennstrecke pilotierte. Allerdings versagten schon nach kurzer Zeit die Bremsen und so flog Zeccoli mit dem neuen T33 ab. Der Wagen fing Feuer und der Fahrer brach sich einen Wirbel. Da das Chassis aus Magnesium bestand, waren die Löschversuche mit Sand nur kurz von Erfolg gekrönt. Immer wieder fing der Wagen Feuer. Es wird vermutet das dies Chassis 002 war. Auf spätere Nachfrage wie der Wagen zu fahren gewesen wäre antwortete Zecolli: „Es war nicht leicht, das Chassis war ein Desaster.“. Aber natürlich gab man die Entwicklung und so auch Chiti keinesfalls auf und so konnte die neugierige Presse schon im März den neuen Alfa Romeo-Rennwagen in Balocco in Augenschein nehmen. Der Motor waren im übrigen ein 2-Liter großer V8, der für den ehemaligen Ferrari-Mitarbeiter Chiti erste Wahl war. Es wird sogar behauptet das er die Pläne für einen neuen Formel 1-Motor von Ferrari mit nach Alfa Romeo brachte und nutzte. Seinen ersten Renneinsatz bestritt der T33 dann beim Bergrennen in Fléron in Belgien. Es war die letzte Möglichkeit den Wagen bei einem lokalen Rennen zu testen, bevor man beim prestigeträchtigen Rennen in Sebring antrat. Das Bergrennen konnte der T33 gewinnen und man vermutet das Chassis 001 zum Einsatz kam. Eine exakte Nachverfolgung der einzelnen Fahrzeuge ist leider kaum möglich, aber das Buch versucht immer wieder so genau wie möglich darzulegen welches Chassis zum Einsatz kam. Die weiteren Ergebnisse im Laufe der Saison waren für Alfa Romeo dann aber eher ernüchternd und so konnte man lediglich bei zwei Bergrennen am Roßfeld und dem Monte Pellegrino je einen Sieg feiern. Zum Abschluss gelang auch noch der Sieg bei der Ettore Bettoja Trophy auf dem Autodromo Vallelunga. Optisch entwickelte sich der T33 schon früh weiter und so verschwand schnell auch der Lufteinlass über dem Cockpit. Auch die Anordnung der Lampen wurde überarbeitet.

Für die folgende Saison gab es dann tiefgreifende Überarbeitungen und das Modell lief nun unter dem Namen T33/2. Die Motorleistung stieg geringfügig an und so standen nunmehr etwa 250 PS zur Verfügung. Dazu gab es erste Gerüchte, das Alfa Romeo eine 3-Liter-Version in der Vorbereitung hatte. Im Rahmen der Tasman-Serie trat Frank Gartner Anfang des Jahres 1968 mit einen Brabham BT23D an. Diese verfügte über einen vergrößerten Motor aus dem T33 und wurde beeindruckender Zweiter, wobei ihm auch ein Sieg gelang. Alfa Romeo bestritt sein erstes Rennen mit den neuen T33/2 in Daytona, weshalb der neue Look des Rennwagens allgemein als Typ Daytona bekannt ist. Eine damals keinesfalls unübliche Praxis. Immerhin gelang eine Platzierung auf den Plätzen 5, 6 und 7 und es schien so, als käme der T33/2 langsam in Fahrt. Bei der für Alfa Romeo wichtigen Targa Florio auf Sizilien kam dann zu ersten Mal auch ein vergrößerter Motor zum Einsatz. Statt den vermuteten 3 Litern Hubraum hatte der Wagen von Vaccarella und Schutz zwar nur 2,5 Liter Hubraum, aber dafür wurde eine Leistung von soliden 315 PS möglich. Der Wagen schied im Rennen allerdings aus, aber man könnte sich über den zweiten, dritten, fünften und sechsten Platz freuen.  Man konnte im zweiten Jahr mit einer speziellen Langheck-Konstruktion sogar in Le Mans siegen und belegte die Plätze 4, 5 und 6 welche zugleich das komplette Podium des 2-Liter-Klasse darstellte. In der Markenweltmeisterschaft war man am Jahresende nun auf dem dritten Platz gelandet und die Tendenz zeigte deutlich nach oben.
Für 1969 wurde dann schließlich der 3-Liter-Motor angekündigt und so wurde das Modell zum T33/3. Im Laufe der Saison waren auch Einsätze von John Surtees im T33/3 geplant, die er neben seinen Engagements in der Formel 1 und der CanAm-Seirem bestreiten konnte. Der neue Wagen waren nun ein Spider und setzt optisch ein weiteres Highlight in der Rennwagen-Szene. Gleich beim ersten Rennen in Sebring war auch Surtees am Volant des Alfa Romeo zu finden, aber stellte schnell fest das der T33/3 nicht mehr seiner getesteten Konfiguration entsprach. Nach kurzer Rücksprache mit den Mechaniker fand er heraus das Chiti angeordnet hatte das Setup wieder auf die Basiskonfiguration zu ändern. Dies veranlasste Surtees zum einen unmittelbaren Niederlegen der Arbeit und fuhr nie wieder einen Tipo 33. Auch solche Episoden finden sich erfreulicherweise im Buch wieder und werfen so auch immer wieder einen Blick auf die Verhältnisse im Team. Im Rennen fielen als T33/3 aus und nachdem beim Le Mans Test im März der Fahrer Lucien Bianchi bei einem Unfall an der Mulsanne getötet wurden setzte man zunächst wieder auf den T33/2. Lediglich am Österreichring und in Imola kam der T33/3 in diesem Jahr noch zum Einsatz. Im Anna kam dazu noch ein T33/3 Coupé zum Einsatz und konnte hier gleich den ersten Platz einfahren.

In den 70er Jahren wurde die Entwicklung des T33 immer weiter vorangetrieben und so entwickelten sich unterschiedlichsten Rennwagen die mit beachtlichem Erfolg im Einsatz waren. Jedes Jahr wird weiterhin chronologisch aufgeführt und mit viel verwendetem Bildmaterial lässt sich auch die optische Entwicklung sehr gut verfolgen, So wurde der T33/3 für 1970 nochmals optisch überarbeitet und auch im nächsten Jahr sah der T33/3 erneut anders aus. In diesem Jahr konnte Alfa Romeo dann auch den langersehnten Sieg bei der Targa Florio feiern. Auch 1971 tauchte dann zum ersten Mal der T33/TT/3 auf, der nicht mehr auf einem Monocoque aufbaute, sondern auf einen Gitterohrrahmen. Zur folgenden Saison 1972 wurde dann die alten 5-Liter-Sportwagen von der Teilnahme ausgeschlossen und so galten neue Regeln. Auch in der CanAm-Serie kam der Alfa Romeo zum Einsatz und wurde hierfür sogar mit einen 4-Liter-Motor ausgerüstet. Gegen die beherrschenden McLaren hatten die von Otto Zipper eingesetzten T33/3 aber keine echte Chance. Diese Modelle werden im übrigen auch oft als T33/4 bezeichnet. Für 1973 hatte man bei Alfa Romeo erneut sehr interessante Neuigkeiten und stellte den T33/TT/12 vor, der nun mit einem neuen Zwölfzylinder-Motor ausgestattet war. Wieder war das Design komplett erneuert worden und konnte im ersten Jahr nicht wirklich überzeugen. Den ersten Sieg konnte der T33/TT/12 erst im April 1974 einfahren. Beim 1.000 Kilometer-Rennen in Imola sicherten sich Mario Andretti und Arturo Merzario den Sieg. 1975 wurden die Rennaktivitäten von Alfa Romeo offiziell gestoppt, da die notwendigen, finanziellen Mittel nicht mehr vorhanden waren. So setzte fortan Willi Kauhsen mit seinem Racing Team die T33 ein und konnte am Ende der Saison den Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft feiern. Mit sieben Siegen in acht Rennen war der T33/TT/12 am Zenit angelangt. Ein einmaliges Coupé stand bei Giro d’Italia am Start und erreichte aber nicht das Ziel. 1976 war das Rennprogramm recht klein aber mit dem T33/SC/12 wurde abermals ein neues Modell vorgestellt. Statt des Gitterrohrahmens kam nun wieder ein Monocoque zum Einsatz. Der T33/TS/12 war dann die endgültig letzte Bezeichnung, die den Tipo 33 schmücken sollte und stand für den Einsatz der noch jungen Turbo-Technologie. Für 1977 kündigte Autodelta an den Turbowagen mit einem 2 Liter großen Motor einzusetzen. Doch zum Start der letzten Saison des Tipo 33 stand zunächst noch der T33/SC/12 am Start und erst im September erfolgte der erste Einsatz des Turbo-Motors. Am Ende der Saison 1977 konnte Alfa Romeo erneut den Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft feiern und zog sich nun aus dem Sportwagen-Rennsport zurück. Der Tipo 33 kann so aber auf elf Jahre zurückblicken, in denen er die Szene mit geprägt hat.

Neben den umfangreichen Rennberichten und den spannenden Entwicklungen des Rennwagen Tipo 33 wirft das Buch dann auch noch einen Blick auf die Stradale-Version des Tipo 33. Die Straßenversion sollte die Renntechnik auf die Straße bringen und den potentiellen Käufern ermöglichen einen verkappten Rennwagen zu bewegen. Der Wagen war sehr teuer und wurde aus diesem Grund auch nicht oft gebaut. Mit einer atemberaubenden Optik war der Auftritt des Alfa Romeo aber immer ein Großer. Vermutlich wurden nur zwölf Exemplare des Stradale gebaut und stellen heute eine echte Rarität dar.
Durch den schleppenden Absatz der Straßenversion nutzten einige italienischen Designstudios das Chassis des Stradale um Concept Cars zu entwerfen. Auch diese stellte dann Buch vor und zeigt auch alle im Bild. Mit Bertone Carabo, Pininfarina P33 Roadster, Pininfarina 33 Prototipo Speciale, ItalDesign Igauna, Pininfarina Cuneo und Bertone Navajo wurden einmalige Automobile geschaffen, die aber vielen auch heute noch bekannt sein dürften.
Im letzten Kapitel schildert der Autor dann seine Fahreindrücke mit diversen Tipo 33-Modellen die mit vielen Fotos geschmückt werden. Hier kann man ehrliche Eindruck aus dem Cockpit gewinnen und kann viele Details entdecken.
im abschließenden Anhang finden sich dann noch alle Rennergebnisse, sowohl für die Renn- als auch für die Straßenversion. Dazu noch zu jedem Einsatzjahr einige Besonderheiten, Rätsel und Erläuterungen, ein Überblick über die bekannten, existierenden Autos, ein Überblick aller Stradale-Chassis, eine Auflistung aller Fahrer des Tipo 33 und zum endgültigen Abschluss noch eine beeindruckende Fotogalerie mit vielen weiteren Aufnahmen, die es nicht direkt ins Buch geschafft haben.

Fazit: Das Buch war nicht ohne Grund ein beliebtes Spekulationsobjekt, das Gebotene kann kaum besser sein. Inhaltlich bleibt wirklich keine Frage offen und so ist das Buch ein klassisches Standardwerk zum Thema Alfa Romeo Tipo 33! Neben den umfangreichen und kompetent geschriebenen Texten werden auch viele Bilder verwendet, auch viele noch unbekannte, die den verwandlungsfähigen Tipo 33 im Laufe der Jahre zeigt. So ist die Entwicklung textlich und optisch leicht nachzuvollziehen und das obwohl die wirren Bezeichnungen dies nicht gerade einfach machen. Der Anteil der Farbaufnahme ist dabei zwar eher gering, aber viele farbige Bilder finden sich dann beim im Buch befindlichen Fahrberichten. Das Layout des Buches und auch die Bildplatzierung könnte sicher moderner sein, aber durch die Tatsache, dass der Titel ursprünglich aus dem Jahr 2005 stammte, sollte man hier nicht allzu streng sein. Schade ist allerdings das es nur ganz selten zu großformatigen Abbildungen kommt, dies hätten die Bilder in jedem Fall anders verdient.
Zum Preis von knapp 50 Euro müssen die Alfisti einfach zuschlagen. Eine bessere Dokumentation der Geschichte des Tipo 33 scheint kaum möglich. Eine Preissteigerung kann bei dem Buch dazu fest eingeplant werden, denn nach dem erneuten Vergreifen der Auflage wird der Preis sicher wieder schnell nach oben gehen.

Bibliografie:
Titel: Alfa Romeo Tipo 33: The development and racing history
Autor: Peter Collins, Ed McDonough
Umfang: 224 Seiten, 412 Bilder
Format: 250 x 250 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 07/2017
Preis: £45.00
ISBN-Nr.: 978-1-787111-31-8
Bestellbar beim Verlag unter: http://www.veloce.co.uk

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Veloce, Marco Rassfeld