Buch – Porsche 917 – Owners‘ Workshop Manual

Eine Ikone des Motorsports ist der Porsche 917 ohne Frage. Er wurde auf Grund seines immensen Erfolges gleich aus zwei Rennserien verbannt, jeweils nur möglich durch das Ändern des Reglements. In der Reihe der Owners‘ Workshop Manual von Haynes Publishing bildete auch der Porsche 917 die Grundlage zu einem Band. Dabei ist der Titel nicht nur für die wenigen glücklichen Besitzer eines 917 gedacht, sondern vor allem für die vielen Fans.

Das Buch kommt im gewohnt kompakten Format und zeigt auf dem Titel eines Durchsicht-Zeichnung des Porsche 917. Der durchaus vorhanden technische Anspruch an das Werkstatt-Handbuch wird hierdurch nochmal deutlich und schon auf der Rückseite lässt sich durch kleine Abbildungen ein erster Blick auf den Aufbau der Seite im Inhalt entdecken. Ohne lange Umwege landet der Leser dann schnell beim Inhaltsverzeichnis und kann die Inhalte der sieben Kapitel begutachten. Dazu kommen auch noch interessante Anhänge. Die Danksagungen des Autors haben ihren Platz direkt auf dem Vorsatz in einem kleinen Kasten gefunden und dies alles zeugt davon, das der Platz im Buch augenscheinlich stark beschränkt war. Der Anspruch alle Modelle des Porsche 917 in einem kompakten, 160 Seiten starken Buch unterzubringen war aber sicher auch keine einfache Aufgabe. Trotzdem bleibt schon neben dem Inhaltsverzeichnis auch der Platz frei für eine vollformatige Abbildung eines Porsche 917 während den Silverstone Classic.

Kapitel 1 liefert dann The Porsche 917 story und startet mit der Änderung des Reglements durch die CSI. Erst diese ermöglichte den Start zur Entwicklung des 917, denn durch Ferdinand Piëch wurde für Porsche die Entwicklung des neuen Rennwagens maßgeblich angestoßen. Durch das Herabsetzen der erforderlichen Menge an Fahrzeugen auf 25 Exemplare sah Piëch die Chance für Porsche einen Rennwagen zu bauen, der endlich auch in den größten Rennklassen antreten konnte. So präsentierte Porsche auf dem Genfer Salon 1968 den brandneuen 917 der optisch als Nachfolger der bisherigen Porsche-Rennwagen eindeutig zu identifizieren war. Die den Fans sicher bekannte Abnahme der 25 Exemplare im Hof von Werk I in Zuffenhausen ist bis heute legendär und bewies die Möglichkeiten die Porsche hatte. Hierzu finden sich im Buch auch entsprechende, historische Bilder wieder, die den Text sehr gut unterstützen. Dann folgt ein Blick auf die Rennen in den Jahren von 1969 bis 1971 in denen sich der Porsche 917 vom schwierig zu fahrenden Rennwagen zu einem Seriensieger entwickeln sollte. Highlight für Porsche sind dabei ohne Frage der erstmalige Gewinn der 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1970. Der Einsatz der Rennwagen führte Porsche offiziell dabei nur im ersten Jahr eigenständig durch und die weiteren Teams werden auch noch im ersten Kapitel vorgestellt. So ist sicher die Weiterentwicklung auch mit der Hilfe von JW Automotive einer der wichtigen Punkte für den folgenden Erfolg. Ein wenig mehr Kontrolle hatte Porsche 1970 über das Team Porsche Salzburg, welches durch die Firma Porsche Konstruktionen eingesetzt wurde. Diese war im Besitz von Louise Piëch, welche die Mutter von Ferdinand Piëch war. Ein Schachzug den die Kollegen von JW aus England nicht gerade als gelungen ansahen. Im folgenden Jahr wurde Porsche Salzburg dann vom Martini Racing Team abgelöst , die 1971 dann auch den Sieg in Le Mans erreichen konnten. Die späteren Einsätze des Porsche 917 in der amerikanischen CanAm-Serie wurden dann vom Penske Team betreut, welches natürlich nicht unerwähnt bleibt.

Unter dem Titel Anatomy of the Porsche 917 blickt das zweite Kapitel dem Rennwagen dann unters Blech und zeigt den Porsche 917 K aus für viele sicher unbekannten Perspektiven. Zu Beginn zeigt sich erst nochmal ein Durchsicht mit den Erläuterungen der einzelnen Bestandteile. Dann folgen die Original-Konstruktionszeichungen von gleich vier Versionen des 917 welche die Vielseitigkeit und die stetige Entwicklung des Rennwagens verdeutlichen. Ein Überblick über alle Variante folgt dann auch noch in Textform, in dem auch die Spyder-Versionen berücksichtigt. Zunächst folgt der Blick auf das Chassis und legt dabei auch die internen Anforderungen von Porsche an den neuen Rennwagen offen, denen Peter Falk und Helmut Flegl sich zu stellen hatten. Dann folgen viele Details zur Karosserie in denen auch mit vielen Bilder interessante Details dargestellt werden. So wir zum Beispiel deutlich, dass 1970 die Beleuchtung der Startnummer von JW und Porsche Salzburg am 917 unterschiedlich war. Auch der einmalige 917/20, besser bekannt als Sau, durch seine besondere Lackierung welche die Karosserie nach dem Vorbild der Schweinebestandteile umgesetzt wurde, ist im Buch zu finden. Die umfangreiche Darstellung wird mit vielen weiteren Details zum Cockpit, Lenkung und Aufhängung, die Bremsen, die Reifen und Räder, den Motor und die Kraftübertragung. Zum Abschluss werden auch noch die wichtigsten Konkurrenten wie der Ferrari 512 und auch der Alfa Romeo 33 kurz vorgestellt. Eine echte Chance hatten diese aber kaum gegen den Porsche 917.

Die Liste der Fahrer, die den Porsche 917 im Renntempo auf den Rennstrecken der Welt bewegte ist lang und voll mit heute noch bekannten Namen. In The Driver’s View erhält der Leser die Möglichkeit im dritten Kapitel einen direkten Einblick hinter das Steuer des 917 zu werfen. Mit Brain Redman, Hans Herrmann, Vic Elford, Derek Bell, Jackie Oliver, Gérard Larrousse, Gjis van Lennep, Kurt Ahrens und Richard Attwood blicken einige der erfolgreichsten Fahrer dieser Epoche zurück. Dabei kommen auch durchaus kritische Stimmen an das anfängliche Fahrverhalten des frühen 917 zu Tage, die sogar dafür sorgten das die Werksfahrer lieber auf den etablierten 908 zurückgriffen. Zu jedem Fahrer gibt es auch Abbildungen, die sowohl aktuell als auch historisch sein können.
Neben den Fahrern hatten einen sehr genauen Blick auf den Porsche 917 auch die damaligen Rennmechaniker, die den Wagen im Einsatz begleiteten. So folgt mit The mechanic’s view auch ein Blick von dieser Seite und logischerweise auch mit einem entsprechenden technischen Hintergrund. Das Buch bietet sogar eine Liste alle Mechaniker von JW Automotive in den Jahren 1970 und 1971 für die Porsche 917 verantwortlich waren, sowie von Porsche Salzburg im Jahr 1970. Alan Heam war Chefmechaniker vom Pedro Rodriguez und betreute dessen Porsche 917. Seine umfangreichen Erinnerungen blicken auch auf einige besondere Entwicklungen die im Rahmen seines Engagements für JW umgesetzt wurden und später auch in allen Porsche 917 Einzug fanden. Von den Mechanikern von Porsche Salzburg lässt sich einiges über Helmut Frauenschuh im Buch finden, die in direkter Konkurrenz zu JW standen. Dazu werden die notwendigen Wartungsmaßnahmen dargelegt die in der Fabrik oder beim Rennen erforderlich waren. Schließlich wird auch die nicht einfache Start- und Stopp-Prozedur in eine Liste erläutert.

Mit diesen schon hochinteressanten und informativen Kapiteln ist das Buch dann in etwa bei der Hälfte angekommen und hat noch weitere Highlights zu bieten. So finden sich zunächst Informationen zum Kauf-Angebot für eine Porsche 917, die Ersatzteilsituation, die Versicherung, die Wartung und die Möglichkeit zum Renneinsatz. Dann berichten Besitzer der raren Rennwagen von Ihren Erfahrungen und auch die Replikas werden erwähnt. Dann werden die Can-Am 917 vorgestellt, diese Rennserie bot nach den Reglement-Änderungen in Europa ein weiteres Betätigungsfeld für Porsche und auch hier hatte man vollen Erfolg. Auch hier kann der Leser einen Blick unter das Blech werfen und sich über viele seltenen Aufnahmen freuen. Im nun schon siebten Kapitel folgt dann die Chassis-History in der alle Chassis kurz vorgestellt werden und deren Werdegang beleuchtet wird.
Die Anhänge bringen dann noch die technischen Daten, alle Rennsieger und Meisterschaften in der Markenweltmeisterschaft, in der amerikanischen Can-Am, der europäischen Interserie und auch der weiteren, nicht zu einer Meisterschaft zählenden Rennen. Selbst Auszüge aus dem offiziellen FIA Jahrbuch zu den Reglements lassen sich noch finden.

Fazit: Das der Porsche 917 ein Highlight aus der Geschichte des Motorsports ist, ist unumstritten. So macht ein Buch wie die Owners‘ Workshop Manual in jedem Fall Sinn, denn es beleuchtet den Porsche 917 aus einer durchaus ungewöhnlichen Perspektiven. Durch den Blick unter das Blech mit vielen Aufnahmen bekommt der Leser die Möglichkeit den 917 aus ungewöhnlichen Perspektiven zu sehen. Dazu kommen durch und durch interessante Berichte von Menschen, die mit dem Porsche 917 zu seiner Einsatzzeit zu tun hatten. Heute ist der Porsche 917 ein gesuchtes Sammlerstück geworden und ist kaum noch im Renntempo zu beobachten.
Technisch und optisch kann das Buch zwar keine Highlights setzen, aber für den erfreulich günstigen Preis von umgerechnet knapp 25 Euro kann man auch kaum eine aufwendige Umsetzung erwarten. Das Buch ist für alle Fans eine echte Empfehlung da es eben auch hinter die Kulissen bzw das Blech blickt und wichtige Zeitzeugen ebenso berichten lässt wie die aktuellen Besitzer.

Bibliografie:
Titel: Porsche 917 – Owners‘ Workshop Manual
Autor: Ian Wagstaff
Umfang: 160 Seiten
Format: 270 x 210 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden
Auflage: 11/2015
Preis: £22.99
ISBN-Nr.: 978-0-85733-765-8
Bestellbar beim Verlag unter: www.haynes.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Porsche, Marco Rassfeld