Buch – Pontiac GTO 50 Years

The Original Muscle Car – so der passende Untertitel zum Buch über den Pontiac GTO. Mit ihm begann die Ära der amerikanischen Muscle Cars in der vielen legendäre Fahrzeuge geschaffen wurden, die vor allem mit viel Leistung auf sich aufmerksam machten. Das Buch erschien im amerikanischen Motorbooks Verlag zum 50 jähirgen Jubiläum des GTO und blickt zurück auf alle Modelle mit dem legendären Namen.

Das Buch hat, wie bei den meisten Motorbooks-Titeln ein großes Format und bietet so die Möglichkeit, die Abbildungen auch im großen Format dem Leser zu präsentieren. Auf dem Titel erkennt der Kenner einen 1970er GTO „The Judge“, der die wildeste Ausbaustufe darstellte und deshalb auch über einen stattlichen Heckspoiler verfügte. Um das Modell noch weiter hervorzuheben wurde ein Glanzlack verwendet, der sich auch auf der Schrift des Buchtitels wiederfindet und auf der Rückseite auch die zwei weiteren Bilder schmückt. Somit sorgt der Schutzumschlag für einen auffälligen Auftritt, der sicher die Neugier aller Muscle Car-Fans wecken wird. Nach dem Aufschlagen wird der Leser von einer vollflächigen Abbildung eines 1964er GTO begrüßt, ehe ein 71er Modell den Weg in die Moderne aufzeigt. Schließlich folgt das Inhaltsverzeichnis, in dem die Einteilung in fünf Kapitel plus einem Einstieg deutlich wird. Mit dazu platzierten Bildern kann der Leser zudem schnell erkennen, dass die Modelle chronologisch vorgestellt werden und so auch einen ersten Überblick über die verschiedenen Generationen des GTO erhalten.

Die Einführung blickt dann aber noch nicht sofort auf das Fahrzeug, sondern auf die Männer hinter the Goat. Hier werden die wichtigsten Personen rund um die Erschaffung des GTO vorgestellt, welche die Vision eines schnellen und kräftigen Fahrzeugs für die jungen Käufer verwirklichten. The Goat ist dabei ein bekannter Spitzname der frühen GTO, der aber von Pontiac so niemals genutzt wurde. Wer möchte sein neustes Sportmodell schon auls Zeige bezeichnen. Als tragende Personen finden sich hier der damalige Pontiac-Chef Semon E. „Bunkie“ Knudsen und natürlich auch die aufstrebende Person von John Z. DeLorean. Nicht vergessen wird Pete Estes, der gemeinsam mit Knudsen und DeLorean für die ersten GTO auf Chefingenieur verantwortlich war. Das Buch verschweigt aber nicht die Schattenseiten der Geschichte des GTO und so taucht auch F. James McDonald auf, der sowohl bei Pontiac als auch später bei General Motors die Postion von John Z. DeLorean einnahm und den GTO mit weniger Emotion betrachtete. Schließlich findet sich auch noch Robert „Bob“ Lutz wieder, der für die Reinkarnation des GTO im Jahr 2004 verantwortlich war. Zu jeder Person erhält der Text einen kurzen Blick auf die Vita und eben auch den entsprechenden Hintergrund im Bezug auf den GTO. Neben dem Text sind erfreulich viele zeitgenössische Bilder abgebildet, welche die Personen zeigen.

Mit dem dann folgenden ersten Kapitel wird schließlich der erste GTO in den Mittelpunkt gestellt. Das Management von General Motors gab dem Pontiac-Division-Chef Knudsen genau fünf Jahre Zeit um die schwächende Marke wiederzubeleben. Die Marke verfügte über eine Modellpalette mit unaufregenden Fahrzeugen und hatte bei der Generation der Babybommer wenig Absatzchancen. Die Basis zum GTO liefert schließlich die Idee von John Z. DeLorean, Bill Collins und Russ Gee. Denn sie wollten den etablierten V8-Motor mit 389 cui Hubraum in den neuen Tempest installieren. Mit dem immer weiterentwickelten V8-Motor hatte Pontiac einen rennerprobten Motor im Portfolio, der seine Stärken bei diversen Einsätzen in der NASCAR Grand National Series und auch auf den NHRA Drag Strips beweisen hatte. Als Basis für den GTO wurde dann der Le Mans ausgewählt, eine gehobenere Version des Tempest. Mit der Auswahl des Pakets W62 mutierte der Le Mans schließlich zum GTO und erhielt den großen V8-Motor unter der Haube. Aus 6,5 Liter Hubraum bekam der Kunden dann eine Leistung von 325 PS und verfügte über die Kraft von beeindruckenden 580 Nm Drehmoment. Dazu wurde mit entsprechenden Logos das Modell auch als GTO gekennzeichnet und als Besonderheit fand der Käufer die Angabe des Hubraums in europäischen Litern auf einer Palette präsentiert. Dies ist zu begründen mit der Tatsache, dass DeLorean anstrebte die europäische Sportwagen-Konkurrenz zu ärgern und bestand daher auf die Angabe in Litern statt und cui. Schon im zweiten Jahr erfuhr das Modell eine optische deutlich Änderung, denn die Scheinwerfer standen nun übereinander statt nebeneinander und entsprach so der aktuellen Design-Sprache von Pontiac. Neben der Entwicklung des GTO wirft das Buch auch einen Blick auf die Konkurrenten in Form des Ford Mustang, dem Oldsmobile 4-4-2, dem Chevrolet Chevelle Malibu Z16 und dem Buick Gran Sport.

Zum Modelljahr 1966 wurde der GTO dann einer umfangreichen Überarbeitung unterzogen und konnte so mit ein deutlich frischeren Design aufwarten. So zeigt das Buch in nächsten Kapitel den GTO mit den Coke-Bottle-Design und ansprechendem Hüftschwung. Wie wichtig das Modell inzwischen für die wieder deutlich aufstrebende Marke Pontiac war, zeigt dass der GTO nun nicht mehr nur eine Ausstattungsvariante war, sondern ein eigenständiges Modell. So unterschied sich das Design auch deutlicher vom Le Mans als bisher, was auch die Begehrlichkeiten der Käufer wecken sollte. Technisch änderte sich hingegen nicht viel und weiterhin standen dem Fahrer die bekannte V8-Motoren mit 335 PS oder gar 360 PS zur Verfügung, wenn man das Tri-Power-System wählte. Die von DeLorean ausgewählte Konkurrenz in Form der europäischen Sportwagen war aufgrund der schwachen Bremsen und den verwendeten Reifen des GTO aber immer noch auf eine fahrdynamisch anderen Stufe. Abhilfe hätte die Verwendung von Michelin-Reifen gebracht, aber als die amerikanischen Reifenhersteller von den Verhandlungen Pontiacs mit Michelin Wind bekam, erhöhten sie den Druck auf General Motors und verhinderte so das die Reifen-Erstausstattung aus Frankreich geliefert wird. Dennoch war Pontiac daran gelegen die Performance des GTO unter Beweis zu stellen und verbesserte das Modell für den Auftritt auf dem Dragstrip. Die goldende Lackierung der speziellen GeeTO Tiger und die Tatsache, das die GeeTO Tiger nur im Showlauf antraten, sorgte schnell für eine hohe Begeisterung beim Publikum. Zur perfekten Marketing-Strategie gehörte auch das ein Zuschauer in einem Rennen gegen den Mystery Tiger antreten durften. Auch durch diese Maßnahmen konnte Pontiac den GTO in diesem Jahr stattliche 96.946 mal verkaufen. Dies stellt die Bestmarke für den GTO dar. Schon 1967 gingen die Verkäufe zurück, was diverse Gründe hatte, unter anderen der demographischen Wandel, die ersten Ansätze der Emissionsgrenzen und auch die erhöhten Versicherungsbeiträge. Entdecken lässt sich im zweiten Kapitel auch noch einige Informationen über das Monkeemobil und die Konkurrenz in Form des Dodge Charger, Chevrolet Camaro SS396 und des markeneigenen Pontiac Firebird 400.

In den verbleibenden Kapiteln folgt dann die erneute Überarbeitung zum Modelljahr 1968, wobei diesmal der GTO auf einer komplett neuen Plattform aufbaute. Das Modell wurde kompakter und erhielt ein Design nach dem Vorbild der erfolgreichen Pony Cars mit langer Motorhaube und kurzem Heck. Dazu setzte Pontiac in diesem Modelljahr auf die sogenannten Endura Stoßstangen, welche eine klassische Stoßstange nicht mehr nötig machte. Statt wie bisher drei Karosseirevarianten standen ab sofort nur noch zwei zur Verfügung und der GTO wurde wieder deutlich moderner. 1969 war dann die Ausstattung-Option The Judge verfügbar, welchen den Auftritt des GTO weiter dramatisierte. Ein Jahr später änderte der GTO erneut sein Gesicht und die anfälligen Klappscheinwerfer wurden durch Doppelscheinwerfer ersetzt – eine erstaunlich elegante Lösung.
Im vierten Kapitel blickt dass Buch dann noch auf die Jahrgänge 1971 bis 1973, in dem sich der GTO deutlich veränderte aber schließlich durch diverse Gründe nicht mehr wirklich dem Geschmack der Käufer entsprach. Ab 1972 war der GTO zudem kein eigenständiges Modell mehr, sondern wieder „nur“ eine Option des Le Mans und 1973 war die Basis dann gar der kompaktere Ventura.
Die Reinkarnation des GTO folgte dann erst mit dem Modelljahr 2004, indem das Modell auf Basis des australischen Holden Monaro umgesetzt wurde. Somit stellte Pontiac seit langer Zeit wieder ein Heckantriebs-Modell vor, aber schon 2006 verschwand er schon wieder aus dem Programm. Der Verkauf von Modellen der Marke Pontiac wurde dann durch die finanziellen Schwierigkeiten von General Motors im Jahr 2010 komplett eingestellt und die ehemals große Marke verschwand komplett vom Markt.

Fazit: Der Pontiac GTO ist ohne Frage einer der wichtigsten Wegbereiter der Muscle Cars und verband zum ersten Mal große Leistung und viel Kraft mit einem erschwinglichen Preis. Diese Kombination war bei der Generation der Babyboomer sehr beliebt und ermöglichte neben dem Einsatz auf der Straße auch einen Einsatz auf den bei Amerikanern beliebten Dragstrip. Mit wenigen Modifikationen hatte man ein siegfähiges Auto. Bis heute ist das Modell beliebt und so ist ein Buch zum 50 jähriges Jubiläum mehr als gerechtfertigt. Das Buch arbeitet die komplette Historie gut auf und liefert viele Informationen und auch einige interessante Anekdoten. Lobenswert ist die Vorab-Betrachtung der wichtigsten Menschen, die mit dem Schicksal des GTO verbunden waren. In jedem Kapitel finden sich darüberhinaus viele zeitgenössische Abbildungen, die sich aber leider auch des Öfteren sehr ähneln oder gar doppelt wiedergegeben werden. Desweiteren ist schade, dass spezielle Modelle wieder GeeTO Tiger oder auch das Monkeemobile textlich vorgestellt werden aber nicht im Bild gezeigt werden.
Für knapp 40 Euro erhält man der Käufer aber trotzdem ein tolles Buch über eine amerikanische Automobil-Ikone in einer durchaus beeindruckenden Aufmachung. Für Fans ein Muss und für alle Autobegeisterten auf jeden Fall einen Blick wert.

Bibliografie:
Titel: Pontiac GTO 50 Years – The Original Muscle Car
Autor: Darwin Holmstrom
Umfang: 224 Seiten, 284 Farb- und 89 Schwarz-Weiß-Fotos
Format: 248 x 305 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden
Auflage: 01/2015
Preis: $50.00
ISBN-Nr.: 978-0-76034-711-9
Bestellbar beim Verlag unter: www.quartoknows.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: wsupercars.com, Marco Rassfeld