Buch – Porsche 917-023 – eine Autobiographie

Nach dem Jaguar D-Type widmet sich nun eine neue Autobiografie aus dem Heel-Verlag einem besonderen Porsche 917. Als zweites Buch der Reihe, die im Original vom englischen Verlag Porter Press stammt, steht nun der erste Le Mans-Sieger von Porsche im Mittelpunkt – der 917-023.

Das Buch kommt im edlen Schober daher.

Das Buch kommt in einem durchaus hochwertig ausgeführten Schuber daher, der den 917-023 in einer Seitenaufnahme vor einem betont schlichtem, schwarzen Hintergrund zeigt. Dieser wird durch einen Glanzlack noch hervorgehoben und zudem kann der Schriftzug mit einem Relieflack zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen. Die Rückseite zeigt dann eine Heckaufnahme und verzichtet auf jeglichen Klappentext. Die textliche Aussage des Titel scheint ein ausreichender Hinweis zu sein. Sicher kann der Verlag die limitierte Auflage von 1.000 Exemplare auch schneller verkaufen als noch bei D-Type. Dazu trägt alleine die bis heute ungebremste Strahlkraft des Porsche 917 bei und natürlich auch die große Fangemeinde der Herstellers aus Zuffenhausen. Das Buch selbst ist von stattlicher Größe und Gewicht und kommt in einem Schutzumschlag daher, auf deren  Rückseite dann auch der echte Klappentext erscheint. 

Zum größten Erfolg des 917-023 in Le Mans gibt das Buch viele Details wieder.

Nach dem Aufschlagen folgt sofort der Hinweis auf die Limitierung in Form einer stilisierten Chassisnummer. Diese findet sich auch schon auf dem Schuber wieder und verdeutlicht die begrenzte Verfügbarkeit des Titels. Schließlich folgt zunächst noch die Danksagung des Autors, ehe das Inhaltsverzeichnis einen Überblick über das über 300 Seiten starke Buch gibt. Eingeteilt ist das Buch in sieben Teile und insgesamt 22 Kapitel. Der Leser kann sich also auf einiges gefasst machen. Zunächst folgt noch eine kurze Einführung, die von einer großflächigen schwarz-weiß Aufnahme des 917-023 unterstützt wird.
Die Bühne wird bereitet lautet dann der Titel zum ersten Teil, welcher auf die Entwicklung zum Porsche 917 im allgemeinen blickt. Hier wird der Leser eingeführt in die motorsportlichen Erfolge der Firma Porsche vor dem 917 und zeigt auch die spannenden Entwicklungen mit dem Fokus auf das legendäre 24 Stunden Rennen in Le Mans. Nach einigen Klassensiegen strebte vor allem Ferdinand Piëch mit dem 917 nach dem Gesamtsieg und nutzte hierzu die Einführung von neuen Gruppierungen im Rennsport. Schon 1969 war der Erfolg für Porsche greifbar mit dem 908, der aber nochmals von Ford GT40 geschlagen wurde. Die einmalige Geschichte hierzu findet sich im zweiten Kapitel wieder. 

Neben den Fahrer werden auch die Teams im Buch vorgestellt, die 023 einsetzten.

Die Rennen von 917-023 stehen dann im Mittelpunkt vom zweiten Teil und das Buch geht betont intensiv auf alle Rennen ein, die der erste Gesamt-Sieger in Le Mans von Porsche bestreiten durfte. Zunächst gibt es einen Blick zurück auf die damaligen Zeit mit den wichtigsten Vorkommnissen, so dass der Leser nochmals abtauchen kann in die frühen 70er Jahre. Das 1.000 km Rennen in Brands Hatch war dann der erste Rennauftritt vom Chassis 023 und schon hier konnte der Wagen mit einem sehr guten zweiten Platz für Aufmerksamkeit sorgen. 023 war noch im unschuldigen Weiß gehalten und hatte noch nicht die rot-weiße Bemalung, in der er sein bekanntesten Erfolg feiern sollte. Neben einen umfangreichen textlichen Aufarbeitung der Ereignisse tragen auch eine hohe Anzahl von Bildern zu der beneidenswerten Betrachtung bei. Einige spezielle Fakten werden dazu in einzelnen Kästen weiter erläutert. So kann sich der Leser sicher sein, das vermutlich kein noch so kleines Detail fehlt. Auch die Erinnerungen vieler Zeitgenossen tragen natürlich hierzu bei und erwecken den Eindruck echter Nähe. Nach einem Ausfall in Monza und einem dritten Platz in Spa folgte dann der große Erfolg in Le Mans. Allein 38 Seiten bietet das Buch diesem Rennen Platz und diese Tatsache verdeutlicht erneut die umfassende Darstellung. 1970 folgte dann noch ein vierter Platz auf dem Österreich-Ring. Im Jahr 1971 wurde 023 dann von Martini Racing eingesetzt und stand in Buenos Aires und Daytona am Start, fiel aber beide Male aus. Der Schaden in Daytona war so groß, dass eine Reparatur nicht vorgenommen wurde und die Rennkarriere damit beendet war. 

Was mit dem 917-023 nach dem Rennleben geschah, wird auch dargelegt.

Die Zeit danach blickt dann auf die weiteren Entwicklungen für Porsche im Motorsport und zeigt auch die Weiterentwicklung bis zum 917/30, selbst die aktuellsten Nachfolger bis zum 919 Hybrid bleiben nicht unerwähnt und zeigen sich auch konsequent im Bild. 
Für den Erfolg eines Rennwagens unverzichtbar sind natürlich die Fahrer und hier nimmt das Buch die eingeschlagenen Detailtreue erneut wörtlich und stellt alle Fahrer des 917-023 vor. Der Anfang gebührt hier natürlich den beiden Siegfahrern in Le Mans – Hans Hermann und Richard Attwood. Zu jedem der sieben Fahrer wird aber nicht nur der Einsatz im 917-023 berücksichtigt, sondern die komplette Rennfahrer-Karriere. So lassen sich hier auch diverse andere Rennwagen durch die weiterhin umfangreiche Bebilderung entdecken. Dabei kann man eine beachtliche Vielschichtigkeit entdecken, die heutzutage unmöglich wäre. So kommen neben viele Formel-Rennwagen der unterschiedlichsten Klassen bis zu Formel 1 auch Rallye-Wagen zum Vorschein. Ein enge Rennfahrer-Team-Bindung die heute unverzichtbar scheint, gab es damals noch nicht und die Fahrer fuhren für diverse Teams in unterschiedlichen Klassen. Mit Vic Elford, Kurt Ahrens, Denny Hulme, Gérard Larrousse und Gijs van Lennep griffen weitere Rennlegenden in das Volant von 917-023 und somit erhält der Leser auch einen tollen Überblick über einige der prägendsten Fahrer der damaligen Zeit. 

Fantastische Fotos zeigen viele Details von 917-023.

Die Teams von 917-023 werden dann im folgenden Teil des Buches vorgestellt. Sowohl Porsche Salzburg als auch Martini Racing war gemein, dass diese gegen das eigentlich inoffiziellen Porsche-Werksteam JW Automotive antraten. Diese waren ob der gefährlichen Konkurrenz aus eigenem Hause nicht erfreut, konnte in der Endabrechnung aber deutlich mehr Rennen gewinnen. Aber die beiden Siege in Le Mans mit dem 917 konnten die vermeintlichen Privat-Teams für sich verbuchen. 
Was mit dem 917-023 nach dem Rennleben geschah wird wie selbstverständlich auch noch präsentiert und blickt somit auf Das zweite Leben von 917-023. Hier kommt auch die ungewöhnliche Änderung der Chassis-Nummer zum Vorschein, welche in Zuge des Verkaufs nach Japan durchgeführt wurde und inzwischen wieder korrigiert wurde. Da der heutige Wert des 917-023 kaum zu schätzen ist, gibt und gab es zudem einige Doppelgänger die keinesfalls verschwiegen werden.
Die Anatomie von 917-023 ist dann der Titel zum abschließenden, siebten Teil des Buches. Hier zeigen sich noch einige textliche Details zum 917 ehe viele, erstklassige Bilder den 917-023 auch in vielen Details zeigen und einen Blick unter die Hauben zulässt. 

Fazit: WOW – viel mehr kann man zu diesem Buch in einem Fazit kaum schreiben. Die extrem umfangreiche Darstellung eines einzelnen Chassis des legendären Porsche 917 kann ausnahmslos überzeugen. Hier bleibt kein Detail verborgen und durch die massive Bebilderung erhält der Leser auch einen erstklassigen bildlichen Eindruck vom Leben des 917-023. Das
auf 1.000 Exemplare limitierte und nummerierte Buch ist ein Highlight in jedem Buchregal und kann sicher nicht nur Fans der international sehr beliebten Marke Porsche überzeugen. 
Der Preis von 129 Euro ist zwar recht hoch, aber die Qualität des Buches kann in allen Belangen auch überzeugen. Die technische Umsetzung ist sehr gelungen und inhaltlich ist der Titel über jeden Zweifel absolut erhaben. Es ist also zu erwarten, das die Auflage schnell vergriffen sein wird. 

Bibliografie:
Titel: Porsche 917-023 – eine Auto-Biographie
Autor: Ian Wagstaff
Umfang: 320 Seiten, 158 s/w- und 128 Farbabbildungen
Format: 245 x 290 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag in Schmuckschuber
Auflage: 10/2018
Preis: 129,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-795-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: 
Raphaël Dauvergne, Marco Rassfeld