Buch – Lamborghini Murciélago

Mit dem Murciélago stellte Lamborghini im Jahr 2001 seinen neuen Supersportwagen mit V12-Mittelmotor vor. Veloce Publishing veröffentlichte nun ein erstes Buch zu diesem noch recht jungen Modell, welches das Erbe der Legenden Miura, Countach und Diablo fortführen sollte und zudem auch die Marke in ein deutlich sichere Zukunft führte.

Ein spektakulärer Auftritt ist dem
Murciélago sicher.

Das Buch kommt im kompakten, quadratischen Format daher, welches für den englischen Verlag gerne genutzt wird. Auf dem Titel zeigt sich ein Murciélago der ersten Serie mit geöffneten Türen, die nach oben schwingen. Seit dem Countach war diese Art der Türen beim Spitzensportler von Lamborghini obligatorisch und auch der noch aktuelle Nachfolger Aventador verfügt über solche Türen. Auf der Rückseite zeigt sich eine gekonnte Aufnahme der Rückansicht des Murciélago und zudem noch einige Hinweise auf den zu erwartenden Inhalt. Das Buch wird von einem Schutzumschlag ummantelt und zeigt darunter ein klassischen Hardcover-Einband mit schwarzen Leinen und goldener Heißfolie auf dem Rücken, so dass auch ohne Schutzumschlag der Titel um Regal sicher identifiziert werden kann. Nach dem Aufschlagen zeigt sich ein gekonnt bedruckter, gestalteter Vorsatz mit einem Murciélago und einem der prägendsten Zitate von Ferruccio Lamborghini. „In diesem Moment entschied ich mich entgültig ein perfektes Automobil zu erschaffen.“ Schnell gelangt man dann zum Inhaltsverzeichnis, gefolgt von einem Vorwort von Tonino Lamborghini, einer kurzen Einleitung und den Danksagungen.

Scheinbar zusammengewürfelte Collage stellen das Modell facettenreich vor.

Im ersten von insgesamt 17 Kapiteln stellt das Buch dann zunächst die Geschichte von Firmen-Gründer Ferruccio Lamborghini vor. Der Sohn von Weinbauern erkennt schnell sein Interesse für alles Maschinelle und optimierte so auch die Fahrzeuge auf der elterlichen Farm. Während des zweiten Weltkriegs wurde Ferruccio nach Rhodos versetzt, wo er sich um unzählige Fahrzeuge einer Militärbasis kümmerte und die instandsetzte. Hier musst auch der Alfa Romeo vom Kommandeur für einige Optimierungen herhalten. Nach dem verheerenden Krieg erkannte Ferruccio den Bedarf an Landmaschinen und baute mit seiner neuen Firma schließlich äußerst erfolgreich Traktoren. Den gewonnenen Reichtum nutzte Lamborghini auch um sich einige der begehrenswertesten Automobile zu leisten. Die Faszination gerade für die Modelle von Ferrari war groß, aber zugleich stellte er fest, das die verwendeten Kupplungen schlichtweg zu klein ausgelegt waren um die Kraft der Motoren zu übertragen. So erarbeitete er, gemeinsam mit seinen Ingenieuren eine Lösung aus und wollte diese Enzo Ferrari persönlich vorstellen. Bei einer Audienz schlug seine Kritik aber auf wenig Gegenliebe und in diesem Moment entschied sich Ferruccio Lamborghini sein perfektes Automobile selbst herzustellen. Der Grundstein für Automobili Lamborghini war gelegt. Auch die Anfänge mit dem Bau der Fabrik und den ersten Modelle werden noch in diesem Kapitel beleuchtet.

Eine der leider zu wenig eingesetzten, gelungen Aufnahmen des Supersportwagens.

Die Vorgänger des Murciélago werden dann in einzelnen, kurzen Kapitel vorgestellt und somit rückt das Buch den Fokus wieder mehr auf das titelgebende Modell. Die Aufarbeitung der Geschichte ist in diesem Fall aber sehr interessant, denn mit Miura, Countach und Diablo stellen sich die damals wie heute die begehrenswertesten und bekanntesten Modelle der italienische Marke vor. Hierbei ist dann spätestens auch das durchaus gewagte und ungewöhnliche Layout im Buch zu erkennen. So ist der Text zwar in einer gut lesbaren Größe umgesetzt, aber die zwei Spalten lassen wenig Platz bis zum Rand des Papiers. Dadurch wirkt das Buch sehr gedrungen und voll. Bei den Bilder zeigen sich dann große Qualitätsunterschiede, denn neben erstklassigen Studioaufnahmen finden sich auch immer wieder einige Schnappschüssen, deren Qualität leider sehr minderwertig ist und kaum dem Anspruch genügen dürften. Dazu wurde unterschiedlichste Stile bei der Platzierung der Bilder genutzt und leider lässt sich keine klare Linie erkennen. Oftmals wirkt es so, als sein das Design jeder Seite neu. Hier hätte man eine deutlich gelungene Darstellung mit ein wenige Disziplin erreichen können und das Lese-Erlebnis auch noch steigern können.

Der Motor ist das Herzstück des Murciélago und blickt auf eine lange Tradition zurück.

Ehe der Blick endgültig auf den Murciélago fällt, folgt noch ein Vergleich der sieben Todsünden mit den Modell und auch der Kauf eines Countach wird noch thematisiert, Hier wird dann auch textlich deutlich, dass die Monografie viele Nebenschauplätze zu bieten hat und dass Buch dem Autor auch als Erinnerung dient um seine Faszination zu Lamborghini zu verdeutlichen.
Schließlich wird im folgenden Kapitel dann die Namensgebung vom Murciélago ergründet, welche einen direkten Zusammenhang mit Miura steht. So kämpfte im Jahr 1879 eine Stier namens Murciélago gegen den Matador Rafael Molina Sanchez und überlebte insgesamt 90 Schwertschläge ehe der Matador ihn schließlich das Leben schenkte und den Kampf beendete. Murciélago wurde als Geschenk dann der Stierzucht-Dynastie Miura übergeben.
Das nunmehr schon siebte Kapitel blickt dann auf den ersten Murciélago, konkret dem VT 6.2 Coupé. Zunächst wird hier ausschweifend der legendäre V12-Motor vorgstellt, dessen Grundentwurf noch auf den ersten V12-Motor von Lamborghini zurückgeht. Giotto Bizzarrini schuf dem Motor schon im Jahr 1962 und anschließend wurde er von Gian Paolo Dallara und Paolo Stanzani überarbeitet. Schon im 350 GTV feiert der Motor seine Premiere und war auch in allen Vorfahren des Murciélago verbaut.

Mit dem SV stellte Lamborghini den Murciélago in seiner schärfsten Ausbaustufe vor.

Des Weiteren blickt dass Buch sehr tief in weitere technische Details und stellt so das Getriebe vor und vergisst keinesfalls die E-Gear-Variante. Auch der Designer Luc Donckerwolke wird vorgestellt und neben den Exterieur steht auch das Inferior im Mittelpunkt. Fast jedes noch so kleine Detail wird im Buch wiedergegeben, leider ist die bildliche Darstellung hierzu aber häufig nur sehr spärlich und zudem klein abgebildet. Das Presseecho der englischen Zeitschrift EVO und Autocar findet sich zum Schluss eines jedem Kapitel dann aber auch noch wieder.
Es folgt ein Blick auf den ersten Roadster, der mit einer durchaus anstrengende Prozedur von seinem kleinen Dach befreit werden konnte um eine offene Fahrt zu genießen. Nach fünf Jahren wurde schließlich der Murciélago LP 640 vorgestellt, der mit einem umfangreichen Facelift dem Modell wieder erhöhte Verkaufszahlen bescheren sollte. Auch von diesem Modell gab er kurze Zeit später den bekannten Roadster ehe 2009 mit dem Murciélago LP 670-4 Superveloce das Spitzenmodell vorgestellt werden sollte. Eine Sonderstellung nimmt der Reventón und sein Roadster-Pendand ein, die durch ungewöhnliches Design und einer starken Limitierung die Begehrlichkeiten wecken sollten.
Dazu bietet das Buch noch einen Blick auf die unterschiedlichen Sondermodelle des Murciélago, ehe auch der Nachfolger Aventador noch vorgestellt wird und ein kurzer Blick in das Lamborghini Museum gewährt wird. Die beiden abschließenden Kapitel bringen dann einige interessante Tipps von Experten zu Tage und schließlich auch den täglichen Umgang mit einem Murciélago aus erster (Autoren-)Hand.

Fazit: Der Murciélago ist in der Reihe der V12-Mittelmotor-Sportwagen von Lamborghini ein interessantes Modell, welches ohne Frage ein Buch verdient hat. Das Buch liefert hierzu auch wirklich viele Fakten und Informationen, aber leider ist das Layout nicht wirklich gelungen. In fast schon zwanghafter Weise versuchten die Designer das Buch fast sich jeder Seite neu zu erfinden und schufen keine klare Linie. Dazu gesellen sich dann auch noch einige wirklich schlechte Bilder, die dem Anspruch eines kompetenten Buches für ein Lamborghini leider nicht gerecht werden können. Es finden sich hierbei auch immer wieder tolle Aufnahmen im Buch wieder, bei denen man sich immer wieder fragt, warum man diese nicht präsenter eingesetzt hat.
Für aktuell umgerechnet knapp unter 70 Euro kann der geneigte Leser hier eine optisch bessere Umsetzung erwarten. Zur Geschichte des Murciélago und auch viele technischen Details lassen sich dennoch viele Informationen entdecken, die sicher wertvoll sein können.

Bibliografie:
Titel: Lamborghini Murciélago
Autoren: Thillainathan Pathmanathan
Umfang: 160 Seiten, 193 Farbbilder
Format: 248 x 248 mm
Sprache: Englisch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 7/2018
Preis: £60.00
ISBN-Nr.: 978-1-845849-22-1
Bestellbar beim Verlag unter: http://www.veloce.co.uk

Text: Marco Rassfeld
Bild: Tom Wood ©2016 Courtesy of RM Sotheby’s, Marco Rassfeld