Buch – Legendary – Das Porsche 919 Hybrid Projekt

Porsche ist im Motorsport eine Legende und gerade mit dem 24-Stunden-Klassiker in Le Mans verbindet der Stuttgarter Hersteller viel. Um nach vielen Jahren Abstinenz endlich wieder um den Gesamtsieg mitzufahren wurde der 919 Hybrid entwickelt, der inzwischen schon wieder im Ruhestand ist. Der Erfolg gab den Machern recht, denn gleich drei Jahre in Folge überragte der 919 Hybrid in der WEC und gewann auch jeweils das Rennen in Le Mans. Delius Klasing veröffentlichte vor kurzem nun ein Buch über den Rennwagen mit dem passenden Titel Legendary.

Ein Bundle aus zwei Bücher liefert alle
Infos zum Porsche 919 hybrid.

Das Buch gliedert sich in zwei Bände, wobei Vol. 1 das Lesebuch darstellt und Vol. 2 das passende Fotobuch. Der Käufer hat dazu noch die Wahl zwischen dem Bundes mit beiden Büchern, oder dem Lesebuch, welches auch einzeln erworben werden kann. Beim Bundle werden beide Bücher von einem dicken, schwarzen Gummi-Band zusammenhalten, in dem sich auch nochmals der Buchtitel wiederfindet. Das kompakte Lesebuch ist im der Gestaltung bewohnt schlicht gehalten und kommt mit roten Titel daher, auf dem in großen, weißen Buchstaben Legendary zu lesen ist, der Rücken hingegen ist ein wenig übergreifend auf beide Buchseiten in schwarz ausgeführt. Somit werden auch die Farben verwendet, die der 919 Hybrid getragen hat. Das Fotobuch ist schon deutlich größer ausgeführt und im klassischen Hochformat und zeigt auf dem Titel eine Aufnahme des 919 Hybrid während einer Regenphase bei Nacht. Passenderweise ist das Buch dann im Grundton in Schwarz ausgeführt und auf der Rückseite finden sich noch weitere Bilder und der Klappentext. Dieser verdeutlich schnell, dass diese Buch zweisprachig und Deutsch und Englisch umgesetzt wurde, während das Lesebuch nur einsprachig ist, aber selbstverständlich auch in beiden Sprachen verfügbar ist.

Im Lesebuch gibt es nur wenige Bilder, aber die wichtigsten Menschen werden porträtiert.

Das Lesebuch stammt aus der Feder von Heike Hientzsch, die während den Einsätze in der WEC für die Pressearbeit bei Porsche zuständig war. Somit kann der Leser sich sicher sein, dass die Informationen aus allererster Hand stammen und einen tiefen Einblick in die Geschichte des 919 hybrid zulassen. Auf dem Vor- und Nachsatz des Buches finden sich die Namen der Menschen wieder, welche bei Einsatz des 919 hybrid beteiligt waren. Diese Geste der Anerkennung nutzte Porsche schon beim letzten Rennen des 919 hybrid in Bahrain im Jahr 2017 und platzierte die Namen damals in roten Streifen auf den Rennwagen. Auch der nachgelagerte 919 Evo trug die Namen nochmals zu Schau und krönte seine Entwicklung mit einem bahnbrechenden neuen Rundenrekord auf der legendären Nordschleife. Dann folgen zwei Zitate von Ferry Porsche und Victor Hugo, ehe der Prolog vom Buch einen ersten Blick auf die Spannung im Langstreckensport wirft und auch nochmals die Wichtigkeit des Rennens in Le Mans für Porsche verdeutlicht. Das Buch startet dann mit dem Beginn des Projekts zur Rückkehr in die größte Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Diese erfolgt offiziell mit der Verkündung Porsches im Juni 2011. Das neue Reglement ab der Saison 2014 für die Rennwagen der LMP1-Klasse verspricht den Einsatz von neuen hybriden Technologien und zugleich ein zu vielen Seiten offenes Reglement. So wurde die Art der verwendeten Antriebe völlig freigestellt und auch hier sah Porsche die Chance das Know-How optimal zu nutzen. Wie dann aufgeführt wird, stehen zu Beginn nur eine Handvoll Mitarbeiter fest, die noch keinen Standort für das Projekt haben und auch das endgütltige Reglement soll erst im Juni 2012 feststehen.

Der Renneinsatz bei Le Mans ist eine Mammut-Aufgabe mit vielen Gesichtern.

Mit Fritz Enzinger wird schließlich der Leiter des LMP 1-Projektes bestimmt, der im Rennsport schon eine beeindrucken Vita hatte. Lange Zeit war Enzinger bei BMW angestellt und erlebte hier unter anderen den einzigen Gesamtsieg von BMW in Le Mans im Jahr 1999 mit, war bis Ende 2009 bei den Einsätze in der Formel 1 beteiligt und steuerte anschließend den Neueinstieg von BMW in der DTM. Dann fehlten im die Herausforderungen und da kam das Angebot vom damaligen Porsche-Chef Matthias Müller gerade recht. Obwohl die Voraussetzungen noch sehr wage waren, reizte Enzinger die Aufgabe mit Porsche wieder in der Spitzenklasse des Langstrecken-Motorsports anzutreten sehr. Noch Ende 2011 kommt Alexander Hitzinger als technische Direktor dazu, der schon bei Cosworth und Red Bull Racing ebenfalls in der Formel 1 seine Spuren hinterließ. Mit Andreas Seidl stoßt dann auch noch der ehemalige Rennleiter von BMW zum Team und bezieht ebenfalls eine leitende Position. Und das obwohl es noch kein konkretes Team zum Leiten gibt. Die Strukturen sind gerade am Wachsen aber die drei suchen sich fortan ihr eigens Team zusammen und können mit viele Freiheiten ein neues Rennteam aufbauen. Im September 2012 kann dann ein brandneues Bürogebäude bezogen werden, welches in der Stammbelegschaft von Porsche durchaus für neidische Blicke sorgt. Man kann auch durch solche Anekdoten erkennen, dass viele interne Belange im Buch offen dargelegt werden und natürlich steht das Projekt am Anfang.

Nicht nur die Rennwagen werden gezeigt, sondern auch immer wieder Szenen
rund um das Renngeschehen.

Das Lesebuch bietet einen umfassende Streifzug durch die Geschichte des Porsche 919 hybrid und auch den Menschen, die bei der Entwicklung und den Einsatz des Rennwagens beteiligt waren. Konsequent verzichtet das Lesebuch dann auch auf Bilder, einzig eine Abbildung vom Lenkrad findet sich zur Erläuterung wieder und am Ende finden sich dann noch Porträts der wichtigsten Personen aus dem Porsche LMP1 Team. Die Geschichte wird unfassbar facettenreich erzählt und liefert wirklich einmalige Einblicke in die Entwicklung des erfolgreichen Rennwagens der Spitzenkategorie. Nach den ersten Tests, die keinesfalls vielversprechend verliefen wurde der eingeschlagene Weg vom Team konsequent weiterverfolgt und der Erfolg von drei Fahrer- und Marken-Weltmeisterschaften in Folge gab dem Team recht. Zu jedem Rennen finden sich auch die wichtigsten Ereignisse wieder und immer wieder blickt das Buch dann auch auf Nebenschauplätze, wie etwa dem Haus von Mark Webber in dem seine zukünftige Frau seinen Horror-Crash bei Saison-Finale 2014 in Sao Paulo/Brasilien erlebte. Das Buch kann so viele spannende und interessante Anekdoten darbieten, welche auch die Menschlichkeit in der rauen Rennszene immer wieder in den Mittelpunkt stellen. So stelle das Lesebuch schon ein echtes Highlight dar und wird von den Fans sicher gerne gelesen bzw. vermutlich sogar verschlungen werden.

Mit dem 919 Evo bewies Porsche was ohne Reglement möglich gewesen wäre.

Das Fotobuch liefert die hierzu passende bildliche Dokumentation zur Geschichte des Porsche 919 hybrid. Die Fotos stammen zu großen Teilen von Jürgen Tap, der das Projekt über den gesamten Zeitraum begleiten durfte. Schon die ersten Bilder zur Einführung zeigen einige beeindruckende Aufnahmen des 919 hybrid. Im Inhaltsverzeichnis wird dann die Struktur von Fotobuch deutlich, welche die Entwicklung von den ersten Testfahrten des 919 hybrid im Jahr 2012 bis zum Einsatz des 919 Evo im Jahr 2018 in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Nach einem Vorwort von Fritz Enzinger erhält der Leser sogar Einblick in die Entwicklung einzelnen Komponenten und kann einen Motor auf dem Prüfstand entdecken oder die Fahrer bei ersten Sitzübungen und unfertigen Autos entdecken. Zu den Bilder erläutern dann die zweisprachig umgesetzten Bildunterschriften den Inhalt. Noch bei den ersten Testfahrten kann man einfache Bedingungen wiederfinden, denn die Techniker arbeiteten während des ersten Tests in Weissach sogar auf Bierzelt-Garnituren. Die Abbildung der Bilder erfolgt häufig vollformatig und lässt diese dadurch sehr präsent erscheinen. Durch die hohe Qualität der Aufnahmen ist dies auch problemlos möglich und der Leser bekommt einen sehr nahen Eindruck der einzelnen Ereignisse. Neben dem reinen Rennwagen stehen aber auch immer wieder die Personen im Mittelpunkt der Fotos. Nach die vielen beeindruckenden Bildern folgt zum Schluss noch ein umfassender Statistik-Teil über die Einsätze des 919 hybrid. Neben denn Rennergebnissen und den Meisterschaftsständen finden sich auch die schnellsten Rennrunden wieder und die gefahrenen Kilometer sowie die rekupertierte Energie wieder. Auch das Lenkrad findet sich nochmals mit eine detaillierten Auflistung der vielen Funktionen noch wieder.

Fazit: Der 919 hybrid ist eine der aktuellsten Rennlegenden aus der langjährigen Historie von Porsche. Die Veröffentlichung des Buches konnte auch nur durch die Tatsache in dieser Form entstehen, da der LMP1 -Rennwagen nun den Weg ins Museum antreten muss. Das Projekt wurde mit dem 919 Evo endgültig beendet. Die Einblicke, welche das Lese- und das Fotobuch liefern sind so umfassend und einmalig, dass der Leser die kompletten Historie des Rennwagens nachvollziehen kann. Dabei ist die Trennung in zwei Bände durchaus ungewöhnlich, aber in diesem Fall wirklich gelungen. So kann sich der Leser eingehend mit den Text befassen und bei Bedarf die passenden Bilder dazu betrachten oder hat eben auch die Möglichkeit sich auf nur ein Band zu konzentrieren.
Technisch sind die Bücher gut umgesetzt, einzig das doch deutlich spürbare Druckpuder im Fotobuch kann den Eindruck ein wenig schmälern.
Der Bundle-Preis von 68 Euro kann für das Gebotene als echtes Schnäppchen bezeichnet werden und liefert dem Porsche-Fan eine einmalige Dokumentation des Projektes 919 hybrid.

Bibliografie:
Titel: Legendary – Das Porsche 919 Hybrid Projekt
Autoren: Heike Hientzsch, Jürgen Tap
Umfang: 612 Seiten, 300 Fotos und Abbildungen
Format: 248 x 317 mm
Bindung: Gebunden
Auflage: 12/2018
Preis: 68,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-667-11554-6
Bestellbar beim Verlag unter: www.delius-klasing.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Porsche, Marco Rassfeld