Buch – Alfa Romeo Montreal

Alfisti – so der Name der oft besonders emotionalen Fans der italienischen Marke Alfa Romeo. Bis heute erlebte die Marken unglaublich viele Höhen und Tiefen und hat aktuell mit den neuen Modellen Stelvio und der Giulia eine topaktuelle Model-Range. Im Dingwort-Verlag ist im vergangenen Jahr einen vielbändige Dokumentation über den Tipo 105 erschienen, welche die unglaubliche Bandbreite dieses Modell vor Augen führt. Der Montreal war hierbei ein wirklich besonderes Modell.

Stilvoller Aufmachung stellt den Montreal direkt ins Rampenlicht.

Dieser Band kommt wie allen anderen Titel im fast quadratischen Format daher und kann hierdurch schon mal für erste Aufmerksamkeit sorgen. Schließlich ist dies auch heute noch eine eher ungewöhnliche Umsetzung. Der Titel des Buches ist dann betont schlicht gehalten und zeigt den Montreal in einer augenscheinlich zeitgenössischen Seitenaufnahme. Dazu findet sich nur der Hinweis auf das Modell sowie dem Autor des Buches Patrick Dasse wieder. Auf der Rückseite werden die weißen Querstriche weitergeführt und es findet sich ansonsten nur noch das Verlagslogo, sowie die ISBN-Nummer und der Hinweis auf die enthaltenen Sprachen Englisch und Deutsch. Unter den Schutzumschlag findet sich dann das selbe Bild auf dem Bezug wieder und sorgt damit für eine durchgehende, einfache aber elegante Designsprache.

Die erste Studie wich in viele Details noch von der Serie ab.

Schnell findet sich das Impressum am Start des Buches wieder, welches in unmittelbarer Nähe zu den Bildnachweisen und dem Inhaltsverzeichnis abgedruckt wurde. Beim Bildnachweis wird schnell deutlich, dass viele der im Buch befindlichen Aufnahmen direkt aus den Archiven von Alfa Romeo standen und so einen hohen dokumentarischen Wert haben. Auch in der folgenden Danksagung des Autors findet sich der Hinweis auf beeindruckende Bereitschaft von Alfa Romeo, sich an diesem Buch unmittelbar zu beteiligen. Auch das Vorwort macht nochmals deutlich, dass dieses Buch ohne die Hilfe von Dr. Marco Fazio und dem Alfa Romeo Automobilismo Storico, Centro Documentazione nicht hätte realisiert werden können.
Schließlich blickt eine kurze, textliche Einleitung auf die Baureihe Tipo 105, die im Jahr 1962 mit der Giulia TI zum ersten Mal vorgestellt wurde. Sie wurde für Alfa Romeo zu einem nachhaltigen Erfolg und auch heute sind viele dieser Modelle noch in pflegenden Händen.

Der Mechanismus für die Scheinwerfer war besonders.

Das erste Modell, welches in der Ahnenreihe des im Buch behandelten Montreal steht ist der Alfa Romeo Prototipo di Expo 67. Zur Weltausstellung, die im besagten Jahr 1967 im kanadischen Montreal stattfand, wollte Alfa Romeo eine Studie präsentieren, welche auf Basis der technischen Komponenten des Tipo 105 aufgebaut war. Die ersten Entwürfe zu dieser Studie wurde von Marcelo Gandini angefertigt, der damals bei der Carrozzeria Bertone beschäftigt war. Nachdem der betont sportliche Entwurf abgesegnet wurde, wurden bei Bertone zwei Modelle des neuen Prototypen gebaut. Hierzu liefert das Buch dann eine Vielzahl an zeitgenössischen Aufnahmen, die das Fahrzeug zunächst auf dem Hof von Bertone zeigen, dann auch außerhalb des Werkes und auch einige Studioaufnahmen finden sich wieder. Hierbei kann man die Studie intensiv von allen Seiten betrachten und zudem gewährt das Buch auch einen Blick auf das Interior und auch einige technische Details werden abgebildet. Hierzu liefern kurze Bildunterschriften noch weiterführende Informationen. Der Fokus liegt aber eindeutig auf den begeisternden Aufnahmen. Auch der Transport zur Weltausstellung nach Kanada ist mit vielen Aufnahmen dokumentiert. Schließlich findet sich auch noch ein Foto von der Expo und eines nach der Wiederkehr nach Italien wieder. Tatsächlich führte Alfa Romeo nach der Rückkehr Testfahrten mit dem Prototypen durch und montierte hierzu auch andere Felgen.

Erste Fahrten mit den Vertretern der Presse wurden ebenfalls dokumentiert.

In einem weiteren Schritt entschied sich Alfa Romeo nach der positiven Resonanz auf die Studie in Montreal dazu, dieses Modell in die Wirklichkeit umzusetzen. Hierzu fertigen sie dann noch Prototypen an, welche die Entwicklungsarbeit leisten mussten. Auch der Name stand durch den Erfolg auf der Messe fest und fortan war das noch zukünftige Modell als Montreal bekannt. In erneuten Skizzen wurde einige Details geändert, die aber nicht allesamt umgesetzt wurden. Technisch entschloss man sich bei Alfa Romeo aber schnell dazu, dass der Motor aus der Giulia für den Montreal nicht ausreichen dürfte. So wollte man in jedem Fall einen V8-Motor installieren, der für den Montreal komplett neu konstruiert wurde. Statt dem im Tipo 33 verwendete 2-Liter-Motor verfügte das neue Aggregat über einen Hubraum von 2593 ccm. Im Bild findet man dann auch einen der ersten Motorblöcke.
Für die Testfahrten wurde der Montreal noch aufwendig getarnt, wie auch hier wieder tolle zeitgenössisches Aufnahmen zeigen. Die Aufnahmen stammen von Pressefotografen, welche die Testfahrten in Balocco im Frühjahr und Sommer 1969 verfolgten.

Ein Fahrzeug des Montreal wurde sogar im Motorsport eingesetzt.

Auf dem Genfer Salon 1970 war es schließlich soweit und der Alfa Romeo Montreal feierte seine Weltpremiere. Hierzu gelang es den Italienern zwei Fahrzeuge in einer Vor-Produktion fertig zu stellen. Ein Montreal diente der Präsentation auf dem Messestand, während der zweite als Demonstrations-Fahrzeug für die Presse gedacht war. Ein Montreal war in Grün Metallic lackiert, während der zweite Orange war. Natürlich war Alfa Romeo auch stolz auf den neuen Motor und stellte hier gleich neben den Montreal auch den Motor auf der Messe aus. Nicht alle Details entsprachen der späteren Serie, wie auch eine gewissenhaft ausgeführte Liste verdeutlicht. Anhand der vielen Aufnahmen kann man die Unterschiede zudem sehr gut in Augenschein nehmen. Die Bild-Dokumentation des beiden Vorserien-Modelle erstreckt sich auf über 130 Seiten und wirklich kein Detail bleibt hier verborgen.
Erst im Mai 1971 wurde der Montreal dann schließlich offiziell der Press in Balocco vorgestellt und die Serienproduktion war angelaufen. Auch hierzu finden sich noch zahlreiche Aufnahmen im Buch wieder, welche dem damaligen Zeitgeist entsprechen.
Auch die Motorsport-Fans kommen auf ihre Kosten, denn der einzige Montreal mit der Chassis-Nr. AR1425230 wurde von Autodelta für den Einsatz in der Gruppe 4 umgebaut. Die gesamte Geschichte dieses Rennwagen bis zu seinen letzten Renneinsätzen in den USA wird textlich und natürlich auch fotografisch dokumentiert.
Zum Abschuss listet das Buch noch die Produktionszahlen des Montreal auf, die am Ende wohl doch nicht den Erwartungen von Alfa Romeo entsprachen.

Fazit: Das Buch zum Montreal, ohne Frage das hochstrebenste Derivat der Tipo 105-Modelle, liefert vor allem einen tiefen Blick in die Archive von Alfa Romeo. Neben der textlichen Aufarbeitung der Geschichte und der Entwicklung des Modell von der Studie bis zur Serie, stehen in dem Buch vor allem die vielen zeitgenössischen Fotos in verdienten Mittelpunkt. Viele von diesen wurde vorher noch nie veröffentlicht und sind so für die Alfisti umso wertvoller. Neben der Studie für die Expo in Montreal stehen auch die zwei Vorserien-Modelle im Fokus, die noch leichte Unterschiede in einigen Details zur letztendlichen Serienproduktion aufzeigten. Das auch noch das besondere Fahrzeug, welches zum Einsatz im Motorsport umgebaut wurde Erwähnung findet, rundet den Titel dann perfekt ab.
Für recht selbstbewusst eingepreiste 69 Euro bekommt der Käufer eine einmalige Dokumentation über eines des spannendsten Modelle von Alfa Romeo und zugleich eine unverzichtbares Standardwerk.

Bibliografie:
Titel: Alfa Romeo Montreal
Autor: Patrick Dasse
Umfang: 264 Seiten, 187 Schwarz-Weiß- und 67 Farb-Photos
Format: 257 x 229 mm
Sprache: Englisch, Deutsch
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 08/2018
Preis: 69 €
ISBN-Nr.: 978-3-87166-157-0
Bestellbar beim Verlag unter: www.dingwort-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Greg Keysar ©2015 Courtesy of RM Sotheby’s, Dingwort Verlag, Marco Rassfeld

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