Buch – Damals

Als Sex noch sicher und die Formel 1 gefährlich war, so der vielsagende Untertitel für ein neues Buch der österreichischen Motorsport-Journalisten-Legende Helmut Zwickl. Der Vertrieb für Deutschland hat nun der Motorbuch Verlag aus Stuttgart übernommen, ursprünglich stammt das Buch von der Wiener gefco Verlagsgesellschaft. In jedem Fall scheint die Kombination von Autor und Titel eine spannende Basis zu sein.

Im kleinen Format mit großartigen Bild kommt das Buch daher.

Das Buch ist kompakt ausgeführt und entspricht so in der Aufmachung fast einem klassischen Roman. Ausgeführt ist das Buch aber mit Hardcover und Schutzumschlag, welches dann wieder eher einem Fachbuch entspricht. Auf dem Titel findet sich eines der bekanntesten Bilder der Motorsport-Geschichte wieder. Die Aufnahme von Julius Weitmann zeigt den Unfall von Hans Herrmann aus der AVUS, bei dem er aus dem Auto geschleudert wurde und dem Wrack hinterherschaut. Eine erstklassige Wahl für ein Buch, welches auf die spannendsten Geschichten des Motorsports zurückblickt.
Als erstes gelangt man nach dem Aufschlagen schnell zum Inhaltsverzechnis, in dem die Struktur vom Buch deutlich wird. So erzählt das Buch in insgesamt 18 Episoden unterschiedliche Geschichte aus der langen Tradition des Motorsports. Schon hier lassen sich viele berühmte Namen entdecken; zum Beispiel Moss, Trips, Chapman oder Berger.

Immer wieder zeigen ausgewählte Bilder einen Blick in die Vergangenheit.

Nach dem bekannten Zitat von Juan Manuel Fangio „Rennfahren heißt leben. Jene, die starben wussten intensiver zu leben.“ folgt noch die Widmung des Autors, der seinen Einstieg in die internationale Motorsportszene Card Barry zu verdanken hat. Das Vorwort bringt dann eine erste Erinnerung an damals zum Vorschein und vergleicht die Vergangenheit ein erstes Mal mit der Gegenwart und den unterschiedlichen Faszination, welche die Formel 1 gestern und heute ausstrahlten bzw. ausstrahlen.
Der Brief an Trips ist dann das erste Kapitel vom Buch und zugleich die erste Berührung des Autors mit den großen Namen der Formel 1. So schrieb Zwickl im Jahr 1960 einen Brief mit einigen Fragen an den Rennfahrer Wolfgang von Trips, als er am Anfang seiner journalistischen Laufbahn stand. Tatsächlich bekam er zwei Wochen später eine Antwort mit einem Foto inklusive einer Widmung. Damals konnte man sich auch noch sicher sein, dass der Brief auch von Adressierten persönlich gelesen und beantwortet wurde. Diese scheint heute natürlich absolut unmöglich und sorgte damals auch für eine unmittelbare Nähe zu den Idolen.

Bei einigen Bildern wirkt es so, als stammen diese aus einem Familienalbum..

Auf seinem 70. Geburtstag wurde Zwickl dann von einem international anerkannten Rennfahrer-Ass überrascht. So betraten als Überraschung plötzlich Stirling Moss mit seiner Frau Susie den Saal in dem Zwickl feierte. Entgegen der üblich notwendigen Gage für solche Auftritte verzichtete das Paar bei diesem Anlass darauf, was auch für Zwickl ein besonderes Geschenk war. Schon während seiner ersten Formel 1-Saison, die Zwickl als Journalist begleitete lernte er Moss kennen und erzählt hier die ein oder andere Interessante Anekdote. Neben den sehr unterhaltsam zu lesenden Texten finden sich auch immer wieder Bilder zu unterschiedlichsten Szenen wieder. Diese sind allesamt schwarz-weiß abgebildet und ermöglichen so eine reduzierte Umsetzung. Manche Abbildungen sind hierbei leider sehr dunkel abgebildet und erschweren so das Erkennen von Details.
Einen Überblick über die Unterschiede der Formel 1 heute und gestern erhält der Leser dann im folgenden Kapitel mit dem Namen Zwischen Bastlertum und Computer. Schon dieser Titel lässt die Verhältnisse erahnen welche Unterschiede es gab. Wo damals noch eine gute Idee eines Einzelnen für einen Vorsprung sorgen konnte, leisten heute viele Köpfe viel Detail-Arbeit um die letzten Zehntel-Sekunden zu finden.

Ein Foto bei sich Nigel Mansell im Garten von Helmut Zwickl ausruht,
stellt eine Besonderheit dar.

Es folgt er Rückblick auf einen Roadtrip, den Zwickl gemeinsam mit Curd Barry, Udo Pöschmann und Jochen Rindt im Jahr 1963 antreten sollten. Mit einem Jaguar E-Type und einem Ferrari 250 GT 2+2 traten die vier einen Reise nach Monaco an, wo Barry und Rindt bei Formel Junior-Grand Prix antreten sollten. Damals erfolgte die Anreise der Fahrer teilweise noch auf eigener Achse – heute ebenfalls undenkbar!
Viele tolle Erinnerungen an die Vergangenheit in der Formel 1-Szene finden sich auch im weiteren Verlauf des Buches wieder und bieten dem Leser eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit. So erlebt man einen Flug mir Niki Lauda, bekommt die Karriere von Nigel Mansell dargelegt und auch der Unfall der zum Tod von Jochen Rindt führte, wird aus erster Hand nacherzählt. Viele der Texte vermitteln extrem nahe Eindrücke und bringen dem Leser die damals noch offene Formel 1-Szene nah. Fehlen darf natürlich auch nicht einen weiterer, österreichische Rennfahrer – Gerhard Berger der auch als Teamkollege von Ayrton Senna viel erlebt hat. Auch Ferrari und Michael Schumacher werden berücksichtigt ehe im letzten Kapitel weitere, wichtige Weggefährten von Zwickl vorgestellt werden und zugleich auch einige der wichtigsten Fotografen der Formel 1-Szene vorgestellt werden.

Fazit: Ein Streifzug durch die Formel 1-Geschicbte bietet viele interessante Storys. Helmut Zwickl ist einer der Journalisten, welche den meisten Grand Prix’s beiwohnten und somit eine passende Wahl für die Erzählungen. Nachdem er mehr als 560 Grand Prix‘ besucht hat, bekam er gar einen Honorary Member-Pass der FIA. Über diesen verfügen nur sechs Menschen überhaupt! Zwickl erzählt viele Geschichten aus unterschiedlichsten Zeiten der Formel 1 von den 60 Jahren bis in die 2000er. Eine erstaunliche Bandbreite, bei der vermutlich die Auswahl der einzelnen Geschichten schwer gefallen sein dürfte. Ausnahmslos jedes Kapitel ist im Buch sehr lesenswert und der Leser bekommt einen sehr nahen Eindruck der beschriebenen Szenen. Unterstützend finden sich ein paar Bilder wieder, die leider des Öfteren sehr dunkel erscheinen.
Zum Preis von unter 25 Euro ist das Buch ein Muss für jeden Formel 1-Fan, denn die Geschichten von Zwickl zeugen auch von der stetigen Entwicklung der Szene. Grandioser Lesestoff!

Bibliografie:
Titel: Damals – Als Sex noch sicher und die Formel 1 gefährlich war
Autor: Helmut Zwickl
Umfang: 176 Seiten, 47 s/w Bilder
Format: 145 x 215 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 01/2019
Preis: 24,90 €
ISBN: 978-3-613-30899-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.motorbuch.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Julius Weitmann, Marco Rassfeld