Buch – Das Puch-Automobil-Buch

Die Automobil-Industrie in Österreich hat eine heute sicher kaum zu glaubende, interessante Vergangenheit und wenn, dann kann man sich eventuell noch an die Modelle von Puch erinnern. Die durchgeführten, technischen Anpassungen an die besonderen Verhältnisse in der Alpenrepublik sorgten für besondere Fahrzeuge, welche nun in einem aktualisierten Buch aus dem Weishaupt Verlag dem Leser präsentiert werden.

Gleich drei Modelle aus der Geschichte von Puch finden sich auf dem Titel wieder

Das Buch kommt in klassischen Hochformat daher und ist von der Größe her eigentlich nicht ungewöhnlich ausgeführt. Aber der Titel ist durch seine hohe Seitenanzahl wirklich dick und kann daher mit einem beeindruckenden Gewicht von 2,5 kg für Aufmerksamkeit sorgen. Dazu kommt eine spannende gestaltete Titelseite, auf der sich gleich drei Automobile aus der Produktion der Österreicher befinden. Neben einem Modell aus den Anfangsjahren zeigt sich ein Steyr-Puch 500 und ein Steyr-Puch Pinzgauer, welcher zugleich das letzte eigene Modell war, welches im Werk Zwei in Graz produziert wurde. Platziert sind die Modelle auf einem schlichten Dunkelgrün-Schwarz-Verlauf, welcher sich über die gesamte Außenflächen zieht. Auf der Rückseite findet der interessierte Leser dann noch einen Klappentext der sofort offenlegt, dass es sich beim Buch um eine umfassende Überarbeitung eines 30 Jahren alten Werkes handelt. Der Autor wird in diesem Rahmen ebenfalls noch vorgestellt und zeigt sich dazu passend auf einem Bild mit dem ersten Puch-Automobil, einem Voiturette.

Die Grundlage für den Erfolg lieferten wie bei vielen Automobil-Hersteller Fahrräder.

Wenn man das Inhaltsverzeichnis dann aufschlägt, kann man schnell die umfangreiche Dokumentation ausmachen, welche sich in diesem Buch wiederfindet. So folgen zunächst mehrer Vorworte, die ersten zwei aus der Feder des Autors zum ersten Buch aus dem Jahr 1990 und zur nun in der Hand befindlichen Neuauflage. Im dritten Vorwort blickt dann Obering. Johann Véghely-Puch auf die erfolgreichen Zeiten der Kleinwagen-Produktion und auch dessen Einsätze im Motorsport zurück. Bis heute beschäftigt den Nachfahren des Unternehmensgründers die Frage, warum man nach einen solch erfolgreichen Modell keinen Nachfolger anbot und die zufriedenen Kunden bereitwillig der Konkurrenz überließ. In seiner damaligen Funktion als Kundendienstleiter war der Obering. Johann Véghely-Puch schließlich unmittelbar am Kunden und konnte die Entscheidung damals wie heute nicht nachvollziehen.
Mit der Überschrift Johann Puch und sein Werk startet dass Buch dann zunächst noch mit einer Art Einleitung, welche zurückblickt auf die Entstehung der Firma und seinen Firmengründer. So erfährt man den Werdegang von Johann Puch, der 1889 seine Firma gründete mit dem Ziel Fahrräder herzustellen. Auch die weitere Unternehmensgeschichte kann man hier schonmal vorab und komprimiert lesen.

In den Anfangsjahren des Automobils konnten die Puch-Modelle schnell überzeugen.

Teil I – Puch-Automobile 1900-1928 lautete dann die große Überschrift zu der Betrachtung der ersten Produktion von Automobilen durch Puch. Die durchaus recht untriebige Szene brachte auch in Österreich einige Fabrikanten hervor, die in die Automobil-Produktion einstiegen. Schließlich sah man hier oftmals die Zukunft und zugleich natürlich auch die Möglichkeit ein solides Unternehmen aufbauen zu können. So waren Hersteller wie Graziosa oder Kronos in unmittelbaren Grazer Einzugsgebiet aktiv und viele weitere Hersteller waren mit Generalvertretungen hier ebenfalls vertreten. Johann Puch inszenierte währenddessen die Jungfernfahrt seines ersten Automobils und fand dadurch auch ein großes Medienecho. Im Text des gesamten Buches finden sich immer wieder passende, zeitgenössisches Berichte aus diversen Medien wieder, welche einen ungeschminkten Eindruck auf die damaligen Sicht zulässt. Ein echter Schatz und natürlich gleichfalls eine herausragend gut recherchierte Basis für ein Buch wie dieses. Nach und nach steigt auch die Anzahl der Abbildungen, die sich im Buch befinden welche die Modells oder auch technische Details zeigen. Hier wurde scheinbar mit viel Bedacht auf die Qualität geachtet, denn die Abbildungsgrößen unterschieden sich nach derer. So werden verpixelte Bilder vermieden und der Eindruck der Bilder ist durchgehend gut. Auch einige Blicke in die Produktion, interne Notizen oder Anzeigen finden sich noch wieder. Jahr für Jahr werden die Entwicklungen dargelegt und man kann diese somit sehr gut verfolgen.

Das erfolgreichste Modell war der Steyr-Puch 500 und seine weiteren Entwicklungen.

Die Produktion kam nach den Wirren des ersten Weltkrieges zunächst zum erliegen und so findet man in folgenden Teil II die Puch-Automobile ab 1957 wieder. Nachdem man 1928 mit Austro-Daimler fusionierte, folgte 1934 eine erneute Fusion mit der Steyr-Werke AG. Fortan nannten man sich dann Steyr-Damiler-Puch AG und war in Österreich ein beeindruckend großer Hersteller, nicht nur von Automobilen. Nach den zweiten Weltkrieg, der eine schnelle Entwicklung unmöglich machte, folgte erst in den 50er Jahre ein neuer Gedanke an eine Automobil-Produktion. Hierzu wurden 1954 erste Prototypen für einen Kleinwagen realisiert, aber die Kosten ein vollkommen eigenständiges Automobil umzusetzen verhinderten dessen Realisierung. Vielmehr griff man durch die gute Beziehung zu Fiat auf dass Modell 500 zurück. Dieses wurde mit dem eigens entwickelten Motor versehen und so entstand der Steyr-Puch 500, Modell Fiat, welcher ab 1957 angeboten wurde. Neben dem Motor überarbeitete Puch aber auch das Fahrwerk und konnte so den kleinen Wagen an die besonderen Verhältnisse in Österreich anpassen. Wieder finden sich hier auch Presse-Berichte, die eine hohe Anerkennung für den kleinen Wagen wiedergeben und auch die Kundschaft nahm den Wagen schnell an. Immerhin bis 1974 wurde das Modell produziert, hierbei aber immer wieder weiterentwickelt, was durch die chronologische Reihenfolge der Ereignisse sehr gut nachvollzogen werden kann. Mit dem Steyr-Puch 700 hatte man auch einen Kombi oder Lieferwagen im Angebot, welches natürlich auch nicht fehlen darf.

Mit dem Haflinger konnte man durch nix aufgehalten werden.

Parallel zum Kleinwagen wurde bei Puch aber noch eine weiteres, ganz besonderes Automobil gebaut – der Haflinger. Dieser keinesfalls große Wagen konnte durch seinen uneingeschränkte Geländeeigenschaften in jedem beliebigen Ort bewegt werden. Kein Hindernis schien zu groß zu sein. Die technische Basis wird im Buch hierzu auf unglaublich tiefgreifende Art und Weise wiedergeben und auch die Eindrücke der Presse fehlen natürlich nicht. Das Modell sorgte abermals für Aufsehen und wurde von einem größeren Nachfolge-Modell für viele noch übertroffen. Mit dem Pinzgauer strebte Puch nicht weniger an, als das geländegängiste Radfahrzeug der Welt zu bauen. Auch dieser konnte in diesem Punkt beeindrucken und wurde so vor allem im harten Einsatz bei Militär sehr geschätzt. Bis 1990 lief dessen Produktion und somit war der Pinzgauter zugleich das letzte hergestellte Steyr-Puch-Modell bis heute.
Teil III – Kooperationsprodukte, Engineering und Komponentenbau blickt dann noch auf die Zeit nach dem Pinzgauer bis heute, denn immer noch werden in Graz Automobile produziert, bei denen es sich aber ausnahmslos um Auftragsarbeiten handelt. Am bekannteste ist hier sicher der Puch G, hierzulande besser bekannt aus Mercedes-Benz G-Klasse. Dieser Geländewagen wurde gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelt und sorgte auch für die Expertise im Hinblick auf Allrad-Fahrzeuge. Welche weiteren Modelle noch in Graz entstanden sind findet der Leser natürlich auch noch im Buch wieder.

Fazit: Das Buch über die Automobile von Puch kann in allen Punkten überzeugen. Die akribische Aufarbeitung der Geschichte sorgt für eine ungemein hohe Authentizität und kann begeistern. Sicher werden viele Leser vor allem bei den Modellen der Vorkriegszeit noch einige unbekannte Fahrzeuge entdecken, aber auch die Fiat-Derivate oder die Geländekraxler Haflinger und Pinzauger sind echte automobile Leckerbissen. Die Darstellung ist absolut komplett und liefert neben umfassenden Texten mit vielen zeitgenössischen Berichten und Eindrücken auch alle technische Daten und die Produktionszahlen. Dazu kommt noch eine gut umgesetzte Bebilderung, welche alle Modelle aufzeigt und auch viele Details zu Tage bringt.
Zum Preis von 56 Euro sollten alle Automobil-Interessierte in jedem Fall zuschlagen, denn eine bessere Umsetzung einer Unternehmensgeschichte scheint kaum möglich und dem Autor gebührt echter Respekt.

Bibliografie:
Titel: Das PUCH-Automobil-Buch
Autor: Friedrich F. Ehn
Umfang: 448 Seiten, 550 Abbildungen
Format: 225 x 265 mm
Bindung: gebunden
Auflage: 05/2018
Preis: 56,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-7059-0524-5
Bestellbar beim Verlag unter: www.weishaupt.at

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Bonhams, Marco Rassfeld