Comic – Michel Vaillant – Vergessene Siege

Der deutsche Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag aus Berlin sorgt kontinuierlich für die Komplettierung einer Comic-Legende. Der französische Held Michel Vaillant ist aktuell in einer neuen Serie unterwegs, aber auch die alten Titel werden nach und nach wiederveröffentlicht. Das Band 60 mit dem Titel Vergessene Siege stellt dabei ein ganz besonderes dar.

Die Vielfalt zeigt sich schon auf dem Titel.

Schon auf dem Titelbild kann man erkennen, dass sich in diesem Band viele verschiedene Gefährte befinden, die sich in unterschiedlichsten Rennen bewegen. Schon zu Beginn findet man die Notizen zu diesem Band, welche dann schnell offenlegen, dass die sechs enthaltenen Geschichten schon bei der Erstveröffentlichung alte Bekannte waren. Im Jahr 1997 wurde der Band in dieser Zusammensetzung erstmals herausgebracht und durch den krankheitsbedingten Ausfall von Jean Graton sah sich der Verlag gezwungen diese Notlösung zu veröffentlichen. Man griff, wie schon erwähnt, auf einige kleine Kurzgeschichten zurück die schon vorher veröffentlicht wurden. Diese stammen aus den frühen 70er Jahren und liefern einen umfassenden Blick auf verschiedenste Rennserien. Eine kurze Erläuterung zu jeder Kurzgeschichte findet sich dann vor dem Beginn der entsprechenden Geschichte wieder und liefert weitere Details zu der Erstveröffentlichung und den Hintergründen.

Steve pflückt hier sogar Blumen …

Zolder – so der Titel zur ersten Story, welche gleichfalls schon den Ort offenlegt an der die Story spielt. Hier wird ein Formel 2-Rennen zum Schauplatz einer durchaus überraschenden Story. Vaillante möchte in der kommenden Saison in diese Rennserie einsteigen und steht mit einem Versuchswagen am Start, bei dem Michel Vaillant am Steuer sitzt. Natürlich erwarten die Fans ein Menge von ihrem Idol, doch das Ziel ist keinesfalls der Sieg. Vielmehr will man Erfahrung sammeln und den Wagen auf keinen Fall überstrapazieren. Ungewöhnlich ist dabei, dass auch Françoise auf der Rennstrecke auftaucht, aber Michel weiß warum und gibt alles …
Ein Rennen für eine Margerite stellt dann die klassischen Stockcar-Rennen in den USA in den Mittelpunkt. Steve Warson ist hier in seinem Element und das Comic kann mit vielen, actionreichen Szenen glänzen. Das Ende ist dann vom Rennverlauf nicht glücklich, aber dafür in einem anderen Fall …

Eine Speerboot-Rennen auf der Seine scheint verrückt, war aber Realität.

Sie kamen aus dem Osten … lautet dann die Überschrift zur dritten Geschichte. Hierbei ergibt sich Michel auf der Durchreise nach Grenoble die Chance ein Eis-Speedway-Rennen zu besuchen. Hier gibt sich die internationale Elite die Klinke in die Hand und tritt in Nationalteams gegeneinander an. Hier sind vor allem die Russen eine Macht und ein Fahrer beobachtet Michel sehr genau. Er scheint ihn zu kennen und dieses wird auch schnell aufgedeckt. Beeindruckend sind hier die Fahraufnahmen, welche den Leser direkt hinter den Lenker eines Motorrads führt und wiederholt ist das Ende dramatisch …
In der Hölle der „6 Stunden“ begeben sich Michel und Steve dann schließlich auf’s Wasser. Beim unglaublichen 6 Stunden Rennen auf der Seine in Paris treten beide Rennfahrer in einem Renn-Katamaran gegen die etablierte Konkurrenz an. Das Rennen bietet viel Action und fand auch im echten Leben statt, heute umvorstellbar! Auch für Michel und Steve endet das Rennen nicht wie vorgesehen, aber am Ende mit einer kleinen Überraschung …

Auch Dragster sind nicht die üblichen Rennwagen bei Michel Vaillant.

Brands Hatch ist dann der Ort der nächsten Geschichte welche den Kampf um 1/10 beschreibt. Beim Training zum Formel 1-Rennen ist Jackie Stewart auf seinem March die beste Zeit gefahren und Michel möchte in entscheidenden Qualifying unbedingt besser sein. Die kurze Geschichte zeigt den Druck, welche die Fahrer und auch die Teams in der Formel 1 ausgesetzt sind. Das Ziel ist das Erreichen der Pole Position und tatsächlich gelingt es Michel schließlich die Bestzeit zu unterbieten, aber diess hält nur sehr kurzfristig …
Steve Warson ist den bekennenden Lesern der Michel Vaillant-Reihe ein bekannter Frauenheld. Bei Ich mag nur Dragster! gibt er erneut sein bestes um einer Frau zu gefallen. Er kann es hierbei nicht nachvollziehen, dass eine angesehenen Rennfahrer nicht so wahrgenommen wird. Da Top Fuel-Dragster die Motorsportklasse der Wahl der Dame sind, setzt sich Steve gar mit diesen Monstern auseinander. Dies endet wieder in actionreichen Szenen und einen ebenso unerwarteten wie lustigen Ende …

Fazit: Die Vielfalt ist die große Stärke dieses sehr kurzweiligen Michel Vaillant-Bandes. So kann man gleich sechs unterschiedlichen Rennserie auf zwei oder vier Rädern und sogar auf dem Wasser entdecken. Dazu sind die Geschichten auch recht unterschiedlich und oftmals erstaunlich lustig, welches nicht unbedingt das übliche Merkmal der Comicreihe ist. Auch dies stellt das Band heraus und macht es auch für andere Leser sicher interessant.

Bibliografie:
Titel: Michel Vaillant – Vergessene Siege
Autor und Zeichner: Phillipe & Jean Graton
Umfang: 48 Seiten
Format: 220 x 295 mm
Preis: € 13,00
ISBN: 978-3-86462-153-6
Bestellbar beim Verlag unter: https://shop.mosaik.eu/

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Mosaik, Marco Rassfeld