Buch – Sharknose // V6

Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP – bei diesen Rennmodellen wird der Kenner der Historie der italienischen Rennwagen aufhorchen. Denn, die besser unter den Spitznamen Sharknose bekannten Modelle waren auf der Rennstrecke eine echte Überraschung. Sie waren gleichfalls in vielen Erfolgen und auch in verheerenden Katastrophen verwickelt. McKlein Publishing widmet der Rennwagen nun ein eigenes Buch …

Das große Buch kommt mit einer gelungenen Aufmachung in einem tollen Schuber daher.

Das Buch selbst kommt im großen, quadratischen Format daher und macht damit sofort Eindruck. Die hochwertige Ausführung des Titels wird durch einen stabilen Schuber unterstrichen. Als optischer Aufmacher macht die charakterístische Front im knalligem Rot auf einem schwarzen Hintergrund die Präsentation nahezu perfekt. Das hierbei statt einem normalen Bild eine stilisierte Darstellung mit Rasterpunkten genutzt wird, macht das Motiv noch interessanter. Natürlich findet sich auch noch der Buchtitel, die verantwortlichen Personen und der Verlag wieder. Das Buch ist somit ein echter Hingucker und macht schon von außen wirklich Freude. Auf der Rückseite vom Schuber findet sich noch eine zeitgenössische Rennszene mit dem Sharknose wieder, in einer recht ungewöhnlichen Perspektive der Draufsicht. Die passende Tricolore ist ein weiteres Detail, welches auf der Rückseite des Schubers wiederfindet und auch bei eigentlich Buch lässt sich die italienische Fahne hier wiederfinden. Dazu findet man hier den Klappentext, der sowohl in Deutsch als auch in Englisch ausgeführt wurde. Dies gilt logischerweise für das komplette Buch. Zudem findet sich eine Abbildung des Sportwagen-Derivates des Sharknose hier wieder, während auf dem Titel des Buches ein Formel-Wagen seine Runden ziehen darf. Beide Aufnahmen sind dabei zeitgenössisch. Sicher ist aber hierdurch, dass jeder der dieses Werk in Händen halten wird schon auf dem ersten Blick beeindruckt sein wird!

Die Sharknose-Rennwagen sollten die Formel 1-Weltmeisterschaft 1961 beherrschen.

Beim Aufschlagen bekommt man dann gleich im Vorsatz zwei weitere Bilder präsentiert, die sich nur angedeutet auf einem roten Hintergrund zeigen. Die selben Abbildungen nutzt auch der Nachsatz zum Ende des Buches. Da ein Großteil der Bilder vom Franzosen Bernard Cahier stammen, findet sich dieser nebst seinem Sohn auch im Bild wieder, als kleine Danksagung für die Unterstützung bei der Auswahl der Bilder. Im folgenden Vorwort blickt dann Mauro Forghieri zurück auf die Zeit mit dem Sharknose-Ferrari, welche er zunächst als Ingenieur und später als Rennleiter aus nächster Nähe mit beeinflusst hat. Ein weiteres Vorwort stammt dann vom Journalisten Helmut Zwickl, der ebenfalls durch seinen Beruf diese Zeit aktiv miterleben konnte. Wie bildgewaltig die Darstellung sein kann, wird schon bei diesem Einstieg, auch inklusive des folgenden Inhaltsverzeichnisses, klar. Denn jeweils die linke Seite gebührt einer großen Abbildung eines Fahrzeuges, welche durch eine Bildunterschrift um weitere, wertvolle Informationen ergänzt wird. Auch hier ist alles zweisprachig und Deutsch und Englisch ausgeführt, was natürlich der möglichen Verbreitungsmöglichkeit geschuldet ist. Alle Texte sind so im Buch zweispaltig ausgeführt und laufen somit auch parallel, so dass gegebenenfalls notwendige Zusammenhänge mit den Bildern erhalten bleiben.

Die Bebilderung zeigt viele Rennszene in tollen Aufnahmen.

Es folgt als erstes noch ein Prolog, welches auf die Umstände zur Entstehung des Sharknose eingeht. So wurde 1958 verkündet, dass sich das Reglement der Formel 1 ab 1961 grundlegend ändern wird. Ab diesem Jahr wird der Hubraum auf 1,5 Liter begrenzt, welches in Vorfeld durch ein Abstimmung beschlossen wurde. Interessant ist, dass es sich hierbei um die englischen und italienischen Vertreter handelte, welche gegen die Entscheidung stimmten. Gleichwohl machte sich Carlo Chiti unmittelbar ans Werk und erste Erfolge konnte Wolfgang Graf Berghe von Trips schon 1960 feiern, wo er mit dem 156 F2 auf der Solitude nahe Stuttgart und auch beim Gran Premio di Siracusa den Sieg feiern konnte. Die Modelle hatten noch nicht die namensgebende Front, aber konnte auf jeden Fall schnell überzeugen. Und das auch gegen den ursprünglichen Gedanken von Enzo Ferrari, dass ein Motor vorne platziert sein müsse. Die Konstruktion als Mittelmotor bot diverse Vorteile und war auch notwendig um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen. Des Weiteren findet sich im Prolog auch die Geschichte der Motor-Entwicklung und dem erstaunlichen Erfolg der Formel-Rennwagen wieder. Die reiche Bebilderung zeigt dabei ausnahmslos zeitgenössische Aufnahmen, welche auch ein ums andere Mal neben die Ereignisse auf der Rennstrecke blicken.
1960 ist dann das erste Jahr in dem das Buch auf die einzelnen Rennen blickt, bei denen Ferrari mit den 156 angetreten ist. In diesem Jahr fand im Prinzip die Entwicklung auf der Ebene der Formel 2 statt, bei denen sich Ferrari den Vorsprung durch erste Renneinsätze erhoffte. So finden sich zu diesem Jahr dann Reporte zu vier Rennen wieder, welche wieder durch viele Bilder unterstützt werden.

Auch die Sportwagen, welche als erste ihrer Art mit Mittelmotor ausgestattet waren,
fehlen im Buch nicht.

Schon während diese Echt-Testphase konnte die Neukonstruktion überzeugen und sogar Rennen gewinnen. Doch der Auftritt auf der großen Bühne der Formel 1 sollte dann im folgenden Jahr 1961 erfolgen. Logischerweise folgt die Betrachtung dieser Ereignisse im Buch in direktem Anschluss an die Entwicklungsrennen. Ehe aber der Blick auf die einzelnen Rennen fällt, gibt es eine kurze Einleitung. Die Entwicklung konnte nun den neuen V6-Motor mit 120°-Winkel fertigstellen und die Karosserie bekam ihre endgültige Form durch Fantuzzi, nun auch mit der charakteristischen Front. Ein Großteil der Testarbeiten übernahm nach den Testfahrern im übrigen Richie Ginther, der schon über Erfahrung als Mechaniker und Ingenieur verfügte. Bildlich zeigen sich sowohl die Testfahrten als auch die offizielle Präsentation im Februar, wobei hier die Anzahl der Farbaufnahmen merklich steigt. Es folgen dann die Reportagen zu den neun Rennen, bei denen der Ferrari 156 F1 am Start stand. Dabei trat der neue Formel-Rennwagen auch beim Gran Premio di Siracusa und dem Gran Premio di Napoli an, welche nicht zur Weltmeisterschaft zählten. Beide Rennen konnte der italienischer Nachwuchsfahrer Giancarlo Baghetti für sich entscheiden und somit auf sich aufmerksam machen. Dabei nutzt er jeweils auch noch den älteren 90°-Sechszylinder-Motor und war der Konkurrenz trotzdem überlegen. Die Stammfahrer für die Weltmeisterschaft waren Richie Ginther, Phil Hill und Wolfgang von Trips und diese traten auch bei allen sieben Rennen der Saison an, bei denen Ferrari angetreten war. Teilweise bekamen sie Unterstützung durch einen vierten Fahrer, der für die Scuderia antrat. Auch Giancarlo Baghetti konnte noch in drei Rennen der WM an der Start gehen, allerdings nie unter der offiziellen Nennung von Scuderia Ferrari. Der Erfolg stellte sich für die Italiener schnell ein auch wenn das erste Rennen in Monaco noch durch Stirling Moss im Lotus-Climax gewonnen wurde. Bei allen anderen Rennen stand jeweils ein Ferrari-Fahrer auf dem höchsten Treppchen und so konnte man sich sowohl die Konstrukteurs- als auch die Fahrerwertung überlegen sichern. Tragisch war das letzte Rennen für Ferrari in dieser Saison durch den Todesfall des bis dahin WM-Führenden Wolfgang von Trips, dem verwehrt blieb der erste deutsche Formel 1-Weltmeister zu werden. Das letzte Rennen in den USA trat Ferrari dann auch nicht mehr an …

Zu den vielen Menschen rund um den Einsatz der Rennwagen
finden sich interessante Porträts wieder.

1962 waren die 156 F1 ebenfalls noch im Einsatz, aber gegen die nun neuentwickelten Achtzylinder-Motoren der zumeist englischen Konkurrenz war der Sharknose nun chancenlos. Das war auch darin begründet, dass sich bei Ferrari gleiche mehrere Top-Leute mit Enzo Ferrari überwarfen und die Firma verlassen mussten. Die Weiterentwicklung des 156 F1 wurde hierdurch in Mitleidenschaft gezogen, sie fand nur im kleinen Kreis stand. Die zehn Rennen in der der 156 F1 antrat werden im Buch trotzdem mit viel Hingabe dargestellt und zeigen abermals tolle Aufnahme auf und neben der Rennstrecke. In der Weltmeisterschaft war Ferrari kein Sieg mehr vergönnt, so dass am Ende der Saison nur der jeweils sechste Platz in den Meisterschaften erreicht werden konnte.
Neben dem Formel-Rennwagen trat Ferrari in den Jahren 1961 bis 1963 auch bei den Sportwagen mit einer neuen Mittelmotor-Konstruktion an. Der 246 SP wurde im Februar 1961 parallel zum 156 F1 vorgestellt und machte sich an die Wachablösung der frontangetriebenen Testarossa. 1962 kam auch noch der 196 SP dazu um auch in der kleineren Hubraumklasse um den Sieg mitzufahren. Alle Rennen in denen diese optische sehr gelungenen Rennwagen antraten, werden im Buch ebenfalls noch vorgestellt.
Auch danach ist das umfassende Buch noch nicht an Ende angelangt, denn es folgen noch Porträts der Fahrer und der wichtigsten Leute bei Ferrari, welche bei den Sharknose-Einsätzen beteiligt waren. Dann folgen noch die technischen Daten und ein Überblick über alle Ergebnisse, ehe der letzte Blick auf die neu aufgebauten Sharknose-Formel-Rennwagen liegt. Die Originale wurden unmittelbar nach ihren letzten Einsätzen von Ferrari verschrottet.

Fazit: Was für ein Blick auf einige der wichtigsten Rennwagen aus der Historie von Ferrari. Das Buch ist mit der umfassenden Darstellung aller Rennen bei denen die Sharknose-Ferrari antraten umgesetzt. Wobei sich hier jeweils zweisprachig durchaus umfassenden Rennreports wiederfinden lassen, welche durch eine massive Bebilderung unterstützt werden. Die Bilder sind dabei allesamt zeitgenössisch und werden im Buch in einer sehr beeindruckenden Qualität wiedergegeben. Ein Großteil der Bilder ist daher auch Schwarz-Weiß, was die Farbaufnahmen umso interessanter macht. Neben den Rennwagen werden auch die Menschen rund um die Fahrzeuge vorgestellt und runden das Buch damit gut ab.
Zum Preis von knapp 125 Euro erhält man ein sehr hochwertiges und umfassendes Buch über die Formel-Rennwagen und auch die Sportwagen von Ferrari aus den anfangenden 1960er Jahren. Für Fans ist das Buch ein Muss und darf in keiner Ferrari-Sammlung fehlen. Der Preis ist für das Gebotene dabei vollkommen gerechtfertigt.

Bibliografie:
Titel: Sharknose V6 – Ferrari 156, Ferrari 246SP & Ferrari 196SP
Autoren: Jörg-Thomas Födisch, Rainer Rossbach
Umfang: 432 Seiten, ca. 75 Fotos und Grafiken in Farbe und 353 in Schwarzweiß
Format: 290 x 290 mm
Sprachen: Deutsch und Englisch
Bindung: gebunden im Schuber
Auflage: 12/2018
Preis: 124,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-947-15624-5
Bestellbar beim Verlag unter: www.rallyandracing.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: McKlein, Marco Rassfeld