Buch – Automobile der Zukunft

Neue Technologien für das 21. Jahrhundert – der Untertitel unterstreicht den Blick in die Zukunft, welches ein neues Buch aus dem Koehler Verlag bieten möchte. Die Concept Cars sind wie das Salz in der Suppe der großen Automobil-Messen weltweit und mit Ihnen versuchen die Hersteller unter anderem den Geschmack der zukünftigen Kunden zu testen. Dabei entstehen oftmals sehr ausgefallene Automobile, die sich von jeglicher Konvention losgelöst entwicklen konnten …

Ein elegantes Concept Car erzeugt auf dem tollen Titel die notwendige Aufmerksamkeit.

Das Buch kommt im großen Hochformat daher und zeigt auf dem Titel sehr präsent ein Beispiel dieser Zukunfts-Automobile, die im Buch vorgestellt werden. Die Identifikation fällt Kennern vermutlich leicht, aber die Entfernung von Schriftzug im Emblem erhöhen hierbei den Schwierigkeitsgrad. Die Frontalaufnahme zeigt den Lagonda Vision Concept. Dieser war im Jahr 2018 auf dem Genfer Autosalon ein erster Blick auf die Modelle für die Wiederbelebung der alten, englischen Marke, welche schon lange unter der Kontrolle von Aston Martin steht. Da es sich hierbei um ein Pressefoto handelt, wird das Motiv aber gleichfalls den Kennern der Szene bekannt sein. In jedem Fall ist die Gestaltung des Titels hiermit aber sehr gelungen und der partielle Lack auf dem Fahrzeug sorgt dabei für einen weiteren, besonderen Eindruck. Mit dem Klappentext auf der Rückseite folgt ein erster Blick auf die Modelle, welche den Leser erwarten, denn konkret geht es im Buch um die jüngsten Concept Cars, die deutlich andere Voraussetzungen und Zukunftsaussichten haben wie noch vor längerer Zeit. Dazu ist noch eine Zeichnung des Renault EZ-GO Concept abgebildet, welches auch noch den kreativen Prozess der Formschöpfung darstellt. Unter dem Schutzumschlag verzichtet das Buch dann auf den Lack auf dem Titel und die Rückseite kommt schlichter ohne Klappentext und notwendigen Barcode sowie Verlagslogo daher.

Auch viele Zeichnungen finden sich im Buch wieder und verdeutlichen den Entstehungsprozess.

Sowohl der Vor- als auch der Nachsatz zeigen dann abermals eine Zeichnung, diesmal von einem Innenraum eines Concept Cars von Mercedes-Benz. Dieses ist im schlichten Schwarz-Weiß umgesetzt und sorgt somit für einen gelungenen Start. Mit zwei interessanten Schattenmotiven, in denen die Concept Cars nur angedeutet werden, begibt sich der Leser dann in Richtung des Inhaltsverzeichnisses. Hier lässt sich eine Unterteilung in sechs Kapitel entdecken, in denen sich diverse Concept Cars zu bestimmten Themen wieder finden. Doch zunächst folgt noch die Einleitung, in der der Autor auf die wieder aufkommende Elektromobilität eingeht, welche bei vielen der im Buch befindlichen Concept Cars auch berücksichtigt wurde. Dabei war diese Form des Antriebs schon zu Beginn der Automobile eine durchaus anerkannte Antriebsform, welche aber durch die augenscheinliche Vorteile der Verbrennungsmotoren nach und nach zunächst an Bedeutung wieder verlor. Dabei waren die Probleme ähnlich wie heute und thematisierten unter anderen das Gewicht und die Reichweite. Unterstützt wird auch die Einleitung durch Bilder, die im großen Format abgebildet wurden und zum Einen den Blick auf einen kreativen Schreibtisch zulassen und zum Anderen ein gar doppelseitige Zeichnung eines sehr flachen Concept Cars zeigen. Wieder so ein Schattenbild, welches die Hersteller gerne als Teaser nutzen um die Neugier auf die kommenden Neuheiten anzuregen.

Viele extrem sportliche Modelle finden sich auch im Buch wieder und sorgen für Gewissheit, dass die Spezies der Automobile nicht aussterben wird.

Im dann folgenden ersten Kapitel finden sich schon die ersten neun Concept Cars wieder. Mit dem sperrigen Titel Ein elektrisches Gerät besiegelte das Schicksal der Elektroautos für mindestens ein Jahrhundert folgt eine weitere Erläuterung zur Entwicklung der Verbrennungsmotoren. Hierbei war auch der elektrische Anlasser ein entscheidendes Teil, welches die Halter vor der schweren Arbeit des Ankurbeln entband. Welche Flexibilität mit einer durchdachten Elektro-Plattform möglich ist, zeigte General Motors schon 2002 auf der North America International Auto Show in Detroit – damals noch eines der Highlights des Messejahres. Der AUTOnomy brachte die Möglichkeit mit, die Karosserie vollkommen unabhängig vom Chassis zu gestalten, was auch durch den wenig später präsentierten Hy-Wire unterstrichen wurde. War die AUTOnomy noch ein zweisitziger Sportwagen so mutierte dieser zum in Paris vorgestellten Hy-Wire in eine fünfsitzige Luxuslimousine. Beide Modelle basierten auf der gleichen Plattform. Wie vielfältig die Concept Cars sein können zeigen die weiteren acht Modelle von japanischen, französischen, amerikanischen und deutschen Herstellern. Diese führen den Leser chronologisch bis ins Jahr 2011.
Kapitel 2 führt die Leser dann von 2011 bis 2013 und stellt acht Modelle vor. Der vorgelagerte Text informiert den Leser über die Entwicklung der Elektroantriebe Von Sputnik über die Lunar Rover bis hin zu einem Tesla im All. Bei der Vorstellung der einzelnen Modelle liefert der Text im übrigen recht häufig Zitate aus den Pressemitteilungen der Hersteller, so dass man die konkreten Hintergründe aus erster Hand erfährt. Und auch die Vielfalt der Möglichkeiten bleibt erhalten, denn die Spanne führt vom kleinen Audi Urban, über den außergewöhnlichen Honda FCEV bis hin zum sportlichen Rimac Concept_One.

Ein extrem langes Cabriolet ist der Vision Mercedes-Maybach 6 Cabriolet und wirkt in echt einfach beeindruckend.

Neben der Elektromobilität haben viele Hersteller sich auch mit viel Aufwand mit dem autonomen Fahren auseinander gesetzt, welches auch eine Vielzahl der aktuellen Concept Cars belegen. Im Kapitel 3 finden sich hierzu neben dem in China entworfenen Chevrolet FNR auch weitere Modelle wieder, welche ein teil- oder vollautonome Fahrweise ermöglichen. Auch hierbei sind die Ergebnisse vom unspektakulären Nissan IDS bis hin zum extravaganten und heute noch unwirklichen Rolls-Royce Vision Next 100 äußerst verschieden. Aber auch sportliche Modelle wie der Peugeot L500R oder der elegante Renault Trezor finden sich hier wieder.
Die Challenge Bibendum: Hindernisse und Straßensperren überwinden lautet dann die Überschrift zum vierten Kapitel. Die Veranstaltung, welche inzwischen in Movin‘ On unbenannt wurde, sorgte seit seiner Erstausrichtung im Jahr 1998 zu Ehren des Maskottchens von Michelin für viele neue Ansichten zu zukünftigen Mobiltät. Als Fahrzeuge hierzu werden im Buch neun unterschiedliche Konzepten aus den Jahren 2017 und 2018 vorgestellt. Ebenso viele Concept Cars finden sich im anschließenden Kapitel wieder, unter denen man auch das Lagonda Vision Concept vom Titel des Buches wiederfinden kann.

Auch die Globalisierung macht keinesfalls halt und so finden sich auch chinesische Hersteller im Buch wieder.

Das letzte Kapitel geht dann zunächst im Text noch ein wenig auf das Thema Oldtimer ein und stellt dabei die Fragen: Wie steht es mit dem Oldtimern? Werden sie an der Elektrorevolution teilhaben? Hierbei geht der Autor auf die teilweise schon realisierte Elektrifizierung von Oldtimer ein, wobei teilweise der gesamte Antriebsstrang ausgetauscht wird. Ob dies gut für die Erhaltung des Kulturguts Automobil ist darf allerdings bezweifelt werden. Denn schließlich hat jede Zeit seine Besonderheit. Wiederum neun Modelle zeigen die Entwicklung bis ins Jahr 2019 und auch die oftmals schon erwähnte Vielfältigkeit. Neben dem vollautonomen Renault EZ-Ultimo ist eine vollkommen neue Art des unabhängigen Reisens möglich ohne sich mit der Schwierigkeiten des Verkehrs aktiv beschäftigen zu müssen. Mit dem Hyundai Elevate hingegen zeigt sich eine Art Kletter-Fahrzeug, welches auch in schwer zugängliches Terrain vordringen kann und die Schwelle zum Roboter legt. Urbane Mobilität der Zukunft könnte so Aussehen wie der Seat Minimo oder der Citroën Ami One. Der Italdesign DaVinci ist eine sportlich-elegante Limousine, welche zu Ehren des genialen Gelehrten Leonardo da Vinci realisiert wurde. Volkswagen zeigte mit dem ID. Buggy die elektrische Reinkarnation des klassischen Buggy und der Battista von Pininfarina beschließt als extremer Supersportwagen das Buch.

Fazit: Die 51 Concepts Cars, welche im Buch vorgestellt werden zeigen ein großes Spekturm der Modelle aus den vergangenen knapp zwanzig Jahren. Dabei stehen viele Themen schon lange im Mittelpunkt wie alternative Antriebe oder autonomes Fahren. Die Einleitungstexte der Kapitel begleiten die Entwicklung in unterschiedlichen Themen und die Vorstellung der einzelnen Concept Cars erfolgt dann sehr bildgewaltig und liefert viele tolle Motive im großen Format. Die Texte greifen hierbei auf die Hersteller-Informationen zurück und haben hiermit die gleiche Basis wie die Bilder, die fast ausnahmslos von den Hersteller stammen. Leider haben sich bei der Übersetzung doch einige Fehler eingeschlichen, die beim längeren Lesen dann immer mehr stören, wie plötzlich auftauchende englische Texte oder kleinere, aber ärgerliche Fehler.
Der Preis von unter 40 Euro macht den Titel aber durchaus interessant und stellt ein faires Angebot dar. Die einzigartigen Concept Cars sind oftmals gefeierte Messestars, die aber schnell auch wieder verschwinden. Dabei kommen viele interessante Konzepte zum Vorschein die mehr oder weniger real sind. Für Automobil-Fans ein Highlight.

Bibliografie:
Titel: Automobile der Zukunft – Neue Technologien für das 21. Jahrhundert
Autor: Larry Edsall
Umfang: 224 Seiten
Format: 265 x 305 mm
Bindung: Hardcover mit Schutzumschlag
Auflage: 11/2019
Preis: 39,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-7822-1342-4
Beim Verlag unter: http://koehler-mittler-shop.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Peugeot, Koehler Verlag, Marco Rassfeld