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Buch – Gruppe A

Rallye-Wölfe im Schafspelz – die Geschichte der Rallye-Meisterschaften brachte im Laufe der Jahre unterschiedlichste Fahrzeuge an den Start. Dies war selbstverständlich dem entsprechend gültige Reglement geschuldet und hier gab es aus unterschiedlichsten Gründen immer wieder Anpassungen. Bei McKlein Publishing erschien nun ein Buch welches die Ära der Gruppe A von 1978 bis 1996 beschreibt …

Der Lancia Delta konnte die ersten Jahre der Ära der Gruppe A prägen.

Das Buch kommt im großen Hochformat daher und stellt damit ausreichend Platz zur Verfügung um zehn Jahre Revue passieren zu lassen. Natürlich kann man aber keine äußerst detailreiche Aufarbeitung erwarten, dies ist aber auch nicht der Sinn des Titels. Eines der beherrschenden Fahrzeuge der Gruppe A war der Lancia Delta, welche sich in der offiziell letzten Ausbaustufe auf dem Titel zeigt. Mit einem umfassenden Bildarchiv kann McKlein auf eine große Basis zurückgreifen und der scheinbar fliegende Delta ist ein ideales Titel-Motiv. Durch das Archiv konnte man bei der Bilder-Auswahl auch viele Bilder nutzen, die noch nicht sehr geläufig sind und somit auch für eingefleischte Fans noch interessant sein dürften. Eingerahmt wird der Delta auf dem Titel des Buches von den Autoren im oberen Bereich und dem Buchtitel im unteren Bereich. Dazu findet sich auch der passende Untertitel, die entsprechende Zeitspanne und das Verlagslogo wieder. Umfangreicher wird es dann auch der Rückseite, auf der sich neben einem kurzen Klappentext auch eine stattliche Anzahl an Bilder wieder. Hierbei gelingt es das diese Bilder trotz der beschränkten Größe einen guten Überblick über die Epoche der Gruppe A geben. Neben Lancia findet man auch eine große Zahl an weiteren Modellen verschiedener Hersteller, die in der Zeit der Gruppe A aktiv waren. Auch weitere Effekthascherei wie einem partiellen Lack verzichtet das Buch, welches durchaus erfreulich ist und auf keinen Fall vermisst wird.

Die Safari-Rallye war eine der härtesten ihrer Art und hatte vielfach besondere Regeln.

Nach dem Aufschlagen zeigt sich schnell durch das Inhaltsverzeichnis die Struktur des Buches. Neben der reinen Aufarbeitung aller Rallyes finden sich auch noch weitere Themen im Buch wieder. Das Inhaltsverzeichnis und das anschließende Vorwort werden von weiteren Bilder aus dem McKlein-Archiv unterstützt und zeigen auch wiederholt tolle Motive. John Davenport blickt im Vorwort dann auf die plötzliche Beendigung der Gruppe B-Ära zurück, welche die Gruppe A in kurzer Zeit zur Top-Klasse der Rallye-WM werden ließ. Dies sorgte vor allem in den Anfangsjahren für Fahrzeuge, welche das Reglement kaum ausnutzten. Die im Sport aktiven Hersteller hatten sich schließlich auf die Gruppe B und deren geplante Nachfolge-Gruppe S konzentriert. Doch diese Anfangsschwierigkeiten wusste vor allem ein Hersteller optimal zu nutzen und die anderen holten nach und nach auf. So war die Gruppe A eigentlich fast in jedem einzelnen Jahr interessant und die Markenvielfalt sorgte für ebenso interessante Entwicklungen.
Prolog: Die Gruppe A vor 1987 lautet dann die Überschrift zum Kapitel 01 und wirft einen Blick zurück auf die vor 1987 noch kleine Klasse im Rallye-Sport. Denn gemeinsam mit der Gruppe B wurde auch die Gruppe A schon ab 1982 eingeführt. Doch zunächst fand diese Gruppe vor allem im Tourenwagen-Sport großen Anklang, während im Rallye-Sport die spektakuläre Gruppe B für viel Action sorgen sollte. So schaffte es nur ein Gruppe A-Fahrzeug in der Saison 1982 überhaupt in die Top Ten der Ergebnislisten zu landen. Bezeichnenderweise ein Saab 99 Turbo bei der Schweden-Rallye. Doch mit Fiat Volkswagen, Mazda, Alfa Romeo, Renault, Subaru und Audi fanden sich auch schnell verschiedenste Hersteller wieder, so dadurch entstand auch hier schnell eine gute Basis.

Mit der Escort RS Cosworth nutzte Ford die Regeln der Homologation sehr gut aus.

Eine kleine Technik-Kunde zur Gruppe A zeigt dann das folgende Kapitel in Buch. Hier wird alles wissenswerte zur Homologation der Fahrzeuge wiedergegeben. So war die geforderte Stückzahl der Basisfahrzeuge mit 5.000 Exemplaren innerhalb von 12 Monaten durchaus groß und sollte für eine günstigere und wenig spezialisierte Ausgangsbasis sorgen. Diese Zahl wurde ab 1993 um die Hälfte reduziert um weitere Hersteller dieses Reglement schmackhaft zu machen. Auch Evolutionsstufen waren möglich und hier verlangte die Fertigung von 500 bzw. später 250 identischen Fahrzeugen. Obwohl man das Technik-Wettrüsten aus der Gruppe B-Ära untersagen wollte, ließ das Reglement noch ausreichend Platz um Schlupflöcher zu finden. Dies sorgte so im Laufe der Jahre auch immer wieder für Ärger in der Szene, die es zu beseitigen galt. Die FISA wurde beim Wechsel in die Gruppe A von John-Marie Balestre geführt, der ebenso wie der später zuständige FIA-Präsident Max Mosley als sehr einflussreich galt.
Kapitel 03 blickt dann auf die erste Saison 1987 in der die große Zeit der Deltas von Lancia begann. Denn diese sollten in den folgenden sechs (!!!) Jahren ununterbrochen hintereinander für den Gewinn der Hersteller-Weltmeisterschaft sorgen. Dabei sorgte die großzügige Regelauslegung der Italiener schon bei der ersten Rallye in Monte Carlo für Ärger. Neben Lancia war auch Audi und Ford als Mitstreiter aus der Gruppe B-Zeit mit Fahrzeugen am Start, aber der große und behäbige 200 quattro und der Sierra XR 4×4 sowie der Sierra RS Cosworth hatte keine wirklich Chance. Zwar konnte Walter Rührl den Audi noch auf dem dritten Platz ins Ziel bringen, aber die Lancias von Miki Biasion und Juha Kankkunen waren deutlich überlegen. Im übrigen sorgten auch internen Absprache bezüglich der Reihenfolge bei Zieleinlauf noch für weiteren Ärger. Die in diesem Jahr schneereiche Rallye bot tolle Fotomotive, welche sich natürlich auch hier passend zum Text wiederfinden.

Subaru war einer der vielen, japanischer Hersteller, die in der Gruppe A aktiv waren.

Die Vorstellung der einzelnen Rallye-Läufe erfolgt im gesamten Buch textlich kurz aber sehr prägnant und beim Lesen scheint man kaum etwas zu vermissen. Dazu kommen die schon erwähnten herausragenden Bilder, die viele Fahrzeuge in voller Aktion zeigen, aber auch immer wieder auf Szene abseits der Piste blicken. Bei zweiten Lauf der Gruppe A-Ära als Spitzenklasse im Rallye-Sport konnte im übrigen Mazda sich den Sieg sichern. Geschickt hatte man die Optimierungen von Lancia für Monte Carlo abgeguckt. Der 323 4WD war dazu mit einem neuen Turbolader ausgerüstet, welche nur in Serienautos für Japan verbaut wurden. Deshalb konnte die FISA das Ergebnis lange Zeit nicht offiziell bestätigen und auch Sprit-Proben der Spitzenfahrzeuge wurde zu Analyse entnommen. Nach Portugal war die Safari in Afrika die vierte Station des Rallye-Tross und hier kamen drei neue Gruppe A-Autos von Nissan, Subaru und Toyota erstmals am Start. Da diesmal Lancia auf den Start verzichtete, konnte sich hier Audi mit Hannu Mikkola und Arne Hertz den Sieg sichern. Die Asphaltreiche Rallye auf Korsika wurde dann gar von einem BMW M3 gewonnen, der auf diesem Untergrund auch bei den Tourenwagen schon seit längerem überzeugen konnte. Im Laufe der Saison gelang nur Volkswagen bei der Rallye Elfenbeinküste noch ein Sieg, alle anderen konnte sich Lancia sichern, welches die drückende Überlegenheit unterstreicht. Bei der abschließenden RAC in Großbritannien hatten noch drei Piloten ein mögliche Chance auf den Weltmeistertitel, welche sich schließlich aber Kankkunen nach einem überlegenen Sieg sichern konnte.
In den folgenden zwei Jahren sicherte sich Lancia mit Miki Biasion auch noch den Fahrer-Weltmeistertitel ehe Carlos Sainz zumindest diese Serie im kontinuierlich verbesserten Toyota Celica erstmals unterbrechen konnte. Im Laufe der Jahre kamen weitere interessante Fahrzeuge und Fahrer hinzu, welche nach und nach die Überlegenheit von Lancia durchbrechen konnten. Vor allem die Japaner haben mit viel Einsatz an dem Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft gearbeitet. Neben Toyota waren vor allem Subaru und Mitsubishi noch erfolgreich und konnten mit den Fahrer Colin McRae und Tommi Mäkinen auch noch jeweils eine Fahrer-Weltmeisterschaft sichern.

Ein Überblick über die Top Ten-Ergebnisse der Gruppe A findet sich am Ende des Buches wieder.

Neben der großen Gruppe A nimmt das Buch im übrigen auch immer wieder Rücksicht auf die Ergebnisse in der Gruppe N. Vor jeder Kurz-Analyse zu den einzelnen Rennen gibt das Buch auch für jedes Jahr die entschiedensten Entwicklungen im Reglement und rundherum. Somit bekommt man zunächst auch pássenderweise das notwendige Gefühl für die wichtigen Hintergründe. Und immer können die Bilder im gesamten Buch überzeugen und liefern somit einen großen Anteil am gelungenen Rückblick über zehn Jahre Rallye-Geschichte. In den letzen Jahren sorgten im übrigen die Kit Cars auch in der kleinen Klasse immer wieder für Aufsehen.
Die Autos, die Hersteller und die Teams werden dann im Anschluss noch einzeln vorgestellt. Hier bekommt man die einzelnen Entwicklungen je Hersteller präsentiert und auch die Menschen im Hintergrund, welche für den Erfolg oder Miss-Erfolg sorgten finden sich hier wieder. Dazu kann man eine große Anzahl an Bildern wiederfinden in denen sich auch noch Fahrzeuge wiederfinden, die es bisher nicht zu sehen gab. Dabei werden nicht nur die offiziellen Werkseinsätze begutachtet, sondern auch die von privaten Teams initiieren. Dies macht die Darlegung umso interessanter, denn hierüber ist zumeist nicht allzu viel niedergeschrieben worden.
Nachdem eine recht umfangreichen Analyse Die schwarzen Künste der Gruppe A offenlegt, folgt noch der unverzichtbare Statistik-Teil. Dieser führt neben den Titelträgern in diversen Meisterschaften auch alle Top Ten-Ergebnisse der Rallye-WM Laufe auf. In einem kleinen Bild findet man dazu auch nochmals ein Bild des Siegers und zum Abschluss einer jeden Saison auch den Fahrer- und Marken-Weltmeister.

Fazit: Die Rallye-Weltmeisterschaft hatte nach der Gruppe B-Zeit ein durchaus schwierige Phase, welche aber nicht minder interessant sein sollte. Dies beweist das Buch mit vielen Facetten und kann mit prägnanten Texten und vielen Bildern überzeugen. Das ein Buch alleine nicht umfangreich zehn Jahre darlegen kann, ist dabei eigentlich nur verständlich. Umso mehr kann das Buch mit einer gelungenen Themen-Auswahl überzeugen und bietet sich an als erstes Nachschlagewerk über ein Epoche an. Neben einer deutschen Ausführung ist das Buch auch in Englisch erhältlich, so dass auch die internationalen Fans auf dieses beeindruckende Werk zurückgreifen können.
Der Preis von knapp unter 50 Euro ist fair und echte Fans haben das Buch vermutlich eh schon im Regal stehen. Für alle anderen kann man dies aber unbedingt empfehlen, denn neben den Fahrzeugen und Fahrer sind auch einige, nicht minder interessante politische Punkte im Buch wiederzufinden.

Bibliografie:
Titel: Gruppe A – Rallye-Wölfe im Schafspelz
Autoren: John Davenport und Reinhard Klein
Umfang: 256 Seiten, ca. 450 Fotos in Farbe und Schwarzweiß
Format: 245 x 300 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 12/2019
Preis: 49,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-947-15620-7
Bestellbar beim Verlag unter: www.rallyandracing.com

Text: Marco Rassfeld
Fotos: McKlein Publishing, Marco Rassfeld