Buch – Porsche Masterpieces

Im Heel Verlag erschien vor kurzem ein neues Porsche Buch. Dies an sich ist kaum besonders, denn Bücher über die Fahrzeuge des Herstellers aus Zuffenhausen gibt es nun wahrlich reichlich. Durch den Untertitel Bilder einer Ausstellung – oder: 45 Meisterwerke wird schon deutlich, dass alle Fahrzeuge aus einer Sammlung stammen und so diese bildgewaltig dokumentieren werden wollen. Man darf also gespannt sein …

Schlichter Auftritt für ein großes Buch.

Das Buch zeigt sich beim ersten Blick sehr massiv, denn neben der großen, hochformaitgen Ausführung ist auch die Stärke des Titels sehr beeindruckend. Dazu findet sich das Buch um Schutzumschlag wieder und zudem liefert der Verlag noch einen Schuber mit, um das Buch optimal zu schützen. Schon mal ein fraglos aufwendiger und zugleich hochwertiger Auftritt. Das Titelbild zeigt dann sowohl einen der ersten 356 aus der Produktion im österreichischen Gmünd, als auch einen modernen 911 GT3 RS aus der Seite 997. Beide Modele zeigen sich vorne in einer Frontalaufnahme, während auf der Rückseite die passenden Heckansichten präsentiert werden. Der Titel des Buches zeigt sich in großen Buchstaben in silberner Heißfolie ausgeführt und ansonsten ist der Titel bewusst schlicht gehalten. Auf dem weißen Hintergrund findet sich sonst nur noch der Verlag und die Autoren wieder, während die Rückseite mit einem kurzen Klappentext weitere Informationen zum Inhalt liefern kann. Der Schutzumschlag ist eben so aufwendig ausgeführt, während das Buch an sich auf dem Titel mit zwei ebenfalls in silberner Heißfolien geprägten Felgen glänzen kann.

Zu Beginn zeigen sich einige der ältesten Porsche-Modelle.

Nach dem Aufschlagen zeigt sich schnell das Inhaltsverzechnis und verdeutlicht die Unterteilung in neun Kapitel. In diesen werden Porsche zu unterschiedlichen Themen vorgestellt. Auch einen ersten Eindruck der zu erwartenden Bildsprache erhält man sogleich, denn der hintere Radausschnitt eines Porsche 911 G-Modell zeigt sich großformatig neben dem Inhaltsverzeichnis. Die Bilder im Buch stammen ausnahmslos von Michael Furman, der immer wieder Fahrzeuge mit ausgewogener Schlichtheit zeigt. In der Einleitung gibt es dann zunächst weitere Infos zur der Sammlung der Familie Ingram, welche die Basis für dieses Buch war. Die Originalausgabe des Buches erschien übrigens schon 2014 im amerikanischen Verlag Coachbuild Press. Die beeindruckende Sammlung wurde durch ein verheerenden Baustellenunfall im April 2019 zu großen Teile beschädigt. Doch Familie Ingram arbeitet bereits am Wiederaufbau und möchte die Sammlung weiterhin auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Auch dies unterstreicht die Beziehung welche die Familie zu Porsche pflegt. Neben dieser textlichen Einleitung findet sich erneut eine großformatige Aufnahme eines Porsche wieder, diesmal zeigt sich das Lüftungsgitter eines 356. Die kommende Doppelseite kann dann mit gleich 24 unterschiedlichen Felgen beeindrucken, welche auch die Entwicklung über die Jahre verdeutlichen kann.

Ein tollen Vergleich der Modelle liefert das Buch durch Seitenaufnahmen.

Die Anfänge eines kleinen Automobil-Herstellers lautet dann die Überschrift zum ersten Kapitel. Hier findet sich zum Start der 356 von Titel wieder, der mit der Chassis-Nummer Nr. 17 zu den ältesten Porsche-Fahrzeugen auf der Welt gehört. Dann folgt ein 356 Coupé mit der berühmten Geteiltscheibe, die damals zum Einsatz kam, weil gebogene Scheiben einfach noch viel zu teuer war. Ihre Herstellung war nahezu unmöglich und daher entsprechend aufwendig und kostenintensiv. Es folgt noch ein Cabriolet und ein Continental Coupé, welche mit einer besonderen Ausstattung für den amerikanischen Markt angeboten wurde. Diesen Namen konnte Porsche aber nicht lange verwenden, da Ford schon die Rechte besaß und sogar eine eigenständige Marke unter dem Namen aufleben ließ. Zum Ende des ersten Kapitel finden sich die Seitenaufnahmen von sechs 356, welche sowohl die unterschiedliche Modelle als auch die stetige Entwicklung aufzeigen.
Kapitel 2 gehört dann den Speedster-Modelle aus unterschiedliche Generationen. Neben zwei Speedster aus der Reihe der 356er folgt auch die modernen Interpretationen durch den Porsche 911. Die erste Modernisierung erfuhr dass Konzept mit dem G-Modell, gefolgt vom 964 und schließlich dem 997.

Viele Homolgations-Modelle brachten auch den Motorsport auf die Straße.

Der Fuhrmann-Motor: Das Kronjuwel der 356-Ära wird dann im Kapitel 3 vorgestellt. Ohne Frage war der aufwendige Motor mit verantwortlich für den Erfolg von Porsche. So findet sich in diesem Kapitel neben dem 356 A Carrera GS noch der 356 C Carrera 2 wieder, die leistungsstärksten 356 welche in der langen Laufbahn des Modells produziert wurden.
Die enge Verbindung zum Motorsport zeigt sich dann im nächsten Kapitel, welche auch den berühmten Spruch Winning on Sunday, selling on Monday beinhaltet. Gleich acht Porsche finden sich hier wieder und führen den Leser vom America Roadster aus dem Jahr 1952 über den 550 Spyder bis hin zum 904 Carrera GTS. Auch einige besondere 356 finden sich hier wieder und lassen den Leser einen Streifzug durch die motorsportliche Vergangenheit von Porsche erleben.
Als Der neue Porsche kommt dann das zweite Modell auf Zuffenhausen zum großen Auftritt. Der 911 beerbte den 356 und sollte sich zur Ikone von Porsche entwickeln. Nicht ohne Grund ist das Modell bis heute im Angebot und gilt als der Porsche schlechthin. Die ersten Modelle konnten aber nicht sofort überzeugen, denn ihr Fahrverhalten war kritisch und die Kosten für die Anschaffung sehr hoch. Mit geringfügig verlängertem Radstand wurde das Auto deutlich beherrschbarer und dazu kamen ungewöhnliche Modelle wie das „Sicherheits-Cabriolet“ mit dem Beinamen Targa.

Auch die besonders leistungsfähigen Supercars von Porsche sind vertreten.

Porsche im Rennsport im Kapitel 6 verdeutlicht dann nochmals die Verbundenheit der Marke zum Motorsport. Mit 15 Fahrzeugen ist das Kapitel zugleich das umfangreichste im Buch, welches auch schon die Wichtigkeit unterstreicht. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Modelle des 911, die durch alle Generationen die Sportlichkeit der Marke verdeutlichen soll. Der erste Auftritt gebührt hier dem 911 R, mit dem Porsche erste ernsthafte Versuche mit einem speziellen Fahrzeug zur Homologation unternahm. Heute zählen diese 911 zu den gesuchtesten der Modellreihe. Ob Carrera RS, SC/RS, Clubsport, Leichtbau, RS allesamt berühmte Kürzel von speziellen Modellen, die dem Leser vorgestellt werden.
Die letzen drei Kapitel zeigen dann noch den einmaligen 911 STR II von Magnus Walker, drei Turbos des 911 und schließlich zum Abschluss noch die Supercars 959 und Carrera GT.

Fazit:Ein Buch über eine der beeindruckendsten Porsche-Sammlung der Welt kann vollends überzeugen. Denn neben der Vorstellung einiger der wichtigsten Modelle der Geschichte mit tollen Aufnahmen liefern auch die Texte einen durch beachtenswerten Tiefgang. So ermöglichen die Texte zu jedem Modell die Aufarbeitung der Historie. Jedes wird für sich einzeln vorgestellt, welches bei kompletten Studium zwar einige Wiederholungen bedingt, aber eben die Möglichkeit offen lässt gezielt alle Informationen zu einem bestimmten Modell wiederzufinden.
Der Preis von knapp 100 Euro scheint zwar auf den ersten Blick recht hoch, aber sowohl die technische Umsetzung als auch der fotografisch und textlich erstklassig Inhalt rechtfertigen diesen aber vollkommen.

Bibliografie:
Titel: Porsche Masterpieces
Autoren: Randy Leffingwell, Cameron Ingram, Michael Furmann
Umfang: 332 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Format: 243 x 304 mm
Bindung: Hardcover mit Schutzumschlag im Schmuckschuber
Auflage: 10/2018
Preis: 98,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-957-3
Beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Heel Verlag, Marco Rassfeld