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Buch – Supersportwagen

Power und Performance – zwei wesentliche Eigenschaften eines Supersportwagen beschreibt ein neues Buch aus dem Heel-Verlag schon im Untertitel. Neben einer hohen spezifischen Leistung steht bei den Supersportwagen auch immer die entsprechenden, fahrdynamischen Möglichkeiten im Vordergrund. Sicher auch ein Grund für die hohe Faszination dieser Fahrzeuggattung, welche auf die große Gemeinde der Autofans immer wieder Erstaunen auslöst. Somit sind die Supersportwagen doch immer einen Blick wert …

Ein modernes Hypercars findet sich auf dem Titel wieder.

Das Buch ist klassisch im Hochformat umgesetzt und zeigt auf dem Titel ein aktuelles Hightlight der Supersportwagen-Szene – den Lamborghini Sián. Der erste Serien-Supersportwagen von Lamborghini mit Hybrid-Technologie hat ein weiteres Merkmal, welches viele Supersportwagen ausmachen, denn er ist auf 63 Exemplare limitiert. Oft unterstützt die Beschränkung auf eine bestimmte Stückzahl die Exklusivität eines Fahrzeuges und macht diese somit natürlich auch für die potentiellen Käufer interessant. Leider ruft dies aber auch oft Investoren auf den Plan, was dann ebenso häufig dazu führt, das die wohl interessantesten Automobile in den Privatsammlungen versteckt werden und kaum ihrer Bestimmung zugeführt werden. Gerade bei dieser Spezies sollte ja eigentlich das Erleben der vorhandenen Fahrdynamik im Mittelpunkt stehen. Doch zurück zum Buch, welches auch auf der Rückseite noch drei weitere Supersportwagen im Bild zeigt. Neben den gleichfalls modernen Bugatti Divo und McLaren Senna kann man noch einen klassischen Supersportwagen mit dem Alfa Romeo 33 Stradale erkennen. Dies macht zum einen deutlich, dass es schon lange diese extremen Fahrzeug gibt, welche die Kriterien zum Supersportwagen erfüllen, heute spricht man gar von Hypercars. Zum anderen ist die Zielgruppe des Buches wohl er bei den jüngeren Autofans angesiedelt, was man durch die Nutzung von vorrangig aktuellen Fahrzeugen interpretieren kann. Ein entsprechender Klappentext klärt zudem hier noch darüber auf, dass sich im Buch über 100.000 PS befinden und dabei werden auch schon weitere illustre Namen wie Aston Martin oder Koenigsegg genannt.

Auch in den USA erkannte man schnell den Reiz der Supersportwagen und schuf mit der Corvette eine Legende.

Das Inhaltsverzeichnis zeigt dann nach dem Aufschlagen schnell die Struktur von Buch auf und zugleich gibt es einen Überblick über alle enthaltende Marken. In drei Epochen zeigen sich viele Fahrzeuge, wobei die Liste der Marken zu den Jahren 2000 bis heute eine deutlich höhere Anzahl an Marken hat, als die anderen beiden Epochen von 1950 bis 1979 und von 1980 bis 1999. Dies spiegelt natürlich die generell immer höhere Markenvielfalt generell wieder, aber suggeriert zugleich, dass das Angebot an Supersportwagen heute größer ist als in der Vergangenheit. Sicher keine fehlerhafte Feststellung. Doch ehe man sich nun auf die Selektion der Supersportwagen freuen kann, folgt noch das Vorwort vom Autor Roland Löwisch. Der inzwischen freier Journalist kann auf eine beeindruckende Vita zurückblicken und hat schon für einen Vielzahl an bekannten Magazinen über Automobile berichtet. Im lesenswerten Vorwort versucht er die durchaus schwierige Definition der Supercars oder Hypercars zu lösen, aber schnell wird klar, dass es hier keine festen Regeln geben kann. Das Automobil und im besonderen diese speziellen Sportwagen sind oftmals kaum mit reinen Daten zu erfassen und sind vielmehr ein Gefühl. So erfolgte die Auswahl der Fahrzeuge für das Buch auch nach rein subjektiven Empfinden und sicher werden viele Leser noch weitere Beispiele im Kopf haben. Auch die nahe Zukunft in der sich aktuell immer mehr elektrifizierenden Automobil-Welt wird noch thematisiert, wobei zum Schluss noch eine kleine Statistik folgt: Die meisten Fahrzeuge im Buch sind Coupés, haben die Hinterräder angetrieben und verlassen sich auf die Kraft aus einem V8-Motor.

Einige Hersteller sind kaum bekannt und heute schon längst nicht mehr aktiv.

Kapitel 1 blickt dann, wie schon erwähnt auf die Jahre 1950 – 1979 und der Leser wird zu Einstieg von einem doppelseitigem Foto empfangen. Mit einem Lamborghini Miura zeigt sich hier wohl einer der ersten echten Sportwagen nach dem heute noch bekannten Konzept. In einer kurzen, textlichen Einführung blickt das Buch auf diese zeitliche Epoche zurück, welche kurz nach dem zweiten Weltkrieg beginnt und in den wilden 1970er endet. Nach den ersten Jahren mit viel Verzicht und zumeist sehr kleinen Automobilen war auch ein gewissen Mann namens Porsche für die Etablierung der Sportwagen mitverantwortlich. Der 356 war mehr als eine sportliche Variante des Käfer. Jaguar begeisterte mit dem XK 120, welcher bei Rekordfahrten beeindruckende Geschwindigkeiten erreichen konnte. In den USA wurde die erste Generation der Corvette vorgestellt – ein Modell, welches auch heute noch angeboten wird. Neben diese Beispielen finden sich im folgenden noch weitere Modelle, welche die Klasse der Supersportwagen prägen sollten. Die Vorstellung der unterschiedlichen Fahrzeuge aus allen Teilen der Welt ist dabei generell nach dem Herstellern alphabetisch sortiert, so dass man auch schnell nach seinen persönlichen Favoriten fahnden kann. Unter dem Buchstaben A findet man dann Modelle von AC, Alfa Romeo, Alpine, Aston Martin und Austin-Healey. Jedes Fahrzeug wird mit einem Bild dargestellt und neben einen kurzen, aber durchaus informativen Text kann man auch noch die wichtigsten, technischen Daten wiederfinden. Bei der AC Cobra lassen sich dann die Shelby-Varianten wiederfinden, welche ja in unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich waren. Auch die Bauzeit lässt sich wiederfinden, während sich die Produktionszahl oftmals in der Textbeschreibung wiederfinden lässt. Auch Exoten von Bizzarrini, De Tomaso oder Iso lassen sich wiederfinden und waren schon damals das Salz in der Suppe. Die Auswahl der 38 Modelle für einen Zeitraum von 30 Jahren war sicher schwierig, kann aber als durchaus gelungen angesehen werden.

Auch der extreme Bugatti Super Sport 300+, mit dem man über 300 mph erreichen konnte darf nicht fehlen.

Im Zeitraum von 1980 – 1999 finden sich dann weitere Modelle wieder, die eine stetig fortschreitende Technik der Supersportwagen darlegt. Als Aufmacher wird man von einem Porsche 911 GT2 R begrüßt, warum man hier einen nicht straßenzugelassenen Rennwagen ist ein Hinweis auf die Verbundenheit der exklusiven Fahrzeuge zum Motorsport. Viele Modelle sind nur aufgrund von den im Reglement geforderten Straßenversionen auch hierfür erhältlich geworden. So finden sich im gesamten Buch immer wieder solche Fahrzeuge wieder. Der mit dem Motorsport mögliche Ruhm für einen Marke sorgte im Laufe der Zeit für viele Homolgations-Fahrzeuge, die in erster Linie für den optimalen Einsatz im Motorsport konzipiert wurde. Dabei geht es immer und Power und Performance, so dass es unvermeidlich ist, diese Modelle auch zu berücksichtigen. So finden sich schon im ersten Kapitel Beispiele in Form des Lancia Stratos oder auch des Mercedes-Benz 300 SL wieder. Doch auch in den folgenden 20 Jahren ab 1980 wurde solche Fahrzeuge vorgestellt. Als Beispiel kann man den Ford RS 200 oder auch den Porsche 911 GT1 nennen, sozusagen der große Bruder von Kapiteleinstiegs-GT2. Die gewählten Modelle zeigen wieder eine hohe Vielfalt aus aller Welt, wobei man hier vielleicht die kleinen Marken ein wenig vermissen wird. Ob ein DeLorean nun wirklich zu den Supersportwagen zählen kann, daran zweifelt gar der Autor selbst. Ansonsten zeigt sich mit ingesamt 32 Modellen wieder eine bunte Mischung, welche von BMW über Lamborghini bis zum amerikanischen Exoten Vector reicht.

Oftmals zeigen sich die Supersportwagen auch mit betörendem Design, wie die Modelle von Pagani.

2000 – heute ist dann dass letzte Kapitel im Buch und nimmt deutlich über die Hälfte der Seiten vom Buch ein. Es ist sozusagen das Kernstück und spiegelt so den ersten Eindruck vom Betrachten der Außenseiten des Buches wieder. Mit dem Bugatti Divo zeigt sich als Titelbild eine besondere Sonderserie eines ebenfalls schon besonderen Supersportwagens. Die 2000er Jahren stehen voll im Zeichen der Diversifizierung und der deutlichen Erhöhung des Modellangebots der einzelnen Hersteller. Das hohe PS-Leistung nun auch durch Dieselmotoren möglich sind und längst nicht nur Sportwagen mit deutlich über 500 PS erhältlich sind, zeigt die immer noch steigende Nachfrage. Doch auch alternative Antriebsquellen rücken immer mehr in den Fokus und machen neuartige Fahrerlebnisse möglich. Schon die erste Doppelseite mit den Fahrzeugen zeigt mit dem AC 378 GT Zagato und den Apollo-Modellen Arrow und N das hier auch viele Exoten wiederzufinden sind. Im weiteren Verlauf lassen sich dann wirklich viele interessante Fahrzeuge entdecken, die neben dem bekannten Herstellern wie Ferrari oder Porsche immer wieder für Highlights sorgen konnten und können. Natürlich fehlen aber auch diese bekannten Marken nicht und zeigen auch hier interessante Entwicklungen wie die erste Corvette-Generation mit Mittelmotor. Auch einige reine Tracktools ohne Straßenzulassung finden sich hier wieder, denn hiermit sorgen die Hersteller für eine noch höhere Exklusivität, welches die entsprechende Klientel fordert.
Verteilt im Buch finden sich im übrigen noch einen Spezial-Themen wieder, in denen sich kurze Interviews mit Hans-Joachim Stuck und Michael Perschke finden lassen. Aber auch der aktuellen Überflieger Bugatti Chiron Super Sport 300+ oder die Verbindung von Lego zu den Supersportwagen werden hier thematisiert. Mit den Danksagungen ist das Buch dann am ihrem Ende angelangt.

Fazit: Ein Rundumblick über die vermutlich interessantesten Fahrzeuge der Welt bietet das Buch in jedem Fall. Hierbei liegt die Auswahl der Modelle deutlich auf den modernen Fahrzeugen und macht sich so vor allem für junge Leser interessant. Die genutzten Bilder sind hierbei größtenteils den Unternehensarchive entnommen und stellen damit für viele keine Besonderheit dar. Leider haben sich auch ein paar kleinere Fehler eingeschlichen, welche den Kennern schnell die Freude nimmt.
Zum sehr günstigen Preis von unter 15 Euro ist das Buch aber ideal für Einsteiger, die sich mit der Faszination des Supersportwagen beschäftigen möchten.

Bibliografie:
Titel: Supersportwagen – Power und Performance
Autor: Roland Löwisch
Umfang: 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Format: 222 x 275 mm
Bindung: Gebunden
Auflage: 05/2020
Preis: 14,99 €
ISBN-Nr.: 978-3-95843-994-8
Beim Verlag unter: www.heel-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: RM Sotheby’s, Heel Verlag, Marco Rassfeld