Buchbesprechung – Unser Le Mans

In der Geschichte des Films gibt es nur wenige herausragende Filme die sich intensiv mit dem Thema Motorsport auseinandersetzen. Neben Grand Prix von  John Frankenheimer und Rush von Ron Howard ist Le Mans ohne Frage einer der wichtigsten Filme in diesem Spezialgenre. Gemeinsam mit Schauspieler Siegfried Rauch präsentiert Herausgeber Hans Hamer viele Themen rund um den Film in einem brandneuen Buch.

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Vorab noch zur Erläuterung: Siegfried Rauch stellte im Film den direkten Rivalen zu Steve McQueen dar. Als Erich Stahler fährt er für das Team von Ferrari gegen Michael Delaney, der für Porsche ins Volant greift. Das Buch selbst startet nach zwei Vorworten von Hans Hamer und Dr. Wolfgang Porsche zunächst mit dem Warm Up. Hier werden ausgewählte Bilder großformatig präsentiert und zeigen dem Leser erstaunlich Einblicke. Die Bilder werden lediglich durch kurze Texte ergänzt und bieten einen tollen und optisch beeindruckenden Einstieg in die Welt von Le Mans. Nach dem Start folgt ein Blick auf die Freundschaft von Rauch und McQueen. Im sehr ausführlichen Interview gibt Rauch einen unglaublich tiefen Einblick in die Szenerie rund um McQueen und das Buch bietet dazu immer wieder tolle und beeindruckende Aufnahmen, auch aus dem Privatarchiv von Rauch. In dieser Form wurden diese Bilder noch nie veröffentlicht. Ein Blick auf die Kinder von Rauch und McQueen wird ebenfalls noch gewährt und stellt die Söhne Benedikt Rauch und Chad McQueen kurz vor.

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Dann bietet das Buch mit Race einen Blick auf das 24 Stunden Rennen von Le Mans. Zunächst widmet sich das Buch dem Mythos Le Mans und versucht diesen zu erläutern. Basis für den Film liefert das Rennen des Jahres 1970, in dem Porsche seinen ersten Gesamtsieg mit dem 917 feiern konnte. Dazu wirft das Buch einen Blick zurück auf das Rennen von 1970 und anschließend werden direkt beteiligte Personen vorgestellt. Neben den Sieger-Fahrern Richard Attwood und Hans Herrmann werden auch die Erinnerungen von Peter Falk, Hans Mezger, Herbert Linge und Kurt Ahrens wiedergegeben. Sie alle liefern einen Rückblick auf das Rennen und zeigen auch ihr Verhältnis zum Film Le Mans auf. Auch die Rennwagen in Form des Porsche 917 und Ferrari 512 S, die sich im Jahr 1970 in Le Mans direkt gegenüberstanden, werden vorgestellt. Zum Abschluss des Kapitels kann sich der Leser gleich zweifach auf eine Runde in Le Mans freuen. Hans Herrmann erinnert an die Runde im Jahr 1970 und Mark Webber blickt auf das Jahr 2015 zurück.

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Sehr konkret auf den Film ist das Kapitel Making Of ausgerichtet. Hier finden die Fans des Motorsport-Epos viele interessante Information rund um den Film. So wird der Plot als Minimallösung vorgestellt und auch der verwendete Fuhrpark wird berücksichtigt. Die Filmaufnahmen begannen mit dem Einsatz eines Videowagens während des echten Rennens im Jahr 1970. Im Film finden sich sowohl echte Rennszenen als auch nachgestellte Szenen wieder. Das Wetter beim Rennen war extrem schlecht und während der nachfolgenden Filmaufnahmen herrschte zumeist gutes Wetter. Diese zu kaschieren war nicht einfach, aber mit viel Geduld gelang eine gute Symbiose. Die Beteiligten hielten sich während des Drehs im sogenannten Solar Village auf und selbstredend wird auch hierauf ein Blick geworfen. Sehr interessant sind auch die Geschichten vom Set, bei denen einige Beteiligte zu Wort kommen. Hier wird deutlich auch die intensive Zusammenarbeit mit vielen Rennfahrern dargestellt. Mit Richard Attwood, Jürgen Barth, Derek Bell, Herbert Linge und David Piper kommen gleich fünf Rennfahrer zu Wort. Nicht minder interessant sind die Vorstellung der Stuntmen, der Blick hinter die Kulissen und die Bits & Pieces.

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Das Kapitel Heritage blickt schließlich 45 Jahre zurück. Es zeichnet zunächst die Geschichte und den Verbleib von drei am Dreh beteiligten Fahrzeug nach. Hier wird der private 911 S von Steve McQueen vorgestellt, der bei der Eröffnungssequenz des Films verwendet wurde und im Jahr 2011 für 1.375.000 Dollar versteigert wurde. Der Porsche 908, der als Kamerawagen bei den 24 Stunden diente und vorher die 12 Stunden von Sebring gewinnen konnte, wird ebenfalls vorgestellt. Nicht fehlen darf der Le Mans Sieger von 1970 – ein 917 mit einer sehr verworrenen Geschichte. Auch für den Uhrenhersteller Tag Heuer ist der Film Le Mans sehr wichtig. Durch die Präsenz der Monaco-Uhr an McQueens Handgelenk wurde diese zum Klassiker. Wie die Uhr dahin kam erzählt das Buch ebenso. In zwei kurzen Interviews kommen noch der Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen und der Schauspieler und Rennfahrer Patrick Dempsey zu Wort.

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Zum endgültigen Finish zeigt das Buch noch auf drei Doppelseiten tolle Aufnahmen von den Filmrollen und dazu passende Zitate. Ein toller und gleichfalls würdiger Abschluss.

Fazit: Le Mans als Film ist heute legendär und das Buch bietet einen tiefen Blick in die Hintergründe des Films und auch in die Freundschaft der beiden Hauptdarsteller Rauch und McQueen. Es liefert dem Leser direkte Informationen und Geschichten von unmittelbar Beteiligten, so dass die Authentizität im höchsten Maße gewährleistet ist. Durch viele Abbildungen werden auch echte Blick hinter die Kulissen möglich und selbst Aufnahmen aus dem Privatleben von der Ikone Steve McQueen sind reichlich vertreten. Ein echtes Schmuckstück!
Das verwendete Layout wirkt einigermaßen überzogen und hätte ein wenig zurückhaltender umgesetzt werden. Je länger man das Buch in den Händen hält desto auffälliger wird dies.
Die technische Umsetzung ist solide, weist aber immer wieder leichte Schwächen im Druck aus. So bildet sich vereinzelt das Druckbild der gegenüberliegenden Seite ab. Buchbinderisch ist die Umsetzung hingegen ohne Fehl und Tadel.
Zum Preis von 29,90€ sollte der Fan von Le Mans und/oder Steve McQueen in jedem Fall zuschlagen. Die vielen Informationen und Bilder stellen eine echte Fundgrube dar und eine intimere Dokumentation zum Film kann man sich kaum vorstellen. Der Preis ist für das Gebotene wirklich günstig!

Bibliografie:
Titel: Unser Le Mans – Siegfried Rauch. Steve McQueen – Der Film. Die Freundschaft. Die Fakten
Hrsg: Hans Hamer
Umfang: 208 Seiten, 66 Farbfotos, 66 Schwarz-Weiß-Fotos, 25 farbige Abbildungen
Format: 220 x 288 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Auflage: 2016
Preis: 29,90 €
ISBN-Nr.: 978-3-667-10462-5
Bestellbar beim Verlag unter: www.delius-klasing.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Delius Klasing, Marco Rassfeld