Magazin – Porsche Klassik 02.2016

Die neueste Ausgabe der Porsche Klassik stellt die mittlerweile schon zehnte Ausgabe dar und blickt auf interessante Fahrzeuge aus der Historie der Marke aus Zuffenhausen. Dabei scheint sich die Ausgabe besonders auf die fast schon verschollen geglaubten Exemplare zu fokussieren und stellt einige echte Leckerbissen und Raritäten vor. Ein Blick auf die Highlights …

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Ein echte Rarität ist der Porsche 911 Carrera Club Sport aus dem Jahr 1987 der in direkter Ahnenreihe des legendären Carrera RS steh und doch ist das Modell heute weitgehend unbekannt. Porsche Klassik konnte mit dem Prototyp des Modells, welcher schon 1985 gebaut wurde, die damaligen Abstimmungsstraßen unter die Räder nehmen. So schlängelt sich der einmalige Porsche über die kurvigen Landstraßen rund um Weissach, wo bekanntermaßen das Entwicklungszentrum vom Porsche untergebracht ist. Herrliche und auch heute noch einsame Straße auf denen zahlreiche Automobile von Porsche ihre Abstimmung bekamen. Der Carrera Club Sport sollte für die rennorientierten Sportfahrer eine Alternative zum Renneinsatz sein und wurde laut Porsche Klassik lediglich in 99 Exemplare gebaut. Im Buch von Marc Bongers hingegen werden 190 Exemplare genannt, wobei sogar ein Targa aufgeführt wird. Die Sachlage scheint hier also ein wenig unklar. In jedem Fall steht der gefahrene Prototyp in direkter Nachfolge zum nur 20 mal produzierten SC RS, der für den Einsatz in der Gruppe B homologiert war und ein teure Rarität darstellte. Der Carrera Clubsport ist nicht ganz so extrem umgesetzt und so fehlen der Serienversion z.B. die Kotflügel, Türen und Fronthaube aus Aluminium. Der Prototyp hingegen kann mit diesen Teilen noch glänzen, aufgrund des möglichst günstig anvisierten Preises fanden diese Teile nicht den Weg in die Serie. Eine tolle Ausfahrt in einem einmaligen Fahrzeug, welches eine hohe Faszination ausstrahlt.

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Ein weiteres Leichtgewicht ist der 914/6 von Eckhard und Oliver Schimpf. Das Fahrzeug konnte nach langer Suche und intensiven und langwierigen Verhandlungen wieder in seinen Originalzustand versetzt werden. Durch die Tatsache, das dieser 914/6 der ersten Rennwagen war, der im Jägermeister-Outfit über die Rennstrecken raste machte ihn für die Schimpf’s umso interessanter. Niemand geringerer als Eckhard Schimpf ist direkt mit dem Einsatz des Jägermeister-Rennteams verbunden. Die gesamte Geschichte dazu ist auch nachzulesen im hervorragenden Buch Jägermeister Racing, geschrieben von Eckhard Schimpf. Er war als Hobbyrennfahrer auf der Suche nach Sponsoren und fragte bei seinem Cousin Günter Mast nach. Dieser war gleichzeitig auch Chef des Kräuterlikör-Konzerns. Es glücklich Fügung also, bei der es auch im Nachhinein betrachtet nur Gewinner gab. Mast konnte mit der Platzierung auf den Rennwagen und auch der ersten Trikotwerbung in der Fussball-Bundesliga die Bekanntheit deutlich steigern und somit auch die Umsätze. Bis zum Verbot der Werbung für Alkohol im Rennsport war Jägermeister als Sponsor aktiv und prägte eine ganze Ära. In dieser Zeit fuhren die Rennwagen in fast allen Klassen des Motorsports und konnte dabei auf erstklassige Fahrer zurückgreifen. Gemeinsam mit seinem Sohn Oliver ist Eckhard Schimpf nun im Begriff die Original-Rennwagen wieder zusammenzusammeln und bei diversen Veranstaltungen zu präsentieren. Eine Unterstützung durch Jägermeister ist heute aber nicht zu finden. Der 914/6 war also der erste Rennwagen mit der knallorangen Lackierung und dem aufgeklebtem Hirsch. Gefunden wurde er in den USA und liebevoll wieder aufgebaut durch den Restaurierungsexperten Stimming aus Bad Segeberg. Dabei wurde bewusst auf die inzwischen verpönte perfekte Restaurierung in den Neuzustand verzichtet um so viel wie möglich von der originalen Substanz zu erhalten. Neben dieser Geschichte begleitet Porsche Klassik Eckhard Schimpf bei der ersten Ausfahrt nach der gelungenen Restaurierung.

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Wie weit die Liebe zu einem Porsche gehen kann, zeigt auch der Blick nach Südafrika. Hier ist Andrew Gunn beheimatet und das Magazin erzählt die Geschichte von seinem Porsche 356 aus dem Jahr 1958. Schon im Jahr 1969 konnte Gunn sich durch einen Ferienjob seinen ersten, gebrauchten Porsche kaufen, für den er damals 675 Rand bezahlen musste. Er war noch mitten im Studium in Bauingenieurwesen, welches er nach einer fünfjährigen Unterbrechung schließlich doch noch erfolgreich abschließen konnte. Der Porsche verblieb allerdings nicht allzu lange in seinen Händen, da er für einen Austin Healey 3000 weichen musste. Damals waren die britischen Sportwagen sehr beliebt und im Austin konnte Gunn auch offen fahren. Der Reiz war zu groß aber schnell sehnte er sich nach seinem 356 zurück und konnte ihn auch wieder aufspüren. Er war immer noch im Besitz desjenigen, dem Gunn den silbernen 356 verkauft hat. Allerdings war sein Zustand schon bemitleidenswert und sowohl der Lack, als auch die Polsterung und sogar der Motor waren nicht mehr Original. Aber auch hier war der Reiz zu groß und Gunn kaufte den überteuerten 356 wieder zurück. Nach der Restaurierung erstrahlte der 356 auch wieder in neuem Glanz und heute wird er immer noch oft bewegt. Heute hat der 356 einen Ehrenplatz auf Gunn’s Anwesen in Elgin Valley. Hier hat sich der Südafrikaner nach seiner Zeit als Bauingenieur dem Wein verschrieben und genießt sein Leben. Eine tolle Geschichte mit einigen weiteren lesenswerten Anekdoten.

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Porsche und Motorsport gehören seit jeher zusammen und in der langen Geschichte der unzähligen Rennen bei denen Porsche Erfolge einfuhren ist auch die Targa Florio zu finden. Das Rennen auf Sizilien war eines der schwierigen Straßenrennen der damaligen Zeit und wurde 1977 zum letzten Mal ausgetragen. Wie bei so vielen Strecken war es inzwischen einfach zu gefährlich mit den immer schneller werdenden Rennwagen auf fast ungesicherten Straßen zu fahren. Neben den Rennwagen wurden auch einige Rennfahrer zu Legenden und das Porsche Museum vereinte zum 110. Geburtstag der ersten Targa Florio und zum 60. Geburtstag des ersten Porsche-Sieges gleich vier Rennfahrer. Dazu stelllte Porsche natürlich entsprechend passende Material in Form von vier alten Rennwagen zusammen. Der heute 88jährige Herbert Linge wird ein 718 RS 60 Spyder anvertraut, Günther Steckkönig darf einen 356 B 1600 Carrera GTL pilotieren, Gijs van Lennep zeigt im 911 Carrera RSR sein Können und Vic Elford greift in Volant eines Abarth-Porsche. Das Magazin geht dabei auf die Geschichten der Fahrer und der Rennwagen ein und so gibt es einigen zu entdecken. Eine tolle Reise in die Vergangenheit mit einem Blick auf gleich vier Rennfahrer-Legenden.

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Weitere Themen in der Porsche Klassik 02.2016: Ein Bericht über den englischen Porsche-Spezialisten Lee Maxted-Page, ein kurzer Blick auf die Porsche-Motoren in der Luftfahrt, und ein Portrait über Porsche-Fahrer Karl J. Pojer. Eine verrückte Garage, bei der man vom Sofa den geparkten Porsche bestaunen kann, ein aufwendiger Reifentest für historische Porsche und eine Reportage zum 50jährigen Jubiläum der Fuchs-Felge mit einem 911 S. Die Porsche-DNA zeigt den Mut zu knalligen Farben, ein Blick auf die tollen Bilder von Hans Truöl führt die Leser in die Vergangenheit, eine Zeitreise in die Entstehung der Recaro-Sitze und zum Abschluss gibt es noch einen Blick auf den ganz besonderen 968 Roadster der aktuell im Porsche Museum zu bewundern ist.

Fazit: Für Porsche-Fans eine echte Fundgrube an tollen Artikeln die zudem mit erstklassigen Bildmaterial glänzen können. So kommen oftmals auch großflächige Abbildungen zum Vorschein und blicken auch das ein oder andere Mal auf Interessante Details. Ein klasse Magazin!

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Delius Klasing, Marco Rassfeld