Buch – Italian Coachbuilders – The masters of style

Die wichtigsten Impulse für gelungenes Automobil-Design kam häufig aus Italien. Ebenfalls aus Italien kommt nun ein neues Buch, welches sich intensiv mit der Geschichte der italienischen  Karosseriebauer auseinandersetzt.  Der Untertitel zum Buch ist mit The masters of style auch passend gewählt. Ein interessantes Thema welches sich der Autor Elvio Deganello vorgenommen hat.

Beim ersten Blick zeigt das Buch gleich eine beeindruckende Dicke und ein dazu passendes, stattliches Gewicht. Und gleich auf dem Titel lassen sich einige der interessantesten Fahrzeuge aus der langen Historie der italienischen Karosseriebaukunst entdecken. In der Einführung erhält der Leser dann erste Informationen zu den Meister des Stils und einen groben Einblick in die Entwicklung dieser Firmen, die durch die selbsttragende Karosserie zunächst ihre Existenz gefährdet sahen. So sind heute wirklich nur noch ein kleiner Teil der Firmen aktiv und ein noch kleinerer noch vollkommen unabhängig. Natürlich gab und gibt es immer wieder enge Verbindungen zu den eigentlichen Herstellern, aber nachdem die Automobile immer öfter auch beim Hersteller in eigenen Styling-Abteilungen entworfen wurden, mussten sich auch die reinen Karosseriebauer wandeln. So boten einige den Herstellern gar Produktionskapaziät an, welche oftmals auch angenommen wurde und somit eine weitere wichtige Basis zum Überleben der Firmen lieferte. Nach dieser Einführung folgt die Vorstellung der einzelnen Firmen.

Dieser erfolgt in alphabetischer Reihenfolge und zeigt gleich 37 der sicher bekanntesten und wichtigsten Karosseriebauern aus Italien. Der Start erfolgt mit Allemano, welche im Jahr 1927 in Turin als Reparaturwerkstatt ihre Wurzeln hatte. Aber schon 1935 wurde das erste Einzelstück mit Allemano-Karosseire beim Concours d’Elegance in Turin vorgestellt und konnte gleich einen Preis gewinnen. So entstanden bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges einige Modelle zumeist auf Basis von Fiat- und Lancia-Fahrgestellen. Nach dem verheerenden Krieg wurden die Karosserien deutlich moderner und so stellte auch Allemano einige Automobile mit der modernen Pontonkarosseire vor, welche die Kotflügel komplett in die Karosserie integrierte. Mit Ferrari und Maserati erweiterte Allemano sein Portfolio auch in die Spitzenklassen und konnte hier einige interessante Entwürfe umsetzen. Durch das Aufkommen der selbsttragenden Karosserie musste Allemano im Jahr 1965 schließlich seine Produktion einstellen. Investitionen um eine Serien-Produktion für die Hersteller anbieten zu können, waren zu hoch und konnten nicht umgesetzt werden. Die Geschichte präsentiert das Buch in reiner Textform und lässt den Leser alle prägnanten Ereignisse zum Karosseriebauer nachvollziehen und bietet dazu auch durch Zitate direkt beteiligter Personen eine hohe Authenzität. Einige Werke Allemanos präsentiert das Buch dann im Anschluss in Form von einigen Abbildungen, die sich auf den nachfolgenden Seiten wiederfinden. Hier gibt es zudem durch kurze Bildunterschriften auch wichtige Infromationen zu den Modellen zu entdecken und natürlich sind diese auch notwendig um die Modelle zu identifizieren.

Balbo war eine weitere Firma die im Karosseriebau-Sektor aktiv war und wie Allemano auch aus Turin stammte. 1913 gegründet war schon 1954 nach der Übernahme durch Stabilimenti Farina wieder Schluß. Als eine der orginellsten Automobile ist der Siata 208 CS aber sicher noch einige im Hinterkopf präsent. Bertone hingegen war ein echter Big Player unter den vorgestellten Firmen und wurde 1912 ebenfalls in Turin gegründet. Bis zur Insolvenz im Jahr 2014 waren die Kreationen der diversen bei Bertone tätigen Automobildesigner international anerkannt und hatten eine lange Tradition. Mit der Lamborghini Miura, dem Lamborghini Countach und dem Lancia Stratos war einige der begehrenswertesten Sportwagen mit einem Design von Bertone versehen. Boano scheint heute zumeist unbekannt aber auch die Firma von Vater und Sohn hat einen wichtigen Platz in der Geschichte. So war Boano eine der erste Firmen, die auch für die Amerikaner aktiv waren und mit dem Lincoln Indianapolis oder dem Chrysler Corsair schufen Sie echte Meisterwerke ihrer Zeit. Hiervon bekam auch Fiat Wind und so wurden Mario und Paolo Boano die ersten Direktoren des Fiat Styling Center, welches 1957 eröffnet wurde. Mit Boneschi, Castagna, Cesare Sala, Colli, Ellena und Fantuzzi zeigt das Buch weitere Interessante Karosseirebauer und liefert dazu passend auch bildlich einen Überblick über die unterschiedlichsten Kreationen.

Das dabei die Welt des Automobil-Designs eine beachtliche Bandbreite abdeckt, wird immer wieder deutlich. So finden sich neben diversen Ideen um die gut bürgerlichen Modelle von Fiat in einem passenden Styling zu versehen auch immer wieder die hochklassigen Modelle und auch zahlreiche Rennwagen wieder. Das Buch unterscheidet auch erfreulicherweise nicht bei irgendwelchen zeitlichen Abschnitten und zeigt die Vielzahl der Karosseriebauer, die schon vor den Weltkriegen aktiv waren, ebenso wie die vergleichsweise jungen Firmen wie Fioravanti. Leonardo Fioravanti machte sich nach 24 Jahren erfolgreicher Arbeit bei Pininfarina selbstständig und gründete 1987 seine eigene Firma. Als eines seiner ersten Modelle stellte er 1998 den F100 vor, der zum 100. Geburtstag von Enzo Ferrari präsentiert wurde und auch heute noch modern wirkt. Mit dem SP1 setzte Fioravanti sogar auf Basis des Ferrari F430 ein modernes Einzelstück um. Es stellte gleichzeitig im Jahr 2008 die Basis für ein neues Individualisierungs-Programm von Ferrari dar. Der Geist der alten Idee einer maßgeschneiderten Karosserie wurde hiermit auch in die Gegenwart übertragen. Die aktuellsten Designs setzt Fioravanti für den chineischen Hersteller BAIC um, welcher auf der Suche nach einer eigenen Identität auf die Erfahrung aus Italien setzen.

Mit Fissore, Francis Lombardi, Frua, Garavani, Ghia, Giugiaro, Lotti, Michelotti, Monterosa, Monviso, Moretti, Motto, Osi, Pininfarina, Riva, Savio, Scaglietti, Scioneri, Siata, Sibona & Basano, Sports Cars, Stabilimenti Farina, Touring, Vignale, Viotti und Zagato zeigt das Buch noch weitere Karosseriebauer und stellt die Geschichte und auch einige ihrer Modell vor. Eine echte Fundgrube für Automobilbegeisterte, die sicher das ein oder andere noch nicht bekannte Design finden werden. Doch wirklich am Ende ist das Buch nach dem Z wie Zagato noch nicht. Mit Accossato, Ala d’Oro, Brianza, Canta, Caprera, Casaro, Coggiola, Coriasco, Eurostyle, Faina, Filacchione, Fona, Fontana, Gransport, I.DE.A., Maggiora, Mantelli, Marazzi, Faralli & Mazzanti, Meteor, Montescani, Morelli, Ostuni und Sirio stellen sich weitere 24 Karosseriebauer im Kurzporträt vor, weil keine tiefgreifende Informationen zur Verfügung standen.

Fazit: Ein Blick in die Welt der italienischen Karosseriebauer zeigt das Buch aus dem italienischen Verlag Giorgio Nada Editore. Damit präsentiert sich dem Leser die lange Tradtion und die wichtige Stellung dieses designtechnisch prägenden Industriezweig Italiens. Deutlich wird auch, das die zahlreichen Firmen beeindruckende Kreationen hervorbrachten und einige sich im Laufe der Zeit den Anforderungen immer gut anpassen konnten und viele andere hingegen wieder von der Bildfläche verschwanden. Durch die Präsentation der einzelnen Geschichten werden auch einige Gemeinsamkeiten deutlich. So zum Beispiel das einige Designer durchaus bei verschiedenen Karosseriebauern ihre Arbeit durchführten und einige sich auch selbstständig machen konnten. Alle Texte sind in italienisch und englisch vorhanden und zeugen von der erstrebten internationalen Auslegung des Buches. Die Größe der Texte ist allerdings schon erstaunlich klein.
Das Buch ist technisch gut umgesetzt, liefert eine passendes Layout und zeigt viele Bilder, die oftmals allerdings auch sehr klein sind. Eine großflächige Präsentation der Bilder wäre gerade bei diesem Automobilen sehr wünschenswert, aber vermutlich stand zum Einen die oftmals schlechte Bildqualität der alten Bilder und zum Anderen der nicht vorhandene Platz diesem Wunsch im Weg.
Zum Preis von 75€ kann der Leser aber dafür eine Menge Inhalt erwarten und erhält ein Art Enzyklopädie über die Geschichte der italienischen Karosseriebaukunst. Schließlich sind alle wichtigen Firmen vertreten und keine wird vermisst. Als Nachschlagewerk ist das Buch eine sichere Investition, aber auch zum immer wieder Herausholen um zu Schmökern ist das Buch ein echter Tipp.

Bibliografie:
Titel: Italian Coachbuilders – The masters of style
Autor: Elvio Deganello
Umfang: 408 Seiten, hunderte Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos
Format: 260 x 295 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Text: Italienisch, Englisch
Auflage: 12/2016
Preis: 75,00€
ISBN-Nr.: 978-88-7911-657-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.giorgionadaeditore.it

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Giorgio Nada Editore, Marco Rassfeld