Buch – Die Meistermacher – Die BMW Schnitzer-Story

Im Motorsport gibt es einige wenige Teams die seit einem langen Zeitraum aktiv sind und somit über massive Erfahrung verfügen. Das dabei nur eine Marke im Fokus steht ist dann schon eher ungewöhnlich, aber bei Schnitzer Motorsport der Fall. Ein kleiner Ausflug mit Toyota in der Gruppe 5 ist da eher zu vernachlässigen. Ein Buch aus dem Gruppe C Motorsport Verlag blickt zurück auf die Geschichte der Schnitzer-Truppe.

Die lange Tradition wird schon beim Blick auf den Titel deutlich, wo sich ein BMW 2002 Turbo aus dem Jahr 1977 neben einem 2012er BMW M3 DTM wiederfindet. Dazu finden sich auch noch die wichtigen Köpfe des Familienbetriebs auf dem Titel wieder und verkörpern ebenfalls die Tradition. Das Buch ist im erfreulich großen Format und hat zudem eine beeindruckende Dicke aufzuweisen. Beides lässt auf eine tolle und umfangreiche Darstellung der Schnitzer-Geschichte hoffen. Nach dem Inhaltsverzeichnis mit einem Grußwort von Jens Marquardt und dem Vorwort von Gerhard Berger folgt das erste Kapitel. Hier wird der Titelgewinn im Jahr 2012 im Comeback-Jahr von BMW in der DTM gehuldigt. Dieser Erfolg gelang Bruno Spengler im Schnitzer-Team und war eine echte Überraschung. Dabei kommen vor allem Bilder zum Einsatz, die nur durch kleine Texte ergänzt werden. Neben großformatigen Abbildungen sind auch Seiten mit vielen kleinen Bilder zu finden und so kann der Leser einen schönen Eindruck dieser beeindruckenden Saison erhalten. Ein gelungener Einstieg.

Kapitel 2 ist dann der Hauptteil des Buches, teilt sich aus diesem Grund auch noch in fünf Unterkapitel und bringt dem Leser die komplette Geschichte von Schnitzer dar. Kapitel 2.1 zeigt im Wesentlichen die Jahre 1963 bis 1974 und somit die Anfänge des Teams. Aber die Geschichte beginnt durchaus eher und so blickt das Buch zurück auf die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. In Freilassung gründete Josef Schnitzer eine Werkstatt mit Fahrschule und damit wuchsen die beiden Brüder Josef und Herbert gleich mit vielen Automobilen auf. Durch den Krieg und die schwierigen Nachkriegsjahre war das Geschäft jedoch nicht leicht, zudem verstarb Josef Schnitzer sen. schon früh und so musste seine Frau das Geschäft führen. Allerdings fand sie neues Glück und heiratete erneut und zwar Karl Lamm, der schon bei Schnitzer gearbeitet hatte. Aus dieser Ehe wurden die Bruder Dieter und Karl geboren und auch sie wuchsen im Familienbetrieb mit dem Auto als ständiger Begleiter auf. Schnell konnten sich die Brüder auf eine neue Freizeitaktitvtät einigen – den Motorsport. Erst Einsätze fanden mit einem Fiat Abarth 700 Bialbero statt, aber schon bald sollte sich die Marke ändern. Der BMW 1800 TI war schließlich das erste Modell der Münchener Firma, mit dem die Schnitzer-/Lamm-Brüder bei zahlreichen Rennen teilnahmen. Die Stärken der Bruder war dabei durchaus unterschiedlich und werden dem Leser ebenso nähergebracht. Josef konnte 1966 den ersten Titel für Schnitzer einfahren und wurde im 2002 TI Deutscher Rundstreckenmeister. Von 1968 bis 1971 konnte man zudem immer die Europa-Bergmeisterschaft für sich entscheiden. Dazu stellt das Buch noch in weiteren Episoden kleine Geschichte und Menschen vor, die unmittelbar mit Schnitzer in Verbindung stehen. So zeigt sich der erste Schnitzer Werksfahrer in Form von Ernst Furtmayr und auch Walter Brun. Beide erzählen dazu auch ihre persönlichen Erinnerungen an die Firma Schnitzer. Der umfangreiche und lesenswerte Text wird durch zahlreiche, historische Aufnahmen unterstützt, die sowohl Rennwagen als auch die Personen immer wieder in den Mittelpunkt rücken.

Kapitel 2.2 schließlich bildet die Ereignisse von 1972 bis 1981 ab und hier war Schnitzer zunächst mit dem 2800 CS erfolgreich unterwegs. Die Tourenwagen Europameisterschaft konnten die großen Coupés das Werksteam von Ford das ein oder andere Mal ärgern. Auch die Ausbaustufe als 3.0 CS war ein ernstzunehmender Gegner für die Konkurrenz. Zwei Fahrer aus dieser Epoche waren Rauno Altanen und John Fitzpatrick, die vorgestellt werden und auch ihre Erinnerungen mit dem Leser teilen. Eine weitere Ausbaustufe lieferte BMW mit dem 3.0 CSL, der mit klaren Blick auf den Motorsport homologiert wurde. Albrecht Krebs musste sich im Jahr 1975 in der DRM nur knapp der Konkurrenz geschlagen geben. Aber auch im Formel Sport war Schnitzer aktiv und brachte nach der Formel 3 auch in der Formel 2 ihre Motoren an den Start. So gelang im Jahr 1975 Jaques Lafitte sogar der Gewinn der Europameisterschaft mit Schnitzer-Motor, da waren selbst die BMW-Werksmotoren nicht schnell genug. Kurze Zeit später konnte sich BMW dann die Dienste von Josef Schnitzer sichern, der als Ingenieur inzwischen einen sehr guten Ruf hat. Statt der erhofften Entwicklung eines Formel 1-Motors sollte sein Fokus schließlich auf der Entwicklung des Turbo liegen. 1977, nachdem Josef Schnitzer von BMW zurückgekehrt war, setzte Schnitzer zum ersten Mal einen solchen Motor in der DRM ein und war so für die wildeste Form des 2002 im Rundstrecken-Trim verantwortlich. Diesen konnten sogar Walter Röhrl und Klaus Ludwig am Steuer erleben. Mitte 1977 kündigte man plötzlich an mit einem neuen Rennwagen in der DRM anzutreten – einem Toyota Celica. Doch selbst mit dem Ausnahmefahrer Rolf Stommelen konnte der Rennwagen nicht überzeugen. Der Seitensprung war schnell vergessen, zumal es Schnitzer gelang im Jahr 1978 mit Harald Ertl am Steuer die DRM zu gewinnen. Wieder in einem BMW, diesmal einem 320 Turbo. Auch der wohl wildeste 3er-BMW der Gruppe 5-Ära und der 1.000 PS starke M1- nach gleichem Reglement waren wichtige Entwicklungen für Schnitzer.

Die Zeit von 1982 bis 1992 ist dann Grundlage für das Kapitel 2.3 und zeigt zunächst die Einsätze mit dem 635 CSi nach Gruppe A-Regelment der in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Auch hier konnte Schnitzer sich gegen einige Werkseinsätze mit Erfolg wehren. So konnten einige beeindruckende Erfolge eingefahren werden. Die Meisterschaft konnte mit Dieter Quester und Roberto Ravaglia am Steuer sowohl 1983 als auch 1986 gewonnen werden. Das Modell wurde lange eingesetzt, ehe es vom modernen und kompakten M3 abgelöst wurde. Dieser hatte gegenüber dem 6er einige entscheiden Vorteile und ist bis heute einer der erfolgreichsten Tourenwagen überhaupt. Auch für Schnitzer war das Modell auf Anhieb ein voller Erfolg. Abermals mit Roberto Ravaglia konnte man 1987 den Gewinn der einmaligen Tourenwagen-Weltmeisterschaft feiern. Denn diese kurzlebige Serie wurde schon nach einem Jahr wieder eingestellt und durch die Europameisterschaft abgelöst die wenig später durch nationale Championate ersetzt wurde. 1988 wurde Ravaglia folglich wieder Europameister und 1989 gewann er die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft. Auch die italienische Tourenwagen-Meisterschaft konnte mit dem M3 von Schnitzer 1989 und 1990 gewonnen werden. Erst konnte Johnny Cecotto den Titel einfahren und ein Jahr später war wieder Roberto Ravaglia der Meister. Hierzulande waren natürlich die Jahre von 1989 bis 1992 extrem spannend, als Schnitzer in der DTM gegen Gegner wie Mercedes-Benz und Audi antrat. Hier wurde das ein oder andere legendäre Rennen bestritten und bis heute ist die Zeit in vielen Gedächtnissen verwurzelt. Zu Wort kommen hier noch Roberto Ravaglia, Gerhard Berger, Emanuele Pirro und Johnny Cecotto.
1993 trat BMW dann überraschend aus der DTM zurück und Schnitzer musste sich ein neues Betätigungsfeld suchen. Hierzu bildet das nächste Kapitel die Jahre 1993 bis 2001 ab, in denen Schnitzer vor allem durch Einsätze im BMW-Auftrag auf such aufmerksam machte. Zunächst setzte man Tourenwagen der Klasse 2 in vielen nationalen Meisterschaften ein und konnte auch gleich im ersten Jahr die britische Meisterschaft für sich entscheiden. Hier prägte Joachim Winkelhock seinen Spitznamen „Smoking Joe“, welche durch seine kompromissloser Fahrweise ebenso zu begründen ist wie seiner damaligen Hingabe zu Zigaretten. Auch in den folgenden beiden Jahren konnte Winkelhock mit Schnitzer Meisterschaften feiern und die BMW-Tourenwagen erfuhren sich so weltweit einen erstklassigen Ruf. Neben dem Tourenwagensport setzte man in der GT-Weltmeisterschaft auch einen McLaren F1 GTR ein, der über einen Motor von BMW verfügte und diese Einsätze toppte man noch mit dem Einsatz des V12 LMR, mit dem sogar der Sieg beim 24 Stunden Rennen in Le Mans gelang. 2001 konnte man dann auch noch den Gewinn der ALMS feiern, bei der Jörg Müller in einem M3 GTR den Fahrertitel einfuhr und zudem die Team- und Hersteller-Wertung gewonnen wurde.

Von 2002 bis 2011 waren weitere Titelgewinne allerdings nicht zu erreichen, oftmals war es aber auch sehr knapp. In der neuen Tourenwagen-Europameisterschaft stellte Schnitzer für BMW das deutsche Länderteam dar. Aus der Serie entwickelte sich die Tourenwagen-Weltmeisterschaft und Schnitzer trat mit unterschiedlichen Ausbaustufen des 3er-BMW an. Auf diese schwierige Zeit blicken Dieter Lamm, Jörg Müller, Dirk Müller, Augusto Farfus zurück und bilden so den Schlusspunkt zum Rückblick auf eine lange Renntradition von Schnitzer Motorsport.
Das Buch ist aber nun keinesfalls am Ende, sondern blickt noch auf die häufig erfolgreichen Einsätze von Schnitzer bei unterschiedlichen 24 Stunden Rennen, welche als Spezialität der Schnitzer-Mannschaft gelten kann. Sehr lesenswert ist hier die Aufzeichnungen von Dieter Stappert, die das Buch nochmals wiedergibt und tiefe Einblicke in den Ablauf eines 24 Stunden Rennen zulässt.
Der Wiedereinstieg in die DTM im Jahr 2012 und dem direkten Titelgewinn wird dem Leser anhand von kurzen Berichten zu jeden Rennen präsentiert und auch das Jahr 2013 findet sich hier wieder.
Dann folgt noch ein Blick auf einige der exotischsten Rennen, die Schnitzer weltweit bestritten hat, ehe eine umfangreiche Statistik den endgültigen Schlusspunkt des Buches bilden. Hier lassen sich alle Fahrer, alle Titel und alle Rennergebnisse wiederfinden.

Fazit: Ebenso beeindruckend wie die Geschichte des Schnitzer-Rennteams ist auch das Buch dazu. Eine sehr gelungene Hommage an ein, als kleines Familienunternehmen gestartetes, Team das die Welt eroberte. Dabei kommt neben den erstklassigen Texten um die Historie auch immer wieder einzelne Personen in den Mittelpunkt, die zudem ihre persönliche Erinnerungen an Schnitzer mit dem Leser teilen. Dazu finden sich noch tolle Aufnahmen aus sämtlichen Jahren wieder, die den Rennsport-Szenen ebenso zeigen, wie die auch zahlreiche beteiligte Personen. Einige Rennwagen werden noch mit weiteren Details vorgestellt und so bietet das Buch alles was der Leser verlangen könnte. Dazu kann die edle Anmutung des Buches überzeugen und verfestigt den Gedanken etwas Besonderes in den Händen zu halten. Da das Buch schon Ende 2013 erschien endet hier nachvollziehbar die Betrachtung der Ereignisse, diese stellt aber keinesfalls ein echtes Manko dar. Da absolute Highlight der jüngeren Schnitzer-Geschichte ist ohne Frage der Titelgewinn im ersten Jahr in der DTM im Jahr 2012.
Für fair eingepreist 50€ sollten alle Motorsport-Fans und natürlich die BMW-Fans zuschlagen. Das Buch bietet erstaunlich viel fürs Geld und zeigt eine beeindruckende Familiengeschichte von vier Brüder mit einmaligen Motorsport-Genen und einer engen Verbundenheit zur Münchener Marke BMW.

Bibliografie:
Titel: Die Meistermacher – Die BMW Schnitzer-Story
Autoren: Uwe Mahle, Gerd Büsing
Umfang: 256 Seiten, ca. 400 Fotos
Format: 245 x 300 mm
Bindung: Hardcover
Text: Deutsch
Auflage: 12/2013
Preis: 50,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-928540-71-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.gruppec-verlag.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Gruppe C Motorsportverlag, Marco Rassfeld