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Magazin – Motor Klassik Juni 2017

Automobile Klassiker sind laut einem Artikel im Spiegel auf dem Vormarsch und über diesen berichtet auch Hans Jörg Götzl im Vorwort zur Motor Klassik Ausgabe Juni 2016. Der Artikel des Spiegel spricht sogar von einer Gefahr durch das H-Kennzeichen, da nun deutlich modernere und gleichzeitig auch haltbarere Automobile in den Genuss dieses Privileg kommen. Wie stark diese Gefährdung ist, erläutert Götzl sehr treffend und wirkt für viele echte Klssiker-Freunde sicher beruhigend.

Mit dem Auto an den Strand, diese Idee setzten viele Amerikaner in den 60er Jahren mit ihren zumeist auf Käfer-Basis gebauten Buggys nur zu gerne um und schufen damit schnell eine neue Gattung von Automobil. Heute wären solche Fahrzeuge aufgrund der Zulassungsbestimmungen sicher kaum noch zu verwirklichen, aber es gibt ja eben Klassiker, die ein ursprüngliches Strand-Auto darstellen. Das Magazin geht mit gleich vier Exemplaren auf Tuchfühlung und stellt diese im Fahrbericht vor. Zunächst kommt der Citroën Méhari zum Zug und zeigt den extrem einfachen Ansatz eines Handwerker-Autos auf Basis der bekannten Ente 2CV. Aber im Einsatz war er dann eher als offenes Cabrio und konnte zum Bedauern vieler Interessenten damals in Deutschland nicht zugelassen werden. In den Augen der Behörden war die Karosserie aus Kunststoff zu leicht entflammbar, was sich aber später als falsch erwies. Neben der Ente ist auch der Mini eine Automobile Ikone und war ebenfalls Basis für ein Spaßfahrzeug. Dabei war der Mini Moke eigentlich für das Militär entwickelt, konnte da aber aufgrund der mangelnden Geländefähigkeit nicht überzeugen. So hatte der Moke, wie der Méhari, eine zweite Karriere als Strandauto. Auch ein zweiter französischer Hersteller wollte von Buggy-Boom profitieren und nahm den Renault 4 als Basis für den Plein Air. So wurde dieses Fahrzeug von Anfang an für diesen Zweck gebaut, floppte aber grandios. Nur etwa 800 Exemplare wurden in zwei Jahren gebaut. Das letze Modell im Fahrbericht ist der Apal Jet, ein klassischer Buggy mit einer leichten Karosserie aus Fiberglas. Die belgische Firma Apal mit dem Jet den ersten europäischen Buggy auf Basis des Käfer an.

Porsche – heute ein großer Name mit einer reichen Historie. Die Firma stand in seiner Geschichte aber schon ein paar Mal vor dem Untergang und konnte diese durch in der Klassikerszene kaum beachtete Modelle abwenden. Motor Klassik stellt drei Sportwagen vor, denen gemeinsam ist das ein Motor mit vier Zylindern unter der Motorhaube schlägt. Doch sonst treffen hier unterschiedliche Konzepte und Epochen aufeinander. Der Porsche 912 half seinem großen Bruder zum Start als günstiger Alternative und konnte mit dem Motor aus dem alten 356 für dringend notwendige Verkaufszahlen sorgen. Der 912 war zudem einfacher zu fahren als der 911, bei dem mit einem größeren Motor auch mehr Gewicht auf der Hinterachse lastete und somit nicht leicht zu beherrschen war. Vor allem in den USA war der 912 beliebt und zwischen 1965 und 1969 in knapp über 30.000 Exemplare gebaut. Der VW-Porsche 914/4 war das Basis-Modell eines ambitionierten Projektes für einen günstigen, fahraktiven Sportwagen. Von Volkswagen stammt der hier eingesetzte Mittelmotor und bot eine Leistung von 100 PS. Im wichtigen US-Markt wurde der VW-Porsche hingegen als reiner Porsche angeboten und der Vierzylinder machte einen Großteil der Produktion aus. Über 100.000 Mittelmotor-Porsche wurde zwischen 1969 und 1975 produziert. Das dritte Modell im Bunde hat den Motor abermals an einer anderen Stelle und zwar vorne. Der 924 entstammt aus einem Entwicklungsauftrag von Volkswagen den Porsche schließlich in Produktion nahm. Mit Vierzylinder-Motor von Audi, wo der 924 auch gebaut wurde, war der neue Einstiegs-Porsche mit 125 PS ausgestattet. Von 1976 bis 1988 wurde von 924 ebenfalls über 100.000 Exemplare gebaut. Drei wichtige Modelle aus der Historie von Porsche, die im Schatten ihrer großen Brüder stehen, aber sicherlich einen Blick wert sind.

Die Klassiker-Saison ist im vollen Gang und bei großen Veranstaltungen sorgen auch die Hersteller immer wieder für Highlights, wenn einige der Museumsexponate dem interessierten Publikum präsentiert werden. So wird Volkswagen bei den Paul Pietsch Classic gleich drei ungewöhnliche Käfer vorführen. Vorab kann der Leser schon die Hintergründe zu den Raritäten erfahren. Das wohl bekannteste der drei Fahrzeuge dürfte das Hebmüller-Cabrio sein. Das zweisitzige Cabrio war das erste, offene Modell auf Basis des Käfer und wurde 1948 in Form von drei Prototypen zum ersten Mal von der Firma Hebmüller gebaut. 1949 vergab Volkswagen dann einen Auftrag über 2.000 Exemplare, die aufgrund eines verheerenden Brands aber nie vervollständigt werden konnte. Mehr als 696 Hebmüller-Cabrios wurde nicht gebaut. Die Firma Rometsch baute noch radikalere Modelle, in dem das Fahrgestell vom Käfer mit einer kompletten neue Karosserie versehen wurde. Zwei Modelle waren im Angebot und der Lawrence zeigte amerikanische Design-Ansätze. Durch die Abschaffung der Möglichkeit das Chassis bei Volkswagen einzeln zu erwerben, wurde das Geschäft aber schnell unprofitabel und nur 85 Lawrence wurden so gebaut. Dazu gestellt sich noch ein drittes Modell, welche sogar ein echtes Einzelstück ist. Das sogenannten Stoll-Coupé entstand im Auftrag eines Rechtsanwalts aus Bad Nauheim im Jahr 1952. Als Vorbild war das Hebmüller-Cabrio und so wurde die Dachlinie entsprechend neu angefertigt. Eine tolle Auswahl an nicht alltäglichen Käfer-Varianten, welche die Besucher der Paul Pietsch Classic live erleben können.

Eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag – der Nürburgring. Am 18. und 19. Juni 1927 wurde der Ring eingeweiht und zu ersten Mal nahmen Fahrzeuge die Rennstrecke im Renntempo in Angriff. An dem selben Tagen findet in diesem Jahr auch passend die Nürburgring Classic statt. 16 Höhepunkte aus der langen Historie präsentiert hierzu die Motor Klassik und lässt einige Erinnerungen wieder hochkommen. Einmalig war sicher die Rennrunde des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der mit Rennfahrer Willi Kauhsen eine Taxifahrt über den Ring unternahm. Legendär ist das Foto des Porsche 917/10 auf der verschneiten Piste. Dazu sorgte der Nürburgring für viele spannenden Rennen, in denen sich bei den Rennfahrern die Spreu vom Weizen trennte. So sind Heldentaten von Jim Clark, Edgar Dören, Stefan Bellof, Bernd Rosemeyer. Jackie Stewart, Tazio Nuvolari und Juan Manuel Fangio zu entdecken und jeweils mit einer historischer Aufnahme versehen. 1985 war der Nürburgring sogar Schauplatz der ersten Live-Onboard-Kamera in einem Formel 1-Rennen. Der Renault RE60 von François Hesnault musste allerdings nach nur acht Runden mit technischem Defekt aufgeben. Ein interessanter Rückblick auf unterschiedlichste Zeiten mit unterschiedlichsten Rennwagen die auf der Rennstrecke unterwegs waren.

Zudem lassen sich noch folgende Themen im Magazin entdecken: Die National-Helden Citroën D Special, Mercedes /8 und Jaguar XJ6 zeigen sich im Fahrbericht, ein Porträt des Engländer-Spezialisten Jochen Extra, zwei Armstrong-Siddeley Special zeigen die echte, englische Handwerkskunst der 30er Jahre und dazu gibt es eine Auswahl von zehn Klassikern, die einen gewissen Mut der Käufer bzw. Besitzer voraussetzen. Neben den Ergebnissen der Motor Klassik Awards blickt ein weiterer Bericht auf die immer öfter stattfindenden Oldtimer-Auktionen. Die Restaurierung zeigt einen Morris Minor Van, das Museum von Lamborghini wird vorgestellt, die Service Station blickt auf den Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 und ein Vergleich zweier italienischer Cabriolets präsentiert den Redaktion-Roadster Pininfarina Spidereuropa gemeinsam mit dem Maserati Biturbo Spyder.

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Renault, Marco Rassfeld