Buch – Zagato

Zagato – der Name ist bis heute verbunden mit herausragendem Design und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Beim italienischen Verlag Giorgio Nada liefert Zagato nun die Vorlage zum ersten Buch aus der neuen Serie Masterpieces in Style, von der schon sechs weitere Titel in Planung sind. Hier stehen die Karosseriebauer aus Italien im Mittelpunkt, die einen wichtigen Beitrag zur eleganten Erscheinung des Automobils beigetragen haben.

Das Buch im klassischen Format kommt mit Schutzumschlag und darunter verbringt sich ein geprägter Titel mit durchaus edler Aufmachung. Nach dem Inhaltsverzeichnis und einer kurzen Einführung startet das Buch auch sofort mit dem ersten von elf Kapiteln in denen die Geschichte der Firma Zagato in chronologischer Reihenfolge dargeboten wird. Jedes Jahrzehnt ist hier die Basis eines Kapitels und da die ursprüngliche Firma S.A. Carrozzeria Udo Zagato im Jahr 1919 gegründet wurde startet das Buch mit dem 1910er Jahren. Doch auch die entsprechende Vorgeschichte bis zur endgültigen Gründung der Firma wird nacherzählt. Hier wird auch der technische Hintergrund in der Luftfahrt von Udo Zagato deutlich und erklärt so die Basis der oftmals verwendeten, optimierten Aerodynamik für die späteren Automobile. Das Buch zeigt neben dem Text auch einige zeitgenössischen Bilder, die auf die Zeit zurückblicken und tolle Eindrücke wiedergeben. Hier stehen auch im gesamten Buch immer wieder die Personen im Mittelpunkt, wobei die Automobile natürlich überwiegen. Die menschliche Hintergrund wird aber immer in ansprechenden Rahmen berücksichtigt.
Die 20er Jahre bildeten dann den eigentlichen Start vom Karosseriebauer Zagato und dazu nutzte man Chassis unterschiedlichster Hersteller, die damals noch zu großen Teilen die Karosserien nicht selbst anfertigten. So entstanden viele Einzelstücke nach den Wünschen der Kunden und auch eine Markenabhängigkeit war keinesfalls gegeben. Eine wichtige Verbindung entstand aber mit Alfa Romeo und der Scuderia Ferrari. Sowohl Enzo Ferrari als auch Udo Zagato erkannten sehr früh, das Erfolge im Rennsport der Marke nutzen konnten. In einem gesonderten Abschnitt geht das Buch so auch auf die Scuderia Ferrari ein, die damals als Rennteam die Fahrzeuge von Alfa Romeo erfolgreich in vielen Rennen einsetzte.

Der 30er Jahre waren dann durch die immer fortschreitenden Entwicklungen in der Aerodynamik geprägt, wobei Zagato hier mit einigen Modelle erste Vorreiter schuf. Die klassischen Form mit gesonderten Kotflügel wich immer mehr eine integrierten Form und machte die Automobile so deutlich windschlüpfriger. Dies ermöglichte bei gleichbleibender Motorleistung eine höhere Geschwindigkeit und auch einen geringeren Benzinverbrauch. Beides war auch in Motorsport sehr gefragt und so zeigt ein weiterer Extra-Abschnitt die Auftritte von Zagato bei der Mille Miglia. Von 1927 bis 1957 nahmen immer auch von Zagato karossierte Fahrzeuge an dem Rennen teil und fuhren große Erfolge ein.
Die 40er standen natürlich auch in Italien noch unter großen Einfluss des zweiten Weltkrieges und die Fabrik von Zagato wurde im Jahr 1943 komplett zerstört. Nach dem Krieg konnte man aber schon 1946 eine neues Hauptquartier eröffnen und Elio Zagato, der Sohn von Ugo, nahm im Mai 1947 am einem Rennen in einem Fiat 500 Barchetta teil. Selbstverständlich wurde dieser mit einer Karosserie von Zagato versehen, die auf Grund von zeitlichen Probleme zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht lackiert war. Beim gleichen Rennen trat auch zum ersten Mal ein echter Ferrari bei einem Rennen an. Die Formen der neuen Fahrzeuge wiesen nun schon ein deutlich modernere Ponton-Form auf und zudem konnte Zagato mit seinen Panoramica-Modelle einen neuen Stil prägen. Auch mit dem Erfolg von Alfa Romeo in den ersten Jahren der Formel 1 steht Zagato in direkter Verbindung. Schließlich wurden der 159 Alfetta von Zagato auf Basis des 158 weiterentwickelt und mit diesem konnte Juan Manuel Fangio im Jahr 1951 seinen ersten WM-Titel feiern.

In den 50er Jahren konnte Zagato sich dann nachhaltig etablieren und wurde für viele Automobilhersteller Ansprechpartner in Design-Fragen. So war vor allem die Verbindung zu Alfa Romeo weiterhin sehr eng und man schuf gemeinsame Modelle, die bis heute legendär sind. So wurde die Giulietta Sport Zagato zur Alternative auch auf der Rennstrecke. Diese Möglichkeit der Profilierung hatte Zagato niemals vernachlässigt. Aber auch Modell auf Basis von Abarth, Fiat und Ferrari entstanden bei Zagato. Ein weiteres Design-Highlight in Form des Double Bubble-Daches entstand ebenfalls erstmals in diesem Jahrzehnt. Das verwendete Bildmaterial wird im Buch hier immer umfangreicher und so werden viele Modelle auf dem Text nachfolgenden Seiten präsentiert und können durch entsprechende Bildunterschriften gut zugeordnet werden.
Die 60er Jahren brachten den Umzug von Zagato in neue Gebäude in Mailand, die in unmittelbarer Nähe zum neuen Hauptsitz von Alfa Romeo lagen. Nach dem Sport Zagato folgte für Alfa Romeo dann die Giulia Tubolare Zagato, der dem Namen nach auf einem modernen Rohrrahmen aufbaute und abermals im Rennsport für Furore sorgen sollte. Immerhin 112 TZ wurden schätzungsweise gebaut und boten eine herausragende Mischung aus Rennwagen und Daily Driver. Der TZ 2 war dann als Nachfolger nur noch als reinrassiger Rennwagen konstruiert und ist heute eine extrem teures Modell.
Die Formen der Automobile in den 70er Jahren wurde dann immer mehr kantiger und konturierter umgesetzt, wobei hier auch die Schöpfung von Zagato immer am Puls der Zeit waren. Selbst für die unwiderruflich aufkommende Massenmotorisierung hatte Zagato in Form des Zele eine Lösung in Form eines urbanen, rein elektrisch angetriebenen Kleinwagens.

Durch die Tatsache das die selbsttragenden Karosserien schon seit langem die Karosseriebau-Tradtion einschränkten musste auch Zagato immer mehr mit den Hersteller direkt kooperieren. Gerade die 80er Jahren brachten die Verwirklichung spezieller, limitierter Modelle die mithilfe der Hersteller umgesetzt werden konnten. Auch wurde der Einfluss der Computertechnologie immer wichtiger und der Einsatz von CAD-Software war schnell unabdingbar. Zagato stellte sich all diesen Herausforderungen und präsentierte sein Können auch in Form von einigen sehr interessanten Konzeptfahrzeuge auf den großen Automessen. Gleichfalls schuf man Fertigungskapazitäten um die Sondermodelle herstellen zu können. Als Meilenstein kann die immer engere Verbindung mit der englischen Marke Aston Martin angesehen werden, die sich in der Produktion der limitierten V8 Vantage Zagato und V8 Volante Zagato äußerte. Auch Alfa Romeo war mit dem S.Z. und R.Z. weiterhin ein wichtiger Partner.
Die 90er nutzte Zagato um mit Nachdruck die Entwicklung von fahrbaren Konzeptfahrzeugen der Spitzenklasse zu erschaffen. Diese waren oftmals Modelle auf Basis von schnellen Sportwagen und so sind vor allem die Lamborghini L147 und Raptor auch heute noch bekannt. Mit dem Hyena wurde zudem eine weiteres limitiertes Modell verwirklicht, diesmal auf Basis des Lancia Delta Integrale. Aber auch die Straßenbahn von Mailand wurde durch Zagato in diesem Jahrzehnt modernisiert und ist bis heute aktiv.

Den zahlreichen Retro-Modelle der 2000er konnte sich Zagato dann auch nicht entziehen und so wurde die moderne Variante der TZ-Modelle zum 100 jährige Jubiläum von Alfa Romeo im Jahr 2009 präsentiert. Der TZ3 Corsa, der als Einzelstück entstand, nutzt dazu Design-Zitate der vergangenen TZ-Modelle. Auf Basis des Dodge Viper ACR entstanden ab 2011 sogar noch neun Modelle der TZ3 Corsa. Auch Modelle für Aston Martin, Bentley, Ferrari, Maserati und Spyker wurden verwirklicht. Bewusst nutzte man aber auch die eigene Geschichte um ausgewählte Modelle wieder nachzubauen. Dabei nutzte man bei verschollenen Modellen diverse historische Aufnahmen und konnte so auf historischen Basis-Fahrzeugen den 1938 Lancia Aprilia Sport und den 1949 Ferrari 166 Panoramica mit viel Liebe zum Detail wiederherstellen.
Im aktuellen Jahrzehnt ist Zagato einer der wenigen, noch unabhängigen Karosserie-Bauer und konnten schon Modelle für AC, Aston Martin, BMW, Lamborghini, Maserati und Porsche vorgestellt werden. Man schuf 2016 mit der MV Agusta F4Z sogar das erste Motorrad und schon 2015 wurde Zagato die Gesamtkonzeption der neuen chinesischen Marke Thunder Power anvertraut, welche seinen Weltpremiere bei der IAA hatte.

Fazit: Ein Blick auf die Entwicklung und die Geschichte von Zagato liefert das erste Buch aus der Masterpiece of Style-Serie. Damit ist es gleichfalls der Start zu einer neuen vielversprechenden Buchreihe aus dem Giorgio Nada Verlag aus Italien über die hiesigen Karosserie-Bauer. Das Buch arbeitet die Geschichte in hierarchischer Reihenfolge ab und somit lässt sich die Entwicklung sehr gut verfolgen. Neben den informativen Texten welche viele Modelle vorstellen, aber auch die wirtschaftliche Lage der Firma berücksichtigen, zeigen sich pro Jahrzehnt mehr oder weniger viele Aufnahmen die zumeist auch aus der entsprechenden Zeit stammen. Da Zagato über eine lange Geschichte verfügt ist aber eine vollumfängliche Darstellung aller Modelle in diesem Rahmen nicht möglich. Das scheint aber auch nicht das Ziel des Titels zu sein, der vielmehr einen Überblick über die wichtigsten Modelle darstellt.
Zu fairen Preis von knapp über 40 Euro ist das Buch vor allem für Einsteiger interessant, die hier einen schnellen Überblick über Zagato erhält. Aber auch die Fans von Zagato können bedenkenlos einen Blick riskieren und können eventuell noch die ein oder andere Neuigkeit entdecken.

Bibliografie:
Titel: Zagato – Masterpieces of Style
Autoren: Luciano Greggio, Alvise Marco Seno
Umfang: 208 Seiten, hunderte Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos
Format: 240 x 270 mm
Bindung: gebunden mit Schutzumschlag
Text: Englisch
Auflage: 03/2017
Preis: 40,80€
ISBN-Nr.: 978-88-7911-670-1
Bestellbar beim Verlag unter: www.giorgionadaeditore.it

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Zagato, Marco Rassfeld