Buch – Opel in Rüsselsheim

Menschen, Fahrzeuge, Produktionsstätten in historischen Ansichten, so lautet der schon sehr vielsagende Untertitel zu einem Buch aus dem Sutton Verlag aus dem GeraNova Bruckmann Verlagshaus. Sutton ist spezialisiert auf deutsche Regionalgeschichte und -literaur und ist so die richtige Basis für einen Rückblick nach Rüsselsheim. Hier ist Opel seit jeher verwurzelt und bis heute werden hier noch Automobile produziert.

Das Buch ist kompakt ausgeführt und kommt im klassischen Hardcover daher. Auf dem Titel lässt sich schon ein Bild mit einem der ersten Opel-Modelle entdecken. Das abgebildete Fahrzeug ist einer Kutsche noch sehr ähnlich und es handelt sich um den Opel-Motorwagen 10/12 PS. So wird dem Käufer direkt vor Augen geführt, dass die wirklich komplette Historie von Opel im Buch berücksichtigt wird. Auch beim Aufschlagen des Buches wird dies deutlich, hier bekommt der Leser einen Blick in die Produktion im Jahr 1902, natürlich war hier noch echte Handarbeit gefragt. Nach einigen weiteren Abbildungen folgt schließlich das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung. Diese nutzt das Buch um die Geschichte von Adam Opel zu erzählen. Hier erfährt der Leser einige interessante Anekdoten aus dem Werdegang des Opel-Gründers und erhält zugleich einen ersten Blick auf das immer an die Nachfrage orientierten Produktangebotes von Opel.
Das erste von dreizehn Kapitel zeigt dann die ersten Produkte von Opel in Form der damals sehr beliebten Nähmaschine. Adam Opel hatte bei zwei renommierten NähmaschinenHerstellern wichtige Kenntnisse über diese erhalten und wagte schließlich ab 1862 den Start einer eigenen Nähmaschinen-Produktion in seiner Heimat.
Eine deutlich höhere Marge erkannte Opel dann aber bald bei den Fahrrädern und nachdem er von einem der ersten Hochräder gestürzt war, stellte er schließlich Niederräder her. Die sind bis heute in der Grundkonstruktion immer noch aktuell und Opel schuf sich mit hoher Qualität zu einem fairen Preis einen guten Ruf. Dabei war die veröffentlichte Werbung sicher ebenso wirksam wie die zahllosen Erfolge bei diversen Radrennen.

Die beiden Kapitel zeigen auf einigen ausgewählten Bilder die damaligen Verhältnisse auf und dazu liefern die entsprechenden Text schon hier einige interessante Fakten zu dem Motiv, aber auch zu der entsprechenden Entwicklung bei Opel. Doch der Fokus des Buches liegt auf den Automobilen von Opel und so sind die ersten beiden Kapitel vermutlich mit Absicht kurz gehalten um den Fahrzeugen mehr Platz einzuräumen.
So startet also mit dem dritten Kapitel der Bau der Automobile bei Opel. Adam Opel konnte diesen Fortschritt nicht mehr erleben, da er im Jahr 1895 verstarb. Vielmehr haben hier die Söhne von Adam Opel und seine Witwe Sophie einen maßgeblichen Anteil. Durch die Übernahme der Fabrik von Friedrich Lutzmann baute man ab 1899 in Rüsselsheim den Opel Patent-Motorwagen System Lutzmann. Noch mehr als das Modell auf dem Titel ist dieses eine motorisierte Kutsche und zeugt vom damaligen Pioniergeist. Viele Bilder blicken hier in die Produktion und lassen die aufwendige Herstellung eines Automobiles nur erahnen. Auch das verheerende Feuer von 1911 bleibt natürlich nicht unerwähnt und zeigt sich sowohl in Text als auch Bild.
Der Weg zum Großserienhersteller ist dann der nächste große Schritt für Opel und steht für die Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Zunächst konnte sich Opel mit der Produktion von Fahrräder gut über Wasser halten, denn Automobile waren noch wenig gefragt. Aber schon 1921 stellte Opel auf der Automobilausstellung in Berlin ein neues Automobil vor, den 8/25 PS.  Noch im gleichen Jahr wurden 1.314 Pkw und 316 Lkw bei Opel gebaut werden, eine durchaus stattliche Zahl zu der damaligen Zeit. Viel Aufmerksamkeit sicherte man sich zudem mit den Rekordfahrten in den raketenangetrieben RAK-Modellen. Mit dem Kleinwagen 4/15 PS, der dem Renault 5 CV sehr ähnlich war, wurde die Produktion auf das Fließband verlagert und deutlich effizienter gestaltet. Dies brachte enorme Vorteile, so dass der als Laubfrosch bekannte Opel besonders günstig angeboten werden konnte und so zum vollen Erfolg wurde. Aber auch in der Oberklasse waren die Opel gefragte Automobile.

Der Schritt zum größten Autohersteller Europas war nicht mehr weit und durch die Übernahme von Opel durch General Motors 1929 wurden die Voraussetzungen dazu nochmals gestiegen. Die Produktion wurde immer weiter industrialisiert und so standen ab sofort mächtige Stahlpressen in Rüsselsheim welche die Karossen in Form brachten. Opel war schon früh ein Vollanbieter und stellte seinen Kunden nicht nur das Chassis zur Verfügung, vielmehr gab es ein komplettes Automobil ab Werk. Der Einfluss der US-Amerikaner war durchweg positiv und brachte viele technische Innovationen mit sich. Auch bei der Optik zeigte sich der Einfluss und so bot man hochmoderne Automobile an. Schon 1935 wurden in Rüsselsheim 102.293 Automobile hergestellt, welches Opel zum größten europäischen Autohersteller machte.
Doch der zweite Weltkrieg wirft seine Schatten schon voraus und so wurden auch die Kapazitäten bei Opel genutzt und die Rüstungsindustire zu unterstützen. Bei Opel wurde so diverse Teile für Flugzeuge gefertigt und machten das Werk zugleich zum bevorzugten Ziel der Alliierten. Hierzu zeigt das Buch sogar das Hauptbuch aus der damaligen Zeit in der die Angriffe aufgelistet werden. Über die Hälfte des Werkes waren ab August 1944 zerstört und das Bild im Frühjahr 1945 war absolut verheerend. Der Einfluss der Amerikaner in ihrer Zone konnte bei Opel aber genutzt werden und so setzte man zunächst viele Fahrzeuge instand.
Auch die Nachfrage nach Ersatzteilen war nach dem Krieg groß um die vielen beschädigten Autos wieder reparieren zu können. Dazu waren vor allem kleinere Lkw gefragt um den Wiederaufbau zu beschleunigen und im Juli 1946 lief folgerichtig zunächst ein Opel Blitz vom Band und war somit der erste, in Serie gefertigte Nachkriegs-Opel. Erst im Dezember 1947 rollten auch wieder Automobile aus den Fertigungshallen in Rüsselsheim und stolz wurde die Produktion des erneuerten Opel Olympia gefeiert. Die Entwicklung schien wieder langsam fortzuschreiten.

Es folgte das Wirtschaftswunder und nach und nach wollten immer mehr Menschen in Deutschland ein Automobil ihr eigen nennen. So konnten sie ihre Unabhängigkeit beweisen und Opel hatte einen großen Anteil daran. Als geschickter Werbeschachzug zeigte sich die Suche nach dem ältesten im Straßenverkehr fahrenden Opel. Der Besitzer Fritz Huxel konnte seinen 5/12-PS-Opel im Werk abgeben und gegen den 100.000sten, neu produzierten Opel Olympia tauschen. Bis heute ist der alte Opel von Huxel Bestandteil der Museumssammlung. Ein wichtiges Haushaltsgerät war damals ein Kühlschrank, die auf Grund der hohen Nachfrage auch in Rüsselsheim hergestellt wurden. Das die Entwicklung schnell voranschritt unterstreichen auch Bilder der Ausbildungswerkstatt und der Kantine. Auch die Erfolge im Export von Opel waren ein wichtiger Bestandteil des Wirtschaftswunders und so wurde die Opel-Modelle in den USA durch die Buick-Händler an die Kunden in den USA verkauft
Das Design der Modelle von Opel war auch durch den amerikanischen Einfluss immer am Puls der Zeit und die Modelle wirkten immer aktuell. Durch die immer fortwährenden Anstieg der Wirtschaftskraft stiegen auch die Ansprüche der Käufer der Automobile und die Hersteller waren gefordert. Ein Beispiel für den großen Erfolg ist der 1963 vorgestellte Rekord A, von dem bis Juli 1965 insgesamt 885.292 Exemplare produziert werden. Mit der Präsentation der großen Opel in Form der Modelle Kapitän, Admiral und Diplomat griff Opel ab 1964 nach der Oberklasse und sorgte für viel Aufsehen.
Der Rekord war aber ein echter Bestseller und schon im Juli 1970 konnte Opel schon den 1.000.000sten Rekord C feiern und war schon beim dritten Rekord angekommen. Die mittlerweile dritte Ausgabe des Erfolgsmodells welches 1972 vom Rekord D abgelöst wurde. Dieser verfügt schon über viele damals noch kaum berücksichtigten Sicherheitsfeatures und hiermit unterstrich Opel seinen hohen Anspruch. Ihm folgte 1977 der nochmals deutlich modernere Rekord E.

Ein weiteren wichtigen Schritt der Modernisierung ist der Einzug der Roboter in die Produktion. Durch deren Einsatz wurden die Arbeiten für die Menschen deutlich erleichtert und die Aufnahmen aus der Produktion zeigen eine nachhaltige Veränderung in den Produktionshallen. Auch zu entdecken ist ein Bild der schwierigen Streikphase im Jahr 1984, bei der die Gewerkschaft IG Metall die 35-Stunden-Wochen durchsetzten wollten. Zur 125-Jahr-Feier des Werks in Rüsselsheim war auch der damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl vor Ort und mit dem Omega wurde der technisch wie optisch topmoderne Nachfolger des Rekord vorgestellt.
Im Jahr 2000 befand sich Rüsselsheim dann eine Großbaustelle, auf der ein neues Werk für Opel gebaut wurde. Hiermit bekräftigte Opel und zugleich General Motors die Wichtigkeit vom Standort Rüsselsheim für Opel und unterstrich die Tradition. Im Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern entstand ein Werk nach den neusten Erkenntnissen um eine höchstmögliche Produktivität zu gewährleisten.
Die aktuellsten Ereignisse finden sich dann noch im letzten Kapitel wieder und so endet das Buch mit einer Abbildung der neusten Modellen in Form des Insignia Grand Sport und der Übernahme durch die französische PSA-Gruppe.
Zum endgültigen Abschluss liefert das Buch dann noch eine Chronik der Stadt Rüsselsheim, in der die wichtigsten Fakten zur Stadt am Man zusammengetragen wurden.

Fazit: Ein spannender Blick in die Geschichte von Opel in Rüsselsheim. Das kompakte Buch liefert viele Bilder aus über 150 Jahren Produktion die auch oftmals ungewöhnliche Einblicke zulassen. So stehen hier weniger die einzelnen Modelle im Vordergrund, sondern vielmehr die eigentliche Produktion mit den Menschen und Maschinen. So kann der Leser den unaufhaltsamen Fortschritt in der Automobilherstellung sehr gut nachvollziehen und erhält neben den anschaulichen Bildern auch immer wertvolle, weitergehende Informationen in den Texten. Eine gelunge Mischung und ein optimale Ausnutzung des gegebenen Platzes in dem kompakten Buch. Erfreulich ist auch, dass die Bilder nicht auf Perfektionismus ausgelegt sind, sondern den jeweiligen Zeitgeist immer sehr gut wiederspielgeln.
Das Buch ist technisch gut umgesetzt und stellt somit eine Empfehlung für alle Interessierten dar. Für den dazu noch günstiger Preis von 20 Euro ist der Titel vor allem für ehemalige Mitarbeiter von Opel in Rüsselsheim interessant, aber auch die zahlreichen Fans der Marke werden das ein oder andere Highlight entdecken können.

Bibliothek:
Titel: Opel in Rüsselsheim – Menschen, Fahrzeuge, Produktionsstätten in historischen Ansichten
Autor: Andreas Kroemer
Umfang: 128 Seiten, ca. 160 Abbildungen
Format: 170 x 240 mm
Bindung: Hardcover
Auflage: 05/2017
Preis: 20,00 €
ISBN-Nr.: 978-3-95400-803-2
Bestellbar beim Verlag unter: www.verlagshaus24.de

Text: Marco Rassfeld
Fotos: Opel, Marco Rassfeld